Dienstag, 16. Februar 2021

Sandro Magister analysiert Dokument 1 des "Synodalen Weges"

und findet die zugrunde liegenden Gedanken bei Martin Luther und attestiert dem Pontifex, der autoritärste Papst des vergangenen Jahrhunderts zu sein. Am Ende präsentiert er dem geneigten Leser -von Settimo Cielo- versehen mit eigenen Überschriften- das vom Forum I des Synodalen Weges erarbeitete Dokument. 
Hier geht´s zum Original:  klicken

"ALLE SYNODEN VON PAPST FRANZISKUS. ABER ES GIBT KEINE, DIE FUNKTIONIERT" 

Franziskus ist der autoritärste Papst des vergangenen Jahrhunderts, derjenige, der am meisten dazu neigt, alles selbst zu machen, dennoch hört er nie auf, nach einer synodalen Regierunbg der Kirche zu rufen. Abgesehen davon, daß alle drei großen Synoden, die er bisher einberufen hat,von denen zwei- die Jugend-und die Amazonas-Synode in einer Pattsituation endeten- dreist von oben gesteuert wurde. Er hat beschlossen, die nächste Synode für 2022 einzuberufen- zum Thema Synodalität der Kirche. 

Dann gibt es Synoden auf nationales Ebene, auch die zu oft von Papst Franziskus einberufen. Aber sowohl hier wie gibt es keine Ergebnisse oder sie sind hochriskant. 

Der erste Fall, der der Synode, die es nicht gibt, betrifft Italien, dessen Primarius der Papst ist. Seit 2015 hat Franziskus die italienischen Bischöfe dazu  angestachelt, persönlich oder durch seine Knappen, die Jesuiten Antonio Spadaro und Bartolomeo Sorge. Aber immer unbeachtet. Bis er am vergangenen 30. Januar die Geduld verlor und gegenüber der CEI nicht länger einen Wunsch sondern einen Befehl formulierte und angeordnet, daß sie "einen Prozess nationaler Synoden, von Gemeinde zu Gemeinde, Diözese zu Diözese starten sollte."

Das Problem ist, daß diese Synode "von Anfang bis Ende  und von oben bis unten"  eine weitere Lieblingsformulierung von Papst Franziskus ist, und "von Gemeinde zu Gemeinde" nicht klar ausdrückt, ob in einem einzigen Block oder in verschiedenen Gruppen unterschiedlicher Größe und auf verschiedenen Ebenen. So sehr, daß Kardinal Gualtiero Bassetti, Vorsitzender der CEI, in Avvenire vom 3. Februar so tat, als ob er dem Befehl des Papstes gehorchte und er sagte "ja, in der Kirche gibt es große Konzile,  und es gibt Synoden, richtige aber es gibt auch eine "Versammlung"  die seit 1976 alle 10 bis 11 Jahre in Italien von nationalen Bischofskonferenzen abgehalten wird, zuerst in Rom, dann in Loreto, Palermo, Verona, Florenz. So war es und so soll es sein, hat er bestätigt- und das sollte genügen. 


Bassetti sagt das nicht, aber seine Angst und die vieler anderer Kirchenmänner ist, daß eine oder weitere nationale Synoden-nicht nur von Bischöfen sondern auch- wie es heute modern ist- mit Klerus und Laien- alle mit gleichem Stimmrecht- und daß in Italien auch diese Lawine in Gang gesetzt wird, die im nahen Deutschland geradewegs ins Schisma führt, wo ein "Synodaler Weg" dieser Art in vollem Gange ist.

>DIE DEUTSCHE SYNODE HAT MINDESTENS DREI VORGÄNGERINNEN. ALLE ENDETEN MIT EINEM SCHISMA

Was aber befremdlicher ist, ist daß sogar Papst Franziskus sich vor dem fürchtet, was in Deutschland passiert. Und er hat einiges versucht, um den Erdrutsch aufzuhalten oder zumindest zu verlangsamen. Aber auch das ohne Erfolg. 

> Franziskus und das deutsche Schisma. Die Geschichte eines Albtraums

Im Gegenteil. Die Nachricht, daß der Papst auch in Italien eine nationale Synode will, wurde nördlich der Alpen mit einer Runde Applaus begrüßt. "Wir fühlen uns nicht mehr als Ausnahme" sagte Thomas Sternberg, Präsident des ZdK, der Laienvereinigung, die bei der deutschen Synode, gemeinsam mit Theologen, Diakonen und Religiösen viel mehr Stimmen hat als die Bischöfe und den Ton angibt. 

Sex, Frauen, Macht. Die Themen auf der Agenda der deutschen Synode sind explosiiv und die beunruhigenden Resolutionen, die dort bevorstehen, erfreuen sich bereits einer überwältigenden Mehrheit der Stimmen. Sogar unter den Bischöfen gibt es nur wenige, die Widerstand leisten, man kann sie an den Fingern einer Hand abzählen und -als ob das nicht genug wäre- ist der prominenteste von ihnen, der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki vor kurzem durch einen "Streit" in seiner Diözese- sexuellen Mißbrauch betreffend- behindert worden. 

Es genügt, die Texte zu lesen, die bis jetzt vom "Synodalen Weg" produziuert wurden, um die Risiken zu verstehen, die er für die Kirche darstellt- nicht nur in Deutschland sondern weltweit. Die Vollversammlung, die für die letzten Tage geplant war, wurde wegen der Pandemie auf den Herbst verschoben. Aber das Hauptdokument, das diskutiert und  über das Punkt für Punkt abgestimmt werden soll, ist schon vorbereitet und am 22. Januar veröffentlicht worden. 

Es umfaßt ungefähr 40 Seiten und wurde vom ersten und wichtigsten der vier "Foren" produziert, in die die Synode unterteilt ist, dem der ultraprogressive Bischof von Essen Franz-Josef Overbeck und Claudia Luecking-Michel vom ZdK vorsitzen. 

Sein Titel ist "Macht und Teilung der Macht in der Kirche" und fordert eine radikale Demokratisierung der Strukturen der Katholischen Kirche- mit der Zulassung verheirateter Männer und Frauen zu den heiligen Weihen und direkter Wahl der Bischöfe.

Hier eine Zusammenfassung daraus- mit unseren Überschriften   

ZUERST DEMOKRATISIERUNG DER KIRCHE 

Die Katholische Kirche befindet sich in einer tiefen Krise. Einerseits gibt es interne Spannungen zwischen der Lehre der Kirche und ihrer Praxis. Andererseits gibt es eine Kluft dazwischen, wie die Macht in der Kirche momentan verstanden und ausgeübt wird und den Standards einer pluralistischen, offenen Gesellschaft in einem demokratischen Verfassungsstaat.

Eine Untersuchung der Machtordnung in der Kirche wäre wegen einer erfolgreichen Inkulturation in eine demokratische Gesellschaft -die auf dem Recht basiert- nötig. 

MINDERHEIT PASSE DICH AN

Im Verlauf ernsthafter synodaler Überlegungen und unter Beachtung der Standards einer demokratischen Gesellschaft erwarten wir, daß Empfehlungen und Entscheidungen, die mit der Mehrheit angenommen werden, auch von denen unterstützt werden, die selbst anders abgestimmt haben.

EINE SYNODE IST FÜR ALLE NICHT NUR FÜR BISCHÖFE

Derzeit sieht das kanonische Recht vor, daß nur Bischöfe Entscheidungsrechte in Synoden haben. Diese Einschränkung muss überwunden werden.

WENN EIN BISCHOF EIN VETO EINLEGT; CANCELT ES

Der Status der bereits bestehenden Gremien muss gestärkt werden, damit sie sowohl auf Pfarr- als auch auf Diözesanebene nicht nur beraten, sondern auch entscheiden können. Wenn vorgesehen ist, daß der Bischof oder der Pastor ein Veto gegen eine Entscheidung einlegen kann, muss eine qualifizierte Mehrheit eingerichtet werden, mit der es gegebenenfalls außer Kraft gesetzt werden kann.

LASST ALLE GEWÄHLTEN DEN BISCHÖFEN GLEICH SEIN

Eine wesentliche Form der Teilnahme ist das Wahlrecht. Wer mit einem Führungsamt in der katholischen Kirche betraut ist, muss zu diesem Zweck vom Kirchenvolk gewählt werden, gegebenenfalls durch gewählte Vertretungsorgane. Solange das universale Kirchenrecht keine Wahlen vorsieht, müssen nach dem Diözesangesetz geeignete Formen gefunden werden, damit das Volk Gottes wirksam an der Auswahl der Personen teilnehmen kann, die ein Führungsamt in der Kirche übernehmen sollen.

KLERIKALER ZÖLIBAT? MUSS NEU BEDACHT WERDEN

Beim Zugang zum Priestertum geht es um den Zölibat, der seit langem Teil der Disziplin der lateinischen Kirche ist, in mit dem Apostolischen Stuhl vereinigten Kirchen jedoch nicht obligatorisch und das verheiratete protestantische Pastoren im Fall ihrer Konversion nicht vom Priestertum ausschließt. Bei der Amazonas-Synode wurde die Frage des Zölibats für weltliche Priester offen diskutiert. Der Schwerpunkt liegt einerseits auf der Lösung pastoraler Probleme, die in Deutschland durch einen dramatischen Rückgang der Zahl der aktiven Priester, insbesondere auch der Ordinationen, verschärft werden, und andererseits auf der Frage, ob aus der Lebenweise verheirateter Menschen nicht ein großer Vorteil für die Ausübung des Priesterdienstes, wie es in der Orthodoxie der Fall ist, ein großer Vorteil gezogen werden kann. 

BEIM ZWEITEN NACHDENKEN-MACHT DEN WEG FREI FÜR VERHEIRATETE PRIESTER

Der Zölibat hat die Spiritualität des Priestertums in der Römisch Katholischen Kirche zutiefst geprägt. Er ist ein Schatz, ohne den die Gläubigen nicht sein wollen. Der Gedanke jedoch, daß diejenigen, die sich selbst im Glauben und im Leben bewiesen haben (die man üblicherweise "viri probati"nennt) zu Priestern geweiht werden können, muß im Hinblick auf die pastoralen Herausforderungen, die vorhandenen Charismen und die positiven Erfahrungen mit geweihten Diakonen neu bedacht werden. Dazu braucht es eine offene Diskussion. Das sollte in Deutschland zu einer Abstimmung führen, die an den Apostolischen Stuhl gerichtet ist und die Erfahrungen der Universalen Kirche sammelt, so daß auf die unterschiedlichen pastoralen Situationen nach den örtlichen Bedürfnissen reagiert werden kann. 

VORWÄRTS MIT DEM FRAUEN-PRIESTERTUM

"Die Frage der Zulassung von Frauen zu geweihten Ämtern ist aufgrund der Ausschließlichkeit des Zugangs auch eine Frage der Macht und der Gewaltenteilung. Es ist notwendig, die lebendige Einheit der Kirche zu stärken und gleichzeitig regionale Unterschiede zuzulassen.

Ob Frauen zum Diakonat ordiniert werden können, wird derzeit vom Apostolischen Stuhl neu diskutiert. Forum 1 plädiert für eine begründete Abstimmung während des Synodalen Weges, die darauf abzielt, Frauen in das Diakonat aufzunehmen. Papst Johannes Paul II.hat in seinem Apostolischen Brief "Ordinatio Sacerdotalis“ erklärt, daß die Kirche kein Recht habe, Frauen zum Priestertum zu weihen. Aufgrund neuer Einsichten in das Zeugnis der Bibel, in die Entwicklungen der Tradition und in die Anthropologie des Geschlechts werden jedoch häufig die Kohärenz seiner Argumentation und die Gültigkeit seiner Aussage in Frage gestellt. Es ist notwendig, das Zeugnis der Schrift und der Tradition wieder mit den Zeichen der Zeit und dem sensus fidei des Gottesvolkes zu verbinden. Forum 1 schlägt vor, daß die Kirche in Deutschland während des Synodalen Weges auch eine begründete Abstimmung über die Frage der Zulassung von Frauen zur Weihe abgeben sollte, einschließlich einer Einladung an die Universale Kirche und den Apostolischen Stuhl, die aufgeworfenen Fragen erneut zu untersuchen. und Lösungen zu finden. 

AUF DEM WEG ZU EINEM "ERSTEN DEMOKRATISCHEN  KONZIL" 

Es besteht Bedarf an einem Synodalen Forum auch in der Universalen Kirche, einer Versammlung der Universalen Kirche, einem neuen Konzil, in dem Gläubige innerhalb und außerhalb der ordinierten Ämter gemeinsam über Fragen der Theologie und Seelsorge, sowie über Fragen der Theologie und Seelsorge beraten und entscheiden -ebenso über die Verfassung und die Struktur der Kirche.

Es ist keine Überraschung, daß ein derartiges Dokument in Rom vor den Augen der Glazubenskongregation enden würde. Noch, daß Kardinal Kurt Koch, der Präsident des Päpstliches Rates zur Förderung der Christlichen Einheit noch einmal die von der deutschen Kirche vorgeschlagenen Neuerungen verworfen hat- die der Eucharistischen Kommunion für Katholiken und Protestanten- das in einem kürzlich von Repräsentanten beider Seiten geschriebenen und unterzeichneten, theologischen Dokument gerechtfertigt wurde. 2018 hatte die Glaubenskongregation bzgl. der Interkommunion  Einhalt geboten, in einem Brief ihres Kardinal-Präfekten Luis Ladaria an den damaligen Vorsitzenden der DBK, den Münchener Kardinal Reinhard Marx. Ohne Gehör zu finden. Sogar Papst Franziskus, der sich damit zunehmend unwohl fühlt- hat noch einmal die Kirche in Deutschland aufgerufen, eine Passage aus seiner Weihnachtsansprache an die Römische Kurie vom 21. Dezember zu übernehmen.

"Ohne die Gnade des Heiligen Geistes können wir uns sogar eine Synodale Kirche vorstellen, die nicht durch die Kommunion mit der Gegenwart des Geistes inspiriert wird, sondern nur als eine weitere demokratische Versammlung angesehen wird, die sich aus Mehrheiten und Minderheiten zusammensetzt. Wie z.B. ein Parlament: und das ist keine Synodalität. Nur die Gegenwart des Heiligen Geistes macht den Unterschied aus “

Aber noch einmal verrannen seine Wort wie Quecksilber. Zu Anfang des Jahres 2021 hat der Vorsitzende der DBK und Limburger Bischof Georg Bätzing in einem Marathon-Interview für Herder-Korrespondenz gesagt, daß "wir nicht bei jeder Äußerung des Papstes bei jeder einzelnen Audienz verweilen sollten." Und er wiederholte alle Ziele des Synodalen Weges einschließlich  der Segnung homosexueller Paare, ohne auch nur neinen Millimeter zurückzuweichen. 

De facto begräbt die Synodalität, die Franziskus so liebt, sein Pontifikat und spaltet die Katholische Kirche -und gleicht sie dem Protestantismus an, in Deutschland bereits in einem sehr sehr fortgeschrittenen Stadium.

> Bergoglios Reform wurde schon früher geschrieben. von Martin Luther

 Quelle: Settimo Cielo, S. Magister 

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