Mittwoch, 23. März 2016

"Realitäten" versus Ideen, zwei Päpste zwischen Barmherzigkeit und Wahrheit

Father R. Blake kommentiert auf seinem marymagdalenblog den Artikel von A. Gagliarducci, der den aktuellen Pontifex und den Papa emeritus anhand des kürzlich veröffentlichten Interviews des französischen Jesuiten J. Servais mit Benedikt XVI vergleicht.
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                "REALITÄTEN" WICHTIGER ALS IDEEN
"Andreas Gagliarducci schreibt einen sehr interessanten Text über das Interview, das Papst Benedikt vor kurzem gegeben hat, das den großen Unterschied zwischen den Päpsten beleuchtet, es ist nicht- wie auch Gagliarducci zeigt, eine bedeutende lehramtliche Differenz zwischen den beiden sondern eher eine des Ansatzes, aber es ist ein vitale.
Einige Leute beschuldigen den aktuellen Hl. Vater aller Arten von Häresien. Ich verstehe einfach nicht, was er sagt und ich bin auch einfach nicht dran interessiert, in seinen langen Reden und noch längeren Dokumenten nach Häresien zu suchen, Und außerdem verfüge ich nicht über ausreichende Spanisch-Kenntnisse, um ihn verstehen zu können und wenn ich das nehme, was er in den Medien sagt - erscheint mir das verdreht. Form aber keine Substanz.
Die wahre Differenz ist - wie Gagliarducci herausstellt - der Mangel an intellektueller  Substanz im aktuellen Pontifikat, das Prinzip, daß "Realitäten" wichtiger sind als Ideen - ist - darauf weist Benedikt hin - der definitive Bankrott.

Benedikt XVI kürzlich gesprochene Worte sind auch eine Herausforderung des Prinzips, daß "Realitäten wichtiger sind als Ideen", das Papst Franziskus als einen der 4 Grundpfeiler seiner apostolischen Exhortation "Evangelii Gaudium"bezeichnet.
Diese Überzeugung ist in Lateinamerika weit verbreitet, und kann als Relikt der Befreiungstheologie angesehen werden. Der praktizierte Marxismus ist zum pragmatischen Marxismus geworden, dem allgemeinen Denken nahe und zugeschnitten darauf,  die soziale Entwicklung der Menschen zu fördern.

Gagliarducci hat Recht, diese Idee, daß Realitäten wichtiger sind als Ideen - scheint dem Denken vieler Franziskus-Männer zugrunde zu liegen - wie Kardinal Parolin und Rodriguez Maradiaga  als Hauptbeispiele, ebenfalls Kardinal Joao Braz de Aviz von der Kongregation für das geweihte Leben, dessen gnadenloses Pogrom gegen die FFI unter dem Deckmantel einer finanziellen Untersuchung durch Father Volpi begonnen - sich dann zunehmend als Angriff auf auf ihren intellektuellen Umgang mit dem II. Vaticanischen Konzil entpuppte und sicher - im Licht von Benedikts Interview - ihres In-Frage-stellens des Rahnerschen "anonymen Christentums". In ziemlich angsteinflößenden marxistischen Worten hat Braz de Aviz sogar  davon gesprochen, daß sie "umerzogen" werden müßten.
Auf Seiten der Männer, die zur Zeit an der Macht sind, scheint es eine wahre Verachtung sogar Hass gegen den Intellekt zu geben.



Man kann sehen, daß Realitäten für die starke deutsche Kirchen-Firma wichtig sein werden, die obwohl sie ihre Mitglieder verliert - bei ihrer immer säkularisierteren Mitgliedschaft immer noch öffentliche Unterstützung sucht, die aber auf die Kirche nicht wegen ihrer Verkündigung Christi schauen, sondern wegen ihrer Schulen, Krankenhäuser und Pflegeheime. Sie ist einer der größten Arbeitgeber in Deutschland und fühl sich deshalb verpflichtet - sich mit den "Realitäten" zu befassen.
Um ziemlich unfreundlich zu sein - "Realität" scheint im Endeffekt das zu sein, was die Kassen füllt und wie man sich ein Pöstchen sichert. Man kann sehen, wie diese Suche nach "Realitäten" die Kasper - Theologie, besonders seine Theologie der Barmherzigkeit - geprägt hat.


Das  große Problem ist, daß die "Realitäten" sich verändern und heute radikal verschieden sind von denen, wie sie vor 18 Monaten waren. Die Männer, die die Kirchen-Realitäten wählten, haben vielleicht eine gewissen Blindheit, die (angenommenen) Drahtzieher und Erschütterer hinter der Wahl von Franziskus-Kasper, Daneels, Marx, sogar Murphy, O´Connor sind Männer eines gewissen Alters, mit einer gewissen Erfahrung und Ekklesiologie und sie reflektieren eine sehr enge Perspektive.
Wenige junge Bischöfe, unter denen auch die von ihnen selbst gewählten Nachfolger, scheinen ihre "Realitäten" teilen zu wollen, die Gesellschaft und die Kirche haben sich weiter bewegt.
Klartext: würde die Kirche ihrer Flugbahn folgen, würde sie zusammenbrechen, sogar den tatsachenbegeistertsten Unterstützern starrt das "Mission oder Tod" ins Gesicht.
Diese sehr sorgfältig ausgewählten "Realitäten", die im Fokus der Generation des Papstes standen und im Lebenswerk vieler jener Kardinäle, die im letzten Jahrzehnt in den Ruhestand gegangen sind, zu erkennen sind, waren sehr eng und kurzsichtig.
Die ausgewählten Realitäten drehten sich oft um Macht und  Machtgruppen innerhalb der Kirche -eher als um die sonntägliche Mission, die Völker zu lehren, aber sie versagt dabei, die Zeichen der Zeit zu reflektieren.

Die Zeichen der Zeit unterscheiden sich sogar zwischen den Europäischen und der nordamerikanischen Erfahrung : Migration, Klimawechsel, Wirtschaft, Überdruss und Gerechtigkeit, wechselnde Machtbasis, Aufstieg des aggressiven Säkularismus, Aufstieg des sogar noch aggressiveren Islams, Aufstieg des Nationalismus oder Regionalismus und Terrorismus, die eine Welt schaffen, die sich von dem unterscheidet, was man vor 3 Jahren noch verstanden hätte.
Auch in der Kirche haben sich die Zeichen der Zeit geändert, alte Männer haben den jungen einfach nichts zu sagen: nur drei Ordinationen in der 3 Millionen Seelen starken Diözese von Buenos Aires -das fasst zusammen, wie sehr diese Generation bei der Verkündigung des Evangeliums
versagt und wie unattraktiv sie es gemacht hat, Christus zu folgen.

Niemand ist heute an einer Kirche interessiert, die nur das ausspricht, was jede andere NGO deutlicher sagen kann. Tatsächlich teilt die Kirche, wenn sie in die Parteien-Politik eintritt, die Gläubigen eher als daß sie sie sammelt. Der jüngere Klerus und sogar die neuen Bischöfe unterscheiden sich von der vorhergehenden Generation, ihre Werte, ihre Formung fanden unter ganz anderen Bedingungen statt als die der vorhergehenden Generation im Durcheinander des Konzils.

Das große Problem mit einer auf "Realitäten" fokussierten Kirche ist, dass alles was sie tun kann, das was andere NGO tun - die Hungrigen speisen, die Nackten bekleiden, die Gefangenen besuchen - kein unwichtiger Teil der Christlichen Lehre - aber es ist die Summe daraus. Christus erweckt die Toten zum Leben, öffnet den Himmel, versöhnt die Menschheit mit dem Vater.
Christus verändert den Menschen in der Tiefe seines Seins -vom Sünder zum Heiligen, er kommt nicht nur in Solidarität an die Seite des Menschen sondern erhebt ihn bis zu dem Punkt, mit göttlicher Herrlichkeit zu begeistern. 

So eine Kirche ist nicht fähig, Hoffnung anzubieten, besonders wenn sie sich selbst vom Übernatürlichen abschneidet."

Quelle: marymagdalenblog, R.Blake, A. Gagliarducci


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