Montag, 17. November 2014

Antonio Socci denkt über das aktuelle Pontifikat nach

Antonio Socci, der "angry young? man" unter den Vaticanisti und Autor des in Mantua auf dem Index stehenden Buches "Non è Francesco", hat sich in einem Artikel im Libero der italienischen Alt-Atheisten angenommen, die plötzlich ihre glühende Liebe zum Pontifex und dem Kirchenstaat entdeckt haben. Die Diagnose, die er ihnen stellt , trifft auch für deren Gesinnungsbrüder &-schwestern bei uns und andernorts zu. Hier geht´s zum Original  klicken  
Vorsicht: harter Tobak!

"Haben Scalfari, Panella und Bertinotti sich bekehrt-oder ist es das Gegenteil?"
Zusammen mit Fausto Bertinotti sind Eugenio Scalfari und Marco Panella die glühendsten  Fans von Papst Bergoglio ("viva il Papa", "wir Radikalen lieben Sie sehr" "ich möchte Bürger des Vaticans werden")

Eine erstaunliche Konversion zum "Opium für´s Volk" , der Religion, als letztem Ausweg im Alter, weil- man weiß ja nie- sich dort vielleicht als Überraschung Gott finden läßt?

Nein. Es ist nicht die Spur einer Rückkehr in die Katholische Kirche, auch nicht eine Lebensänderung. In dieser Liebe auf den ersten Blick, die den Vorsitzenden der wiedergegründeten Kommunistischen Partei, und die beiden Symbole des Antiklerikalismus, des Laizismus und der Entchristlichung Italiens übermannt hat.

Also. Es ist das genaue Gegenteil. Es ist- von ihrer Seite- das Gefühl eines unerhörten, bisher in der radikalen und laizistischen Kultur nie vorgekommenen Triumphes- nach dem über die Italienische Gesellschaft nun auch über die Kirche.

Von der Seite Bertinottis ist es der Enthusiasmus für einen Papst , der sich als neuer, nichtglobaler Revolutionsführer der Welt gibt.

Aber ist es wirklich so?  Ist es nicht eher so, daß Scalfari und Panella einfach dankbar sind, für die Telefonate und Gespräche, wenn man ihr immer glühendes Ego betrachtet?
Und hätte Bertinotti nicht Bergoglios Einladung zum "Kampf" an Leoncavallo und co. erwidert?

Ich erinnere daran, daß auch schon vorher Intellektuelle, Journalisten oder Politiker durch Päpste "vom Blitz getroffen wurden". Besonders durch den charismatischen Johannes Paul II und den weisen Benedikt XVI.

In diesen Fällen aber handelte es sich um wirkliche Rückkehr zum Katholischen Glauben oder um eine kulturelle Konversion, die sie dazu brachte, sich allmählich wieder der kulturellen und ethischen Lehre der Kirche zu nähern.

Dagegen - erklärt Sandro Magister- hat die Popularität von Papst Franziskus "keine Wellen von Konversionen ausgelöst. Im Gegenteil, auch bei ihm gibt es eine gewisse Selbstgefälligkeit in der dem Christentum fernen oder feindlichen Kultur."

In welchem Sinn? "Darin,- zu sehen, daß das Oberhaupt der Kirche sich ihren Positionen zuwendet, sie zu verstehen und zu akzeptieren scheint."

Deshalb ist das Jauchzen der diversen Scalfari, Panella und Bertinotti nicht das jener, die den Glauben wiedergefunden haben, sondern das, endlich den Vatican "erobert zu haben."


SAGEN UND LEUGNEN
Und doch hat gestern Bergoglio vor den katholischen Medien gegen Abtreibung und Euthanasie gesprochen. Wie können Panella und die Scalfaris ihm da applaudieren? Ist das nicht der Beweis dafür,  daß sie einen Bock geschossen haben?

In Wirklichkeit wird die gestrige Rede ihren Bergoglio-Enthusiasmus nicht abkühlen.

Besonders deswegen, weil Reden zu diesen Themen bei Franziskus sehr selten sind, während sie bei seinen Vorgängern häufig waren, die die Alarmglocken für eine Menschheit läuten wollten, die sich -nach der Kirchenlehre- im humanitären Notfall befindet, weil sie das ABC der Menschlichkeit verloren hat ( wie Mutter Teresa von Kalkutta immer wieder sagte)

Bergoglio hat sofort bekannt gegeben, daß er sich nicht am Kampf um die "unverhandelbaren Werte" beteiligen werde (ein gewichtiger Bruch im Lehramt) und diese Wahl des vorigen Lehramtes als unglaublich obsessiv beurteilt.

Warum aber sind die Reden Papst Bergoglios untereinander so widersprüchlich?

Im Herbst 2013 hat die bekannte südamerikanische katholische Intellektuelle, Lucrecia Rego de Plana, die Bergoglio gut kennt und mit ihm zusammen gearbeitet hat, ein Porträt des Menschen gezeichnet, in dem sie u.a. schrieb:

"Bergoglio liebt es, von allen geliebt zu werden und allen zu gefallen. In diesem Sinn kann er an einem Tag im Fernsehen eine Rede gegen die Abtreibung halten, am nächsten Tag-in der selben Fernseh-Show- die Pro-Abtreibungs-Feministinnen der Plaza de Mayo segnen. Er kann eine wunderbare Rede gegen die Freimaurer halten und- Stunden später - mit ihnen im Rotary Club dinieren...das ist Kardinal Bergoglio, den ich aus der Nähe kennen gelernt habe. An einem Tag spricht er angeregt mit Bischof Duarte Aguer über die Verteidigung des Lebens und der Liturgie, am selben Tag spricht er- immer noch freundschaftlich-mit Msgr.Ysern und Msgr. Rosa Chavéz über die Basiskommunen und die schrecklichen Hindernisse, die die dogmatische Lehre der Kirche bedeuten. Einen Tag ist er der Freund Kardinal Ciprianis und Kardinal Rodriguez Maradiagas, und spricht über Betriebs-Ethik und gegen die New-Age-Ideologie und kurz darauf ist er der Freund von Casaldaliga und Boff und spricht vom Klassenkampf und den Reichtümern, die die Technologie des Ostens der Kirche geben könnte."

Also eine Leere im theologischen und philosophischen Denken? Eine Art pastoraler Peronismus, der alles und auch das Gegenteil glaubt? Sein kultureller Hintergrund ist wirklich kläglich ( er selbst nennt sich einen "unvollständigen Denker") aber er hat eine pastorale Strategie und das ist ganz offensichtlich.

KARNEVALSTREIBEN

Die Inkohärenz der Inhalte ist eine politische Wahl, die dazu dient, ein präzises Ziel zu verfolgen. Die Fans applaudieren ihm: endlich ein moderner Papst für die Laien. Tatsächlich scheint der Kompass dieses Pontifikates auf die Desakralisierung ausgerichtet zu sein.

Das erklärt-außer der Aufgabe der "nichtverhandelbaren Werte"- so viele kleine und große Entscheidungen, die untereinander ohne logische Verbindung zu sein scheinen.

Seit dem ersten Erscheinen auf der Loggia von St.Peter, am Abend des 13. März 2013, als er die priesterliche Stola und die rote Mozzetta ( Symbol des Martyriums Petri und der Jurisdiktion) verweigerte und sie karnevalesk nannte.

Sofort ergingen sich die Medien in Elogen über die Entheiligung des Papsttums, das sich auch in anderen Signalen andeutete- wie das " buona sera" anstelle des "Gelobt sei Jesus Christus" und indem er sich vier mal als Bischof von Rom definierte, keinmal jedoch als Papst.

Eine Desakraklisierung des Papsttums, (während die Mythologisierung des Menschen Bergoglio begann) -der andere kleine Schritte folgten (wie die Weigerung im päpstlichen Apartamento zu wohnen) und schwerwiegendere Konsequenzen, (auch wenn sie zweideutig sind) der Satz: "Wer bin ich, zu urteilen?" die Verdammung des katholischen Proselytismus und der sogenannten "spirituellen Einmischung" (soll heißen des christlichen Einflusses in der Welt).

Und war die Synode nicht eine beklagenswerte Desakralisierung der Familie? Und die nicht stattfindende Kniebeuge vor dem Tabernakel während der Konsakrierung? Und die Zulassung aller zur Eucharistie, die schon in Buenos Aires praktiziert wurden?

Und zu sagen, daß für die Christen die "absolute Wahrheit" nicht nötig ist?

Und die Zustimmung zu Scalfaris subjektiver Meinung zu Gut und Böse, relativiert die vielleicht nicht die Objektivität der Moral?

Und zu verkünden, "dass es keinen "Katholischen Gott" gibt, ist das keine Relativierung des Glaubens? Und die Rede in Caserta?

Und zu unterstellen, wie er es in der Rede vom 20. Dezember 2013 tat- daß die Madonna unter dem Kreuz "vielleicht hätte sagen wollen: ich bin getäuscht worden ", weil sich die messianischen Versprechungen als "Lügen" erwiesen?

Ist das keine Desakralisierung der Mutter Gottes? Die katholische Lehre hat immer bekräftigt- wie man im Katechismus lesen kann- "ihr Glaube hat nie geschwankt, Maria hat nicht aufgehört, an die Erfüllung des Wortes Gottes zu glauben. Und deshalb verehrt die Kirche Maria als reinste Verkörperung des Glaubens."

Man könnte mit sarkastischen (manchmal auch verächtlichen) Anmerkungen fortfahren, über die, die den Rosenkranz beten, Priester in Soutane, über die Schwestern, die fasten. Mit dem Ziel die Liturgie das Leben in Klausur zu entheiligen.

Und dann die Örtlichkeiten: der Imam, gerufen im Vatican zu beten ( wo er Allah um den Sieg über die Ungläubigen anrief), die Sixtinische Kapelle, Porsche für eine Betriebsfeier zugestanden, Leoncavallo und andere marxistische Gruppen- vom Papst am vergangenen 28. Oktober empfangen und mit einer Rede bedacht ( sie werden wiederkommen) und Patty Smith zum Weihnachtskonzert in den Vatican gerufen. Fehlt nur noch Vladimir Luxuria von TV 2000 (verschoben). Wann wird es eine Basketballpartie im Petersdom geben?

SCHIFFBRUCH

Es hat im Gegenteil mit Bergoglio eine Sakralisierung sozialer, typisch linker Themen gegeben. Und deshalb ist die südamerikanische Kirche, seit Jahrzehnten im Niedergang, unter allen Kirchen der Welt in der tiefsten Krise: die letzten, vom "Pew Research Center" verbreiteten Daten bestätigen den senkrechten Absturz der Mitgliederzahlen der Katholischen Kirche in Latein-Amerika.

Heute wird dieses Rezept zum Mißerfolg auf die ganze Kirche angewandt. Wir werden die Schäden sehr bald sehen. Der Bergoglio-Effekt.
A, Socci," Libero" 16. Nov. 2014

p.s. im Gleichklang dazu ist ein Interview mit Sandro Magister, seit 40 Jahren Kirchenberichterstatter, erschienen, dessen Übersetzung ins Englische man bei rorate-caeli lesen kann:
http://rorate-caeli.blogspot.com/2014/11/under-bergoglio-christianity-matters.html






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