Sonntag, 7. Januar 2018

"Der verlorene Hirte" S.Magister kommentiert

Sandro Magister kommentiert bei  Settimo Cielo eines der kritischen neuen Bücher über Papst Franziskus und schaut noch einmal auf die Geschichte des Kolvenbach-Reports.
Hier geht´s zum Original:   klicken

"DAS BERGOGLIO-GEHEIMNIS. WARUM DER JESUITTEN-GENERAL  IHN NICHT ZUM BISCHOF MACHEN WOLLTE."

"Ein neues Buch über Papst Franziskus ist auf dem Weg, das bereits Wirbel verursacht bevor es am 26. Februar veröffentlicht wird. 

"Der verlorene Hirte: wie Papst Franziskus seine Herde in die Irre führt"
Der Titel klingt entschieden kritisch. Aber nicht aus  einem Vorurteil heraus. Autor des Buches ist Philip Lawler,einer der renomiertesten und ausgewogensten Katholischen Autoren in den USA:

Er war Herausgeber des Catholic World Report,” Nachrichtenmagazin von Ignatius Press, ein Schüler Joseph Ratzingers. Heute leitet er  “Catholic World News.”.
Er ist in Boston geboren und aufgewachsen. Er ist verheiratet und Vater von 7 Kindern. 
Zu Beginn des Pontifikates von Franziskus hat Lawler nicht versäumt, seine Neuerungen zu loben, 
Aber jetzt ist er-wie sich herausstellt- dahingekommen, in ihm den "verlorenen Hirten" einer Herde zu sehen, die auf die Wanderschaft geschickt wurde.

Und er hat sein kritisches Urteil überJorge Mario Bergoglio als Papst teilweise durch eine sorgfältige Neuüberprügung der Zeit Bergoglios als Jesuit und Bischof in  Argentinien entwickelt.

Genau das ist auch von anderen Biographen des aktuellen Papstes-sowohl für als auch gegen ihn- getan worden, um seinen Argentische Weg zu rekonstruieren und ein besseres Verständnis für seine Aktivitäten als Papst zu entwickeln.


Ein schlagendes Beispiel für diese Neubetrachtung der Argentinischen Zeit Bergoglios findet man  im jüngst veröffentlichten Buch über ihn "Der Diktator Papst", das zu Beginn des Winters als e-Buch in Italienisch und Englisch veröffentlicht wurde- von einem anonymen Autor -wahrscheinlich englischer Muttersprachler, der sich unter dem Pseudonym Marcantonio Colonna verbirgt.

Eine der Passagen aus "Diktator Papst", die den größten Aufruhr auslösten- ist die, in der der Autor den Schleier vom 1991 vom niederländischen Ordensgeneral der Gesellschaft Jesu, Peter Hans Kolvenbach (1928-2016) im Laufe der geheimen Konsultationen für oder gegen die Ernennung Bergoglios zum Weihbischof von Buenos Aires- geschriebenen Urteil über Bergoglio lüftet.

Der pseudonyme Marcantonio Colonna schreibt: 
"Der Text des Berichtes ist nie veröffentlicht worden, aber die folgende Zusammenfassung stammt von einem Priester, der Zugang zu dem Report hatte, bevor er aus den Archiven der Jesuiten verschwand. 
Pater Kolvenbach beschuldigt darin Bergoglio einer Reihe von Fehlern, angefangern von der Neigung zu einer vulgären Sprache, Ungehorsam-verborgen unter einer Maske der Demut und einer mangelnden seelischen Ausgeglichenheit. Im Hinblick auf seine Eignung als zukünftiger Bischof, weist der Bericht darauf hin, daß er als Provinzial seines eigenen Ordens "eine Person war, die spaltet."




Zu wenig, zu vage. Aber ohne jeden Zweifel ist die Existenz eines Urteils über Bergoglio, die die Vatican-Autoritäten im Hinblick auf eine Ernennung zum Bischof von Kolvenbach verlangten.
Genauso wie es keinen Zweifel über die ernsten Reibereien geben kann, die es zu der Zeit zwischen dem Durchschnittsjesuiten und seinen Oberen der SJ gab, sowohl in Argentinien als auch in Rom.

Es gibt gleichzeitige ausführliche, solide und Informationen zu diesen Reibereien wird von einer anderen Biographie Bergoglios angeboten, die nicht vorgefaßter Feindseligkeiten verdächtig sind, weil sie von Autoren verfaßt wurden, die ihm sehr nahe stehen oder von ihm sogar im Verlauf ihrer Verfassens überprüft hatte.

Das trifft besonders auf das Buch "....Franziskus" , das die Argentinier Javier Cámaraund Sebatián Pfaffen unter Supervision durch den Papst geschrieben haben- genau über Jahre der größten Isolierung Bergoglios innerhalb der SJ.

Es vertuscht nicht die Tatsache, daß Jesuiten, die gegen ihn waren, so weit gingen, das Gerücht in die Welt zu setzen, daß Bergolgio ins Exil nach Cordoba geschickt worden sei, "weil er krank sei, verrückt"

Dagegen wird das Urteil vom Jesuiten-General Kolvenbach gegen seine Ernennung zum Bischof völlig verschwiegen, dessen Name nicht einmal auf den mehr ls 300 Seiten des Buches erscheint.

Ebensowenig gibt irgendeine Erwähnung des Kolvenbaach-Reports in der bisher ausführlichsten und freundlichen Bergoglio-Biographie , die von Austen Ivereigh aus England geschrieben wurde.

Aber zum Ursprung und Kontext dieses negativen Urteils Kolvenbachs, ist die Information dir Ivereigh und Beroglio gegeben haben sind ausführlich und wertvoll. Und sie verdienen es, hier wieder aufgenommen zu werden.
"Der Grosse Reformer. Franziskus und das Making eines radikalen Papstes"  
Bergoglio hat selber Bezug genommen auf seine Reibereien mit seinen argentinischen Mitbrüdern -in einem Interview, das er "La Civiltá Cattolicca" und anderen Magazinen der SJ kurz nach seiner Wahl zum Papst gewährte.
"Meine autoritäre und schnelle Art, Entscheiungen zu treffen, haben dazu geführt, daß ich ernsthafte Probleme bekam und beschuldigt wurde, ultrakonservativ zu sein. Aber ich war nie ein rechter Flügelmann."
In Argentinien wurde die Kampagne gegen Bergoglio tatsächlich von den Jesuiten vom CIAS (Zentrum für Forschung und Soziales Handeln) geführt. CIAS macht fast den größten Teil von Ivereighs Behauptungen über "ältere Akademiker", Oberklassen-Progressive aus. die vom Erfolg dieses Jesuiten  "mit einem unteren Mittelklasse-Hintergrund, der nicht mal einen Doktortitel hatte, irritiert waren, der populäre Religiosität bevorzugte, während er die Forschungszentren vernachlässigte, ein Typ von Religiosität, die dem Volk und den Armen sehr nahe steht, aber in ihren Augen eher peronistisch als modern ist."

Das hat nicht genügt, um sie friedlich zu stimmen. 1979 beendete Bergoglio seine Amtszeit als Provinzial der Argentinischen Jesuiten. Seine Führungseigenschaften über einen substantiellen Teil der Gesellschaft war keineswegs vermindert. Im Gegenteil, Ivereigh schreibt: "am Ende seiner Zeit als Rektor hatte er mehr Einfluss als als Provinzial"

Genau aus diesem Grund, wurden seine Gegenspieler immer feindseiliger. Die Kritik des CIAS und anderer gelangten nach Rom, zur Generalkurie der SJ, wo der Assistent für Lateinamerika, José Fernandez Castaneda Bergoglio gegenüber auch feindlich gesonnen war und offensichtlich  überzeugten sie den neuen General-Superior Kolvenbach. Der in der Tat 1986, zu der Zeit als in Argentinien ein neues Oberhaupt für die Provinz gesucht wurde, keinen anderen als den Kandidaten der CIAS, Victor Zorzin, ernannte, der sofort einen von Bergoglios schärfsten Kritikern als Mann an seiner Rechten wählte, Ignacio Garcia-Mata, der ihm dann nachfolgte.

Darauf folgte dann das, was Ivereigh mit dem "Clash zwischen Peronisten und Anti-Peronisten" im Argentinien der 50-er Jahre vergleicht, mit dem Unterschied, daß jetzt die Gorilas [fanatische Anti-Peronisten] in der CIAS waren und das "pueblo" mit Bergoglio und den anderen war.
Kurz gesagt: "eine Reinigung bei allem, was mit dem abgesetzten Regime verbunden war,"

Und Bergoglio? Im Mai dieses Jahres -1986- zog er in Übereinkunft mit dem neuen Provinzial Zorzin nach Deutschland- offiziell für eine Dissertation über Romano Guardini. Aber schon im Dezember des gleichen Jahres war er bereits wieder auf dem Heimweg, zur Freude seiner immer noch zahlreichen Anhänger. Denen es tatsächlich gelang, keinen anderen als ihn als Prokurator der Argentinischen Provinz für ein Gipfeltreffen in der Generalkurie in Rom im September 1987 zu wählen.
Im nächsten Jahr war es Kolvenbach, der zu einem Treffen mit den Provinzialen des  Kontinents  nach Argentinien fuhr. Aber er vermied ein Treffen mit Bergoglio-trotz der Tatsache, daß er ganz in der Nähe wohnte.
Ivereigh schreibt: "Während der nächsen zwei Jahren polarisierte und veränderte sich die Provinz zunehmend".  und Bergoglio wurde "zunehmend beschuldigt, dazu aufzustacheln."
Er zitiert die Minuten des Treffens mit den Provinzialberatern: "In jeder Minute haben wir über ihn gesprochen. Es gab die dauernde Sorge, was wir mit diesem Mann tun sollten."

1990 schickten sie Bergoglio nach Cordoba, nicht länger mit irgendeiner Stellung, und seine engsten Mitbrüder schickten sie ins Ausland. Aber bald danach geschah das Wunder. Der Erzbischof von Buenos Aires, Antonio Quarracino, bat Rom um keinen anderen als Bergoglio als Weihbischof und er bekam ihn.
Ivereigh erwähnt das nicht. Aber es ist da, bei den geheimen Konsultationen die der Ernennung jedes neuen Bischofs vorangehen, daß der General-Superior Kolvenbach sich hinsetzte und sein negatives Urteil zur Ernennung Bergoglios schrieb. Er wurde nicht beachtet.
Aber es gibt eine Episode, die direkt nach der Bischofsweihe Bergoglios im Sonner 1992 stattfand, die zeigt, wie bitter der Zwist zwischen den beiden blieb.

Als er wartete, während seine neue Residenz vorbereitet wurde, wurde Bergoglio im Haus der Jesuiten-Kurie von Buenos Aires untergebracht, in der mittlerweile sein Erzfeind Garcia-Mata Provinzial geworden war.
Ivereigh schreibt: bis seine Wohnung als frischgebackener Weihbischof des Erzbistums bezugsfertig war, quartierte sich Bergoglio im Haus des Jesuitenprovinzialats in Buenos Aires ein. Dort hatte gerade auch sein Erzfeind Garcia-Mata als neuer Provinzial Einzug gehalten. Ivereigh berichtet dazu:
Das war kein leichtes Verhältnis. Bergoglio beschuldigte Garcia-Mata, ihn in seinem Bericht, den der Provinzial nach Rom geschickt hatte, verleumdet zu haben. Der Bericht war geheim, aber einer der Konsultoren hatte Bergoglio informiert. Garcia-Mata dagegen fühlte sich durch die Popularität bedroht, derer sich der neue Bischof unter den jungen Jesuiten erfreute.
Nach einem Monat reichte es dem Provinzial. Am 31. Juli, dem Fest des heiligen Ignatius, forderte er Bergoglio auf, seine Sachen zu packen.  "Aber ich fühle mich hier wohl.“
Mit diesen Worten habe Bergoglio geantwortet, wie Ivereigh unter Berufung auf Papst Franziskus schildert.  "Wenn er wolle, daß er gehe, sagte Bergoglio, müsse er ihm das offiziell mitteilen. So schrieb Garcia-Mata an Kolvenbach, der seine Entscheidung unterstützte. Der Brief des Jesuitengenerals wurde in Bergoglios Zimmer hinterlegt. Garcia-Mata erhielt darauf von Bergoglio ebenso schriftlich eine Antwort, in der er ihm den Tag seines Auszugs mitteilte.“
Man kann verstehen, daß Bergoglio mit einer solchen Vorgeschichte, von da an bei seinen zahlreichen Rom-Reisen weder einen Fuß in das Haus der Generalkurie der Jesuiten setzte, sondern im Klerushaus in der Via della Scrofa abstieg, noch jemals mit Kolvenbach redete.
Um sich mit der Gesellschaft Jesu zu versöhnen, mußte der erste Jesuit der Geschichte auf dem Papstthron erst zum Papst gewählt werden.
Durch Ivereigh, Javier Camara, Sebastian Pfaffen und andere befreundete und wohlwollende Autoren kennt man bisher aber nur eine Sicht der Ereignisse: die Bergoglios.

Die Sicht der anderen, nicht zuletzt das Urteil seines Ordensgenerals vor einem Vierteljahrhundert, ist noch fast zur Gänze unbekannt."
Quelle: Settimo Cielo, S. Magister

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