Montag, 24. Februar 2020

Herrschen oder regieren? Ein Vergleich zwischen dem Hl. Papst Paul VI und Papst Franziskus

In seiner montäglichen Kolumne in Monday in the Vatican vergleicht A. Gagliarducci den Regierungsstil mit dem von Papst Paul VI und macht dabei einen Unterschied zwischen regieren und herrschen. Hier geht´s zum Original:  klicken

"PAPST FRANZISKUS REGIERT, WÄHREND PAUL VI HERRSCHTE. BRAUCHT DER VATICAN EINEN HERRSCHER ODER EINEN KÖNIG?"

"Papst Franziskus hat Paul VI immer bewundert. Er hat das zum erstenmal  2014 in einem Interview mit der italienischen Tageszeitung "Corriere della Sera" offenbart. Die Antwort von Papst Franziskus kann auch als gute Zusammenfassung dessen gelten, was er denkt und tut, betrachtet werden.

Nach "Humanae Vitae" befragt, betonte Papst Franziskus, daß "Paul VI  am Ende den Beichtvätern  große Barmherzigkeit und Aufmerksamkeit für die konkrete Situation empfahl. Aber sein Genie war prophetisch; er hatte den Mut, sich gegen die Mehrheit zu stellen und die moralische Disziplin zu verteidigen, eine kulturelle Bremse zu betätigen und sich dem gegenwärtigen und zukünftigen Malthusianismus zu widersetzen."

Papst Franziskus fügte hinzu. " Das Problem ist nicht, die Doktrin zu ändern sondern tiefer zu gehen und die Pastoral, die Situation in Betracht ziehen zu lassen und das, was die Menschen tun können."

Die Veröffentlichung von Humanae Vitae, der Enzyklika über die Geburtenkontrolle, war der Wendepunkt im Pontifikat von Paul VI. Die Enzyklika ließ Paul VI zum Ziel von Kritik und zum Opfer einer Medienkampagne werden, die sich gegen  seine Entscheidung richtete. 

Papst Franziskus´Exhortation "Querida Amazonia"  kann als "Humanae Vitae 2.0" betrachtet werden, Der Papst geriet jetzt ins Feuer einer Medienkampagne, die eine "doktrinale Revolution erwartete und sich einem pragmatischen Papsttum gegenüber wiederfand, das durch robuste geopolitische Interessen (mit besonderem Schwerpunkt auf Lateinamerika) charakterisiert- aber nicht besonders bestrebt ist, irgendeine Revolution zu starten.

In seinem Kommentar in diesem Kontext hat Christopher Altieri im Catholic Herald die Beschreibung von Querida Amazonia als eine Humanae Vitae 2.0 unterstützt und dann ein Licht darauf geworfen, wie sich die Dinge unter Paul VI weiter entwickelten.





Altieri faßt seine Analyse sehr treffend so zusammen: Paul VI herrschte, er regierte nicht. 

Es ist verblüffend, daß für Papst Franziskus das Gegenteil wahr ist. Papst Franziskus regiert, aber er herrscht nicht. 

Das fehlende Herrschen ist ein spezielles Thema dieses Pontifikates, das stark mit Papst Franziskus´ Mangel an Interesse für die Institution verbunden ist.

Paul VI kannte und schätzte die Wichtigkeit des päpstlichen Hofes, obwohl er ihn reformierte und alle Symbole abschaffte, die an einen säkularen Staat denken ließen.

Trotz seiner Reformen behielt Paul VI das traditionelle Rahmenwerk bei und erkannte so die Wichtigkeit der Institution an. Für Paul VI kam die Institution vor allem anderen. Dennoch war Paul VI einer der Päpste, der die Formen und Modalitäten der Institution am stärksten reformiert hat. 

Aus diesem Grund können wir sagen, daß Paul VI herrschte. Er hat -von Zweifeln und der Diskussion, die dem II. Vaticanischen Konzil folgte gequält- nicht regiert. Aber er herrschte.
Er hat der Kirche eine Struktur und ein Rahmenwerk gegeben, das das Fundament für die Ära Johannes Pauls II bildete. Er hat der Römischen Kurie ein neues Gewicht gegeben, die Internationalisierung des Kardinalskollegiums vorangetrieben und das Missale reformiert.
Nach Humanae Vitae hat er keine Enzyklika mehr geschrieben. Er blieb aber nicht stumm. Die Stimme Pauls VI war laut. weil es die Stimme des Papstes war. Paul VI hat nicht darüber gesprochen, was er dachte.  Er hat über die Kirche und das, was die Kirche glaubt gesprochen.

Im Gegenteil dazu regiert Papst Franziskus. .Er interessiert sich nicht für Institutionen, weil er nicht in der Tradition von Institutionen erzogen worden ist. In Lateinamerika formen Führer die Institutionen nicht umgekehrt. 

Papst Franziskus herrscht nicht, weil er die Symbole des Königtums weder benutzt noch versteht.  Herrschen ist ein Akt des Dienens und so haben die Päpste es immer interpretiert.  Für Papst Franziskus bedeutet herrschen, das Volk zu unterdrücken und in Lateinamerika kann es niemand ertragen, einem König unterworfen zu sein. Sie akzeptieren das von einem Führer, nicht aber von einem König.

Regieren ist am Ende meistens etwas Praktisches und Konkretes, Papst Franziskus liebt es, Entscheidungen persönlich zu treffen, und in vielen Fällen kollidieren diese Entscheidungen mit der Realität. 

Papst Franziskus´  Weg zur Reform besteht aus Schritten vorwärts und rückwärts, weil Papst Franziskus der alleinige Kommandant ist.  All die Berichte, die Papst Franziskus bekommen hat, konzentrieren sich auf unerwartete Situationen, die eine schnelle und pragmatische Antwort erforderten. Papst Franziskus ist gut darin, diese Dinge zu handhaben.

Seinem Pontifikat fehlt jedoch vielleicht die große Vision der Herausforderungen des Glaubens und nicht nur der Kirche. Papst Franziskus hat die Idee einer Kirche als "Feldlazarett" lanciert, das immer auf Notfälle antwortet. Das Feldlazarett ist am Ende die Frucht eines Notfalls, es liefert keine Langzeitlösungen.

Am Ende ist da die Notwendigkeit einer allgemeinen Vision, die darauf hinweist, wohin die Reformen führen sollen und was Papst Franziskus will. Soweit hat jeder außer Papst Franziskus von der Kirche der Zukunft gesprochen und wie er sie will. 

Die Vision von Papst Franziskus ist in der Tat sehr stark an die Lateinamerikanische Welt gebunden. Wahrscheinlich hat Papst Franziskus seine Wahl als eine Wiedergutmachung für Lateinamerika interpretiert. Papst Franziskus verkörpert den Traum Simón Bolivars, der wollte, daß Lateinamerika sich zu einem starken und erneuerten Kontinent vereint.

Sogar in diesem Fall ist das eine pragmatische Vision, nicht länger nur eine einseitige. Ähnlich sah z,B, Johannes Paul II die Dinge aus einer sehr polnischen Perspektive und eines seiner internationalen Hauptziele - wenn nicht sogar das internationale Hauptziel - war,  sein Geburtsland Polen und andere Länder hinter dem Eisernen Vorhang hervorzuziehen.

Johannes Paul II hatte tatsächlich das Gefühl, eine Institution über sich zu haben, und er diente dieser Institution. Als Johannes Paul II Erzbischof von Krakau wurde, suchte er nach den wertvollsten Paramenten, um seine erste Messe als Erzbischof zu feiern. Er wollte ein starkes Signal geben: Er war nicht nur der Erzbischof; Er war dort, um die katholische Kirche zu vertreten.










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