Montag, 26. April 2021

und ewig die Reformen....

In seiner heutigen Kolumne kommentiert A. Gagliarducci in "Monday in the Vatican" den aktuellen Stand der Kurienreform.
Hier geht´s zum Original:  klicken

"PAPST FRANZISKUS UND DIE UNVOLLENDETE REFORM"

Ohne Ankündigung des offiziellen Bulletins hat Papst Franziskus eine kleine Reform durchgeführt, die eine bedeutende Wirkung haben könnte: er hat für die drei neu gschaffenen Dikasterien zu deren Mitgliedern außer den Kardinälen und Erzbischöfen auch Laien ernannt. Das ist eine kleine Sache, weil es in einigen Dikasterien schon vorher Laien gab. Es kann aber von einigem Einfluss sein,

Laut Pastor Bonus reguliert die derzeitige Konstitution die Funktionen und Pflichten der Kurien-Organisationen, "die ordentlichen Mitglieder sind Kardinäle und Bischöfe". Und das, während zugestanden wird, daß "gemäß der besonderen Natur einiger Dikasterien, zu den Kardinälen und Bischöfen Kleriker und andere Gläubige hinzukommen können." Pastor Bonus betont auch, daß Mitglieder "die unter den in  Rom weilenden oder außerhlab der Statd wohnenden Kardinälen ausgewäwhlt, werden. denen einige Bischöfe. besonders diözesane, hinzugefügt werden, die über spezielle Expertisen für die Themen verfügen, die dort bearbeitet werden; abhängig von der Natur der Dikasterien können auch einige Kleriker und andere christliche Gläubige in diese heiligen Ränge aufgenommen werden, unter der Bedingung, daß die Leitung und Macht denjenigen mit den Hl. Weihen vorbehalten bleibt." 

Blättert man durch das Päpstliche Jahrbuch (Annuario Pontificio) sieht man, daß die alten Kongregationen und die alten Päpstlichen Räte von der Kurienreform noch unberührt geblieben sind. Aber nicht die bereits, schon bevor die Reform umgesetzt wurd, geschaffenen drei Abteilungen: der Rat für Laien, Familie und Leben, der Rat für Integrale Menschliche Entwicklung und die Abteilung für Kommunikation. 

In den drei gebildeten Dikasterien, wurden die alten Päpstlichen Räte verschmolzen, die Laien beschäftigen konnten. Aber Papst Franziskus´ Entscheidung könnte etwas bei der  Mitgliedschaft der Dikasterien verändern. 

Das Verblüffende daran ist, daß diese neuen Entscheidungen nicht bekannt gemacht wurden, Wenn der Papst einen Kardinal in ein Dikasterium der Kurie aufnimmt (alle Kardinäle gehören zu einem oder mehreren Dikasterien) wird das im Bulletin des Pressebüros des Hl. Stuhls angekündigt. Das gleiche passiert, wenn der Papst die Berater der Dikasterien der Kurie ernennt, d.h. jener, die den Dikasterien bei bestimmten Problemen helfen. 


Die Integration von Laien in die Mitglieder der neuen Dikasterien wurde nur bekannt, als ihre Namen im Päpstlichen Jahrbuch veröffentlicht wurden, im Grunde dem Who is who des Vaticans, das jedes Jahr veröffentlicht wird. Im Jahrbuch werden nicht nur die Vaticanischen Dikasterien aufgeführt, sondern auch alle Kontakte der Dikasterien, die Namen der Beschäftigten, die dort arbeiten und sogar die Msgri aus aller Welt. 

Laut Pastor Bonus gibt es in der Römischen Kurie zwei Arten von Organismen: Kongregationen und Päpstliche Räte. Erstere - wirkliche Leitungkörperschaften werden immer von einem Kardinal geführt. Letztere können einen Erzbischof als Vorsitzenden haben. Die Bischofsweihe wurde immer als notwendig angesehen, weil die Notwendigkeit bestand, daß die führenden Mitarbeiters des Papstes mit ihm in kollegialem Verhältnis stehen. Weil der Papst der Bischof von Rom ist. folgt daraus, daß man zumindest Bischof sein muß, um mit dem Papst auf kollegialer Ebene zu agieren. Das gleiche gilt für die Mitglieder der Dikasterien. 

Das wird mit der neuen Apostolischen Konstitution, Praedicate Evangelium, nicht länger der Fall sein, vor allem, weil die hierarchischen Unterscheidung zwischen den diversen Abteilungen fallen wird. Und dann weil Papst Franziskus - wie er es bisher immer gemacht hat, die Reform in Kraft setzte, bevor die Entscheidung formal bestätigt wurde. Schließlich sind die neuen Dikasterien vor dem Treffen des Kardinal-Rates und nicht danach geschaffen worden.

Deshalb scheint auch die Diskussion über den Text der neuen Konstitution kein Ende zu nehmen. Der Text ist seit einiger Zeit fertig gestellt worden. Es gibt jedoch einige Punkte, die angepaßt werden müssen, um mit dem kanonischen Recht übereinzustimmen. Am Ende ist auch theologische Kohärenz beim Handeln nötig. Das ist nicht leicht. 

Papst Franziskus´ Reformen müssen immer späteren Verbesserungen unterzogen werden. Papst Franziskus trifft eine Entscheidung und setzt sie in die Praxis um, manchmal ohne die aktuellen  Konsequenzen zu bedenken. Deshalb gibt es die Notwendigkeit, die Reformen anzupassen und sicher zu stellen, daß alles mit der Tradition der Kirche und der aktuellen Rechtsprechung übereinstimmt. 

Es gibt verschiedene andere Fälle, in denen Papst Franziskus´ Entscheidungen korrigiert werden mußten. 

In einer Woche, in der der Hl. Stuhl Moneyvals Urteil zur Transparenz seines Finanzssystems erwartet, ist es wichtig, sich daran zu erinnern, daß sogar die Untersuchungen der Investitionen des Staatssekretariates in eine Londoner Luxus-Immobilie sehr schwerwiegende Folgen für das Vatican-System hatten. Papst Franziskus hat ein summarisches Vorgehen angeordnet, mit dem das vaticanische  Gerichtssystem umgangen und das Gericht gewzungen wurde, eine schwierig zu erklärende Situation zu untersuchen. Tatsächlich ist sie nicht erklärt worden, die beteiligten Personen sind aus unterschiedlichen Gründen einfach aus ihren Vaticanischen Ämtern entfernt worden. 

Man sollte sich erinnern, daß der Papst, wenn er Entscheidungen zu finanziellen Themen trifft, vorwärts und rückwärts geht: von der Rücknahme der von externen Beraterfirmen getroffenen Entscheidungen, die Pricewaterhouse Cooper mit dem motu proprio I Beni Temporali, zugesichert worden waren, die die Kompetenzen der APSA ( der sog. Zentralbank des Hl. Stuhls) und des Wirtschaftssekretariates, der neuen Körperschaft, die nach dem Willen von Papst Franziskus alle Wirtschaftstransaktionen überwachen sollte, besser definieren sollte. Auch gibt es den wohlbekannten Fall der Ankündigung der Gründung eines Personalbüros im Staatssekretariat. Diese Ankündigung wurde dann am folgenden Tag durch das Pressebüro des Hl. Stuhls zurückgenommen, das von einem "Projekt in der Studienphase" sprach. 

Hier erscheint Papst Franzisks´ Reform  unvollkommen. Der Papst nennt es "Reform auf dem Weg",  aber die Reform der Strukturen beinhaltet einen Plan, nicht nur Ideen. Und das ist vielleicht das größte Problem für die Regierung dieses Pontifikates. 

Wir wissen nicht. ob unter den Mitgliedern der anderen Dikasterien auch Laien sein werden.  Aber die Neuerung ist da und kann nicht übergangen werden. Sie hat sicher ihre Bedeutung." 

Quelle: A. Gagliarducci, Monday in the Vatican 

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