Mittwoch, 25. September 2013

Auch der Emeritus schrieb einen Brief....Teil 2

Fortsetzung von hier
"4. Im großen Stil existieren Spekulation und Phantasie im Bereich der Evolutionstheorie -auch in  ihrem Kernbereich. "Das egoistische Gen" von Richard Dawkins ist ein klassisches Beispiel für "Fantascienca"
Der große Jacques Monod hat Sätze geschrieben, die er selbst für Spekulation hielt:
"Das Erscheinen der 4-beinigen Wirbeltiere"
Er beschreibt, wie ein primitiver Fisch beschließt, an Land zu gehen, um es zu erkunden. Auf der Erde kann er sich nur ungeschickt ruckelnd vorwärts bewegen. So erzeugte er durch eine Verhaltensänderung den Evolutionsdruck, aus dem die Entwicklung von 4 Gliedmaßen resultierte.
Unter den Nachkommen dieses kühnen Entdeckers, dieses Magellans der Evolution, können einige 70 km/h schnell laufen."
( Zitat aus "Il caso e la necessita")

               

Bei allen bisher diskutierten Themen handelt es sich um einen ernsthaften Dialog, für den ich- wie ich wiederhole-dankbar bin.
Anders sehen die Dinge im Kapitel über das Priestertum und die katholische Moral aus und nochmal anders in den Kapiteln über Jesus. Wie Sie wissen, konnte ich den Mißbrauch Jugendlicher durch katholische Priester nur tief  konsterniert zur Kenntnis nehmen. Ich habe niemals versucht, diese Dinge zu verschleiern.
Daß die Macht des Bösen bis zu diesem Punkt ins Innere des Glaubens vordringen konnte, ist für uns ein Leiden, das wir einerseits ertragen müssen, während wir andererseits alles Mögliche tun müssen, daß sich solche Fälle nicht wiederholen.
Es ist kein Trost, zu wissen, daß nach den Untersuchungsergebnissen der Soziologie der Prozentsatz der Priester, die diese Verbrechen begehen nicht größer ist als der Prozentsatz Angehöriger verwandter Berufe.
Auf keinen Fall sollte man aber diese Deviation ständig als spezifisch katholisch präsentieren.
Wenn es nicht legitim ist, über das Böse in der Kirche zu schweigen, so sollte man auch nicht über den großen leuchtenden Schimmer schweigen, den der christliche Glaube in den langen Jahrhunderten verbreitet hat.



Wir müssen uns an die großen und reinen Gestalten erinnern, die der Glaube hervorgebracht hat:  bei Benedikt von Nursia und seiner Schwester Scholastica angefangen,  über Franziskus und Chiara von Assisi,
Teresa von Avila, Johannes vom Kreuz, zu den großen Heiligen der Barmherzigkeit Vincenzo de Paoli und Camillo de Cellis bis zu Mutter Teresa von Kalkutta und den großen, noblen Turinern des 8. Jahrhunderts.
Es ist wahr, daß heute der Glaube von vielen Menschen, die an der Liebe, dem Dienst am Nächsten, an der Ernsthaftigkeit und der Gerechtigkeit desinteressiert sind, zurück gewiesen wird. (...)

Das, was Sie über den Menschen Jesus sagen, ist Ihres Ranges als Wissenschaftler nicht würdig.
Wenn Sie schreiben, daß man über Jesus als historische Figur im Grunde nichts Akzeptables wisse, kann ich Ihnen nur die Lektüre der 4 Bände empfehlen, die Martin Hengel und Maria Schwemer zu diesem Thema herausgebracht haben- beispielhaft in ihrer historischen Präzision und Fülle an historischen Informationen.
Im Hinblick auf diese Erkenntnisse ist das, was Sie über Jesus sagen unbesonnen. Sie sollten es nicht wiederholen.
Daß in den Exegesen auch viele unseriöse Dinge behauptet wurden, ist unbestritten.
Das amerikanische Jesus-Seminar, das Sie auf Seite  105 zitieren, bekräftigt nur, was Albert Schweitzer in seiner "Leben Jesu-Forschung" sagte, über Aussagen, die für ihn nur ein Spiegel der Ideen der jeweiligen Autoren waren.
Derlei Aussagen waren nie das Ergebnis historischer Recherche und kompromittieren daher auch nicht den wichtigen Einfluß der ernsthaften historischen Forschung, die uns viel gesichertes Wissen über das Evangelium und den Menschen Jesus eingebracht hat.
Darüber hinaus muß ich mit Nachdruck Ihre Behauptung ( S.126) zurückweisen, ich hätte die historisch-kritische Exegese als Instrument des Antichrist bezeichnet.
Als ich über die Erzählung Solovievs "Die Versuchung Christi" sprach, habe ich seine Aussage übernommen, nach der die historisch-kritische Exegese vom Antichrist übernommen werden könne- das ist allerdings eine nicht anzweifelbare Tatsache.
Gleichzeitig habe ich immer- besonders im Vorwort des 1. Bandes meine Buches über Jesus von Nazareth- klargestellt, daß die historisch-kritische Exegese für einen Glauben unverzichtbar ist der sich nicht nur auf historische Bilder sondern auch auf historische Realität beruft und diese Realität auch wissenschaftlich beweisen können muß."

Fortsetzung folgt morgen

Quelle: LaRepubbica  klicken


Kommentare:

  1. Da die zeitliche Nähe zwischen des einen Papstes Brief an einen Atheisten und des anderen an einen ebensolchen doch zu auffällig ist, bin ich überzeugt, dass die beiden sich da miteinander abgesprochen haben. Einmal mehr!

    Deo gratias für diese beiden wunderbaren, einzigartigen Päpste!

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    1. Ich sag es ungern, aber wir haben keine 2 Päpste!
      Hätten wir 2 Päpste hätten wir ein Schisma, und zwar ein echtes.

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  2. Ja, daran sieht man sehr gut die große Demut und Bescheidenheit Benedikt's , der mit seinem Brief, der sicher lange vorher fertig war, so lange gewartet hat, bis der Brief von Papst Franziskus inkl. des Interviews veröffentlich waren und in den Medien ausführlich bejubelt werden konnten.

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    1. Man könnte auch auf die Idee kommen, daß die heutige "Perle" eine Spitze gegen unseren Emeritus war, dreht sich doch der Brief an Odifreddi fast ausschließlich um Bücher, u.a.um " Einführung in das Christentum" und die Jesus-Trilogie, die vielen Christus nahe gebracht haben, näher als vielleicht so mancher Spaziergang auf der Strasse oder durch die Favelas von Buenos Aires.

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