Mittwoch, 10. Januar 2018

Sandro Magister: Eine Verteidigung Ratzingers gegen den (lächerlichen) Vorwurf der Häresie.....

Sandro Magister läßt zur Verteidigung Josef Ratzingers gegen den Vorwurf der Häresie nach Antonio Caragliu nun Francesco Arzillo bei Settimo Cielo  zu Wort kommen.
Hier geht´s zum Original:  klicken


      "WARUM RATZINGER KEIN HÄRETIKER IST. DIE VERTEIDIGUNSREDE."

"Der Frontalangriff auf die Theologie von Joseph Ratzinger /Benedikt XVI von Enrico Maria Radaelli und Antonio Livi, über den Settimo Cielo  zu Beginn des Jahres berichtete, hat eine lebhafte Diskussion ausgelöst.

Radaelli und Livi beschuldigen Ratzinger den Christlichen Glauben "in konzeptionellen Kategorien,  die dem modernen Subjektivismus eigen sind -vom transzendentalen Idealismus Kants hin zum dialektischen Idealismus Hegels- neu interpretiert zu haben- mit dem Ergebnis, genau die grundlegende Wahrnehmung der Christenheit  als einem Glauben der Offenbarung der übernatürlichen Geheimnisse durch Gott ungültig zu machen.
Ihrem Urteil nach, wird tatsächlich in der Theologie Ratzingers "diese Wahrnehmung der Kant´schen Idee der Unmöglichgkeit einer metaphysischen Erkenntnis von Gott irreparabel deformiert, die die Negierung der rationalen Voraussetzung des Glaubens betrifft."

Auf diese Beschuldigung substantieller Häresie hat Settimo Cielo bereits die erste Antwort von Antonio Caragliu veröffentlicht.

Jetzt gibt es eine zweite, die ein Mitglied der Römischen ....der ebenfalls ein geschätzter Autor von philosopischen und theologischen Werken ist, geäußer hat.


"WEDER KANT NOCH HEGEL. EHER PAULUS IN ATHEN" 
von Francesco Arzillo

"Ich denke, daß der Schlußteil der unvergeßlichen Rede Benedikts XVI im Collège des Bernardins am 12. September 2008 in Paris kurz und bündig- auch retrospektiv- den entscheidenden Schlüssel zum Verständnis des wahren Kerns des Denkens des Theologenpapstes  liefern kann. "




Hier der exakte Wortlaut: 

"Das grundlegende Schema der christlichen Verkündigung „nach außen“ – an die suchenden und fragenden Menschen – findet sich in der Rede des heiligen Paulus auf dem Areopag. Halten wir dabei gegenwärtig, daß der Areopag nicht eine Art Akademie war, auf der sich die erlauchtesten Geister zur Diskussion über die höchsten Dinge trafen, sondern ein Gerichtshof, der in Sachen Religion zuständig war und dem Import fremder Religionen entgegentreten sollte. 
Genau dies wird Paulus vorgeworfen: „Es scheint ein Verkünder fremder Gottheiten zu sein“ (Apg 17, 18). Dem hält Paulus entgegen: Ich habe bei euch einen Altar gefunden mit der Aufschrift: Einem unbekannten Gott. Was ihr verehrt, ohne es zu kennen, das verkünde ich euch (17, 23). Paulus verkündet keine unbekannten Götter.
Er verkündet den, den die Menschen nicht kennen und doch kennen – den Unbekannt-Bekannten; den, nach dem sie suchen, um den sie letztlich wissen und der doch wieder der Unbekannte und Unerkennbare ist. 
Das Tiefste menschlichen Denkens und Empfindens weiß irgendwie, daß es Ihn geben muß. Daß am Anfang aller Dinge nicht die Unvernunft, sondern die schöpferische Vernunft stehen muß; nicht der blinde Zufall, sondern die Freiheit. 
Aber obwohl alle Menschen dies irgendwie wissen, wie Paulus im Römer-Brief ausdrücklich sagt (1, 21), bleibt dieses Wissen unwirklich: Ein nur gedachter und erdachter Gott ist kein Gott. Wenn er sich nicht zeigt, dann reichen wir doch nicht bis zu ihm hin. 
Das Neue der christlichen Verkündigung ist, daß sie nun allen Völkern sagen darf: Er hat sich gezeigt. Er selbst. Und nun ist der Weg zu ihm offen. 
Die Neuheit der christlichen Verkündigung besteht in einem Faktum: Er hat sich gezeigt. Aber dies ist kein blindes Faktum, sondern ein Faktum, das selbst Logos – Gegenwart der ewigen Vernunft in unserem Fleisch ist. Verbum caro factum est (Joh 1, 14). Gerade so ist im Faktum nun Logos, ist Logos unter uns. Das Faktum ist vernünftig. 
Freilich bedarf es immer der Demut der Vernunft, um es annehmen zu können; der Demut des Menschen, die der Demut Gottes antwortet.
Unsere heutige Situation ist von derjenigen in vieler Hinsicht verschieden, die Paulus in Athen vorfand, aber durch die Verschiedenheit hindurch ihr doch auch in vielem sehr verwandt. 
Unsere Städte sind nicht mehr mit Altären und mit Bildern vielfältiger Gottheiten angefüllt. Gott ist wirklich für viele der große Unbekannte geworden. Aber wie damals hinter den vielen Götterbildern die Frage nach dem unbekannten Gott verborgen und gegenwärtig war, so ist auch die gegenwärtige Abwesenheit Gottes im stillen von der Frage nach ihm bedrängt. 
Quaerere Deum – Gott suchen und sich von ihm finden lassen, das ist heute nicht weniger notwendig denn in vergangenen Zeiten. Eine bloß positivistische Kultur, die die Frage nach Gott als unwissenschaftlich ins Subjektive abdrängen würde, wäre die Kapitulation der Vernunft, der Verzicht auf ihre höchsten Möglichkeiten und damit ein Absturz der Humanität, dessen Folgen nur schwerwiegend sein könnten. Das, was die Kultur Europas gegründet hat, die Suche nach Gott und die Bereitschaft, ihm zuzuhören, bleibt auch heute Grundlage wahrer Kultur.

Vielen Dank."

(hier geht´s zum Gesamttext der Rede:  klicken

In dieser dichten Passage der Rede Benedikts XVI können Philosophie- und Theologie-Begeisterte tausend komplexe Stränge der Offenbarungsfrage finden,  wie sie heute diejenigen im Sinn haben, die gern dem Reichtum der offenbarten Wahrheit und dem vom Lehramt der Kirche und darüber hinaus von zwei Vaticanischen Konzilen ausgearbeiteten Verstehen treu bleiben möchten.

Diese Konzile müssen -wie Leo Scheffzyk lehrte. dem Kriterium der strikten Kontinuität - ich würde Reziprozität sagen- entsprechen, von der aus man zeigen kann, daß 
-einerseits das I. Vaticanum auch das Konzept der Selbstoffenbarung Gottes (DH 3004) beinhaltete, das keine Erneuerung des II.Vaticanums war und das- für  sich selbst genommen-älter ist als die Wiederverwendung durch den philosophischen Idealismus in anderem Kontext den Denkens, eine Referenz dazu kann man de facto so weit zurück wie beim Hl. Bonaventura finden.

-andererseits muß das II.Vaticanum in dem Sinn verstanden werden, daß "die von Gott selbst präsentierten Worte und Handlungen die Wahrheit kommunizieren und in ihrem Sinn vernünftigerweise nur als Wahrheit angenommen werden können." (L.Scheffzyk. "Fundamente des Dogmas. Einfüfhrung in die Dogmatik" Rom, Lateran-University-Press, 2010. Ss. 82-83) 

In der Rede Benedikts XVI in Paris, war subtil auch etwas sehr Konkretes, man kann deshalb wie in einer "Nußschale" alles finden. Da ist ein realistisches Verstehen der "preambula fidei". Da isr die Notwendigkeit der Rettung. Da ist die menschliche Vernunft in ihren verschiedenen Formen und da sind der Logos/Advent. Da ist die menschliche Geschichte  verbunden mit der der Erlösung.

Aber sie enthält keine vorgelagerte Barriere Kant´scher Natur oder irgendeinen Fall von irrationalem, pragmatischen oder antimetaphysischen Ursprungs.

In diesem letzteren Hinblick ist es nützlich,.darauf hinzuweisen, daß sich in der Rede "Glaube und Theologie unserer Tage" in Guadalajara, Mexiko im Mai 1996, der damalige Präfekt der Glaubenskongregation, Joseph Ratzinger, nicht darauf beschränkt hat, bestimmte Formen eines neoscholastischen Rationalismus zu kritisieren und die historisch und objektiv besser fundierte Position von J-Pieper ( der auf alle Fälle ein Denker Thomas von Aquin´schem Urprung war) und vor allem die relativistischen Theorien von Hick, Knitter und anderer Theologen zu kritisieren, unterstreicht er genau die Tatsache, daß sie letzten Endes auf einen Rationalismus gegründet sind , der nach Kant´scher Art behauptet, daß die Vernunft nicht wissen kann, was metaphysisch ist," während "der Mensch dagegen mehr ausgedehnte Dimensionen besitzt als Kant und die diversen Nach-Kant-Philosophen ihm zusprechen."

Außerdem rief Papst Benedikt XVI in der Rede vor dem Internationalen Kongress zum Naturrecht in der Päpstlihen Lateranuniversität am 12. Februar 2007- indem er bei diesen Vorbemerkungen blieb- eine andere "weniger sichtbare, aber nicht weniger beunruhigend Gefahr in Erinnerung: die Methode, die uns erlaubt, die rationalen Strukturen der Dinge zu erkennen, uns immer weniger fähig macht, die die Quelle dieser Rationalität,  die schöpferische Vernunft zu erkennen.
Die Fähigkeit das Gesetz des materiellen Seins zu sehen. macht uns unfähig, die ethische Boschaft im Sein zu sehen, eine Botschaft, die die Tradition Naturgesetz nennt, natürliches Moralgesetz. Dieses Wort ist heute für viele unverständlich wegen eines Naturkonzepts, das nicht länger metaphysisch sondern nur noch empirisch ist."

Es ist- in dieser Hinsicht- kein Zufall, daß Ratzingers Denken statt dessen Ziel -und ich würde sagen präventiv- der Kritik progressiver Natur wurde. Klaus Müller hat -indem er in einer ruhigen und intensiven Lektüre der Werke des theologen-Papstes der Frage des Platonismus und der Hellenisierung des Christentums nachging -betont, wie "Ratzinger nie eine positive und schöpferische Beziehung zum modernen Denken entwickelt hat" und zu allererst mit der großen Zeit des deutschen Idealismus. (K.Müller "Der Theologen-Papst" in einer Beilage von "Il Regno-Dokumente"Nr.3, 1. Februar 2013)


Mir scheint daß diese wenigen Hinweise dabei helfen könnten,die "Ratzinger-Frage" auf den richtigen Weg zurück zu bringen."

Quelle: Settimo Cielo, S. Magister, Francesco Arzillo 

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