Sonntag, 12. Januar 2014

Entweltlichung und die kleine Herde

Entweltichung-eine "revolutionäre Forderung" ? Im Jahre 1958 schon....da schrieb ein frisch habilitierter junger Theologe namens Joseph Ratzinger für die Zeitschrift "Hochland" einen Artikel "Die neuen Heiden und die Kirche".

Er beginnt so-:  " Nach der Religionsstatistik ist das alte Europa noch immer ein fast vollständig christlicher Erdteil. Aber es gibt wohl kaum einen Fall, in dem jedermann so genau weiß, daß die Statistik täuscht. Dieses dem Namen nach christliche Europa ist seit rund 400 Jahren zur Geburtsstätte eines neuen Heidentums geworden, das im Herzen der Kirche selbst unaufhaltsam wächst und sie von innen her auszuhöhlen droht. Das Erscheinungsbild der Kirche der Neuzeit ist wesentlich davon bestimmt, daß sie auf eine ganz neue Weise Kirche der Heiden geworden ist und noch immer mehr wird: nicht wie einst Kirche aus den Heiden, die zu Christen geworden sind sondern Kirchen von Heiden, die sich noch Christen nennen, aber in Wahrheit zu Heiden wurden. Das Heidentum sitzt heute in der Kirche selbst" (.......)
Er schreibt dann, daß "die junge Kirche auf der Entscheidung des Einzelnen zum Glauben ruhte", man habe sich anfangs erhofft, dass sich so schon auf Erden eine Gemeinschaft von Heiligen bilden werde, eine Kirche ohne Fehl und Tadel, habe sich aber eingestehen müssen, daß auch der bekehrte Christ ein Sünder bleibt, dass selbst schwerste Vergehen in der christlichen Gemeinschaft möglich seien, die irdische Kirche also unvollendet bleiben müsse.
Kirche war damals dennoch eine Gemeinschaft von Überzeugten (....) bereits im Mittelalter habe sich das geändert, seien Kirche und Welt eins geworden- und so "Christsein keine eigene Entscheidung mehr sondern eine politisch-kulturelle Vorgegebenheit."

"Heute ist die äußere Deckung von Kirche und Welt geblieben"... .aber-so fährt er fort- "fast niemand glaubt mehr, daß an dieser sehr zufällig kulturpolitischen Vorgegebenheit "Kirche" etwa das ewige Heil hängen kann."   (......)
"Es wird  der Kirche auf die Dauer nicht erspart bleiben, Stück um Stück von dem Schein ihrer Deckung mit der Welt abbauen zu müssen und wieder das zu werden, was sie ist: Gemeinschaft der Glaubenden. Tatsächlich wird ihre missionarische Kraft durch solche äußeren Verluste nur wachsen können."




Dann geht Autor Ratzinger auf Verluste äußerer Positionen ein, von Vorteilen die sich aus der Verflechtung von Kirche und Welt ergäben, weiter wörtlich: 
"...muss man bei diesem notwendigen Vorgang der Entweltlichung der Kirche drei Ebenen genau auseinander halten: die Ebene des Sakramentalen, die der Glaubensverkündigung und die des persönlich-menschlichen Verhältnisses zwischen Gläubigen und Ungläubigen."
Die Ebene des Sakramentalen, einst von der Arkan-Disziplin umgrenzt, ist die eigentliche innere Wesensebene der Kirche. Es muß wieder klar werden, daß Sakramente ohne Glauben sinnlos sind (....)"

"Je mehr die Kirche hier die Selbstabgrenzung, die Unterscheidung des Christlichen, wenn nötig zur kleinen Herde hin, vollziehen wird, desto realistischer wird sie auf der zweiten Ebenem, auf der der Glaubensverkündung, ihre Aufgabe erkennen  können und müssen."

Wie wir gerade in den letzten Monaten immer wieder gehört haben, haben wir in der Katholischen Kirche nun doch den umgekehrten Weg eingeschlagen:  weg von der Selbstabgrenzung hin zur Entgrenzung und Anpassung.

Sagt Joseph Ratzinger noch: "Die Vorstellung, daß alle "guten Menschen" gerettet werden, ist heute für den normalen Christen ebenso selbstverständlich wie früher die Überzeugung vom Gegenteil .
Die Gläubigen fragen sich nun ein wenig verwirrt: Warum können es die draußen so einfach haben, wenn es uns so schwer gemacht wird? Es kommt dahin, den Glauben als eine Last und nicht als eine Gnade zu empfinden. Auf jeden Fall bleibt ihm der Eindruck zurück, daß es letztlich zwei Heilswege gibt: den durch bloße Moralität für die außerhalb der Kirche Stehenden und den kirchlichen. " -

So hören wir von Papst Franziskus nun, nicht zuletzt im Scalfari-Interview, daß es ob der Barmherzigkeit und Liebe Gottes eben doch genau diese zwei Heilswege gäbe." -

Doch zurück zu den Worten Ratzingers:
" ...so bleibt es dabei, in dem Gegenüber zwischen Christus dem Einen, und uns, den Vielen, sind wir der Heiles unwürdig, ob Christen oder Nicht-Christen, Gläubige oder Ungläubige, moralisch oder unmoralisch, keiner verdient das Heil wirklich außer Christus. Auch hier geschieht der wunderbare Tausch. Den Menschen allen zusammen gehört die Verwerfung, Christus allein das Heil: Im heiligen Tausch geschieht das Gegenteil: Er allein nimmt das ganze Unheil auf sich und macht so den Heilsplatz für uns alle frei."....

"Die Frage nach dem Heil der Menschen ist immer dann falsch gestellt, wenn sie von unten her gestellt wird, als Frage, wie die Menschen sich rechtfertigen....die Frage des Heils ist eine der Rechtfertigung durch Gottes freie Huld ( ...) es gibt zwei Weisen wie Gott sie (die Menschen) erwählt und diese zwei Weisen der Erwählung durch Gott sind der Heilsweg Gottes in Christus und seiner Kirche, der auf dem Zueinander der Wenigen und der Vielen und auf dem Stellvertretungsdienst der Wenigen in der Verlängerung von Christi Stellvertretung ruht."  (.....)
Jeder hat Hoffnung. Andererseits : Der Ernst bleibt......Für alle bleibt Hoffnung und Drohung zugleich. In diesem Schnittpunkt von Hoffnung und Drohung, aus dem sich der Ernst und die hohe Freude des Christseins ergeben, hat der Christ von heute sein Dasein zu meistern, inmitten der neuen Heiden, die er auf andere Weise in dieselbe Hoffnung und Drohung gestellt sieht, weil es auch für sie keinen anderen Heilsweg gibt, als das eine, an das er glaubt: Jesus Christus den Herrn."

Quelle: "Die neuen Heiden und die Kirche"/ Hochland Okt. 1958 / Komma 109-110/2013



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