Dienstag, 6. März 2018

"Placuit Deo" - die Glaubenskongregation zu Neopelagianismus und Gnostizismus in der heutigen Kirche

In seiner wöchentlichen Kolumne in "Monday in the Vatican" analysiert und kommentiert A. Gagliarducci das neue Dokument der Glaubenskongregation "Placuit Deo".
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"PAPST FRANZISKUS, BEDEUTET DAS NEUE DOKUMENT DER GLAUBENSKONGREGATION EINE VERSCHIEBUNG IN DER DISKUSSION?"

"Wir warten auf das Dokument des Papstes warten, das das Thema Pelagianismus anspricht, ein Dokument das von der Glaubenskongregation an die Bischöfe der Welt zur Vorbereitung der Diskussionen geschickt wurde.

Das am 1. März veröffentlichte Dokument trägt den Titel "Placuit Deo" und soll- wie man in den ersten Pragraphen liest- im "Licht der größeren Glaubenstradition  und besonderen Bezug  auf die Lehre von Papst Franziskus-gewisse Aspekte der Christlichen Erlösung zeigen, die heute wegen jüngerer Veränderungen der Kultur schwer zu verstehen sind."

Tatsächlich stellt das eine Art Klarstellung der Gedanken von Papst Franziskus über Neo-Gnostik und Neopelagianismus dar, die der Papst zu den Übeln unserer Zeit zählt, wie er oft sagte.

Dieses beiden Themen werden schon in Evangelii Gaudium, der apostolischen Exhortation angesprochen, die die Richtlinien des Pontifikates enthalten: die Exhortation ist ein Wegweiser zum Verständnis des modus operandi von Papst Franziskus.

In Evangelii Gaudium betont Papst Franziskus, daß die spirituelle Weltlichkeit auf zwei miteinander verbundene Arten gespeist wird.

Einerseits- schrieb der Papst- "ist es die Anziehung durch den Gnostizismus- den rein subjektiven Glauben, dessen einziges Interesse eine bestimmte Erfahrung oder eine Serie von Ideen und Teilen von Informationen ist, die trösten und erhellen sollen, die einen letztlich aber in den eigenen Gedanken und Gefühlen gefangen halten."

Das andere ist "der selbstbezogene prometheische Neo-Pelagianusmus derer, die sich nur auf ihre eigenen Kräfte verlassen und sich anderen überlegen fühlen, weil sie unbeugsam bestimmte Regeln eines besonderen Katholischen Stils der Vergangenheit einhalten."

Der Papst fährt dann fort, daß der Neo-Pelagianismus - eine angenommene gesunde Lehre und Disziplin. "statt dessen zu einem narzisstischen und authoritären Elitismus führt, durch den- statt zu Evangelisieren- man andere analysiert und klassifiziert und anstatt die Tür zur Barmherzigkeit zu öffnen, man seine Energien auf´s Untersuchen und Verifizieren verschwendet. In keinem Fall interessiert man sich für Jesus Christus oder andere."

Das brachte manche dazu, zu glauben, daß der Papst- wenn er über Neopelagianusmus spricht, sich auf die Welt der Traditionalisten bezieht und eine zu rigide Verteidigung der Lehre.
Jedesmal wenn Papst Franziskus über Neopelagianismus gesprochen hat- und das hat er in den fünf Jahren als Pontifex oft getan- wurde der Ausdruck benutzt, um jene zu  etikettieren, die nicht auf der Seite der Agenda der Barmherzigkeit stehen.

Das hat  zu einer künstlichen Polarisierung geführt, die de facto den Sinn der ersten Exhortation von Papst Franziskus - die Freude, das Evangelium zu verkünden.- aus den Augen verliert.
Die Beschuldigung des Neo-Pelagianismus hat eine breitere Diskussion verhindert, indem sie ausschließlich als pro-oder-anti-Franziskus dargestellt wird, auch bei wichtigen Themen wie "Eucharistie für wiederverheiratete Geschiedene". Das geschah, weil die, die die Lehre der Kirche verteidigten immer "etikettiert" wurden.





Durch das Dokument "Placuit Deo" wird diese Polarisation beiseite gelegt, weil des das Denken von Papst Franziskus erklärt.

Im Dokument liest man, daß "sich eine neue Form des Pelagianismus in unseren Tagen ausbreitet, in dem das Individuum als radikal autonom verstanden und angenommen wird, wir könnten uns selbst retten, ohne anzuerkennen, daß er oder sie im Tiefsten von Gott und von anderen abhängt" und in dem "Erlösung von der Stärke individueller oder rein menschlicher Strukturen abhängt, die nicht in der Lage sind, die Neuheit des Geistes Gottes zu erkennen."

Während- so fährt das Dokument fort- "eine neue Form von Gnostizismus ein Modell der Erlösung anbietet, das rein innerlich und in seinem eigenen Subjektivismus gefangen ist."

Wie man feststellen kann, bezieht sich das Dokument nicht auf eine angenommene doktrinale Rigidität. Es betont eher das Entstehen einer Art des Denkens, die behauptet, sich selbst retten zu können, ohne den  Bund mit Gott anzuerkennen und daß die Erlösung zuletzt von Gott abhängt.

Zusätzlich kann eine Verschiebung der Diskussion beobachtet werden. Über doktrinale Themen hinaus, ist es klar, daß die Welt, die als "traditionell" abgestempelt wird- und oft als papstkritisch beschtrieben wurde- ihre Kritik auf einem entgegengesetzten Standpunkt gründet.
Das ist: daß die vom Papst geforderte Differenzierung und die Notwendigkeit, barmherzig zu sein,um immer mehr Herzen für das Wort Gottes zu öffnen, nie von der Lehre Gottes und der Notwendigkeit Gott zu vertrauen und die Lehre der Kirche zu befolgen-wenn auch mit Schwierigkeiten-getrennt werden kann.

Das Dokument scheint die Welt auf den Kopf zu stellen. Die, die am meisten über das persönliche Gewissen und Unterscheidung sprechen, haben sich manchmal von dem Gedanken entfernt, daß es Beichte und Umkehr braucht und streben eine menschengemachte "Selbsterlösung" an.
Vielleicht kann man einen Neo-Pelagianismus-Trend eher bei denen finden, die als elastische Förderer der Barmherzigkeit betrachtet werden, als bei den rigiden Verteidigern der Lehre.

Das Dokument geht noch weiter. Es unterstreicht, daß "der Vergleich mit den pelagianischen und gnostischen Häresien nur darauf abzielt, die allgemeinen gemeinsamen Züge darzustellen, ohne sich auf eine Beurteilung der genauen Natur der alten Irrtümer einzulassen. Es gibt große Unterschiede zwischen der modernen, säkularisierten Gesellschaft und dem sozialen Kontext des frühen Christentums, in dem dieses beiden Häresien entstanden sind.

Auf diese Weise werden die Worte des Papstes geklärt, die oft als direkter Vorwurf gegen einen bestimmten Trend gelesen werden.

Es ist fair zu sagen, daß der Papst immer bestimmte Situationen im Sinn hat, wenn er spricht.
Aber es auch fair zu sagen, daß der Papst immer in allgemeinen Formulierungen spricht.
Das Dokument zeigt die Persönichkeit eines Papstes, die an die Grenzen und an die Ränder gehen will und die Welt für die Botschaft des Evangeliums öffnen will. Aber dieser Papst gründet auch tief in der Tradition und weiß, daß es außerhalb der Kirche kein Heil gibt.

Deshalb stellt Placuit Deo eine Einladung dar, die Diskussio über das Pontifikat und den Glauben zu erweitern. Eher als sich auf Kasuistik zu fokussieren, ist es wichtig, auf das Gesamtbild der Christlichen Welt zu schauen.

Die Formel von Papst Franziskus ist die des Jesuitischen Apostolates: eher dahin zu gehen, wo die Diskussion schwierig ist, als das zu bestätigen. was bereits allgemein akzeptiert wird.
Das sind die Linsen, durch die man einige Aspekte des Pontifikates lesen muß.
Z.B. die Entscheidung des Papstes nach Lund zu gehen, um an die Reformation zu erinnern, mit einem Zeitplan, der ursprünglich kein Treffen mit der Katholischen Gemeinde vorsah.
Oder das Treffen des Weltkirchenrates in Genf am 21. Juni. Oder das ökumenische Engagement, bei allen theologischen Themen die Barrieren einzureißen.

Alles das kann nicht im Gegensatz zu dem gelesen werden, was in der Vergangenheit getan wurde.
Papst Franziskus hat einfach einen anderen Stil. Das ist der Grund, warum "Placuit Deo" auf alle Fälle als Meilenstein betrachtet werden kann: es stellt die Position von Papst Franziskus klar und erfordert einen tiefer gehenden Blick. Wird das ausreichen, um die pro-und anti-Franziskus-Polarisierung zu überwinden?

Quelle: Monday in the Vatican, A.Gagliarducci

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