Sonntag, 29. April 2018

Father Hunwicke spricht.....

heute bei liturgicalnotes über die dichterische Freiheit sowohl des Athener Klassikers Euripides bzgl, der überlieferten Mythologie als auch der Chorherren von Glasney gegenüber der biblischen Überlieferung. Er läßt uns wie so oft einen kurzen und amüsanten Blick auf die europäische Kultur- und Bildungsgeschichte werfen.
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 "EURIPIDES UND DIE KANONIKER VON GLASNEY"

Eines der faszinierendsten Dinge an den Theaterstücken des großen Athener Dramatikers findet man in der Frage, was das Publikum bei der ersten Aufführung erwartete und was es überrascht hätte.
Die Griechischen Mythen haben oft einen (ziemlich vagen) Rahmen -sind aber im Detail nicht festgelegt und fließend.
Z.B. berichtet uns Homer, den manche für den Autor einer "kanonischen" Wiedergabe der Griechischen Mythen halten, daß Agamemnon, als er aus Troja zurückkehrte bei einem Bankett von Klytämnestras  Liebhaber Aigisthos getötet wurde;
Aischlyos jedoch läßt fröhlich Klytämnestra selbst Agamemnon im Bad in einem Netz verstricken und ihn dann eigenhändig abschlachten.
Und das erste Publikum von Euripides Medea würde gewußt haben, daß ihre und Jasons Kinder tot enden würden, aber wer sie ermordet hat - Jasons Verwandte?- wäre im Unklaren geblieben, bis ihnen im Theaterstück enthüllt wurde, daß es ihre eigene Mutter war, die sie schlachtete, um ihren untreuen Gatten zu strafen.
Euripides kam sogar damit davon, zu behaupten, Helena sei nicht nach Troja durchgebrannt; es war nur ein Geist von ihr, der mit Paris floh- während sie Ägypten besuchte.....

In den Dramen in mittel-cornischer Sprache (kelt.Sprache im 14.. und 15. JH), die wahrscheinlich von den Kanonikern des Glasgow College gedichtet wurden, ist der Umriß oft biblich und bekannt, jedoch.....




"Resurrexio Domini" folgt in der Hauptlinie der Erzählung der Evangelien. Aber am Ende (seltsamerweise folgt wie bei den Athener Dramatikern der dramatischen Trilogie ein viertes, leichteres und pikanteres Stück...vielleicht um die Atmosphäre zu entspannen) wird ein viel kürzeres "Mors Pilati" (Der Tod des Pilatus) hinzugefügt.

Es beginnt damit, daß Tiberius an Lepra erkrankt ist; er wird von Veronika geheilt, die ihr Schweißtuch einsetzt. Jetzt möchte ein glühender Christ Pontius Pilatus hinrichten lassen, der den Herrn tötete. Einige umwerfende Komödianten-genannt Tortores-(Engelpolizei, Sonderkommando) verhaften Pilatus; aber als er vor Tiberius gebracht wird, ist der Kaiser unfähig, ihn zu verletzen. Und das -weil-wie sich herausstellt- Pilatus das nahtlose Gewand Christi trägt und er sich aus zwei Gründen weigert, es abzulegen- erstens weil es jetzt schon ziemlich schmutzig ist und dann weil es respektlos wäre, nackt vor seinem Kaiser zu erscheinen.

Und so geht es weiter. Eine gelehrte Leserin, Mrs. Sue Sims, hat diesen unwissenden Klassizisten einmal belehrt, daß die Geschichte der Legenda Aurea entstammt.
Ich frage mich, ob dieses populäre Werk der Bauernschaft ebenso gut bekannt war wie zweifelsohne den Klerikern von Glasney.
Ich wette, daß Dr. Cotton, ein andere gelehrter Leser, weiß, ob dieses Werk in der Kirchenikonographie dargestellt wird und so einen Hinweis darauf geben kann, ob die Bauern Cornwalls auf der Kante ihrer Sitze saßen, um zu erfahren, was als nächstes passieren würde...oder ob sie schon eine schlaue Ahnung hatten."

Quelle: liturgicalnotes, Fr. J. Hunwicke

 


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