Freitag, 15. April 2022

Das Demos-Memorandum und die Prioritäten beim nächsten Konklave

Diane Montagna veröffentlicht in "The Remnant" ein Interview mit Don Nicola Bux.
Hier geht´s zum Original:  klicken

"DAS DEMOS-MEMO. FRANZISKUS-MÜDIGKEIT BEI DEN KARDINÄLEN. EIN INTERVIEW MIT MSGR. BUX"

Einführung des Remnant-Herausgebers 

Nach Jahren einer eskalierenden Krise in der katholischen Kirche – hervorgehoben durch einen riesigen Skandal des sexuellen Missbrauchs durch Geistliche und das weit verbreitete liturgische Chaos – scheint es, daß nicht wenige einflussreiche Kardinäle endlich Schritte unternehmen, um die Blutung zu stoppen.

Zusätzlich zu mehreren Beiträgen von Kardinal George Pell, Kardinal Raymond Burke und anderen berichtet  CNA nun, daß am 12. April 2022 mehr als 70 Bischöfe aus der ganzen Welt einen "brüderlichen offenen Brief" an die Bischöfe Deutschlands gerichtet haben, in dem sie und indirekt der gesamte Episkopat gewarnt werden, daß der "Synodale Weg" "zu einem Schisma führen" könnte:

Indem sie nicht auf den Heiligen Geist und das Evangelium hören, untergraben die Aktionen des Synodalen Weges die Glaubwürdigkeit der Autorität der Kirche, einschließlich der von Papst Franziskus; die Christliche Anthropologie und Sexualmoral; und die Zuverlässigkeit der Heiligen Schrift.

Dies geschieht im Gefolge eines mysteriösen Memorandums, das in den letzten Wochen unter dem Kardinalskollegium zirkulierte und auf eine große Unzufriedenheit mit Franziskus im Vatikan hindeutet. Der Autor des Memorandums argumentiert, daß das Pontifikat von Papst Franziskus eine "Katastrophe in vielerlei Hinsicht oder in vielerlei Hinsicht: eine Katastrophe" sei.

   "Unzufriedenheit ist weitverbreitet, aber es ist offensichtlich, daß es einen Untergrund gibt, der sich nicht selbst ausdrückt sondern nur auf des Ende des Pontifikats wartet, " Fr. N.Bux

Wer ist für dieses Memo verantwortlich? angesehene Vatican-Journalist Sandro Magister erklärt: 

- Seit Beginn der Fastenzeit haben die Kardinäle, die den zukünftigen Papst wählen werden, dieses Memorandum herumgereicht. Sein Autor, unter dem Namen Demos - griechisch "Volk"- ist unbekannt, zeigt sich aber selbst als Meister des Themas. Es ist nicht ausgeschlossen, daß er selbst einer der Kardinäle ist.
 

"Demos" verweist auch auf das deutsche Episkopat als Beweis A für das allgemeine Problem in der Kirche unter Papst Franziskus und warnt vor einer bevorstehenden "synodalen Häresie", die die unfehlbar definierten Lehren der Kirche über die menschliche Sexualität untergraben könnte:

  -Wenn es keine römische Korrektur einer solchen Häresie gäbe, würde die Kirche auf eine lose Konföderation von Ortskirchen reduziert, mit anderen Meinungen, wahrscheinlich näher an einem anglikanischen oder protestantischen als an einem orthodoxen Modell.

Weil Demos Papst Franziskus aus seiner Liste schwerer Sorgen nicht ausschließt, fragen jetzt viele: Wer ist Demos, wie ernst wird sein Memo innerhalb des Kardinalskollegiums genommen und was bedeutet das für das nächste Konklave.? 

   "Wir sind Zeugen eines emotionalen Kultes für den Papst, der in theologisch überhöht." - Pater Bux

Um mehr über die sich schnell ausbreitende Geschichte zu erfahren haben wir Msgr. Nicola Bux zu Frage des mysteriösen "Demos Memorandum" befragt. Den Lesern von The Remnant sind die Werke von Msgr Bux wohlbekannt, eines sehr angesehenen Theologen, der über viele Jahre in vielen Dikasterien des Hl. Stuhls einschließlich der Glaubenskongregation unter Papst Benedikt XVI gearbeitet hat .


                       INTERVIEW MIT MSGR. NICOLA BUX 

Diane Montagna (DM): Wie repräsentativ sind die Ansichten von "Demos" für die Menschen im Vatican?  

Don N. Bux:  Man würde eine Umfrage auf verschiedenen Ebenen benötigen, von Platzanweisern über Beamte bis hin zu offiziellen Mitarbeitern, um dies zu erfahren. Das Memo könnte von letzterer Ebene stammen. Unzufriedenheit ist weit verbreitet, aber es ist offensichtlich, daß es einen Untergrund gibt, der sich nicht äußert und nur auf das Ende des Pontifikats wartet.

Der Papst sagte dem orthodoxen Patriarchen Kyrill, daß wir die Sprache Jesu sprechen müssten und nicht die der Politik. Stimmt! Allerdings scheint mir dies auch eine politische Redeweise zu sein, da er in einem anderen Forum gesagt hat, er wisse nicht, warum Unschuldige leiden: Das heißt, nicht zu wissen, warum Christus am Kreuz gestorben ist.

  "Der Papst hat auf der sozialen und politischen Seite eingegriffen und eine Spiritualität oder Identität unterstützt. Und so stellt sich die Frage: was ist der Petrinische Dienst?"

Für die meisten Experten im Vatikan weist die Bilanz des Pontifikats von Franziskus von der Glaubenslehre bis zur Moral ein Defizit gegenüber seinen Vorgängern auf, ganz zu schweigen von den Finanzen. Dieses Pontifikat hat dazu beigetragen, die Säkularisierung des Westens zu verschärfen, weil der Papst auf der sozialen und politischen Seite eingegriffen und eine Spiritualität ohne Identität unterstützt hat. Und so stellt sich die Frage: Was ist das Petrusamt?

Wir erleben einen emotionalen Papstkult, der ihn theologisch übertreibt, wie es seit der Zeit von Pius IX. geschah und jetzt in den Medien geschieht. Die Menschen des Mittelalters unterschieden die Rolle des Papstes von der Person, die ihn verkörperte, wie sie die Kirche von den Männern der Kirche und das Menschliche und Irdische vom Göttlichen unterschieden. Deshalb konnte Dante auch Päpste in die Hölle stecken. So kommt es, daß viele, die am Anfang Bergoglianer waren, sich vom jetzigen Pontifikat distanziert haben und es für chaotisch und despotisch halten.

Die Gemäßigten sind unruhig. Die einen stellen sich eine Lösung vor und plädieren für eine synodale Kirche, die anderen für ein Übergangspontifikat. Unterdessen greift an einem Tag Marx ein, an einem anderen Tag Mueller, Hollerich und – zum Glück – Pell. Bleiben wir bei den Kardinälen. Aber weder Ladaria noch Franziskus sagen, wer Recht hat. Wenn wir dann zu den Bischöfen, Priestern, Laien- und Nicht-Laien-Theologen übergehen, ist es eine schottische Dusche [ein französischer Ausdruck, der einen schnellen Wechsel zwischen sehr warmem und sehr kaltem Wasser bedeutet]. Im Vatikan ist man sich des Abfalls der Katholiken in Lateinamerika bewusst, der angesichts eines Sektenwachstums von 52 % auf 25 % gesunken ist.

   "Bei der Amazonas-Synode haben sie nicht über die Neu-Evangelisiewrung der Region gesprochen sondern über die Umwelt. Kurz gesagt, während die Gläubigen mehr Religion fordern, bieten die Bischöfe Sozialismus an"

Am 13. Januar titelte das Wall Street Journal (wegen der Verluste der Kirche in Latein-Amerika). "Die Katholische Kirche hat für die Armen gestimmt und die Armen haben für die Pfingstler gestimmt." Das ist ein riesiger Beitrag zum Vorgang der Selbstzerstörung, über die Paul VI gesprochen hat. Die Kirche ist eine Agentur verwandelt worden, die soziale, wirtschaftliche, psychologische und sogar Umwelt- Probleme lösen soll, und ihre Mission, Seelen zu retten verläßt. Bei der Amazonas-Synode haben sie nicht über die Re-Evangelisierung der Gegend gesprochen ohne eine persönliche Begegnung mit dem Herrn zu fördern, sondern über politische und soziale Fragen. Kurz gesagt, während die Gläubigen mehr Religion fordern, bieten die Bischöfe Sozialismus anbieten."

DM: "Wie wahrscheinlich ist es, daß das Memo die Wahl des nächsten Papstes beeinflußt?"  

Msgr. Bux:   "Es scheint mir, daß es am Anfang auf die hervorstechenden Merkmale des Petrusamtes hinweist, das der Maßstab für die Wahl jedes Konklaves sein muss: Der Papst wird als Hirte und Lehrer gesehen, nicht als Ideologe oder Politiker. Daher ist seine Beziehung zur Kirche die eines Mitglieds und Dieners, nicht die eines absoluten Monarchen."

  " Es ist überraschend, daß die Modernisten oder Progressiven, die unter Benedikt XVI                antirömisch waren angesichts der aktuellen Papolatrie still sind."

Es überrascht, daß die Modernisten oder Progressivem, die unter Benedikt XVI antirömisch waren, angesichts der aktuellen Papolatrie still sind, wie Martini es ausdrückte. Wie jeder Christ unterliegt der Papst dem Göttlichen Gesetz und vorher sogar noch dem Naturgesetz und dann dem Kanonischen Recht, das ihn was die wichtigen Lehren und die Verfassung der Kirche betrifft bindet, die nicht synodale sondern hierarchisch ist. Das Memo scheint daan zu erinnern. 

Innerhalb dieser Grenzen muß das Petrinische Amt dazu dienen aufzubauen und nicht zu zerstören (2 Kor. 13:10) , was wichtig ist, um Gesetze zu erlassen und Gerechtigkeit zu üben. Man kann nicht bis zum Ende weitermachen mit motu proprio und indem man Artikel des Katechismus ändert und vergeblich Appelle an die Signatura richtet. Es gibt Rechte Dritter, die der Papst nicht verletzen darf; weil er der oberste Wächter des Gesetzes ist, kann er Mißbrauch nicht zulassen oder sogar selbst begehen. Wie Petrus von Paulus muß der Papst zulassen brüderlich korrigiert zu  werden. Sonst kann man ihm nicht gehorchen, weil das Gewissen  zuerst kommt, das- laut der im Katechismus zitierten Aussage des Hl. John Henry Newman - der "erste Vikar Christi" ist.

   "Ich sehe das Memo auch in ökumenischer Hinsicht als einflussreich an, insofern es den Missbrauch        der päpstlichen Autorität anprangert."

Ich kann auch sehen, daß das Memo in ökumenischem Sinn Einfluß hat, insofern , daß es den Mißbrauch der päpstlichen Autorität verurteilt, die meiner Meinung nach bis jetzt -besonders im Osten- ein antirömisches Gefühl begünstigt hat. Die Zunahme von Bischofsentlassungen in diesem Pontifikat als ob der Papst ein Islamischer Mufti wäre, ist ein Amtsmißbrauch und hat pathologische Untertöne. Franziskus ist so weit gegangen, zu sagen "Sie wollten mich tot sehen" vielleicht weil er fürchtete, daß das, was getan wurde, um seine Wahl zu beeinflussen, bei ihm wiederholt werden könnte. Aber die Grenzen der päpstlichen Autorität werden auch durch die Autorität der Bischöfe begrenzt, die ebenso göttliches Recht ist: das ist etwas, woran gedacht werden  und das in den Generalkongregationen im nächsten Konklave diskutiert werden muß."

DM:  "Was denken Sie sollten die Prioritäten beim nächsten Konklave sein?"   

Monsignor Bux: Nach Ansicht einflußreicher Laien und Kleriker sollte das nächste Konklve einen Paspt wählen, der sich seines Apostolischen Mandats, seiner Pflichten und seiner Aufgabe bewußt ist, den status generalis ecclesiae zu bewahren. Einen Papst zu wählen, der den Katholischen Glauben fördert, aber einem Rückgang von Priestern und Gläubigen im Westen stoppt, der durch die Säkularisierung verursacht wurde, der die Kirche durchdrungen hat- Peguy glaubt, daß die Kleriker für diese Ent-Christlichung verantwortlich zu machen sind-laut der die wichtigsten Werte , auf denen die Gesellschaften aufgebaut sind, nicht religiös sind und wenn doch- auf säkulare oder rationale Weise erklärt gerechtfertigt werden müssen. Das Ergebnis ist die politisch korrekte Sprache, die von religiösen Anspielungen gereinigt ist- der Sinnverlust (Abtreibung, sog. gleichgeschlechtliche Ehe, Gender, Euthanasie usw. sind typisch) der Verlust des Sakralen und die Verwandlung des religiösen Glaubens in eine "humaniäre" Religion, des Evangeliums in Moralismus und der Predigt in eine Erholung. Die Priorität beim Konklave ist es deshalb, einen katholischen Papst zu wählen, sonst wird es nicht nur den Glaubensverlust zur folge haben, sondern auch die Säkularisierung des Christentums zur Folge haben, das am Ende irrelevant sein wird. 

Das nächste Konklave wird klarstellen müssen, was es bedeutet "pastoral" zu sein: keiner weiß das bisher und es wird als passe-partout- benutzt, um in der Kirche alles zu rechtfertigen. Es muß ihre jetzt entwertete Mission in den Mittelpunkt zurückstellen und die Grenzen des Ökumenismus und des interreligiösen Dialog klären. Sogar Modernisten und Progressive wissen das. 

   "Das nächste Konklave sollte einen Papst wählen, der sich seines Apostolischen Mandats, seiner Pflichten und seiner Aufgabe bewußt ist, den status generalis ecclesiae zu bewahren

Säkularisierung muss mit Evangelisierung bekämpft werden. Der Kampf gegen den Klerikalismus darf nicht die Identität des Klerus untergraben, der ein "Orden“ ist, der sich von Gläubigen und Ordensleuten unterscheidet. Der nächste Papst muss die Förderung und Vermehrung des Glaubens ganz oben auf seine Agenda setzen, damit christliche Familien und Priester- und Ordensberufungen gedeihen können. Es ist notwendig, zum Lehramt zurückzukehren, das unfehlbar über Angelegenheiten der Familienmoral entscheidet, indem Bischöfe ernannt werden, die die apostolische Tradition annehmen. Das jetzt latente Schisma wird wahrscheinlich abgeschwächt, selbst wenn die "Verfolgung“ durch die säkularistischen Medien zunimmt.

Wir müssen die lebendigen Kräfte der Kirche mit einem Pontifikat befreien, das auf einen Katholizismus blickt, der Kirchen mit frommen Gläubigen und den öffentlichen Platz mit Glaubens- und Lebenszeugen füllt und beweist, daß das "funktioniert“, weil es Bekehrungen hervorbringt. Die katholische Kirche braucht einen Papst, der sagt und tut, was katholisch ist – moralisch, doktrinär und liturgisch. Erinnern Sie sich an das Titelbild des Time Magazine: "Ist der Papst katholisch?“ Ist es seltsam, daß die katholische Kirche Anspruch auf einen katholischen Papst hat? Auch die Orthodoxen wollen einen solchen Papst, sonst werden die zentrifugalen Tendenzen unter ihnen überhand nehmen. Ein katholischer Papst ist notwendig, um die zerrüttete protestantische Welt wieder zur Einheit zu bringen und die vielen Laien, die zum Glauben zurückfinden, aber auch um jene Juden, Muslimen und Angehörigen anderer Religionen Sicherheit zu geben, die im Papst die moralische Autorität sehen, die darauf hinweist, daß die Grenze zwischen Gut und Böse nicht aufgehoben wurde.

Die Katholische Kirche braucht einen Papst, der sagt und tut, was katholisch ist – moralisch, doktrinär und liturgisch.

Der neue Papst wird in der Lage sein müssen, sich der neuen Weltordnung zu stellen, die aus dem Tod der alten hervorgeht, mit einer geringeren Rolle für den Westen und das westliche kapitalistische System. Er wird sich von der Vorstellung von Franziskus unterscheiden müssen, der ein verwirrendes und widersprüchliches Verhältnis zu ihr hatte – zwischen Ideologie und Utopie. Um der Verwirrung in der Kirche ein Ende zu bereiten, muss das nächste Konklave nach Kandidaten suchen, die auf die Dubia zu Amoris laetitia antworten,  Evangelii gaudium korrigieren, in dem es heißt, das schlimmste soziale Übel sei die Ungleichheit, also eine schlechte Verteilung des Reichtums und nicht der Sünde; Laudato si’, in dem der neo-malthusianischen Umweltschutz verherrlicht wird, der im Gegensatz dazu der Ursprung aller Probleme der letzten fünfzig Jahre ist; Fratelli tutti, das den Kapitalismus für beendet erklärt und dann mit den Zauberworten "Inklusion“ und "Nachhaltigkeit“ vorß wir uns nicht als Brüder sehen können, wenn wir Unseren Vater, der im Himmel ist, nicht anerkennen. Jesus hat es gesagt."

Quelle: D.Montagna, Msgr.N. Bux, The Remnant

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