Donnerstag, 29. Oktober 2020

Alles nur, um ein Schisma in der deutschen Kirche zu vermeiden?

Marco Tosatti hat bei Stilum Curiae die Überlegung von Alfonso Indelicato über die umstrittenen Äußerungen des Papstes zu HS-Partnerschaften und zustimmende Kommentare dazu veröffentlicht. 
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"INDELICATO: ERSTAUNT (ABER NICHT ZU SEHR), DASS WIR UNS NICHT WUNDERN. NICHT MEHR" 

"Liebe Stilumcuriale, Alfonso Indelicato, den Sie gut kennen, weil er schon auf unserer web-site präsent war. hat uns diese traurige Überlegung zu den jüngsten Äußerungen von Papst Bergoglio- über die eingetragenen Partnerschaften Homosexueller- geschickt. Gute Lektüre."

  

                            ERSTAUNT (ABER NICHT ZU SEHR) DASS WIR NICHT STAUNEN  

"Mit dem größten Respekt für die Kirche, den mystischen Leib Christi, und für ihr auf der Welt sichtbares Oberhaupt präsentiere ich am Rande einige heiße Überlegungen zu den jüngsten Erklärungen von Papst Franziskus zum Recht homosexueller Paare auf rechtliche Anerkennung und Schutz sowie das Recht Mitglied einer Familie zu sein.

Eine erste Überlegung betrifft das, was ich "staunen, daß man nicht staunt" nennen würde. Tatsächlich sollten die Worte des Pontifex etwas sehr viel Größeres als das auslösen - wahre Bestürzung. Und dennoch registrieren wir sie als nichts anderes, als eine natürliche Weiterentwicklung einer im Entstehen begriffenen Materie, die ihre Metamorphose noch nicht abgeschlossen hat, die zu wer weiß welchem Ende kommen kann. 

Deshalb war die -zigste versüßende Interpretation - diesesmal von S.E. Msgr. Semeraro -nicht nötig: inzwischen sind die Gläubigen süchtig und bereit, den nächsten Schritt zu tun, was auch immer der sein  mag.

Das "Overton-Fenster"* hat erneut seine WIrkung gezeigt, und sein Mechanismus wurde von Papst Franziskus selbst durch häufige Aussagen bedient, die die Öffentlichkeit an eine ausgeprägte Originalität in Bezug auf das, was das christliche Volk immer von den Prälaten gehört und als wahr geglaubt hat, gewöhnt hat.

In der Tat ist jetzt nichts überraschend. Und so scheint die päpstliche Einladung an ein homosexuelles Paar, seine KInder mit in die Gemeinde zu bringen (ich weiß nicht unter welchem Titel) eine Anerkennung des Adoptionsrechtes für dieses Paare zu sein, was sie dem Ziel wieder näher bringt, wleches auch immer das ist. 

Es wurde mit Autorität argumentiert, daß die Äußerungen des Papstes einen Versuch darstellen könnten, ein Schisma eines großen Teils des deutschen Klerus zu vermeiden, das sich leider am Horizont abzeichnet und ihre theologisch progressiven Standpunkte zumindest teilweise zu seinen eigenen und folglich das Schisma überflüssig zu machen. 

In dieser Interpretation kann etwas Wahres sein, aber dabei ergeben sich zwei Schwierigkeiten.Erstens- als ganz anderes Zeichen- die Gefahr eines schleichenden Schismas auf unserer Seite zu riskieren, um ein Schisma im Lande Luthers zu vermeiden.  Zweitens wird die in der Tat entscheidende Frage umgangen, ob es für die Kirche wichtiger ist, Schismen zu vermeiden oder dem Wort Christi treu zu bleiben. 


Das hat seinerseits der Philosoph Vattimo angesprochen, einer in der langen Reihe der atheistischen Bewunderer des Papstes, als er- auf den Flügeln der Begeisterung- von einem "neuen Christentum " sprach, das die "alten und unlogischen Grenzen " überwunden hat. Also von einer dritten Phase in der Beziehung zwischen dem christlichen Gott und den Menschen, nach der Phase des Alten und des Neuen Testamentes. Männer der Kirche -wie sehr sie die Statements von Papst Bergoglio auch schätzen- könnten so etwas heute nicht sagen, das wäre eine zu schwerwiegende Häresie- oder, das möge der Leser entscheiden, eine zu voreilige Vorwegnahme der Zeit. 

Vattimo dagegen, der weder ein Mann der Kirche ist noch Christ, kann das sagen. Und er könnte auch Recht haben, wären da nicht die zwei alten und jetzt vergessenen Worte: non praevalebunt (Matth. 16, 18)."

Alfonso Indelicato

Quelle: Stilum Curiae, M.Tosatti, A.Indelicato 

* Overton-Fenster: Eine Theorie, um zu bestimmen, welche Ideen in einer Demokratie durchgesetzt werden können, z.B. durch framing die Öffentlichkeit zu überzeugen, das "Fenster" zu vergrößern oder zu verschieben. Befürworter des bestehenden Zustands dagegen versuchen, davon zu überzeugen, daß nichts außerhalb des Fensters akzeptabel ist. 

 

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