Mittwoch, 20. November 2019

Die Reden des Papstes: Eloquenz oder Unklarheit und Mehrdeutigkeit?

Sandro Magister gibt bei Settimo Cielo - mit einem kurzen, kritischen Kommentar die Eloge wieder, die die Jesuiten-Zeitung La Civiltà Cattolica über den Sprechstil vom Papst Franziskus veröffentlicht hat.Hier geht´s zum Original: klicken

"1+ . LA CIVILTÁ CATTOLICA ERKLÄRT FRANZISKUS ZUM MEISTER DER ELOQUENZ"   
Am 19. November bricht Papst Franziskus zu seiner 32. Auslandsreise auf- dieses mal nach Thailand und Japan. Und wie immer konzentriert sich die Aufmerksamkeit der ihn begleitenden 70 Journalisten schon auf die unvermeidliche Pressekonferenz beim Rückflug. 

Antworten an die Journalisten sind jetzt konstanter Bestandteil des "Lehramtes" von Jorge Mario Bergoglio. Das wird zusätzlich zu den "fliegenden Pressekonferenzen" inzwischen auch durch zahllose Interviews unter vier Augen verbreitet.

In der letzten Ausgabe von "La Civiltà Cattolica" hat der argentinische Jesuit Diego Fares diesen Schluss aus nichts anderem als dem jüngsten Franziskus-Interview im Buchformat entnommen, dessen Co-Autor er mit dem ebenfalls aus Argentinien stammenden Journalisten Herman Reyes Alcaide war- um die vom Papst angenommene Sprache als "neues Ereignis der Kommunikation" mit Bestnoten zu bewerten. 

Eine Sprache. die vorsätzlich "unvollständig" ist, schriebt Fares weil sie durch das "vervollständigt werden soll. was der andere sagt." Da kommen einem Bergoglios Gespräche mit Eugenio Scalfari, dem Gründer der Zeitung "Repubblica" und prominentem Vertreter des italienischen säkularen Intellektualismus in den Sinn- vollgepackt mit häretischen Postionen, die dem Papst zugeschrieben werden, von der Nichtexistenz der Hölle bis zur Nicht-Göttlichkeit Jesu- genau deshalb, weil sie "so ergänzt werden, daß der Leser sie versteht"-nach dem eigenen Zugeständnis des Interviewers. 

Aber hören wir -um zu verstehen- von La Civiltà Cattolica , wie Papst Franziskus selbst seine eigene Art zu sprechen erklärt, in der man ihn- so erklärt das Magazin-"wie einen Fisch im Wasser schwimmen lassen muß. 





"EIN NEUES ERLEBNIS VON KOMMUNIKATION" 
von Diego Fares S.J., von "La Civiltà Cattolica” vom 16. November 2019

Die Tatsache, daß der Papst, der Interviewte, zum Co-Autor des Buches werden sollte, ändert seine Literatur-Gattung: wir stehen nicht einem journalistischen Bericht gegenüber, sondern eher einem neuen Ereignis von Kommunikation. [...] Diese Unterhaltungen mit einem Co-Autor verstärken einen Kommunikationsstil, den Franziskus schrittweise entwickelt hat- beginnend mit dem ersten Interview, das er Pater Antonio Spadaro gab- bei jedem Treffen mit Journalisten auf dem Rückweg von seinen apostolischen Reisen. 

Franziskus hat verstanden, daß Interviews zu geben, ein Weg ist "heraus zu kommen" hin zur "Peripherie der Sprache". Herauszukommen, in dem Sinn, daß wenn er eine offizielle Rede hält, er eine "komplette Rede" hält, während er, wenn er ein Interview gibt, seine Rede unvollständig ist, und durch das vervollständigt wird, was der andere sagt. [...]

Dem Papst ist bewußt, daß er Risiken eingeht, aber für ihn "ist das Wichtigste, daß die Botschaft herüber kommt" wie er selbst- sichtlich bewegt- bei der Pressekonferenz auf dem Rückflug von Myanmar - feststellte. [...]

Wir haben einen Papst vor uns, der vom Gefühl "wie Daniel in der Löwengrube" dahin gelangte. sich nicht nur wohl zu fühlen sondern selbst zu einem Journalisten zu werden- bis zu dem Punkt, die Fragen und Antworten zur Reflektion mit den Journalisten über die Art zu nutzen, mit der er zu
kommunizieren versucht. [...]

Genau so wichtig wie die konkreten Meinungen des Papstes ist der stimulierende Charakter seiner Art des Dialogs [...]. Der Papst hat so viel zu vielen Themen zu sagen, das ist wahr; aber wenn man sieht, wie er seine Urteile ändert und klärt etwas, das die Medien oft nicht beachten, stellt man fest, daß er nicht versucht, eine eigene Idee durchzusetzen- um dann gemeinsam-zum Allgemeinwohl einen Schritt vorwärts im Verstehen der Wahrheit zu machen. [...]

Deshalb darf die Brüchigkeit seiner Vorschläge nicht mit Relativismus oder Zweideutigkeit verwechselt werden. Wenn das lebendige Wort vom harten Bellen der unwiderlegbaren Abstraktion befreit wird und zerbrechlich wird, ahmt man den Herrn nach, der die Schwäche unseres Fleisches annahm, um fähig zu werden, mit uns  zu sprechen, so daß wir ihn verstehen können und ihm erlauben in unser Leben und in unsere Herzen einzutreten. [....]

Die Art wie Franziskus statistische Daten betrachtet, kann uns helfen, zu verstehen wie er die Gegenwart interpretiert.[...] Der Papst benutzt Daten- sowohl die von der Wissenschaft erarbeiteten als auch die des gemeinen Mannes nicht.um einen gelehrten Diskurs oder fixe Ideen zu rechtfertigen, nicht um populär zu werden, sondern als Ausgangspunkt für einen Dialog, der sich als fruchtbar erweisen könnte. 

Die Ausdrücke, die er wählt, sind überhaupt nicht zudringlich,l [...] Diese Kontrolle der Sprache, die dann alles vorschlagen aber nichts aufzwingen mag, darf nicht nur als Manifestation der persönlichen Demut des Papstes verstanden werden, sondern als volle Ausübung der lehramtlichen Macht auf einer Ebene und mit einer Präzision, die viele nicht gewöhnt sind. 
Zweck des Lehramtes sind nicht nur dogmatische Definitionen umstrittener Punkte, die mit einem Anathema oder einem allgemeinen Gesetz beantwortet werden, sondern auch ein Hinweis darauf, daß da eine Gabe des Hl. Geistes ist, dem besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden muß. [...]

Wenn es etwas gibt, das der Papst die Journalisten in den diesen Jahren gelehrt hat- und jeden, der ihm zuhören möchte- ist es, daß das was er sagt, vom anderen richtig interpretiert werden muß.[...]
Die Angst falsch verstanden zu werden, führt mache dazu, nicht zu sprechen und bringt jene, die von Amts wegen sprechen müssen, dazu, ihre Sprache "kugelsicher" zu machen. Deshalb ist es - wenn der Papst sich ohne allzu viel Rhetorik zum Dialog hinsetzt. zumindest notwendig, gut zuzuhören, was und wie er es sagt. Die Fragezeichen von seinen Fragen zu entfernen, zeitliche Nuancen aus seinen Äußerungen zu entfernen. seine Vorschläge zu Dogmen zu übersetzen, seine Sätze aus dem Zusammenhang zu reißen- alle diese Hilfsmittel- unabsichtlich oder aus bösem Willen angewandt-sind gleichbedeutend damit einen Fisch zu verspotten, nachdem man ihn aus dem Wasser gezogen hat." 

Quelle: Settimo Cielo, S, Magister 


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