Samstag, 12. September 2015

Es rauscht mächtig im Blätterwald der Vaticanisten und solcher, die es sein möchten

In Deutschland  ist es "Christ und Welt", das die Alarmglocken läutet, aber auch in Italien (Il Foglio) und im englischsprachigen Raum schreibt man darüber- wenn auch aus anderen Gründen.
Da liest man Sätze wie "Es reicht" und "Das Maß ist voll" und die beziehen sich auf den Regierungsstil von Papst Franziskus und die Machenschaften nach und vor der Synode.
"Christ und Welt"- traditionell rom -und ganz speziell-kurienfeindlich- glaubt einer antipäpstlichen Verschwörung auf der Spur zu sein, einer in der Literatur seit Jahrhunderten fest etablierten Sparte -aus besonders bei Protestanten lieb gewonnenen Schwarzen Legenden über die Ränke und Kabalen hinter den leoninischen Mauern jenseits des Tibers. Die sollten sie getrost Dan Brown überlassen. Aber auch aus gut informierten katholischen Insiderkreisen kommen Meldungen über eine zunehmende Unzufriedenheit im Kardinalskollegium, die man getrost ernst nehmen kann. Was also ist passiert?
Hier geht s zum Artikel von "Christ und Welt", mit dem Titel "Jetzt reicht´s", den man "cum grano salis" lesen muß- weil sie es zwar sola mit der scriptura aber nicht so unbedingt mit der veritas haben-: klicken
Hierbei geht es um ein mehr oder weniger geheimes "Dossier", das der ZEIT angeblich vorliegt und das kein gutes Haar an den beiden Motu proprio zur Vereinfachung und Beschleunigung der Ehe-Nichtigkeitsprozesse läßt. Dann wird eine Verschwörertruppe konstruiert, zu der natürlich alle konservativen Prälaten, voran Kardinal L.Müller- ebenfalls Feindbild nicht nur aller Progressisten und Anpasser sondern auch aller Relativisten vom Schlage der ZEIT und aller Protestanten vom Schlage Christ und Welt gehören, die man so gleich mal ganz nebenbei zu diskreditieren hofft.

In Italien sind es Il Foglio und Riccardo Cascioli  bei La Nuova Bussola Quotidiana, die als Ziel der Revolte eher Kardinal Kasper ausmachen. Hier geht´s zum Original:  klicken 

"Sie wollen Humanae Vitae abschaffen" die Moralisten gegen Kasper & co."
"Der Vorwurf ist schwerwiegend: der Paragraph 137 des Instrumentum Laboris, also der Dokumentes, das die Diskussionsbasis für die kommende Familiensynode (4.-25. Oktober) bildet, verzerrt eindeutig die Bedeutung der Enzyklika Papst Pauls VI "Humanae Vitae" und läßt den eigentlichen Sinn der katholischen Morallehre ganz außen vor.



Das ist keine unbedeutende Sache, weil "die inadäquaten Darstellungen und die Verzerrungen, die im Instrumentum laboris enthalten sind, fatale Folgen für die Gläubigen, die das Recht haben, die Wahrheit des depositum fidei zu kennen, haben können. Wenn Paragraph 137 also so von der Synode geschluckt wird, wird er unter den Gläubigen Verwirrung stiften."
 Das bekräftigt ein Dokument, das wir in der italienischen Übersetzung präsentieren -hier im Original-klicken-  das von den Professoren David Crawford (Johannes Paul II Institut Washington) und Stephan Kempowski (Johannes Paul-II Institut. Rom) redigiert und von 50 katholischen Theologen, Philosophen, und Moralexperten aus aller Welt unterschrieben wurde. Hier der Text und die Unterschriftenliste, die auch die Signaturen von Weihbischof Laun und Prof. Spaemann enthält:   klickenEs handelt sich um einen Appell an die Synodenväter, diesen § 137 zu entfernen und ihn durch einen anderen zu ersetzen, der auf angemessenere Weise vom Gewissen spricht, die Weisheit und Schönheit von "Humanae Vitae" feiert und den Eheleuten hilft, zu verstehen, daß ihnen die Gnade gewährt wird, was die Gabe der Sexualität betrifft, nach dem Plan Gottes zu leben, Worum handelt es sich? In seiner Substanz stellt das Instrumentum laboris für das Thema des moralischen Urteilsvermögens das gut ausgebildete individuelle Gewissen gegen die objektive moralische Norm, und schlägt vor -vielleicht mit Hilfe eines spirituellen Vaters- ein Gleichgewicht zwischen beiden herzustellen.Das ist die Negierung der Enzyklika Humanae Vitae (1968) Pauls VI, auf die "Veritatis Splendor" (1993) von Johannes Paul II noch einmal auf höchst lobende Weise zurückgreift und- allgemeiner- die Negierung der gesamten katholischen Moral.
Praktisch bedeutet das, daß das Instrumentm Laboris, das zwar aus Beiträgen der Kirchen der ganzen Welt zusammengestellt, aber von vom Sekretariat der Synode- geleitet von Kardinal Baldosseri und Msgr. Bruno Forte redigiert wurde, zu Verstehen gibt, daß die Moralnormen der Kirche nicht mit der Wahrheit des Menschen übereinstimmen und voraussetzt, daß Gott zum Gewissen des Einzelnen spricht und ihm von den Moralnormen abweichende Verhaltensvorschläge macht.
Das bedeutet am Ende, daß angesichts einer Norm, die ohne wenn und aber den Ehebruch verdammt, Gott dem Gewissen irgendeiner Person suggerieren könnte, daß unter bestimmten Bedingungen auch der Ehebruch annehmbar sei. Und deshalb müsse man dann einen Punkt des Gleichgewichts finden- und sich dazu auf einen Dritten beziehen- der dann entscheidet, obwohl er keine objektive Norm hat, auf die er zurückgreifen könnte.

Mit anderen Worten hier zeigt sich die Relativierung der Moral, die sich auch weit über die Grenzen der Familie hinaus erstreckt. Außerdem beweist die Formulierung von § 137 eine rein negative Sicht der moralischen Normen, als Zwangsmaßnahmen, während er eigentlich für die Schönheit des Lebens öffnen müßte.
"Vorzugeben, daß der objektive Inhalt einer moralischen Norm nicht mit den Bedürfnissen der Person übereinstimmt- sodaß die Befolgung seiner Vorschriften nicht zum moralisch Guten für den Menschen wirken könne,  steht im Widerspruch zum katholischen Moralkonzept.
Die Behauptung, dass moralische Normen, das menschliche Glück nicht befördern, spiegelt eine nominalistische Ansicht wilkürlicher Moralgesetze wider, nach der eine Handlung schon deswegen schlecht ist, weil sie verboten ist. Eine solche Sicht entspricht in keiner Weise der Realität der Schöpfung Gottes,
Es sollte eher bestätigt werden, daß das Moralgesetz, das der Wahrheit des Schöpferaktes Gottes entspricht, eine anthropologische Wahrheit über die menschliche Person ausdrückt, die nicht ignoriert oder verletzt werden darf, ohne unsere Bedürfnisse und Möglichkeiten zu schädigen, also uns selbst zu verletzen."

Der Appell der 50 sollte sicher von allen gelesen werden, weil er die Basis klärt, auf der die Synode vorbereitet wird. 
Es ist offensichtlich, daß die Formulierung von § 137 - mit dem Schwergewicht seiner Behauptungen- nicht den Irrtümern und der Unfähigkeit der Redakteure zu verdanken ist, sondern im Gegenteil dem präzisen Willen, die kommende Familiensynode dazu zu nutzen, Revanche für Humanae Vitae zu nehmen.

Auch damals wurde Papst Paul VI jahrelang von den Laien und jenen Bischöfen, die nach dem Konzil eine Änderung der wichtigen Doktrinen  der Sexualmoral und Familie erwartet hatten, angegriffen-um dann fast in eine Lynchstimmung zu verfallen, als in der Enzyklika die Lehre der Kirche zum Leben und zur Familie veröffentlicht wurde- zur Enttäuschung der Progressisten.
Seit damals hat sich in einigen Episkopaten, Seminaren und religiösen Orden ein paralleles Lehramt herausgebildet, das eine Lehre der Kirche  propagiert, die Frucht einiger Intellektueller und Theologen, war-ängstlich darauf bedacht, von dieser Welt zu sein.
Intellektuelle, Theologen und Bischöfe, die dem Papst auf eklatante Art nicht gehorchten, und den Wert des Ungehorsams als etwas betrachteten, das nur prophetisch sein konnte.
Es sind die selben, die jetzt Papst Franziskus lobpreisen, päpstlicher sind als der Papst und die jetzt eine Jagd auf die "Häretiker" entfesseln, die sich dieser wohl unaufhaltsamen Revolution nicht anschließen wollen.
Die kommenden Wochen werden uns sicher weitere Antworten bringen."

Quelle La Nuova Bussola Quotidiana, R. Cascioli 

Wir haben es also mit zwei verschiedenen Schriftstücken zu tun, die Alarm schlagen- dem Dossier der Kurie zu den Motu Proprio  und dem der "Moralisten" speziell zum Instrumentum laboris.
Und dann gibt es noch ein Interview mit Edward Pentin zu seinen Erkenntnissen nach und vor der Synode und eines von Pentin mit Kardinal Kasper- zu dessen ungebrochener Hoffnung, seine These doch noch durchsetzen zu können.

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