Sandro Magister kommentiert in seinem blog "Settimo Cielo" die augenblickliche Gefährdung der Kirche und der Religionsfreiheit durch die pandemiebedingten Restriktionen, die den Kirche auferlegt werden und analysiert dann einen Beitrag des Jesuiten Felix Körner aus La Civiltà Cattolica zum Thema Religionsfreiheit.
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"GESCHLOSSENE KIRCHEN. WAS SICH IM KRIEG GEGEN DIE RELIGIONSFREIHEIT GEÄNDERT HAT"
Die von den verschiedenen Regierungen wegen der Corona-Pandemie verordneten Einschränkungen für Messfeiern in Kirchen sind im Vatican nicht unbemerkt geblieben. Wenn Papst Franziskus zuzhustuimmen scheint, tut das Staatssekretariat das nicht. Am 16. November hat Erzbischof Paul Richard Gallagher, der Sekretär für die Beziehungen zu den Staaten, bei einem Treffen, an dem jährlich viele Repräsentanten zahlreicher Regierungen aus aller Welt teilnehmen, dem "Ministerial zur Förderung des Religions-und Glaubensfreiheit", gesprochen, um wegen dieser Restriktionen, die "die Relgionsfreiheit gefährden" die Alarmglocken zu läuten.
Für die katholische Kirche hat Gallagher erklärt, daß der Zugang zu den Sakramenten de facto nicht nur eine logische Folge der Versammlungsfreiheit darstellt, sondern ein unabdingbares Attribut des Rechtes auf Relgionsfreiheit ist.
Mit dieser Behauptung steht Gallagher direkt auf einer Linie mit den beiden jüngsten, gelehrten Dokumentationen- eine davon zur Relgionsfreiheit-, die die Internationale Theologen-Kommission in diesem Jahr mit Zustimmung des Präfekten der Glaubenskongregation, Kardinal Ladaria Ferrer, und unter dem "wohlwollenden Blick" des Hl. Vaters Franziskus veröffentlicht hat. - gewidmet der "Gegenseitigkeit zwischen Glaube und Sakramenten"
Eine Reziprozität, die für die ersten Christen so unauflöslich war, daß sie das Martyrium wert war: "sine dominico non possumujs" - sagten die Märtyrer con Abilene zu ihren Verfolgern- was aber heute die Pointe eines Witzes für den neu ernannten Kardinal Mario Grech ist, der kürzlich in einem Interview mit "La Civiltà Cattolica"jene Christen, die unter dem Fehlen der Eucharistie-Feier während der Lock-downs leiden, des "Spirituellen Analphabetismus" beschuldigte, er sagte, daß die Saktramente ausgelassen werden können, weil es "andere Wege gibt, zum Mysterium zu gelangen".
Tatsache ist, daß das Verbot der Messe und die Schließung der Kirchen nur der letzte Akt - zu rechtfertigen nur in seltenen und vorübergehenden Notfällen- zu einer Welle von Beschränkungen der Religionsfreiheit gehört, die seit Jahren auf globaler Ebene ständig zunehmen.
Vor einigen Tagen hat das in Washington beheimatete Pew-Research-Center ein detailliertes up-date zu diesem Thema veröffentlicht.
Die Untersuchung mißt in erster Linie die von Regierungen verordneten Einschränkungen der Religionsfreiheit - und sieht China an der Spitze, gefolgt von bevölkerungsreichen Ländern wie Iran, Rußland, Indonesien, Ägypten, Vietnam, Türkei.
Sie bewertet aber auch die Feindseligkeit gegnüber der ein oder anderen Religion, die sich in weit verbreitetem Verhalten manifestiert. Und hier führt Indien, gefolgt von Nigeria, Pakistan, Ägypten, Bangladesh und Indonesien.
Was an China auffällt, ist der Gegensatz zwischen der starken Feindseligkeit der Regierung gegenüber Religion und dem Wohlwollen der Bevölkerung - während es in Iniden umgekehrt ist-wo spontane Aggressionen der Bevölkerung noch stärker sind als die schon von der Regierung auferlegten Restriktionen.
Asien, der Mittlere Osten und Nordafrika sind die Gegenden mit den schärfsten Beschränkungen der Religionsfreiheit. Aber Europa gehört auch auf die Rangliste, wenn auch auf niedrigerer Ebene. Hier spielen die Regierungs-Restriktionen eine Rolle, die soziale Feindseligkeit aber eine größere. Besonders Dänemark, Deutschalnd, die Niederlande, Schweiz, das Vereinigte Königreich und Frankreich sind durch Akte anti-religiöse Aggession gekennzeichnet.
Die weltweit am meisten Betroffenen sind die Christen, dicht gefolgt von Muslimen und etwas weiter unten von Juden- obwohl Letztere nur 0,2% der Weltbevölkerung ausmachen, Hindus und Buddhisten folgen mit etwas Abstand.
Aber ist es nur die Quantität der Beschränkungen und der Angriffe auf die Religionen, die seit Jahren zunimmt? Oder ändert sich auch ihre Qualität?
Diese Frage wird von einem anderen Dokument der Internationalen Theologen-Kommission beantwortet- der Studie zur Religionsfreiheit , die 2019- ebenfalls mit Zustimmung des Papstes veröffentlicht wurde und über die getreulich von La Civiltà Cattolica in ihrer letzten Ausgabe berichtet wurde- mit einem Kommentar des jesuitischen Theologen Felix Körner, Professor an der Päpstlichen Gregoriana-Universität,
Religionsfreheit zum Wohle aller
Schon die Entstehung dieses Dokuments ist lehrreich. Es entnimmt seinen Schlüssel aus der Erklärung zur Religionsfreiheit "Dignitatis Humanae,” von 1965 , die auch eine der Konzilslehren ist,gegen die die Traditionalisten am meisten gewütet haben- bis zum Bruch mit der Kirche, wie durch die Anhänger Marcel Lefebvres und wie heute -wie es aussieht- der nächste Schritt von Erzbischof Carlo Maria Viganò aussehen könnte.
In den Fußstapfen der Exegese von Benedikt XVI bestätigt das Dokument erneut, daß "Dignitatis Humanae" innerhalb der Hermeneutik der Kontinuität interpretiert werden müsse- im Einklang mit der Neuheit des Zeit und zugleich in völliger Übereinstimmung mit der Kirche der ersten Märtyrer.
Aber es geht darüber hinaus, weil heute -darauf weist das Dokument hin. der historische Kontext sich gegenüber den Jahren des II.Vaticanischen Konzils erheblich verändert hat.
Körner faßt die Veränderungen, die eingetreten sind, wie folgt zusammen:
- "Eine erste Veränderung ist in der offensichtlichen Zusahme des religiösen Pluralismus zu bemerken. Während der in den 1960-er Jahren kaum erkennbar war, lebt heute der Großteil der Menschheit in einem multi-ethnischen und mulit-religiösen Umfeld."
-"Zweitens wird Religion zunehmend als Privatsache betrachtet, die in der Öffentlichkeit an den Rand gedrängt oder ausgeschlossen werden muß." .
-"Drittens -wird Religion heute- und sehr viel mehr als vor 55 Jahren- als Problem betrachte."
Diesen letzten Punkt entwickelt das Dokument der Internationale Theologen-Kommission am weitesten. "Die Autoren des Dokuments" -schreibt Körner-" erkennen an, daß Religion in den heutigen Gesellschaften oft mehr gefürchtet als willkommen geheißen wird. Die Menschen sind sich der Verbrechen, die im Namen der Religion begangen wurden, zutiefst bewußt. Und das fördert offensichtlich den Gedanken. daß Religionsfreiheit als solche eine Gefahr für die Menschheit darstellt.. Wenn der Staat nicht eingreift, um diesen extrem gefährlichen Faktor -Religion- zu domstizieren und zu zivilisieren, wird es niemand können."
Die Formen des "Fundamentalismus“ sind das auffälligste Element des "Problems“. Das Dokument unterscheidet diese von einer einfachen "Rückkehr zur traditionellen Frömmigkeit“. Es besteht vielmehr darauf, daß sie sich als Reaktion auf den liberalen Staat entwickeln können, entweder weil dieser sich weigert, die Richtung vorzugeben, den „Relativismus“ akzeptiert, oder weil er eine übermäßige Führungsmacht an sich reißt und die Religion in einer Art Totalitarismus "aus der Öffentlichkeit verdrängt“.
Fanatismus kann tatsächlich religiös oder antireligiös sein. Er kann entweder die Form der Theokratie oder die des staatlichen Atheismus annehmen. Das Dokument bezeichnet das als "politischen Monophysitismus": Modelle, in denen die Macht Gottes und die Macht des Staates austauschbar sind.
Das Dokument konzentriert sich auf das, was in westlichen Gesellschaften geschieht, und bezieht sich auf die Analyse von Charles Taylor in "The Secular Age". Eine Idee der "egalitären und nicht wertenden Neutralität", wonach religiöse Zugehörigkeit mit der Zugehörigkeit zu einem Freizeitclub gleichgesetzt wird und "die gesamte Welt der menschlichen Moral und des sozialen Wissens" demokratisiert "werden muss." Die Mehrheitsentscheidung kann jedoch nicht angewendet werden, wenn es um Grundwerte geht, weil der Staat auf diese Weise "ethisch autoritär“ wird. Und so "gerät die Ausübung der Gewissensfreiheit in ihrer ursprünglichen Beziehung zur Wahrheit in ständige Gefahr. Im Namen dieser ´Staatsethik 'gibt es eine unangemessene Infragestellung, die über das Kriterium der gerechten öffentlichen Ordnung hinausgeht - der Freiheit der Religionsgemeinschaften, sich nach ihren Grundsätzen zu organisieren “
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