Sonntag, 10. Dezember 2017

Warum reist der Papst?

Aldo Maria Valli hat sich auf seinem blog www.aldomariavalli.it Gedanken über die Statements des Papstes nach seiner Reise nach Myanmar und Bangladesh gemacht und stellt einige Fragen dazu, die sicher-wie die mancher anderen auch- vom Gefragten nicht beantwortet werden.
Hier geht´s zum Original:  klicken

                                 "ABER WARUM REIST PETRUS?"
"Seit kurzem aus Birma und Bangladesh zurückgekehrt, überdenke ich bestimmte Antworten, die der Papst auf dem Rückflug gegeben hat. Und obwohl ich mich bemüht habe, gelingt es mir nicht, eine gewisse Verblüffung zu überwinden.
Die erste in Form einer Frage: "Aber warum ist der Papst nach Birma und Bangladesh gereist?"

Die Frage muß nicht merkwürdig erscheinen. Seit die Nachfolger der Nachfolger Petri angefangen haben, zu reisen, war das Hauptziel ihrer Reisen immer ein einziges: ihre Brüder im Glauben zu stärken , besonders die am weitestent entfernten und einsamsten Brüder, die die in Welten und Umgebungen leben, wo die Zugehörigkeit zur Hl. Römischen Kirche einen zu einem Angehörigen einer kleinen Minderheit macht, die nicht selten verfolgt wird. Auf alle Fälle lassen einige Erklärungen, die Franziskus an Bord des Flugzeugs abgegeben hat, vermuten, daß Bergoglio diese Reise aus anderen Gründen angetreten hat.

Tatsächlich hat der Papst während der Pressekonferenz- als er erklärte, wie und warum er in Dhaka Rohingya-Flüchtlinge treffen wollte, an bestimmter Stelle gesagt: "Ich wußte, daß ich Rohingyas begegnen würde. Ich wußte nicht wo oder wie, aber das war für  mich eine Bedingung für die Reise und wir haben die Art, das zu tun, vorbereitet."

So bestätigt der Papst, daß die Begegnung mit den Rohingyas kein Nebeneffekt war, sicher wichtig, aber einer Reise hinzugefügt, die bestimmt war, die Brüder in den kleinen und mutigen Kirchen in Birma zu stärken. Nein- es war die "Bedingung" für die Reise selbst, die der Papst persönlich gestellt hat.

Hat sich der fundamentale Grund für eine Reise des Nachfolgers Petri also geändert?
Ist man von der Stärkung seiner Brüder und Schwestern im Glauben zur Begegnung mit Flüchtlingen übergegangen?
Und wenn die Autoritäten aus dem ein oder anderen Grund die Begegnung mit den Rohingyas verboten hätten, was hätte der Papst unternommen?
Wäre er, weil er diese Begegnung zur Bedingung für die Reise gemacht hatte, nicht zu seinen Brüdern und Schwestern im Glauben gegangen?

Genau zum Thema Rohingyas hat Franziskus eine Erklärung abgegeben, die zu einem weiteren Problem führt. Als er sich auf die Rohingya-Terroristen (also die ARSA : Arakan Rohingya Salvation Army, eine Organisation, die für Angriffe auf Polizeikommissariate der birmesichen Polizei verantwortlich sind) bezog, hat er behauptet, daß die Rohingya "Leute des Friedens" sind und daß die, "die sich Daech angeschlossen haben-auch wenn sie Rohingyass sind- eine kleine, sehr begrenzte fundamentalistische Gruppe sind".
Was soll das heißen? Ist eine kleine Gruppe von Terrorisen etwas weniger terroristisch? Ist die Tatsache klein zu sein, ein mildernder Umstand?
Sollen wir also denken, daß eine diskriminierte ethnische Gruppe verstanden werden muß, wenn sie eine kleine Gruppe von Terroristen hat?

Was die Verbindungen zwischen Rohingyas und Terrorismus betrifft, hat Franziskus anschließend erklärt: "Wie in allen Ethnien und allen Religionen gibt es immer eine fundamentalistische Gruppe.
Auch wir Katholiken haben sie."





Wie kann man sagen, daß auch "wir Katholiken sie haben". Wenn Franziskus über die Fundamentalisten und die islamistischen Terroristen spricht, wenn er sagt "Auch wir Katholiken haben sie" versteht er darunter, daß es auch unter den Katholiken Leute gibt, die umhergehen, um zu töten und Attentate zu verüben?

Ein anderer Punkt. Als Fransziskus auf die Frage eines französischen Journalisten antwortete, der ihn fragte, ob es für ihn wichtiger sei, zu evangelisieren oder zu dialogisieren:
"Erste Unterscheidung: Evangelisieren bedeutet nicht, Proselyten zu machen. Die Kirche wächst nicht durch Proselytismus, aber durch Anziehung, d.h. durch Zeugnis. Das ist es, was Papst Benedikt XVI gesagt hat. Wie evangelisiert man? Man lebt das Evangelium, man bezeugt, wie man das Evangelium lebt: die Seligsprechungen bezeugen, Matthäus 25 bezeugen, den Guten Samariter bezeugen, die 77. Vergebung bezeugen. Aber wir sind von der Idee schneller Bekehrungen nicht sehr begeistert.
Wenn sie kommen, warten sie: man spricht.... eure Tradition..man stellt sicher, daß eine Bekehrung die Antwort auf etwas ist, das der Hl. Geist in meinem Herzen durch das Zeugnis des Christen bewegt hat."
"Während des Essens, an dem auch die Jugendlichen des WJT in Krakau teilgenommen haben- 15 Jugendliche aus aller Welt- hat einer mir diese Frage gestelllt: "Was soll ich einem Kommilitonen an der Universität, einem Freund, einem guten Menschen, sagen der Atheist ist? "

Hier die Antwort: "Das Letzte, was du tun mußt, ist etwas zu sagen. Du lebst das Evangelium und wenn er dich fragt, warum du das tust, kannst du ihm erklären, warum du es tust. Und laß den Hl. Geist ihn anziehen." Es ist die Kraft und die Sanftheit des Hl. Geistes bei den Bekehrungen. Es ist keine Überzeugung, die durch Apologien und das Vortragen von Gründen gemacht wird, nein....Es ist  der Hl. Geist, der die Konversion erzeugt. Wir sind die Zeugen des Geistes, die Zeugen der Evangeliums."

Evangelisierung-behauptet in der Summe Franziskus- geschieht nicht durch Worte ("das Letzte, was du tun sollst, ist etwas zu sagen") sondern z.B. durch das ansteckende Beispiel. Zur Unterstützung dieser These zitiert der Papst-wie auch in "Evangelii Gaudium" eine Passsage aus der Predigt von Benedikt XVI in Aperecida (13. Mai 2007) anläßlich der 5. Generalversammlung der lateinamerikanischen und karibischen Episkopate.
Aber was hat Ratzinger bei dieser Gelegenheit gesagt? Hier die Passage:

"Die Kirche macht keine Proselyten. Sie entwickelt sich eher durch "Anziehung": wie Christus jeden zu sich hinzieht- durch die Kraft seiner Liebe, die in seinem Opfer am Kreuz gipfelt. Die Kirche erfüllt ihre Mission in dem Maß, wie sie- zusammen mit Christus -jedes ihrer Werke in spiritueller und konkreter Übereinstimmung mit der Barmherzigkeit ihres Herrn - vollendet.
 (w2.vatican.va/content/benedict-xvi).

Wie man sehen kann, sagt Benedikt XVI, daß die Kirche sich durch Attraktion entwickelt, aber indem er das sagt, will er nicht behaupten, daß sie sich in der missionarischen Aktion enthalten muß, das Evangelium zu verkünden. Er sagt, daß das Tun umso missionarischer ist, je treuer die Kirche Christus bleibt.

Schließlich -an einer anderen Stelle der Pressekonferenz-zur Begegnung mit den Militärchefs von Yangon, sagte Franziskus: "Ich schließe nie die Tür. Du fragst, was du sagen sollst? Komm. Wenn man spricht, verliert man nie etwas, man gewinnt immer."

Franziskus schließt nie die Tür? Es wäre interessant, zu wissen, was die dubia-Kardinäle (zumindest die beiden Überlebenden) darüber denken. Vor ihnen, die niemals empfangen worden sind, noch jemals eine schriftiche Botschaft bekommen haben. war da die Tür des Papstes nicht verschlossen?  Es wäre interessant, zu wissen, was auch die anderen denken, die respektvolle Briefe und Botschaften nach Santa Marta geschickt haben, um ihre Zweifel oder ihre Verblüffung auszudrücken und die weder eine schriftliche Antwort noch einen Telefonanruf erhalten haben, dessen Franziskus sich sonst bedient hat.

Wir wissen, daß der Papst an seiner Tür in Santa Marta eine Karte befestigt hat, auf der steht: "Es ist verboten, sich zu beschweren". Soll man daraus schließen, daß kritische Beobachtungen der Brüder im Glauben für ihn  nichts anderes sind, als vermeidbare Klagen? Warum fordert er dann ständig "Parrhesie", also Freiheit im Ausdruck und warum warnt er vor Geschwätz? 
Ist die beste Methode, um Geschwätz und eitle Spekulation zu vermeiden,  nicht einen freien und direkten Dialog einzurichten, mit offenem Visier, also genau den Dialog, über den Bergoglio oft spricht, als eine der wichtigsten Eigenschaften der Kirche, die "herausgeht", Freundin, nicht feindselig zur Welt?
Oder ist der Dialog nur dazu da, eine Kirche zu sein, die hinausgeht, also im Dialog mit der Welt und den Entfernten, der im Inneren der Kirche selbst nicht mehr taugt, wenn es darum geht, den verblüfften Nahestehenden Antworten zu geben?"

Quelle: Aldo M. Valli, www.aldomariavalli.it, BenoîtXVI-et-moi

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