Montag, 25. Januar 2016

Die Sünde Sauls oder etwas mehr "sola scriptura" ......

Das Katholische Blog "Unamsanctamcatholicam" hat sich Gedanken über die Predigt gemacht, die Papst Franziskus am 18. Januar gehalten hat, in der er die Lesung aus dem Alten Testament aus dem 1. Buch Samuel kommentierte­ und gegen die "sturen Verweigerer der Veränderung" wetterte. Hier geht ́s zum Original: klicken

                      "PAPST FRANZISKUS UND DIE SÜNDE SAULS"
(....) "Der Papst kommentierte die Lesung aus dem Alten Testament aus dem 1. Buch Samuel,15, in der Saul Gott nicht gehorcht und Widder und Ochsen aus der Beute nach dem Sieg über Amalek zurückbehält. 
Gott hatte Saul befohlen, Schafe und Rinder der Amalekiter­ als Gott geweiht­ zu vernichten. Aber Saul behält die Rinder für sich und gibt an, sie später selber opfern zu wollen. Wegen dieser Sünde verwirft Gott Saul als König Israels.

Hier zunächst der Kommentar des Papstes und seine Einsichten zu ihrer Anwendung auf unsere Zeit:

"In der ersten Lesung wurde Saul von Gott als König Israels verworfen, weil er nicht gehorcht hatte und es vorgezogen hatte, eher dem Volk als dem Willen Gottes zu gehorchen . Das Volk hatte vor, nach dem Sieg in der Schlacht Gott von den besten Tieren zu opfern, weil­ - wie es sagte " Es immer so gemacht worden ist."
Aber Gott wollte es dieses mal nicht so. Der Prophet Samuel tadelt Saul "Freut sich Gott so über Brandopfer und Gaben wie am Gehorsam für die Gebote des Herrn?"

"Das ist die Sünde vieler Christen, die an dem hängen, was immer getan wurde und anderen nicht erlauben wollen, sie zu ändern. Und so enden sie mit einem halben Leben, geflickt, ausgebessert, sinnlos."
Die Sünde ­- sagte er­ "ist das verschlossene Herz", das "nicht die Stimme des Herrn hört, das nicht für das Neue des Herrn offen ist, für den Geist, der uns immer überrascht." 
Diese Rebellion sagt Samuel, ist "Die Sünde des Wahrsagens" und Sturheit ist die Sünde der Idolatrie."

Bemerken Sie, wie Franziskus diese Passage interpretiert, Saul hat Gott nicht gehorcht und sein Königtum verloren. Was war sein Ungehorsam?
Nach Franziskus war es die Weigerung Sauls, Gott zu gehorchen, indem er sich auf die Tradition beruft. "Es ist immer so gemacht worden" paraphrasiert der Papst Saul: "Aber Gott wollte das dieses mal nicht"
Saul wird als einer dargestellt, der stur an der Tradition festhält, die jetzt dem Willen Gottes entgegen steht. Gott will mit einem neuen Gebot Erneuerungen schaffen. Saul ist nicht offen für die Neuheit von Gott. Er hat sich selbst vor den Überraschungen Gottes verschlossen und sich hinter den bedeutungslosen Schleier der Bräuche geflüchtet.
So die Exegese nach Franziskus. Gott ist der Erneuerer und Saul widersteht stur den Veränderungen.


Das Problem ist, daß die Schrift genau das Gegenteil sagt.
Lesen wir Samuel 1, 15,  sehen wir, daß Saul kein einziges mal auf irgendwelche Sitten oder Traditionen zurückgreift, um seinen Ungehorsam zu rechtfertigen. Er erfindet einfach irgendwelche Entschuldigungen. Er sagt "Das Volk hat die besten Stücke vom Kleinvieh und den Rindern bewahrt, um sie dem Herrn zu opfern, den Rest haben wir völlig vernichtet" 
Etwas später wiederholt er seine Entschuldigung: "Ich habe der Stimme des Herrn gehorcht, ich bin in den Krieg gezogen, in den mich der Herr geschickt hat, Apag, den König der Amalekiter habe ich zwar mitgebracht, aber Amalek dem Untergang geweiht. Aber das Volk hat von der Beute Kleinvieh und die besten Rinder genommen, die der Vernichtung geweiht waren,  um sie dem Herrn deinem Gott in Gilgal zu opfern."  

Das sind die beiden einzigen Rechtfertigungen, die Saul für sein Verhalten liefert. Er beruft sich nicht auf Tradition, Sitte oder dieses "das haben wir immer so gemacht". 
Deshalb gibt es im Text für diese Gegenüberstellung, die der Papst zwischen Saul, dem Traditionalisten und Gott, dem Erneuerer, zu schaffen versucht, keine Grundlage.
Aber auch wenn Saul sich auf keine Sitte beruft, hat es eine solche Sitte, Kleinvieh und Rinder für das Opfer zurückzuhalten vorher gegeben? 
Schauen wir auf den Befehl an Saul zurück, sehen wir, was Samuel ihm befiehlt:

"So spricht der Herr der Heerscharen : ­­­­­"ich will bestrafen, was Amalek an Israel tat, als es sich ihnen entgegenstellte, als sie aus Ägypten kamen. Jetzt gehe und zerschmettere Amalek und vernichte alle ihre Güter, verschone sie nicht, töte Männer und Frauen, Kinder und Säugling, Schafe und Rinder, Kamele und Esel."
Da stellt sich die Frage: ist dieses Gebot etwas Neues? Ist es eine Erneuerung? Eine Überraschung des Heiligen Geistes? Papst Franziskus sagt, daß das Gebot Gottes, was die geweihten Tiere angeht, eine Erneuerung war.
Erinnern wir uns an das sture Festhalten Sauls an der Tradition mit den Worten "aber Gott wollte das dieses mal nicht".
Das bedeutet daß Gottes Gebot "dieses mal" in Samuel 1, 15 Menschen und Tiere der Amalekiter zu vernichten, etwas ganz Neues gewesen wäre, ein erneuernder Akt des "Geistes, der uns immer überrascht."
Diese Verbindung kann nicht mit der Schrift begründet werden.

Was Gott hier befiehlt, war nichts durch und durch Neues, eine Erneuerung oder Neuheit, tatsächlich war Gottes Befehl die Amalekiter in toto zu vernichten, Teil der alten Israelitischen Tradition, die als "herem" Kriegsführung bekannt ist.


Herem-Kriegsführung bedeutete, ein feindliches Volk mitsamt seinen irdischen Gütern als Opfer für Gott total zu vernichten, Der Akt des Opferns ist der der Zerstörung. (....) Eine Art Heiliger Krieg im wahrsten Sinne des Wortes, bei dem das besiegte Volk und sein gesamter Besitz zu einem kollektiven Opfer für Gott gemacht wurden.

Hier ist nicht der Ort über die Moralität der Herem-Kriegsführung zu diskutieren. Man muß aber feststellen, daß sie einen langen biblischen Stammbaum hat, beginnend mit Leviticus 27, 28-29, dem speziellen Gebot gegen die Kanaaniter (Deut. 7, 1-6) , bestätigt und buchstäblich im Buch Joshua nach dem Fall von Jericho ausgeführt, im Buch Richter (Richter 1, 8, 25) und weider im 1. Buch Samuel 15, 2-3.
Das bedeutet, daß das Gebot des Herrn, Amalek komplett zu vernichten und sein Vieh zu zerstören sicher nichts Neues war, keine Überraschung Gottes. Es war eine lange Tradition, die zurück ging auf die Zeiten der Wanderung und der Gesetzgebung. Saul wird das sicher gewußt haben. Gott befiehlt in Samuel 1, 15 nichts Neues, er gibt Samuel lediglich den Auftrag der Tradition des Herem-Krieges zu folgen so wie sie seit Moses fortgeführt wurde.
Und nicht nur war die Herem-Kriegsführung eine allgemeine Tradition - sondern die befohlene Vernichtung der Amalekiter liest sich speziell in Deuteronomium 25, 17-19 so:

"Erinnere dich, was Amalek dir auf dem Weg tat, als du aus Ägypten kamst, wie er dich auf dem Weg angriff, als du schwach und müde warst und alle abschnitt die am Ende hinter dir hergingen. Und er fürchtete Gott nicht. Deshalb - als der Herr dein Gott dir alle deine Feinde ringsumher gegeben hat, in dem Land das der herr dein Gott dir als Erbe zum Besitz verliehen hat, sollst du die Erinnerung an Amalek unter dem Himmel auslöschen, du sollst nicht vergessen."

Weit entfernt davon eine Überraschung zu sein, war der Befehl, die Amalekiter auszulöschen bereits viele Jahrhunderte vorher ergangen.

Das impliziert, daß Sauls Sünde nicht sein stures Festhalten an der Tradition ist, sondern eher eine Erneuerung. Gott hatte traditionell die Vernichtung der geweihten Tiere gefordert, das tat er wieder in Samuel 1, 15: 2-3.
Saul war kein Traditionalist sondern ein Erneuerer. Er war gegenüber der Tradition der Herem- Kriegsführung ungehorsam indem er das zur Vernichtung bestimmte Vieh aussparte. Samuel und Gott weisen Saul dafür zurück, daß er die Tradition nicht stur bewahrt hat sondern von ihr abgewichen ist.

Das bedeutet, daß Papst Franziskus es komplett falsch herum verstanden hat.
Angesichts dessen macht die Charakterisierung Sauls durch den Papst als einem, der blind an den Bräuchen hängt, absolut keinen Sinn. Eine gutwillige Interpretation dieses peinlichen exegetischen Irrtums könnte sein, daß der Papst einige verschiedene Geschichten verwechselt hat.  Die Kirchenväter und viele Heilige haben die Schrift oft aus dem Gedächtnis zitiert und häufiger die Geschichten durcheinandergebracht oder sie nicht ganz korrekt wiedergegeben. Soweit die gutwillige Interpretation. (...)" Die weniger gutwillige überlassen wir lieber jedem selbst.

"Ich behaupte"- schreibt blogger boniface - "daß das, was der Papst am 18. Januar sagte, vom Textstandpunkt aus einfach falsch war. Und ich fordere jeden heraus, daß Gegenteil zu beweisen."

Quelle: Unamsanctancatholicam, boniface, BenoîtXVI-et-moi






1 Kommentar:

  1. Orlando furioso25.01.16, 18:30

    Man fragt sich, wo bleiben die korrigierenden Wortmeldungen all der hochgelehrten Theologen rund um ihn herum oder auch fern von Rom? Waren sie nur froh, dieses mal nicht Ziel des päpstlichen Furors zu sein? Es ist zum Heulen.

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