Donnerstag, 31. Januar 2019

S. Magister berichtet über einen bisher vernachlässigten Mißbrauchsskandal

Sandro Magister berichtet bei Settimo Cielo über eine drohende weitere "tickende Zeitbombe" - den Skandal des sexuellen Mißbrauchs von Ordensfrauen durch Kleriker, der bisher noch nicht öffentlich geworden ist.
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"SEXUELLER MISSBRAUCH VON NONNEN. DIE NÄCHSTE BOMBE,  DIE BALD EXPLODIEREN WIRD"

Nach dem zu urteilen, was Franziskus kürzlich im Flugzeug, das ihn von Panama nach Rom zurückbrachte, geschrieben und gesagt hat, wird der von Hl. Dienern an Minderjährigen begangene Mißbrauch das Hauptthema des vom 21. -24. Februar in Rom einberufenen Gipfeltreffens zwischen dem Papst und ungefähr 130 Präsidenten der Bischofskonferenzen der Welt sein.

Das Risiko dabei ist, daß die Plage des Mißbrauchs, die in Europa und Süd-und Nordamerika bei den Tätern vorherrscht und die homosexuelle Aktivitäten mit Jungen und sehr Jungen bedeutet- übergangen wird.

Aber das ist nicht alles. Es gibt noch eine andere Seuche, über der ein Grabtuch des Schweigens hängt. Und das ist die des von Klerikern begangenen sexuellen Mißbrauchs von Nonnen. Das ist eine Seuche -laut der  Berichte, die den Schleier als erste gelüftet haben -die vor allem in Afrika weit verbreitet ist. Aber sie scheint auch in Asien präsent zu sein.

Zur Zeit findet in Indien der sensationellste Skandal dieser Art statt. Es ist der, dessen Protagonist Bischof Franco Mulakkal ist, das frühere Oberhaupt der Diözese von Jullundur in Panjab -so wie Berater des Vaticans für den interreligiösen Dialog- der im Gefängnis landete und jetzt vor Gericht steht und dessen Opfer eine Nonne aus Kerala ist, die zur Kongregation der Missionare Jesu gehört, die vom Bischof zwischen 2014 und 2016 ein dutzendmal  sexuell mißbraucht worden sein soll- der jedoch sagt, er sei unschuldig.

Seltsamerweise haben außerdem die Bischofskonferenzen in Afrika und Asien acht Jahre, nachdem sie die Aufforderung von der Glaubenskongregation bekommen hatten- immer noch keine Richtlinien zur Handhabung der Fälle Mißbrauchs Minderjähriger entwickelt.

Einer der Gründe für diese Trägheit ist- wie Papst Franziskus selber beobachtet hat- die sehr spärliche Kenntnis der Schwere und Universalität der Frage auf diesen Kontinenten, die als nur dem Westen zugehörig angesehen wird. Das trifft auch auf die Seuche homosexueller Aktivitäten zu.



Gleichzeitig aber ist da auch ein Mangel an Bewußtsein für die Schwere dieser anderen Seuche, der des von Klerikern an Nonnen begangenen sexuellen Mißbrauchs. Und es ist eine Form der Blindheit, die die Kirchen von Afrika und Asien befallen hat, wo das Phänomen am weitesten verbreitet ist, aber an dem die Kirchen des Westens und sogar die Mutterkirche in Rom schuldig sind.

Man muß in die 90-er Jahre zurückgehen, um die ersten systematischen Anschuldigungen zu finden, die von Nonnen den vaticanischen Autoritäten gegenüber vorgebracht wurden. Was schwerwiegender ist, ist daß seither sehr wenig getan wurde- nicht nur um dem Phänomen entgegenzuwirken sondern auch um es wenigstens an Licht zu bringen.

Man muß feststellen, daß es die Katholischen Medien waren, die das Scheinwerferlicht auf diese Realität gerichtet haben.

Als erster hat der "National Catholic Reporter" im März 2001 das Schweigen gebrochen und in einem ausführlichen Artikel von John Allen und Pamela Schaeffer die beiden, dem Vatican vertraulich vorgebrachten Anschuldigungen veröffentlicht, - eine 1995 von der Ärztin und AIDS-Spezialistin S.Maura O´Donohue unterschriebene und eine 1998 von S. Marie McDonald, Oberin der Missionarischen Schwestern Unserer Lieben Frau in Afrika unterschriebene.

Bericht über Mißbrauch. Sexuelle Ausbeutung von Nonnen

Zuletzt hat die französische Zeitung "La Croix" in einem Artikel von Constance Vilanova am 17. Januar neue Zeugnisse für die beiden Hauptanschuldigungen S. O´ Donohues und S. McDonalds verbreitet, die 23 Länder betreffen, die meisten in der afrikanischen SubSahara. 

In Afrika sind die Nonnen Opfer des Gesetzes des Schweigens 
In der Schlagzeile stellt "La Croix" fest, daß der Schweigekodex sowohl unter den Tätern als auch unter den Opfern oberster Herrscher ist und die entsprechenden hierarchischen Oberen, die zur Toleranz und Vertuschung der Missetaten der Täter neigen, statt dessen die Opfer beschuldigen und ihr Unglück bestrafen.

Und es ist ein Schweigekodex, der seine Wurzeln in einer Mehrzahl von Faktoren am Beginn des Mißbrauchs hat: 

-  der Gedanke, daß Zölibat und Keuschheit die Ehe verbieten aber nicht sexuelle Beziehungen
-  die Angst,sich mit AIDS anzustecken, was die Nonnen zu "safer sex"-Objekten macht
-  der Mangel an Respekt für das weibliche geweihte Leben seitens der Bischöfe, Priester und Laien;
-  die finanzielle Abhängigkeit vieler kleiner religiöser Frauenkongregationenvon der Diözese
-  die materielle und spirituelle Unterstützung durch den Klerus im Austausch für sexuelle Dienste.

Es passiert sogar, daß der Priester oder der Bischof die Nonne, die er geschwängert hat, zur Abtreibung zwingt. 

Am vergangenen 23. November hat die Internationale Vereinigung der Generaloberinnen ein Statement veröffentlicht, in dem gefordert wird, daß "jede Ordensfrau, die Mißbrauch erlitten hat, entsprechend den Mißbrauch der Leitung der Kongregation, der Kirche und den zivilen Autoritäten meldet. " Aber es steht nicht fest, daß die Nonne, die das berichtet, auch Hilfe bekommt. Was de facto oft passiert, ist das Gegenteil. 

S. Mary Lembo aus Togo bereitet am Psychologischen Institut der Päpstlichen Gregoriana-Universität eine Dissertation über die Beziehungen zwischen Priestern und Nonnen in Afrika vor. Sie hat 12 Fälle sexuellen Mißbrauchs gründlich untersucht und La Croix berichtet, daß der Schweigekodex weiterhin in Afrika regiert, weil die Person des Priesters "sowohl respektiert als auch gefürchtet wird". Die Opfer neigen dazu, sich selbst zu beschuldigen. Bei Mißbrauchsfällen ist es oft die Nonne, die unter Anklage endet, sie ist es, die die Blicke und die Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat, sie ist es, die am Ende verurteilt wird." 

Für Papst Franziskus ist der Hauptgrund für sexuellen Mißbrauch "Klerikalismus".

In Europa und Amerika ist es ein umstrittenes Theorem, besonders wenn man es auf homosexuelle Aktivitäten anwendet- in einem generellen Klima. in dem die innerhalb und außerhalb der Kirche gerechtfertigt werden. 

Aber für den sexuellen Mißbrauch von Nonnen durch Kleriker in Afrika und Asien scheint das Theorem auf breiter Basis wohlfundiert zu sein. 

Das ist in einem Artikel vom 12. Januar in "El Pais" von Lucetta Scaraffia erklärt worden, der
Kirchenhistorikerin und Direktorin von "Donne, Chiesa, Mondo" ,der monatlichen Beilage des 
"Osservatore Romano" und seit letztem Dezember "Redaktionsberaterin" der Zeitung des Hl. Stuhls. 

Die Frauen zu ignorieren, schreibt sie, "verursacht ein unterschätztes Phänomen, das des Mißbrauchs von Ordensfrauen durch Mitglieder des Klerus, die von der Hierarchie als romantische Beziehung klassifiziert wird."

Aber anstatt eine einvernehmliche romantische Beziehung zu sein, stellen sie die Erzwingung durch einen Mann in einer Machtstellung dar. Manchmal werden die Frauen, die Repressalien gegen ihre religiöse Institution befürchten, von ihren Vorgesetzten gezwungen, die ungewollte Beziehung zu ertragen. 

Quelle: Settimo Cielo, S. Magister

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