Dienstag, 17. November 2020

A. Socci : Benedikt XVI, der Antichrist und die Diktatur "humanistischer" Ideologien

A. Socci befaßt sich in einem Artikel für "Libero" mit den Gedanken Benedikts XVI über die Bedrohung des Christentums durch den Antichrist und die neue Diktatur sich humanistisch gebender Ideologien.
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"DIE DRAMATISCHEN WORTE BENEDIKTS XVI: " DIE BEDROHUNG KOMMT VON DER UNIVERSALEN DIKTATUR DER HUMANISTISCHEN IDEOLOGIEN...VOR DIESEN SPIRITUELLEN MÄCHTEN DES ANTICHRIST ANGST ZU HABEN, IST NUR ZU NATÜRLICH." 

Im Mai gab es Kontroversen über die Vorwegnahme einiger Erklärungen Benedikst XVI gegenüber Peter Seewald, die in seiner Biographie veröffentlicht wurden, die in Deutschland vor der Veröffentlichung stand, Jetzt ist dieses Buch ins Italienische übersetzt worden-  mit dem Titel: "Benedikt XVI. Ein Leben" (Garzanti) wir haben also die Möglichkeit, die Worte des Papstes besser zu verstehen.

Die wichtigste Frage Seewalds an Ratzinger ist folgende: "Ein Satz aus Ihrer ersten Predigt als Papst ist als besonders eindrucksvoll im Gedächtnis geblieben.: "Betet für mich, daß ich nicht ängstlich vor den Wölfen fliehe." Haben Sie vielleicht vorhergesehen, was Sie erwartete? 

Der Papst antwortet, daß das keine Anspielung auf die Probleme im Vatican (Typ Vatileaks) war, wie viele dachten. "Die wahre Bedrohung für die Kirche -und also für das Petrus-Amt" erklärt Benedikt XVI "kommt nicht von dieser Art Ereignissen: sie kommt aus der universalen Diktatur der offensichtlich humanistischen Ideologien, die einen Konsens in der Gesellschaft ausschließen. Vor 100 Jahren hätte es jeder für absurd gehalten, von einer homosexuellen Ehe zu sprechen. Heute werden die, die sich dem widersetzen sozial ausgegrenzt. Das selbe gilt für die Abtreibung und die Produktion menschlicher Wesen im Labor. Die moderne Gesellschaft möchte ein antichristliches Credo formulieren; wer das bestreitet, wird mit sozialer Exkommunizierung bestraft. Angst vor dieser spirituellen Macht des Antichrist zu haben, ist nur allzu natürlich und es scheint so, daß die Gebete ganzer Diözesen und der Universalen Kirche zu Hilfe kommen müssen, um ihnen zu widerstehen." 

Die Medien haben das alles auf oberflächliche Weise vereinfacht und die Polemik über diese Beispiele entfacht. Aber das ist nicht der Kern der Argumentation Benedikts XVI, der einen ganz anderen Atem hat. Er spricht von der "Bedrohung " die von einer "universalen Diktatur der anscheinend humanistischen Ideologien ausgeht."

Das ist der Punkt. Daß ein Mann von großer Kultur, profunder Spiritualität  und anerkanntem Renommé von der Drohung einer universalen Diktatur spricht, kann niemanden unberührt lassen. 


Man kann dem widersprechen, aber dieses Thema gehört zur öffentlichen Debatte, Auch intellektuelle Laien haben sich angesichts der Durchsetzung eines "Einheitsdenkens" besorgt gezeigt und Micromega hat mit dem Finger auf die "neue Zeit der exzessiven Ideologie des Politisch Korrekten gezeigt, die wir erleben und die zur Wiederentdeckung der Zensur durch die Progressisten führte. 

Nicht nur renommierte Denker wie Giorgio Agamben. waren in diesen Monaten wegen des "Ausnahmezustands" während der Gesundheitskrise alarmiert, sondern allgemeiner wegen der Politik, die eine Biopolitik geworden ist. Sogar ein intellektueller (französischer) Laie, der dem Denken Ratzingers fernsteht, wie Michel Onfray, hat das Buch "Theorie der Diktatur" veröffentlicht, in dem er am Horizont einen "neuen Typus des Totalitarismus"  sieht. Das Thema existiert also. 

Ratzinger spricht von der Diktatur der offensichtlich humanistischen Ideologien" und fügt hinzu, daß die modernen Gesellschaft dazu tendiert, ein antichristliches Credo zu formulieren" und daß "Angst vor dieser spirituellen Macht des Antichrist zu haben, nur allzu natürlich ist." 

Hier trifft die Überlegung Benedikts XVI -z.B. auf das Denken eines der größten Philosophen unserer Zeit: René Girard. Der in seinem Buch "Ich sehe Satan wie einen Blitz fallen"(Adelphi) die gleichen Kategorien benutzt wie Ratzinger, um über die Gegenwart zu reflektieren. Auch er sieht "den neuen Totalitarismus". Girard erklärt, daß das Christentum das "Mitleid mit den Opfern" in die Welt gebracht hat. Daß heute ein Humanitarismus (Ratzinger spricht von "humanistisch erscheinenden Ideologien") diese Sensibilität anwendet aber gegen das Christentum: "die stärkste antichristliche Bewegung ist die, die das ihre tut und die Sorge um die Opfer radikalisiert, um sie heidnisch zu machen....Der neue Totalitarismus präsentiert sich als Befreier der Menschheit." 

Auch Girard - wie Ratzinger- ruft die neutestamentarische Figur des Antichrist  auf- also dessen, der "Christus immer besser imitiert und vorgibt, ihn zu überwinden."  Die literarische Figur des Antichrist durchläuft das gesamte 19. Jahrhundert - von Solowjew bis zu Benson - als großer Humanist und Menschenfreund - eine "usurpatorische Imitation" des Erlösers, der an das Fresco von Luca Signorelli erinnert. 

"Der Antichrist", schreibt Girard, rühmt sich, den Menschen Frieden und Toleranz zurück zu bringen, während er die effektive Rückkehr aller Arten von heidnischen Gebräuchen mitbringt" (auch Girard erwähnt hier - wie Ratzinger - Abtreibung und andere moderne Situationen).
Praktisch teilt Girard mit Ratzinger die Warnung vor einer antichristlichen Moderne, die bei beiden dazu führt, daß sie sich der apokalyptischen Figur des Antichrist nähern.
Sehr interessante Überlegungen über den Antichrist und die Moderne wurden auch oft von Mario Tronit und Massimo Cacciari in verschiedenen Interviews und in dem Buch "Die Macht, die bremst"(Adelphi) angestellt.

Über den Antichrist hat aber auch - der Laie- Giorgio Agamben in einem Buch über den Rücktritt Ratzingers geschrieben. "Das Mysterium des Bösen. Benedikt XVI und das Ende der Zeiten." Genau auf dieses Buch bezieht sich eine andere Frage Seewalds an den Papst. Der Biograph erklärt, daß Agamben "sich überzeugt zeigt, daß der wahre Grund für seinen Rücktritt (vom Pontifikat) der Wille gewesen sei, das eschatologische Bewußtsein wieder zu wecken. Im Göttlichen Plan soll die Kirche auch die Aufgabe haben, sowohl  die Kirche Christi als auch die Kirche des Antichrist" sein. Der Rücktritt wäre dann eine Vorwegnahme der Trennung zwischen Babylon und Jerusalem  in der Kirche." Agamben bezieht sich auf einen alten Aufsatz Ratzingers über Ticonio.  Der emeritierte Papst antwortet nicht direkt, sondern erinnert mit Augustinus daran, daß "viele nur offensichtlich Teil der Kirche sind, während sie in Wirklichkeit gegen sie leben," während "es außerhalb der Kirche viele gibt, die- ohne es zu wissen. tief zum Herrn gehören und deshalb auch zu seinem Leib, der Kirche." 

Dann fügt er hinzu: "Wir wissen, daß es in der Geschichte Momente gibt, in denen Gottes Sieg über die Mächte des Bösen auf tröstliche Weise sichtbar wird, und Momente, in denen stattdessen die Mächte des Bösen alles verdunkeln."

Quelle:,A. Socci, Lo Straniero, Il Libero

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