Montag, 5. September 2022

Papst Franziskus, stellt Praedicate Evangelium das II. Vaticanische Konzil in Frage?

In seiner heutigen Kolumne in Monday at the Vatican kommentiert A. Gagliarducci kritisch das zu Ende gegangene Konsistorium und explizit die Art des Papstes die Kardinäle vor vollendete Tatsachen zu stellen und die zunehmende Konzentrierung der Macht in seinen Händen. 
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"PAPST FRANZISKUS UND DAS PARADOX DES KONZILS"

Die von Papst Franziskus gewollte Kurienreform -aber vor allem die Philosophie dahinter hat wahrscheinlich zu einer nicht vorhergesehenen Konsequenz geführt. Geht man von den in Praedicate Evangelium erkennbaren Prinzipien aus, kann das gesamte II. Vaticanische Konzil in Frage gestellt werden Das ist ein Paradoxon, weil Papst Franziskus der Papst sein will, der das Konzil in die Praxis umsetzt. 

Die Frage sreht sich um ein zentrales Thema bei den Diskussionen der Kardinäle: die Verantwortung der Laien. Gemäß der Konstitution Praedicate Evangelium kann jeder, auch Laien, einen Leitungsposten bekommen, weil sie die Macht dazu direkt vom Papst erhalten. Das ist also die Befugnis eines Vikars- keine Befugnis durch eine empfangene sakrale Weihe.  

Das ist ein heißes Eisen und es war sofort Thema einer ausführlichen Diskussion. De Sekretär des  Kardinalrates Bischof Marco Mellino hat in einem Artikel, der an alle Mitglieder des Kardinalskollegiums zur Vorbereitung des Konsistoriums verteilt wurde, erklärt, daß diese Definition richtet sich nicht gegemm das Kanonische Recht wie es nach dem II.Vaticanischen Konzil reformiert wurde. Für Mellino bedeutet die Tatsache, daß Laien an der Regierung teilnehmen können, an denen die Bischöfe durch Berufung teilhaben. 

Diese Interpretation wird weithin bestritten. Vor dem Konsistorium wurden Beiträge zum Thema von den Kardinälen Antonio Rouco Varela, Marc Ouellet und sogar Walter Kasper verbreitet. Jeder stellte diese Entscheidung die Zentralisierung von allem in Hönden des Papstes- sogar die Verteilung der Macht. letztendlich im Geist des II. Vaticanischen Konzils sei. 

Sogar der Historiker Alberto Melloni hat die anti-konziliäre Wendung von Papst Franziskus kritisiert, der-anstatt zu delegieren, zunehmend seine Macht auf sich selbst konzentriert. Man bedenke, daß die missio canonica einem die Regierungsgewalt verleiht. In dem Fall kommt die Macht nur vom Papst, mit allem gebotenen Respekt für die potestas gubernandi die durch die Heiligen Weihen verliehen werden und die Tatsache, daß die Weihe alle Bischöfe in ihrer Würde gleich macht, mit der gleichen Macht, der selben Fülle der Macht. 

Es ist kein Zufallm daß viele der vorbereiteten Reden während des Konsistoriums, nicht gehalten wurden, weil es keinen passenden Augenblick gab, bei dem sich alle versammeln konnten, was genau in diese Richtung ging. 

Wie erwähnt, war es das Zweite Vaticanische Konzil das zur sakramentalen Natur der Kirche zurückkehren wollte, daß die sakrale Machtbefugnis der Bischöfe -sogar noch vor der Jurisdiktion- nicht nur die der Heiligung und der Lehre betrifft sondern auch die der Leitung. Das war ein Weg die Mißbräuche des zweiten Jahrtausends der Kirchengeschichte zu überwinden. Das hatte auch Äbtissinnen mit Territorialgewalt gesehen- ähnlich der der Bischöfe und Bischöfe, die nicht einmal geweihte Priester waren. 


Daß es dazu in der Kirche eine starke Zustimmung zu diesem Thema gab, wird durch die Tatsache bestätigt, daß die Stimmen, die zu diesem Thema, abgegeben wurden, das in die Aposstolische Konatitution Lumen Gentium mündete, hauptsächlich dafür waren: mehr als 3000 Konzilsväter haben diese Interpretation unterstützt während nut 300 dagegen gestimmt haben. 

Dass aber die neue Verfassung auf die Debatte zurückgreift und etwas verleugnet, das den Überlegungen des Zweiten Vatikanischen Konzils entsprungen ist, stellt die Rezeption des Zweiten Vatikanischen Konzils selbst vor große Probleme.

Auch das ist paradox, wenn man bedenkt, daß Papst Franziskus alles mit der korrekten Rezeption des Zweiten Vatikanischen Konzils in Verbindung bringen will. Tatsächlich ist der Papst in diesen Fragen besonders gewalttätig, insbesondere in Bezug auf die Liturgie.

Traditionis Custodes, das alle Konzessionen bzgl. der Feier des alten Ritus, abschafft, wurde von Papst Franziskus mit der Notwendigkeit das Konzil anzuwenden, das Leben der Kirche ist. Wenn das die Art ist, an die Konsequenzen von Praedicate Evangelium zu denken? Kann nicht die Konstitution selbst die Wahrnehmung des Konzils gefährden?

Es mag leicht sein, zu argumentieren, daß Liturgie und Leitung verschiedene Dinge sind.  Aber wie unterscheiodlich sie auch sind, das zugrunde liegende Prinzip bleibt das selbe, Am Ende gibt es einen Widerspruch.

Dieser Widerspruch durchdringt schließlich vieleAktionen des Pontifikates von Papst Frsnziskus, Da ist ein impulsiver Papst und ein weniger impulsiver Papst, wie zwei Seiten einer Medaille, der ein fließnedes und bipolares Pontofikat schafft und deshalb ein schwer zu interpretierendes. 

Da ist ein Papst, der auf der einen Seite alle traditionalistischen  Formen verdammt und andererseits -wenn er mit der Tatsache konfrontiert wird, daß es traditionelle Bewegungen gibt, die von der Kirche anerkannt werden, die ihre Gründe haben, ihre Arbeit akzeptiert und unterasützt - wie es mit dem besonderen Dekret zur Petrus-Bruderschaft. 

Da ist ein Papst, der Erbischof Gustavo Zanchetta so lange verteidigt, wie er kann- obwohl die Anschuldigungen gegen ihn überwältigend sind und der ihm Arbeit im Vatican zuweist und das Prinzip  der Unschuldsvermutung aufrecht hält, Dennoch ist da auch ein Papst, der Kardinal Becciu auffordert, auf alle seine Ämter und Vorrechte zu verzichten, und ihn effektiv zum medialen Pranger verurteilt-sogar noch bevor es einen Prozess gab. 

Da ist ein Papst der sakrosankten Null-Toleranz gegenüber dem Mißbrauch und ein Papst, der bei den Prozessen von Fr. Mario Inzoli oder Fr. Grassi in Argentinien interveniert. 

Ein Papst der Dokumente der Glaubenskongregation akzeptiert, daß homosexuelle Paare nicht gesegnet werden dürfen und ein Papst der sofort hinterher das Dokument verleugnet, weil es von den Medien scharf kritisiert wird. 

Da ist ein Papst, der richtig argumentiert, daß die Synode kein Parlament ist und ein Papst der sich selbst von der Idee vom synodalen Konsens distanziert, weil er alle Abstimmungen zu den Paragraphen des Schlussdokumentes und alle Sektionen, einschließlich die, denen nicht zugestimmt wurde - unterschieden zwischen Mehrheit und oppositionellen Ansichten- veröffentlichen ließ. 

Da ist ein Papst, der der Ukraine nahe sein will und ein Papst, der in jedem Fall versäumt, sich von den Nachrichten in oberflächlichen Zeitungsanalysen zu distanzieren. 

Da ist ein Papst, der sich über die Kommunikation des Hl. Stuhls beklagt und ein Papst, der statt ihr zu helfen, verschiedene Interviews gibt, ohne die Kommunikations-Abteilung einzubeziehen. 

Man sagt, daß das Prinzip des Nicht-Widerspruchs für Jesuiten nicht existiert- ein wohlbekannter Jesuit hat vor einiger Zeit mit einem Zitat von Dostojewski darauf hingewiesen, daß in der Theologie 2+2 nicht immer 4 ergibt, sondern manchmal 5. 

Dieses Vorgehen nach Versuch und Irrtum- vielleicht manchmal in gutem Glauben und im Bewußtsein einer notwendigen Reform der Katholischen Kirche und der Kurie, läuft Gefahr, eine Klippe zu schaffen, die über die ebenfalls Spürbare allgemeine Unzufredenheit hinausgeht. 

Wenn am Ende auch nur ein winziges Stück des Konzils in Frage gestellt werden kann, ist die Kontinuität in der Geschichte der Kirche gebrochen. An dieser Stelle könnte sogar die Kritik begründet sein, die Erzbischof Lefevbre an einer Position vorbrachte, die später zu einem Schisma führte, als er ohne Zustimmung Roms vier Bischöfe weihte.

Damals wurde gesagt, daß Lefebrvre sich mehr um seinen persönlichen Kampf als um irgendetwas anderes kümmere. In der Tat haben sowohl Johannes Paul II als auch der damalige Präfekt der Glaubenskongregation Joseph Ratzinger alles getan, um ein Schisma zu verhindern. Man muß sagen, daß Benebikt XVI -trotz der Liberalisierung des Gebrauchs des Alten Ritus immer die Bedingung gestellt, daß vor einer Rückkehr zur Kommunion die Lefevbriaaner insbesondere einer präzisens Präambel, die ein völliges Akzeptieren des Zweiten Vaticanischen Konzils darstellte, zustimmen mußten.  

Jetzt isr das Zweite Vaticanische Konzil die Richtlinie jeder Inspektion, jeder Anordnung- selbst der harschesten des Papstes. Dennoch wird es in einem seiner Grundzüge durch eine "in Versuch und Irrtum" geschriebenen Apsotolischen Konstitution in Frage gestellt- im Bewußtsein, daß es substantiell verbessert werden muß. 

Inzwischen hat Papst Franziskus beschlossen, seine Kardinäle zusammen zu rufen und sie vor vollendete Tatsachen zu stellen. Die Diskussion wurd in Gruppen unterteilt, wie es- so wird gesagt- in einer möglichen Reform der Generalkongrationen der Fall sein könnte, die dem Konklave vorausgehen. Es  ist unmöglich gemeinsam zu debattieren. wie von Kardinal Walter Brandmüller, einer der kritischsten Stimmen gegen diesen Trend kritisiert wurde.

Insgesamt war das Konsistorium ein "Nicht-Konsistorium". Es ist ein Kollegium, das eher ein Wahl-Komitée zu sein scheint als ein Beratungsgremium für den Papst, obwohl viele gesagt haben, daß die diskussionen in den Gruppen lebhaft und frei waren und niemand Druck verspürte. Tatsächlich gibt es fast Angst vor offenem Sprechen. Man hofft, daß der Papst die Reden der Kardinäle liest. Dennoch giht es eine unterschwellige Sorge: daß das Wesen des Priestertums unterminiert wird. Und es gitb die Angst, daß die Akzeptanz des Zweiten Vaticanischen Konzils einen Rückschlag erlitten hat, vielleicht einen entscheidenen. "

Quelle: A. Gagliarducci, Monday at the Vatican

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