Donnerstag, 9. August 2018

George Weigel zum 25. Jahrestag des Weltjugendtages 1993 in Denver

George Weigel hat für First-Things einen Beitrag über den ersten Weltjugendtag in Denver und seine Auswirkungen auf den Katholizismus in den USA geschrieben. Und teilt mit seinen Lesern einige persönliche Erinnerungen daran und an den Hl. Johannes Paul II, dessen Biograph er auch ist.
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"WELTJUGENDTAG 1993 : DER WENDEPUNKT." 

"Am 25. Jahrestag des Weltjugendtages in Denver kann ich nicht umhin, einige meiner liebsten persönlichen Erinnerungen an Johannes Paul II mit Ihnen zu teilen.

Am 25. Dezember 2004 hatte ich- wie es im Lauf der Jahre unsere Gewohnheit geworden war, als ich "Zeuge der Hoffnung" vorbereitete, ein vorweihnachtliches Essen mir Johannes Paul, der die Weihnachtszeit liebte und seine Weihnachtsgeschenke immer öffnete, wenn er sie bekam. In dem Jahr hatte ich ihm ein sehr großes Fotoalbum "National Parks der Vereinigten Staate" gebracht, das der Papst auswickelte, sobald ich es ihm gab- mit ein bißchen Hilfe des damaligen Erzbischofs Stanislaw Rylko. Der 263. Nachfolger des Hl. Petrus schaute ins Inhaltsverzeichnis und schlug sofort den Rocky Mountains Nationalpark auf.

Nachdem er einige Minuten in den Bildern geblättert hatte, bekam Johannes Paul diesen Ausdruck in den Augen und sagte über den Tisch hinweg "Hmm. Rocky Mountain National Park. Hmm. Denver. Weltjugendtag. 1993. Hmm. Die Amerikanischen Bischöfe sagten, man könne das nicht machen. Ich... habe...ihnen bewiesen....daß sie sich irrten. " Der letzte Satz wurde durch ein breites Lächeln hindurch gesprochen...mit soviel Kraft, wie sie der Parkinsonkranke Papst aufbringen konnte und bei jedem dramatisch verschleppten Wort stach er mit dem Finger auf die Seite ein.

Die Erinnerung an diese bemerkenswerten Tage im August 1993 bedeuteten ihm offensichtlich eine Menge und er hat den Widerstand, der ihm dabei begegnete, den Weltjugendtag in diese hochgelegene Stadt zu bringen, nicht übertrieben.
Trotz der Erfolge andernorts dachten viele amerikanische Bischöfe, daß ein Katholisches Jugendfest in den USA einfach nicht funktionieren würde. Aber der Papst bestand darauf, daß er einen Weltjugendtag in Amerika wollte; Erzbischof J.Francis Stafford wollte den Weltjugendtag als Kickstart für eine Neuevangelisierung in der Erzdiözese Denver; und nachdem einige Bemühungen gemacht worden waren, das Ereignis in Buffalo abzuhalten (wo es -wie man dachte- Kanadische Pilger hätte anziehen können) oder in Chicago, bekam Denver das zustimmende Nicken und Erzbischof Stafford und sein Team gingen an die Arbeit um den WJT 2013 vorzubereiten.


Es war ein kolossales Unternehmen, das jeden Beteiligten ermüdete (außer vielleicht den überschwänglichen Johannes Paul II) und der Erfolg übertraf jedermanns Erwartungen (außer wieder des Papstes). Das Ereignis selbst war ein Wunder. Der Hubschrauberpilot, der Johannes Paul ins alte Mile High Stadion flog, sagte, daß der Lärm der jubelnden Menge Luftturbulenzen verursachte, wie er sic nicht mehr erlebt hatte, seit er unter Feuer in Vietnam gefolgen war. Der Polizeichef notierte später, daß es in der Stadt während des gesamten Weltjugendtages keine einzige Verhaftung wegen eines Verbrechens gab, genau nachdem Denver zuvor eine ernste Verbechenswelle erlebt hatte
Skeptische Leute, die seit Jahren in keiner Kirche gewesen waren, fanden sich wieder, wie Wasser und Süßigkeiten an die jungen Leute austeilten, die die 15 Meilen durch und aus der Stadt, die sie verwandelt hatten, zur Abschluss-Vigil und Messe im Cherry Creek State Park pilgerten.

Und während dieser Messe brachte der Papst das alles zu einem feinen, dramatischen Ende mit seiner Aufforderung: "Habt keine Angst in die Straßen und öffentlichen Plätze hinauszugehen, wie die ersten Apostel, die Christus und die Frohe Botschaft von der Erlösung auf den Plätzen der Städte und Dörfer gepredigt hatten. Jetzt ist nicht die Zeit, sich des Evangeliums zu schämen.....Jetzt ist die Zeit, um es von den Dächern zu predigen."

Der WJT 1993 war nicht nur ein Triumph für Johannes Paul II und den dann Kardinal Stafford und sein Team; er war ein Wendepunkt in der Geschichte der Katholischen Kirche in den USA und seine Auswikungen sind bei diesem silbernen Jubiläum immer noch spürbar.
Vor dem WJT 1993 haben sich zuviele Teile des Katholizismus in Amerika defensiv verkrochen, wie zuviele der Kirchen in Europa heute. Nach dem WJT 1993 wurde es mit der Neu-Evangelisierung in den USA ernst, als Katholiken, die daran teilgenommen hatten, mit nach Hause brachten, daß das Wort des Evangeliums immer noch die transformativste Macht in der Welt ist.
Mit dem WJT 1993 hat der Katholizismus in Amerika das Abenteuer der Neuevangelisierung entdeckt und die lebenden Teile der Kirche in den USA heute sind die Teile, die diesen evangelisierenden Weg Katholik zu sein, angenommen haben.

An diesen essentiellen Wendepunkt auf dem Weg zu einem Katholizismus missionarischer Jünger sollte dankbar erinnert werden."

Quelle; FirstThings, G.Weigel 

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