Donnerstag, 19. September 2019

Amazonas Ratzinger versus Rahner


Stefano Fontana betrachtet für "La Nuova Bussola Quotidiana" die gegensätzlichen theologischen Perspektiven Rahners und Ratzingers im Hinblick auf das Instrumentum Laboris für die Amazonas-Synode und die Mission heidnischer Völker.
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"AMAZONIEN: RATZINGER VERSUS RAHNER"

Die kommende Pan-Amazonas-Synode will eine amazonische Kirche, während sie nicht von einem christlichen Amazonien spricht. Dabei stehen die theologischen Perspektiven von Joseph Ratzinger und von Karl Rahner sich in Konfrontation gegenüber.
Für Ratzinger besteht die Pflicht, alle Völkern in die Schule Jesu zu führen, weil der die Wahrheit in Person ist, für Rahner dagegen offenbart sich Gott auch in den anderen Religionen und ist mit seiner Gnade in ihnen präsent. Aus der Theologie Rahners gehen der religiöse Pluralismus und der religiöse Relativismus hervor, auf den die Instruktion "Dominus Jesus eine Erwiderung gibt.
Das Instrumentum Laboris der Synode spricht kein einziges mal von Evangelisierung sondern nur von Inkulturation, sie spricht kein einziges mal vom Lehren sondern nur vom Zuhören, sie spricht nicht davon, Fragen zu stellen sondern davon, sich selbst in Frage zu stellen, nicht davon abzufragen sondern sich abfragen zu lassen. Mit anderen Worten- die Kirche soll sich "amazonisch" machen- in dem Sinn sich zu reformieren (verlernen, neu lernen, lernen sagt das Dokument) . Das ist exakt die Position Rahners und nicht die Ratzingers.

Im Buch "Glaube, Wahrheit, Toleranz. Das Christentum und die Religionen der Welt" verurteilt Ratzinger den heutigen Imperativ: "verletzt nicht die Religionen, wo sie noch bestehen".
Aber man fragt sich, ob das wirklich wünschenswert ist, da sind z.B: die Azteken, die den Göttern der Erde und der Vegetation Männer und Frauen opferten, denen die Haut abgerissen wurde."
Wir müssen nicht in allen Religionen Gott sehen- das ist seine These-  und daher ist die übermäßige Sicherheit, mit der das Instrumentum Laboris die primitiven Kulturen überhöht, problematisch.
Sogar einige katholische Interpreten stellen die indigene Mentalität naiv als absoluten Träger eines guten Lebens dar und schweigen über die Aspekte von Gewalt, Angst und Unterwerfung, die sie charakterisieren, an die das Beispiel der Azteken.- wenn auch in extremer Form- erinnert.
Giacomo Costa in "Aggiornamenti sociali" von August/September und Massimo Gronchi in "Leben und Denken" vom vergangenen November/ Dezember präsentieren die primitive Welt mit unrealistische Kriterien als Reich der Herzlichkeit und der moralischen Gesundheit, als eine Art Eden, das uns inspirieren kann,.





Rahners Perspektive unterscheidet sich stark von der Ratzingers. Für ihn "entfalte sich, wo immer sich eine individuelle und kollektive Menschheitsgeschichte entwickelt- nicht nur eine Heilsgeschichte, sondern auch eine Geschichte der Offenbarung im wahrsten Sinne des Wortes". 
Im Menschen in seiner Situation, im historischen Menschen kommuniziert Gott nicht mit wahrheitsgemäßen Informationen und Inhalten sondern mit der Öffnung des Daseins selbst auf die Zukunft und die Hoffnung hin. 
Wenn man die Dinge unter diesem Gesichtspunkt betrachtet, ist es nicht mehr möglich zu glauben, daß die Kirche und die Missionare den indigenen Völkern Wahrheiten unterbreiten könnten, als ob ihre weltliche Realität frei wäre von göttlicher Offenbarung, die von den Missionaren erwartet wird.
Wenn also letzendlich die historische und kulturelle Situation der indigenen Völker bereits eine Heilsgeschichte und eine Offenbarung ist, muss sie so belassen werden, wie sie ist, und darf nicht Gegenstand einer besonderen und neuen Ankündigung sein. Sie muss verstanden und begleitet werden und sich durch ihre Provokationen problematisieren lassen, die die Kirche von der Ideologie des Doktrinismus befreien, d.h. vom Anspruch, ein gut strukturiertes Wahrheitssystem zu haben, das sich gut auf alle ausbreiten läßt.

Es gibt aber auch einen anderen Punkt in der Amazonensynode, an dem die Ratzinger-Rahner-Opposition deutlich wird. In dem Buch "Glaube, Wahrheit, Toleranz ..." sagt Ratzinger, daß die Rahner-Doktrin des "Inklusivismus", d.h. alle Religionen in die Geschichte der Erlösung und der Offenbarung Gottes zurückzubringen, eine "Mystik" darstellt, die wiederum zu einer anderen Religion wird . Eine Mystik, die im Grunde alle Religionen vereinen würde, vom Buddhismus über den Hinduismus bis zum Christentum. Die gemeinsame Bezugnahme auf die Mystik von Mutter Erde ist heute ein Beispiel für diese neue Perspektive jenseits der Religionen. Aber - das ist der Punkt der Unterscheidung - für Ratzinger ist "das Konzept eines Christentums ohne Religion widersprüchlich und unrealistisch".

Quelle: LNBQ , S. Fontana

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