Dienstag, 30. Juli 2019

Sacco di Roma 2.0- die Vandalen sind zurückgekehrt....

George Weigel kommentiert für The Catholic World Report die in vollem Gange befindliche Abwicklung des Johannes Paul II-Instituts via Personalumbau. Erwägt man den aktuellen Umgang mit dem spirituellen und doktrinalen Erbe des polnischen Papstes, stellt sich unweigerlich die Frage, ob seine Heiligsprechung nicht nur ein Tarnnetz war, unter dem man dieses Erbe umso ungehinderter demolieren kann?
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"DIE VANDALEN PLÜNDERN ROM......NOCH EINMAL"
Winkt da das Rote Birett in der Zukunft von Erzbischof Vincenzo Paglia? Wenn ja- wird es die Belohnung für das "Schießen in die Kniescheiben" (knee-capping) von Gelehrten mit untadeligem wissenschaftlichen Ruf  und persönlicher Rechtschaffenheit sein, die von ihren Studenten zutiefst geliebt werden.

Seit dem 23. Juli ist in Rom ein Manöver von rohem intellektuellen Vandalismus im Gange: Das ursprünglich als Päpstliches Johannes Paul II-Institut für Ehe und Familie bekannte Institut wurde unerbittlich, aber systematisch seiner herausragenden Fakultät beraubt und seine Hauptkurse in Moraltheologie wurden abgesagt.
Gleichzeitig werden Akademiker, die für ihre Opposition gegen die Lehre von Humanae Vitae zur  Fruchtbarkeitsregulierung und die Lehre von Veritatis Splendor von in-sich-schlechten Handlungen bekannt sind, ernannt, die im umgestalteten Institut in der Päpstlichen Lateran-Universität, der papsteigenen Institution für höhere Bildung- unterrichten sollen.
1690 Jahre nach der ersten Plünderung Roms durch die Vandalen- sind sie wieder dabei, auch wenn dieses mal der Vandalen-Führer ein bischöfliches Scheitelkäppchen trägt.

Hier gibt es eine Geschichte, und es lohnt sich, sie zu überdenken, um die Zerstörung klarer in den Focus zu bekommen.

Trotz der globalen Sucht der Medien, das II. Vaticanische Konzil und die nachfolgenden Debatten nach dem "liberal / konservativen" Schema zu analysieren, begann die wahre Spaltung nach dem Konzil (die sich bereits während der 3. und 4. Sitzungsperiode zeigte- wie verschiedene Tagebücher von Konzilstheologen attestieren) zwischen zwei Gruppen zuvor verbündeter Reformtheologen- deren eine Gruppe entschlossen war, die intellektuelle Moderne und ihre diversen Skeptizismen anzunehmen - während die andere Gruppe entschlossen war, einer authentische Reform durch die gelebte Tradition eine Grundlage zu geben.
Dieser "Krieg der Konzilsnachfolge" (wie ich es in meinem  kommenden Buch "Ironie der modernen Katholischen Geschichte" nenne) war nicht nur ein Aufruhr unter Intellektuellen: er hatte reale Konsequenzen im Leben der Katholischen Kirche.





Er führte zur Entstehung des Internationalen Quatralsmagazins Communio- als Gegenpol zum ultraliberalen "Konzilium". Es führte zur Gründung von Ignatius-Press und der großen Erneuerung der -von Henri de Lubac und Hans Urs von Balthasar beeinflußten anglophonen Theologie. Er führte zu Kämpfen um die Kontrolle über Fakultäts-Schlüssel in den Theologischen Abteilungen in der ganzen Welt. Und nach zehneinhalb Jahren des Kampfes führte er zur Wahl von Karol Wojtyla, der als Johannes Paul II Joseph Ratzinger zum Präfekten der Glaubenskongregation ernannte.

Der Widerstand gegen das Lehramt von Johannes Paul II (ein Lehramt, das natürlich vom damaligen Kardinal Ratzinger beeinflußt war) war tief verwurzelt und erbittert unter jenen selbsternannten Progressiven, die sich einbildeten, daß sie den Krieg der Konzilsnachfolge gewonnen hätten und sich dann plötzlich-nach dem zweiten Konklave von 1978 außerhalb des großen Spiels der Kirchenpolitik wiederfanden- auch wenn sie ihren eisernen Griff um die meisten Ernennungen an theologischen Fakultäten und zahlreichen theologischen Veröffentlichungen beibehielten,.
Die Antwort Johannes Pauls II auf diese Widerspenstigkeit und diesen intellektuellen Stolz bestand nicht darin, sie direkt anzugreifen und die progressiven Fakultäten von den römischen Universitäten zu befreien. Seine Strategie bestand vielmehr darin, neuere und dynamisch orthodoxe Stiftungen wie die Päpstliche Universität des Heiligen Kreuzes (heute wohl die intellektuell interessanteste der römischen Schulen) zu ermutigen und neue Institute Höherer Bildung an bestehenden Universitäten zu schaffen.

In beiden Fällen war es das Ziel, eine echte  Erneuerung der katholischen Theologie nach dem Verständnis des Zweiten Vatikanischen Konzils zu fördern - und nicht nach dem Verständnis von Immanuel Kant, G.W.F. Hegel, Ludwig Feuerbach und Karl Marx.
Als Johannes Paul II. Greshams Lehre umkehrte, hoffe er, daß eine gute Münzprägung -gute Theologie-vielleicht schlechte ethische Münzprägungen verdrängen würde, weil diese das menschliche Leben korrumpierte und die Leute in Verwirrung und Elend stürzte.

Das Johannes-Paul-II-Institut für Ehe und Familie war der Dreh- und Angelpunkt für die Schaffung lebendiger Alternativen zur katholischen Light-Wissenschaft, die zunehmend bizarrer wurde, als Johannes Paul II den Stuhl Petri bestieg.
(In den Vereinigten Staaten zum Beispiel hatte die renommierte Catholic Theological Society of America Mitte der 1970er Jahre eine Studie über die menschliche Sexualität in Auftrag gegeben, die es nicht über sich bringen konnte, Bestialität als an sich böse zu verurteilen.) Und in den ersten Jahrzehnten seiner Arbeit, tat das Johannes Paul II-Institut tat genau das, was sein päpstlicher Gründer von ihm wollte:
Es half dabei, eine Renaissance der katholischen Moraltheologie zu fördern, die Tradition der Tugendethik wiederherzustellen und weiterzuentwickeln und sorgfältig und mit Leidenschaft die oft verzwickten Fragen einer gelebten keuschen Liebe in verschiedenen Berufungen zu erforschen und in der ganzen Welt einen Kader von Moraltheologen zu schaffen, die durch ihre intellektuelle Arbeit die spätmoderne und die postmoderne Welt verwandeln wollten, anstatt der Spätmoderne und der Postmoderne zu verfallen, während die sich in Dekadenz und Inkohärenz verwandelten.

Und so war das Johannes-Paul-II.-Institut in Rom als Drehscheibe mehrerer angeschlossener Institute auf der ganzen Welt ein Schlüsselinstrument, um die Rezeption der Enzyklika von Johannes Paul von 1993 über die Reform des moralischen Lebens, "Veritatis Splendor", in der gesamten Kirche zu vertiefen. Und das war die Kränkung die jene, die zu ihrer großen Überraschung und Wut den Krieg der Konzilsnachfolge verloren hatten, nicht dulden wollten und konnten. Denn wenn ihr Projekt wiederbelebt werden sollte, mussten Veritatis Splendor und die Lehre über die Realität von in-sich-bösen Handlungen verschwinden.

Also warteten diese hartnäckigen -und wie es jetzt aussieht- skrupellosen Männer ihre Zeit ab.
In den letzten Jahren haben sie weiterhin jede ernsthafte Debatte über die Natur des moralischen Lebens, über die Moral des ehelichen Lebens, über die sakramentale Disziplin und über die Ethik der menschlichen Liebe verloren. und die Intelligenteren unter ihnen wissen es oder fürchten zumindest, daß dies der Fall ist. In einer bizarren Wiederholung der antimodernen Säuberung der theologischen Fakultäten in Folge der Enzyklika "Pascendi" von Pius X 1907, haben sie nun auf Rowdytum und
brutale Gewalt zurückgegriffen, um das zu gewinnen, was sie zuvor durch wissenschaftliche Debatten und Überzeugungen nicht gewonnen hatten.

Diese unbekömmliche Abrechnung ist der Grund, warum die Fakultätsleitung des Johannes Paul II-Instituts letzte Woche abrupt entlassen wurde, und deshalb gibt es keinerlei Garantie dafür, daß das Institut, das seinen Namen trägt, in naher Zukunft Ähnlichkeit mit dem haben wird, was Johannes Paul II dafür vorgesehen hatte.
Kardinal Angelo Scola, der emeritierte Erzbischof von Mailand und ehemalige Rektor der Päpstlichen Lateranuniversität, beschreibt das, was derzeit in Rom vor sich geht, als "Torpedierung" des Johannes-Paul-II-Instituts durch eine akademische "Säuberung".
150 Studenten des Instituts haben einen Brief unterzeichnet, in dem gesagt wird, daß die laufenden Änderungen die Identität und die Mission des Instituts zerstören werden; Unter den gegenwärtigen römischen Umständen haben sie etwa die gleiche Chance, gehört zu werden wie Marschall Michail Tukhachevsky bei den Moskauer Säuberungsprozessen in den Jahren 1937-38.

Daß diese stalinistischen Akte intellektueller Beraubung gegen das theologische und pastorale Erbe von Papst Johannes Paul II von Erzbischof Vincenzo Paglia ausgeführt werden, der im Jahr 2017 international aufgefallen ist, weil er ein homoerotisches Fresko in der Apsis der Kathedrale von Terni-Narni-Amelia in Auftrag gegeben hat -  ist extrem ironisch.
Paglia war einfach ein weiterer ehrgeiziger Geistlicher, als Johannes Paul II durch seine Arbeit als kirchlicher Berater der Sant'Egidio-Gemeinschaft auf ihn aufmerksam wurde.
Es folgten Jahre der Kriecherei, in denen Paglia damit prahlte, wie er den Papst in Bezug auf den ermordeten Erzbischof von Salvador - Oscar Romero- umgedreht hatte, indem er Johannes Paul sagte, "Romero sei nicht der Bischof der Linken, er sei der Bischof der Kirche".
Die Ernennung Paglias zum Großkanzler des Johannes-Paul-II-Instituts vor zwei Jahren - eine Position, für die er keine erkennbaren Qualifikationen besaß und besitzt - war verwirrend.
Aber jetzt wird auch klar: Er handelt genau so wie diejenigen, die die Synoden von 2014, 2015 und 2018 manipuliert haben. D.h. eine weitere Kabale von ehrgeizigen (und ehrlich gesagt nicht so klugen) Geistlichen, die immer wieder die Debatten verloren haben und dann versuchen, das durch Brutalität und Drohungen zu kompensieren.

Gibt es das rote Birett in der Zukunft von Erzbischof Paglia? Wenn ja- wird das eine Belohnung für die "zerschossenen Kniescheiben" von Gelehrten mit untadeliger Reputation und persönlicher Integrität sein, die von ihren Studenten heiß geliebt werden. Man fragt sich, ob der für das Johannes Paul-II-Institut zum Lord-Scharfrichter gewordene Großkanzler je "Ein Mann für alle Jahreszeiten" und die vernichtende Antwort von Thomas Morus auf den Verrat durch den habgierigen Bürokraten  Richard Rich gelesen hat: "Warum Richard, es nützt einem Mann nichts, seine Seele für die ganze Welt zu geben....aber für Wales?"

So ist die Römische Atmosphäre zur Zeit giftig, fiebrig und sehr unangenehm, mit mehr als nur einem Hauch von Panik. So benehmen sich Leute, die glauben, die Kontrolle zu haben und zu behalten, nicht. Fürchten diejenigen, die glauben im Krieg um die Konzilsnachfolge die Oberhand gewonnen zu haben, die Zukunft? Das sollten sie.
Weil -wie Johannes Paul II wußte- die Wahrheit immer gewinnt, wie lange es auch dauert, weil der Irrtum leblos und lähmend ist."

Quelle: The Catholic World Report, G. Weigel 

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