Freitag, 10. Juni 2016

Wenn Kasper uns in die Schule Luthers schickt. Oder die Römische Kirche ist nicht katholisch....

Angela Pellicari schreibt bei La Nuova Bussola Quotidiana über Kardinal Kaspers Wunsch, die Kirche zu lutherifizieren. Was sie berichtet, läßt den Wunsch nach einem Schweigegebot für den Küng-Ex-Assistenten und Scheidungspromotor wieder aufleben.
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                 "WENN KASPER UNS IN DIE SCHULE LUTHERS SCHICKT"
Am 1. Juni ist ein gemeinsames Komuniqué des Lutherischen Weltbundes und des Päpstlichen Rates für die Förderung der Einheit der Christen veröffentlicht worden.
In der Substanz nimmt es die vom Pressesaal des Hl. Stuhls kommunizierten Linien vom 25. Januar wieder auf, in denen auch die Reise des Papstes nach Lund in Schweden zu den Erinnerungsfeierlichkeiten zum 500. Jahrestag der Reformation angekündigt wurde. Die Neuigkeit im Juni- und es handelt sich dabei nicht um Kleinigkeiten- ist, daß der Papst einen weiteren Tag in Schweden bleiben wird, um sich mit den Katholiken zu treffen und mit ihnen die Eucharistie zu feiern.
Um zu verstehen, in welchem Sinn die Katholische Kirche an Martin Luther erinnert, mit dem Ziel die "Gaben der Reformation" zu feiern (so bekräftigt es das gemeinsame Komuniqué) ist es nützlich, das kleine Büchlein in  die Hand zu nehmen, das kürzlich von Kardinal Kasper in Druck gegeben wurde ("Martin Luther: Eine ökumenische Perspektive", Queriniana)
Das Buch Kaspers, gut geschrieben, klar, beginnt mit einer grundlegendene These: Luther hatte Recht, die Römische Kirche Unrecht. Eine Persönlichkeit von magnetischer Direktheit, die bereits "für manche Katholiken ein gemeinsamer Kirchenvater geworden ist" -Luther- der sich, nachdem er vergebens Papst und Bischöfe zu überzeugen versucht hatte, die von ihm vorgedachte Reform der Kirche durchzuführen, in dem Moment, als die Bischöfe sich weigerten voranzugehen, mit einem Notfallplan begnügen mußte.

Und weiter: Der Appell Luthers zur Buße wurde nicht gehört, und "anstatt mit der Bereitschaft zur Reue und den notwendigen Reformen zu reagieren, ruhten sie sich mit Polemiken und Verurteilungen aus."
Es lohnt sich, noch einmal den Gesichtspunkt Kaspers zu unterstreichen:"Rom und die Bischöfe haben den Appell Luther zu Reue und Reform nicht gehört" und weil sie die nicht wollten, war Luther gezwungen, zu werden, was er war: Luther "wurde der Reformator, auch wenn er sich selbst nicht so definierte!"
Luther - nach seiner Lesart- reihte sich in die lange Tradition der katholischen Erneuerer ein, die ihm vorangegangen waren. Er dachte von sich selbst vor allem als Franziskus von Assisi , der mit seinen Brüdern einfach das Evangelium lebte, wie er es predigte.  Heute würde man von Neu-Evangelisierung sprechen.




Kasper erinnert daran, wie das Leben des Augustinus-Mönches um eine Frage kreiste: "Wie kann ich einen barmherzigen Gott finden? Das war das existentielle Problem Luthers."
Reform, Buße, Barmherzigkeit, Bindung an den franziskanischen Geist: Kasper benutzt diese Definitionen, um eine gewagte Analogie zu Papst Bergoglio herzustellen, der nach Lund geht, um an die 500 Jahre der Reformation zu erinnern, der sich als Reformator gibt, der alles von der Barmherzigkeit her sieht und der entschied, sich Franziskus zu nennen.

Ich schulde Kasper Dank, weil ich beim Lesen seines Buches endlich verstanden habe, was der Begriff "Ökumenismus" bedeutet. Ein Wort, das für mich bisher am Rand der Undeutlichkeit angesiedelt und im Grunde irrelevant war. Jetzt dagegen weiß ich, was es bedeutet und welches Projekt vor allem für Kasper dahinter steht: "Als Ökumenismus versteht man die ganze bewohnte Welt, Universalität statt Partikularismus. Man könnte auch sagen "im Unterschied zum Katholizismus und Protestantismus, begrenzt durch ihren konfessionellen Aspekt, bedeutet Ökumenismus die Wiederherstellung des ursprünglichen Katholizismus, der  nicht auf einen konfessionellen Gesichtspunkt beschränkt ist."
Folge: in dem Moment, in dem Katholizismus und Protestantismus nebeneinander existieren, ist keiner von beiden universal. Um die Universalität wieder zu erreichen, muß man die Konfessionalität aufgeben, also die Partikularität der Kirchen, und die Ökumene erreichen, ein neuer Weg um den universalen Charakter der christlichen Botschaft zu zeigen. Die Kirchen-die alle auf der selben Ebene stehen- weil sie alle gleichermaßen konfessionell sind, also partikular, müssen eine mit der anderen leben und aufeinander zu einer Begegnung zugehen.

Kasper ist überzeugt, daß der so verstandene Weg des Ökumenismus schon obligatorisch ist:
ein Rückschritt zum Konfessionalismus "wäre eine Katastrophe, weil wir so nicht in der Lage wären, dem säkularen Ökumenismus entgegenzutreten, der das Christentum aus der öffentlichen Sphäre verbannen will." Und "Im christlichen Ökumenismus, steht die Einheit der Kirche auf dem Spiel, im Dienst an der Einigkeit und dem Frieden der Welt. Es handelt sich um einen universalen Humanismus, der auf Jesus Christus gegründet ist, der der neue und endgültige Adam ist."
Das Ergebnis der Argumentation Kaspers ist ganz klar und originell: die römische Kirche ist nicht katholisch, weil sie nicht universal ist. Sie ist konfessionell. "Um die Katholizität wieder zu erlangen, muß sie zusammen mit den anderen Kirchen ein Leben in versöhnter Diversität führen."

Das ist aber genau das Gegenteil dessen, was die Kirche in 2000 Jahren immer gelehrt hat. Unabhängig von allen Ketzereien und allen Angriffen, die sich gegen sie richteten (von Luther mit extremer Gewalt), hat die Kirche nie das Bewußtsein verloren, katholisch zu sein. Katholische und Apostolische, Römische Kirche. Nicht zufällig in Rom: seit undenkbaren Zeiten ist Rom die Welt (wie der feierliche Segen Urbi et Orbi zeigt) und Petrus und Paulus taten nichts anderes, als die römische Berufung zur Universalität zu Ende zu bringen ("es gibt nicht mehr Sklaven oder Freie, weder Mann noch Frau, weder Juden noch Griechen"-schreibt Paulus an die Kolosser und Galater). Die Katholische, Apostolische, Römische Kirche hat keinerlei Bedarf, die Universalität wieder zu gewinnen, die sie immer charakterisiert hat, und um die sie seit immer von anderen Zentren der Macht beneidet wurde, die hofften, auf der Asche der römischen Universalität, eine neue Art von Universalität gründen zu können."

Quelle: La Nuova Bussola Quotidiana, Angela Pellicari
        

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