Dienstag, 12. Januar 2021

S. Magister: Synodalität und Kollegialität oder Autokratie und Willkür?

Sandro Magister setzt sich bei Settimo Cielo kritisch mit der Art des Regierens von Papst Franziskus auseinander-und bezieht sich als Beispiel auf die beiden Familien-Synoden, Amoris Laetitis und den Umgang mit den Dubia, die dem verkündeten Anspruch auf Synodalität und Kollegialität diametral widersprechen.
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"FALSCHE SYNODALITÄT. NUR FRANZISKUS REGIERT: AUF SEINE EIGENE WEISE"! 

Daß Papst Franziskus absolute und ungezügelte Macht ausübt- willkürlich-im wahrsten Sinne des Wortes" geht sowohl aus einer Bestandsaufnahme seiner Handlungen als Monarch des kleinen vatikanischen Staates hervor - wie im vorherigen Beitrag von Settimo Cielo gezeigt- als auch aus einer politische Analyse seiner Machtausübung, wie im Leitartikel des Historikers Ernesto Galli della Loggia im "Corriere della Sera“ vom 20. Dezember.

Aber zusätzlich zu seinem Status als Staatsoberhaupt, ist Franziskus auch -und vor allem- der Hirte, der sich wiederholt gegen die Herrschaft eines Einzelnen und für eine "synodale" Leitung der universalen Kirche ausgesprochen hat. 

Und das ist es, was der Theologe und Erzbischof Bruno Forte, 71, in einer Antwort auf Galli della Loggia im Corriere della Sera unterstreichen wollte, in der er das präseniert, was er als sehr lehrreiches Beispiel ansieht, die Familien.Doppelsynode von 2014 und 2015. 

Forte war der "Spezialsekretär" dieser Synode- was bedeutet. in der Schlüsselposition für ihre Entwicklung- in diese Rolle befördert von Franziskus. Und er erinnert sich: 

"Bei der langen Audienz, die Papst Franziskus mir vor Beginn dieser Arbeit gewährte, in der wir über die Themen sprachen, die thematisiert werden sollten und mögliche Perspektiven - erklärte er mir deutlich seine Ideen und betonte, daß er auch in seiner Eigenschaft als Nachfolger Petri allein hätte über sie entscheiden können. das aber nicht tun wolle um Schlußfolgerungen zu erreichen, die in voller Ausübung seiner Kollegialität vom ganzen Episkopat geteilt werden könnten."

Vom gesamten Episkopat geteilt? Für Forte gibt es da keinen Zweifel. 

"Ich kann sagen, daß es so war und daß die Neuerungen, die durch Amoris Laetitia eingeführt wurden. z. B. bzgl. der pastoralen Sorge für verwundete Familien wurden Franzikus´ Ideen kollegial entwickelt und geteilt. Franziskus Gedanke, daß die Haltung gegenüber Paaren in der Krise Gottes Liebe für sie ausdrücken sollte, ist die, die sich einstimmig durchsetzte. Kurz gesagt,  nicht die Ausübung absoluter Macht, sondern die Überzeugungskraft der Barmherzigkeit hat ihren Vorrang bestätigt. “

Es sind sich also alle einig, die Bischöfe mit dem Papst, was die Zulassung der Geschiedenen und Wiederverheirateten zur eucharistischen Kommunion betrifft? Kein bißchen.  Denn wenn man kurz nach der Veröffentlichung von "Amoris Laetitia“ - dem Dokument, mit dem Franziskus seine Schlussfolgerungen aus der Synode zog - noch einmal auf das zurückgreift, was Forte selbst öffentlich gesagt hat, ändert sich das Bild radikal.


Es  war der 2. Mai 2016 und Forte, der Erzbischof von Chieti und Vasto sprach im Stadttheater von Vasto- und berichtete wie folgt von den Antworten, die Franziskus ihm- wahrscheinlich bei der oben erwähnten präsynodalen, langen Audienz auf seine Frage gab, wie bei der Synode beim heißen Thema der Kommuniuon für illegitime Paare vorgegangen werden sollte. 

"Wenn wir ausdrücklich von Kommunion für die wiederverheirateten Geschiedenen sprechen, wissen Sie nicht, was für ein Durcheinander die [Kardinäle und Bischöfe, die dagegen sind] uns bereiten würden. Also sprechen wir nicht direkt darüber, Sie sorgen dafür, daß die Bedingungen stimmen. dann ziehe ich die Schlußfolgerungen."  

Danach kommentierte Forte zum Lächeln des Publikums: "Typisch für einen Jesuiten" 

Schlechter Schachzug. Dieser gebildete Erzbischof, der bis dahin einer der Favoriten von Papst Franziskus gewesen war und auf dem Weg zu einem glänzenden Triumph in seiner Karriere, fiel von diesem Tag an in Ungnade. Der Papst hat ein Kreuz über ihn geschlagen. Keine Kumpanei mehr, keine Insiderrollen, keine Beratung oder Exekutive. nicht mehr Referenz-Theologe, keine Beförderung zum Präfekten der Glauenskongregation oder Vorsitzenden der italienischen Bischofskonferenz und nicht mal- obwohl Neapolitaner von Geburt - zum Erzbischof von Neapel und Kardinal.

Dennoch ist das alles von dieser Doppelsynode für die Familie bekannt, was vorher, während und hinterher zu dem Schluß führt, daß Forte im Theater von Vasto die Wahrheit sagte, viel wahrer als das, was er jetzt im" Corriere della Sera" stubenrein geschrieben hat.

Einige Hinweise genügen, um die Wahrhaftigkeit der am 2. Mai 2016 veröffentlichten Rekonstruktion zu bewerten. 

Das erste Manöver in Franziskus´ Planung war die Einberufung der Kardinäle im Februar 2914 zu einem zweitägigen Konsistorium hinter verschlossenen Türen -zur Dikussion einer Rede von Kardinal Walter Kasper- in voller Unterstützung der Kommunion für die wiederverheirateten Geschiedenen.  

Von diesem Konsistorium wurde nur Kaspers Rede veröffentlicht, aber sie war den meisten anwesenden Kardinälen bekannt, die sich dagegen positionierten - zur Enttäuschung von Franziskus, der kein Geheimnis daraus gemacht hatte, daß er dem deutschen Kardinal und Theologen zustimmte.

Das erstre Ergebnis war, daß er von da an keine weiteren Konsistorien zur Diskussion der Kardinälen miteinander mehr einberief- trotz der vielen Lobeshymnen für Synodalität und Kollegialität. Das zweite war, daß er während der Doppelsynode alles tat, was er konnte, persönlich oder durch seine Getreuen, um zu einem Schlußdokument zu kommen. das die Türen offen ließ, so daß der Papst kommen und gehen konnte, wie er wollte - weil er die Bedeutung des Dokumentes darin sah, "Franziskus freie Hand zu lassen" -  in den Worten eines anderen untadeligen Zeugen- Fr. Adolfo Nicolás Pachòn. zu der Zeit Ordensgeneral der Jesuiten, der Jorge Mario Bergoglio sehr nahe stand. 

In Wirklichkeit waren die beiden Synoden keineswegs friedlich. Am Anfang der zweiten Sitzung im Oktober 2015, geriet Franziskus wieder in Wut, als er einen Brief bekam, der von 13 Kardinälen erster Größenordnung unterschrieben war, der einen Schlag gegen die Wurzeln der Struktur der Synode darstellte, weil "sie darauf ausgerichtet war, vorgefaßte Ergebnisse zu wichtigen und kontroversen Themen zu ermöglichen."

Tatsache ist, daß die Dinge wie "vorbestimmt" liefen. Vom Schlußdokument, das mehrdeutig genug war, um Bergoglios Top-Exegeten, den Jesuiten Antonio Spadaro" in "La Civiltà Cattolica" vorhersagen zu lassen. daß "diese Synode in der Tat -was den Zugang zu den Sakramnenten angeht-die Grundlage dafür gelegt hat und eine Tür geöffnet hat, die im Gegnsatz dazu bei der früheren Synode 1980 vertschlossen geblieben war." Franziskus gab im März 2016 das lehramtliche Dokument "Amoris Laetitia" heraus- in dessen 325 Paragraphen kein einziges klares Wort zur Unterstsützung der Hl. Kommunion für wiederverheiratete Geschiedene steht- außer einer kleinen Erwähnung in den drei winzigen Fußnoten 329, 336 und 351. 

Und wie sollten diese drei kleinen Fußnoten interpretiert und angewandt werden? Im Babel der Lösungen aller Art. in der ganzen Welt, trugen auch die Bischöfe der Region Buenos Aires das ihre zugunsten der Kommunion für die wiederverheirateten Geschiedenen bei- in einem Brief vom 5. September 2016 an ihre Priester, auf den Franziskus noch am selben Tag enthusiastisch mit seinem Zustimmungsbrief antwortete, 

"Der Text ist sehr gut und erklärt sorgfältig die Bedeutung von Kapitel VIII von "Amoris Laetitia" . Es gibt keine andere Interpretation. Und ich bin sicher, daß sie Gutes tun wird." 

Bleibt zu entscheiden, welche Autorität ein privater Brief von Bergoglio an den Sekretär der Bischofskonferenz der Region Buenos Aires für die Weltkirche hat. 

Ein Dilemma, das für Papst Franziskus und die Glaubenskongregation nach der Veröffentlichung vom 19. September umso herausdfordernder war und ist, sind die Dubia der vier Kardinäle zur korrekten Interpretation von "Amoris Laetitia". 

Auf die Dubia- so ernst sie von vier maßgebenden Kardinälen war, die sie zwei Monate später öffentlich machten- hat Papst Franziskus nicht geantwortet- weder damals noch je- noch hat er die Kardinäle in Audienz empfangen. 

Statt dessen erschien am 7. Oktober der Brief des Papstes an die Bischöfe der Region Buenos Aires in den "Acta Apostolicae Sedis" , dem offiziellen Organ des Hl. Stuhls, und hob so seine Bedeutung an, allerdings nicht bis zu dem Punkt, daß ihm in der gesamten Kirche gehorcht werden müsse. 

Natürlich gelangte dieses seltsame Lehramt von Papst Franziskus nicht durch die Gitter des Melbourner Gefängnissses, in dem der unschuldige Kardinal George Pell bis zum vergangenen 7. Aprik eingesperrt war- einer der 13, die 2015  protestierten und einer derer, die die vier der Dubia am meisten unterstützten - wie er es in seinem "Gefängnis-Tagebuch" am 3. März 2019 , Aschermittwoch, geschrieben hat.

"Treue zu Christus und seiner Lehre bleibt für jeden fruchtbaren Katholizismus, jedes religiöse Wiedererwachen unverzichtbar.  Deshalb ist ist die "zustimmende" Interpretation in Argentinien und Malta so gefährlich. Sie widersprechen der Lehre des Herrn zu Ehebruch und der Lehre des Hl. Paulus zur Disposition, die erforderlich ist, um die Hl. Kommunion würdig zu empfangen. [...]

"Bei den beiden Familien-Synoden habe einige laut verkündet, daß die Kirche ein Lazarett oder ein Rettungshafen sei. Das ist nur ein Bild der Kirche und weit vom Nützlichsten und Wichtigsten entfernt, weil die Kirche zeigen muß, wie man nicht krank wird, wie man Schiffbrüche vermeidet und da sind die Gebote essentiell, Jesus selbst hat gelehrt :" Wenn ihr meine Gebote einhaltet, werdet ihr in meiner Liebe bleiben" (Jh.15,10) "

Offensichtlich geht die willkürlichg und monokratische Ausübung der Macht- verkleidet als Synodaliät- nicht immer Hand in Hand mit Konssens. De facto ist sie genau das Gegenteil." 

Quelle: Settimo Cielo, S. Magister

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