Mittwoch, 18. November 2020

Magister: Ratzingers Erklärung zum Kommunionsempfang von 2004 ist immer noch aktuell

Sandro Magister veröffentlicht  bei Settimo Cielo eine Erklärung Joseph Ratzingers zum Kommunionsempfang und eine Mitteilung an den damaligen Kardinal McCarrick nachdem dessen Fehlverhalten in Rom bekannt geworden war.
Hier geht´s zum Original:  klicken

"DIESE NACHRICHT VON JOSEPH RATZINGER, DIE McCARRICK GEHEIM HALTEN WOLLTE: IMMER NOCH AKTUELL"

Der am 10. November vom Staatssekretariat veröffentlichte Bericht über den Fall des früheren Kardinals Theodore McCarrick sieht wie eine präzendenzlose Neuerung aus, mit starker Auswirkung auf die Gegenwart aber auch auf die Zukunft des Vatican-Kommunikation.

Der Bericht, der Geschichte macht, ist ein  Präzedenzfall, hinter den der Vatican nicht zurück kann

Nie zuvor hat der Hl. Stuhl bei einem heißen Thema im Kirchenleben der höchsten Ebene- in das noch lebende und aktive Personen verwickelt sind- den Schleier von so vielen vertraulichen Vorgängen und Dokumenten gelüftet- plus hundert ad-hoc abgegebene Zeugenaussagen, einschließlich des amtierenden Papstes veröffentlicht. 

Der Autor -oder die Autoren.- eines solchens Unternehmen stellen ebenfalls einen Bruch dar. Sie gehören sicher nicht zu den derzeitigen Informations-Maklern, die klar ungeschickt sind, sondern muß/müssen jenseits  des Atlantiks gesucht werden- bei Rechtsanwalt Jeffrey Lena und seinem Team. Lena lebt in Berkeley und hat den Hl. Stuhl erfolgreich gegen die Drohung der strafrechtlichen Haftung für den von us-amerikanischem katholischen Klerikern  begangenen sexuellen Mißbrauch verteidigt.

Ergebnis ist, daß dieser Bericht auch eine reiche Sammlung von Geschichten ist- für diejenigen, die ihn erkunden möchten. Und von Geschichten, die überraschend mit aktuellen Ereignissen in Verbindung stehen.

Es genügt hier eine von ihnen zu erwähnen- beginnend mit einem"nebenbei"  McCarricks in einer Fußnote auf Seite 276 des Berichts.

Wir sind im Jahr 2008 - Kardinal McCarrick war seit 2 Jahren nicht mehr Erzbischof von Washington. Er war "spontan" zurückgetreten- in WIrklichkeit auf Druck von Benedikt XVI, der ihn auch aufforderte "zurückgezogen zu leben und seine Reisen auf ein Minimum zu reduzieren" Und das wegen seiner fortdauernden homosexuellen Aktivitäten mit Seminaristen und jungen Priestern, auf die die vaticanischen Autoritäten aufmerksam geworden waren. 

McCarrick jedoch reiste weiterhin pausenlos und hielt Konferenzen ab, gab Interviews, leitete Zeremonien, nahm Auszeichnungen an, besetzte wichtige Ämter, zelebrierte öffentliche Messen und konzelebrierte. 

Und was sagte er zu einem Paar aus New York, das ihn bat, sie zu trauen?"Ja, das würde er sehr gern tun, aber ohne daß der Erzbischof der Stadt das herausfindet und indem er den Empfang nur kurz besuchte- in Übereinstimmung mit der Aufforderung Roms, daß er nicht in der Öffentlichkeit erscheinen solle- weil" wie er erklärte- "Papst Benedikt ihm wegen der Frage der Kommunion nie verziehen habe und ihn jetzt praktisch in den Ruhestand geschickt habe." 

Die "Frage der Kommunion" war keineswegs der wahre Grund für die Maßnahmen gegen ihn,.Aber McCarrick hatte leichtes Spiel damit, das Opfer zu spielen. Um den Grund dafür zu finden, muß man auf Seite 197 ff. zurückgehen und dem Bericht folgen. 

Jetzt sind wir im Jahr 2004 als McCarrick auf dem Höhepunkjt seiner Karriere war. Er ist Erzbischof von Washington und Kardinal und sitzt der Kommission für "Landespolitik" der US-Bischofskonferenz vor. Eine Schlüsselrolle, weil 2004 auch das Jahr der Präsidentenwahl ist und der Präsidentschafts-Kandidat der Demokratischen Partei John Kerry, ein praktizierender Katholik- ist, aber auch ein entschiedener Unterstützer der Abtreibung als Verfassungsrecht.

Aus diesem Grund hatten einige Bischöfe- einschließlich des damaligen Erzbischofs von St. Louis, Raymond Burke, argumentiert, daß Kerry die eucharistische Kommunion verweigert werden sollte. Es entwickelte sich eine erhitzte Diskussion- wobei die Mehrheit der Bischöfe dafür war, ihm die Kommuniuon zu spenden und dieser Aufruht erreichte sogar Rom und die Aufmerksamkeit des damaligen Präfekten der Glaubenskongregation Kardinal Joseph Ratzingers.

Also schickte Ratzinger Mitte Juni, als die Bischofs-Konferenz der USA sich in Denver zu seiner Vollversammlung traf, dem damaligen Vositzenden der Konferenz Wilton Gregory, genau dem, den Papst Franziskus 2019 in Washington einsetzen sollte und 2020 zum Kardinal machen wird- und McCarrick, dem Vorsitzenden der Kommission für "Inlandspolitik" eine Notiz zu "allgemeinen Prinzipien" , die zur Verweigerung der Kommunion für katholische Politiker führen würden, die systematisch für Abtreibung werben. 

Diese Notiz kollidierte mit den "Interims-Überlegungen", die der Vollversammlung der Bischöfe von der von McCarrick geleiteten "Task-force" vorgelegt worden war. Der teilte vor der Versammlung gegen jene aus, die "die Heilige Natur der Eucharistie in ein parteiisches politisches Schlachtfeld verwandelt."

Aber das Schlußdokument über "Katholiken im politischen Leben", dem die Versammlung zustimmte, das Raum für ein "vorsichtiges Urteil"  zur Spendung oder Verweigerung der Kommunion ließ, erlaubte Ratzinger in einem folgenden Brief vom 9. Juli zu schreiben, daß das "in voller Harmonie " mit den allgemeinen Prinzipien sei, an die er in seiner Notiz erinnert hatte- innerhalb der Grenzen, deren vorsichtige Beurteilung noch ausgearbeitet werden müsse.

Aber was war inzwischen aus der Erklärung Ratzingers geworden? McCarrick tat alles, was möglich war, um sie geheim zu halten. Sie wurde in der Versammlung vorgelesen, aber nicht verteilt oder dokumentiert oder später durch die US-amerikanische Bischofskonferenz oder den Hl. Stuhl veröffentlicht. Die Bischöfe, die den Text besaßen, konnten an den Fingern einer Hand abgezählt werden. Aber einer von ihnen schickte ihn an Settimo Cielo und seinen Zwillingsblog "www.chiesa" , der ihn am 3. Juli vollständig sowohl in Italienisch als auch Englisch veröffentlichte


Der Bericht liefert einen zusammenfassenden Bericht über dieses Geschehen, das jedoch auf alle Fälle nicht nur auf die Vergangenheit zutrifft, weil auch Joe Biden, der Kandidat der Demokratischen Partei, der das Rennen um das Weiße Haus bei der Präsidentenwahl 2020 gewann, Katholik ist und Unterstützer des Rechtes auf Abtreibung. Und auch ihm wurde im vergangenen Oktober in einer Kirche in Florence, South-Carolina, die Kommunion von einem Priester verweigert, der danach- wieder- von Kardinal Burke verteidigt wurde. Und sogar ein gemäßigterer Kardinal wie der Erzbischof von New York, Timothy Dolan, drückte sein Verständnis für diesen Priester aus, sagte aber,er sei bereit, Biden die Kommunion zu spenden, genau wie 2004 die renommierten "neokonservativen" Kardinäle Avery Dulles und Francis George zugaben, daß eine "vorsichtige Beurteilung" zugunsten der Kommunion sprechen könnte. 

Auf jeden Fall soltte man feststellen, daß die 2004 von Ratzinger bestätigten "Hauptprinzipien" seit Jahren in Italien und Europa Bestand haben- außerhalb der USA und seiner stürmischern Konflikte- mit einer flexibleren Praxis - sogar auf den höchsten Ebenen der Kirche und mit Päpsten, die in dieser Sache ziemlich eisern waren, wie Johannes Paul II.

So spendete Johannes Paul II z.B. am 6. Januar 2001 bei der Abschlussmesse des Jubiläumsjahres Francesco Rutelli die Kommunio , dem praktizierenden Katholiken und Mitte-Links-Kandidaten für das Premierministeramt bei der für dieses Jahr geplanten Wahl in Italien-aber auch ein historischer "pro-choice" Kämpfer für Abtreibung. 

Und als 1990 der wahrhaft katholische König Baudouin von Belgien vorübergehend auf sein Königstum verzichtete, um das Abtreibungsgesetz nicht unterschreiben zu müssen,war diese Entscheidung völlig spontan. Keiner aus der Kirchen-Hierarchie hatte ihn darum gebeten. 

Heute könnte die Frage der Kommunion in Argentinien wieder auftauchen, wo Präsident Alberto Fernandez, Katholik, zu einer "legalen, freien und sicheren" Abtreibung drängt, gegen die Opposition der Bischofskonferenz, die ihn beschuldigt, das auszuführen, "was Franziskus ideologische Kolonialisierung nennt". 

Aber zurück zu Ratzingers Erklärung von 2004 - die hier- so relevant wie immer- noch einmal veröffentlicht wird. 

WÜRDIGKEIT ZUM EMPFANG DER Hl. KOMMUNION. ALLGEMEINE PRINZIPIEN" 

von Joseph Ratzinger 

1. Sich einzufinden,um die Hl. Kommunion zu empfangen, sollte eine bewußte Entscheidung sein- basierend auf einem überlegten Urteil über die eigene Würdigkeit- das gemäß der objektiven Kriterien der Kirche zu tun, indem man sich fragt: "bin ich in voller Kommunion mit der Katholischen Kirche? Bin ich einer schweren Sünde schuldig? Habe ich eine Strafe (d.h. Exkommunikation, Interdikt) auf mich gezogen, die mir verbietet, die Hl. Kommunion zu  empfangen? Habe ich mich selbst vorbereitet, indem ich mindestens ein Stunde gefastet habe? Die Praxis unterschiedslos an der Kommunion teilkzunehmen, weil man bei der Messe anwesend ist, ist ein Mißbrauch, der korrigiert werden muß. (Instruktion Redemptionis Sacramentum, Nn.81,83)

2. Die Kirche lehrt, daß Abtreibung und Euthanasie eine schwere Sünde sind. Die Enzyklika Evangelium Vitae stellt mit Bezug auf die Gesetzesentscheidungen des Zivilrechts, die Abtreibung und Euthanasie erlauben oder fördern, fest, daß es eine ernste und klare Verpflichtung gibt, dem durch Widerstand des Gewissens entgegen zu treten [...]Im Falle eines in sich ungerechten Gesetzes - wie ein Gesetz, das Abtreibung und Euthanasie erlaubt- ist es daher nie legitim, ihm zu gehorchen, oder an einer Propaganda-Aktion für ein solches Gesetz teilzunehmen oder dafür zu stimmen." (Nr.73) Christen haben die ernste Gewissenspflicht nicht formal an Praktiken teilzunehmen, selbst wenn sie durch das Zivilorecht erlaubt sind, die dem Gesetz Gottes widersprechen. Tatsächlich ist es vom moralischen Standpunkt aus nie legitim, formal beim Bösen mitzuwirken.[...] Diese Mitwirkung kann nie gerechtfertigt werden, weder durch die Berufung auf die Freiheit anderer noch durch die Berufung auf die Tatsache, daß das Zivilrecht es erlaubt oder fordert." (nr. 74)

3. Nicht alle moralischen Themen haben das selbe moralische Gewicht wie Abtreibung und Euthanasie. Wenn z.B, ein Katholik mit dem Hl. Vater über die Anwendung der Todesstrafe nicht einer Meinung ist oder über die Entscheidung, einen Krieg zu beginnen, würde er deshalb nicht für unwürdig erachtet werden, die Hl. Kommunion zu empfangen.  Während die Kirche die Staatlichen Autoritäten dazu auffordert, Frieden zu suchen, nicht Krieg, bei der Verhängung von Strafen für Kriminelle diskret und barmherzig zu sein, kann es trotzdem erlaubt sein, die Waffen zu ergreifen, um gegen einen Aggressor vorzugehen oder auf die Todesstrafe zurückzugreifen.  Es kann unter Katholiken sogar eine legitime Vielfalt von Meinungen zur Erklärung von Kriegen und der Anwendung der Todesstrafe geben, niemals aber über Abtreibung und Euthanasie. 

4. Abgesehen vom Urteil des Einzelnen über seine Würdigkeit, die Hl. Eucharistie zu empfangen, kann sich der Spender der Hl. Kommunion in einer Lage befinden, in der er jemandem die Hl.Eucharistie verweigern muß, wie z.B, im Fall einer erklärten Exkommunikation, einem erklärten Interdikt oder bei sturem Festhalten an manifester schwerer Sünde (Kan 915).

5. Wenn die formale Beteiligung einer Person bzgl der schweren Sünde der Abtreibung und Euthanasie  bekannt wird (im Fall eiues katholischen Politikers als ständige Teilnahme an Propaganda und Abstimmung für Abtreibungs- und Euthanasiegesetze)  sollte sein Pastor sich mit ihm treffen, ihn über die Kirchenlehre intruieren, ihn informieren, daß er solange nicht die Hl. Kommunin empfangen kann, bis er diese objektive Sünde beendet hat und ihn warnen, daß ihm andernfalls die Eucharistie verweigert wird. 

6. Wenn diese vorbeugenden Maßnahmen keine Wirkung haben, oder wenn sie nicht möglich waren" und die fraglische Person sich mit hartnäckiger Beharrlichkeit immer noch präsentiert. um die Heilige Eucharistie zu empfangen, " muß der Spender der Heiligen Kommunion  sich weigern, sie ihm zu geben"  (vgl. Erklärung des Päpstlichen Rates für Gesetzestexte "Heilige Kommunion und geschiedene, zivil wiederverheiratete Katholiken"). [2000], Nr. 3-4). Diese Entscheidung ist eigentlich keine Sanktion oder Strafe. Der Spenderr der Heiligen Kommunion urteilt auch nicht über die subjektive Schuld der Person, sondern reagiert auf die öffentliche Unwürdigkeit der Person, die Heilige Kommunion aufgrund einer objektiven Situation der Sünde zu empfangen.

[ Ein Katholik wäre der formalen Mitwirkung an Bösem schuldig,-und deshalb unwürdig, die Hl. Kommunion zu emnofangen. wenn er freiwillig für einen Kandidaten stimmt, wegen des permissiven Standpunktes des Kandidaten zu Abtreibung und Euthanasie. Wenn ein Katholik diesen Standpunkt des Kandidaten nicht teilt. aber aus anderen Gründen für ihn stimmt. wird das als entfernte materielle Zusamnenarbeit betrachtet, die beim Vorliegen angemessener Gründe zulässig sein kann.] 

P.s.

Inzwischen  haben sich die Dinge in den Händen von Papst Franziskus gegenüber dieser Erklärung Ratzingers von vor 16 Jahrem in zwei Punkten geändert: In einem Fall mit Verhärtung im anderen Fall mit Abschwächung. Die Todesstrafe ist nicht länger erlaubt und die Kommunion für wiederverheiratete Geschiedene ist zugelassen.  Aber der Kern der Erklärung bleibt intakt- bei der Kommunion für Pro-Abtreibungs-Politiker. " 

Quelle: Settimo Cielo, S. Magister

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