Montag, 31. Dezember 2018

"Was, wenn Papst Franziskus Ecclesia Dei schließt?"

In seiner heutigen wöchentlichen Kolumne in "Monday in the Vatican" stellt sich Andrea Gagliarducci diese Frage und versucht sie zu beantworten.
Hier geht´s zum Original: klicken 

"PAPST FRANZISKUS, WAS WENN ER ECCLESIA DEI SCHLIESST?" 

"Nach 30 Jahren könnte die Päpstliche Kommission Ecclesia Dei aufhören zu existieren.  Unmittelbar nach dem lefebvrianischen Schisma 1988 vom Hl. Papst Johannes Paul II gegründet- um den Dialog mit Traditionalisten zu ermöglichen, wurde die Kommission 2009 von Benedikt XVI durch die Instruktion Universae Ecclesiae reformiert.
Die Instruktion hat die Kommission an die Glaubenskongregation gebunden, weil es jetzt meistens um doktrinale Themen ging.
Papst Franziskus könnte einen Schritt weiter gehen und die Kommission in ein bloßes Amt der Glaubenskongregation verwandeln.

Das hat mit einer gewissen Sorge der traditionalistische blog Messa in Latino am 26. Dezember berichtet. Der selbe blog hat dem bereits veröffentlichten Text diesen enthüllenden Kommentar hinzugefügt: "Die Abschaffung der Kommission Ecclesia Dei entspricht einem alten Wunsch der FSSPX , die die Kommission immer als Garanten konkurrierender traditioneller Gruppen betrachtet hat, die mit Rom in Kommunion sind.

Was würde Papst Franziskus Entscheidung bedeuten?

Wenn Messa in Latino Recht hat, würde Papst Franziskus eine Bevorzugung für die FSSPX, auch als Lefevbrianer bekannt, zeigen.
Diese Bevorzugung könnte man in vielen Hinweisen erkennen. Für das Außerordentliche Heilige Jahr der Barmherzigkeit erklärte Papst Franziskus, daß von Priestern der FSSPX durchgeführte Beichten und zelebrierte Eheschließungen kanonisch gültig sind. Das war ein Schritt zur Versöhnung.
Beichten und Eheschließungen brauchen eine spezifisches Autorisierung um als gültig angesehen zu werden und die effektive Gültigkeit der von Lefevbrianern zelebrierte Eheschließungen war in Frage gestellt worden.  Der Papst traf die Entscheidung, sie alle als gültig anzuerkennen. Das war 2015. 

Im selben Jahr gab Kardinal Aurelio Poli, der Erzbischof von Buenos Aires der Argentinischen Regierung grünes Licht, die FSSPX als "diözesane Vereinigung" zu registrieren.
Einer großen FSSPX-Wallfahrt nach Lourdes wurde erlaubt, ihre eigenen Priester die Eucharistie in der Basilika von Lourdes zu feiern.
Immer noch 2015 wurde der damalige Superior der FSSPX Bernard Fellay von der Glaubenskongregation in einem Mißbrauchsfall, in den ein FSSPX-Mitglied verwickelt war- zum Richter des Revisionsgerichtes in erster Instanz ernannt. Die FSSPX hatte sich bei delicta graviora (schwerste Vergehen, zu denen Mißbrauch gehört) immer an dieVaticanischen Autoritäten gewandt, aber es war das erste mal, daß die  Glaubenskongregation Bischof Fellay als Richter berief.



Nach der Ernennung von Fr. Davide Pagliarani zum neuen Superior der Bruderschaft- wurden die Gespräche zwischen Vatican und FSSPX fortgesetzt. Pagliarani hat sich am 22. November mit Kardinal Luis Ladaria, dem Präfekten der Glaubenskongregation, getroffen.
Eine Pressemitteilung der FSSPX nach dem Gespräch hat noch einmal betont, daß die Differenzen hauptsächlich doktrinale Themen betreffen.

Papst Franziskus´ angenommene Entscheidung, Ecclesia Dei aufzulösen, würde dem Weg Benedikts XVI folgen: der emeritierte Papst hatte die Päpstliche Kommission an die Kongregtion gebunden, weil die Differenzen meistens doktrinaler Art waren- weil liturgische Fragen nach dem motu proprio "Summorum Pontificum" von 2007, das das Zelebrieren nach dem Vetus Ordo liberalisierte, nicht länger problematisch waren.

Die Begründung Benedikts XVI war einfach: der alte Ritus (vetus ordo) ist nicht unterdrückt und deshalb können Fundamentalismen zur Zelebration nur zu Spaltungen führen. Durch die Überwindung des Liturgie-Themas, mußten nur noch doktrinale Fragen gelöst werden.

Es ist es wert, sich daran zu erinnern, daß der Hl. Stuhl der FSSPX eine Präambel vorgelegt hat, die die annehmen mußte, um zur Katholischen Kirche zurückzukehren. Diejenigen, die das Dokument gesehen haben, sagen, daß die Präambel "minimale Forderungen stellte"- die die Annahme des II.Vaticanischen Konzils durch die Gesellschaft beinhaltet, -für die FSSPX ein kontroverses Thema.

Nachdem Benedikt XVI due Exkommunikation der drei durch den FSSPX-Gründer Bischof Lefebvre illegitim geweihten Bischöfe aufgehoben hatte, wurde der Bruderschaft auch die Möglichkeit einer Personalprälatur angeboten. Die einzige Personalprälatur in der Katholischen Kirche hat jetzt das Opus Dei.

Die Gespräche wurden von Erzbischof Guido Pozzo, dem Präsidenten von Eccelsia Dei geführt, aber sie blieben erfolglos. Die Wahl des neuen FSSPX-Superiors haben das Thema wieder eröffnet, weil Pagliarani vom doktrinalen Standpunkt aus sicher radikaler ist als sein Vorgänger Bischof Fellay, obwohl Fellay es Rom nicht leicht machte. 

Die Wahl Pagliaranis zeigt, wie die FSSPX darum kämpft, den Kern ihrer Identität zu bewahren. 

Es ist bemerkenswert, daß unter Papst Franziskus der Dialog mit der Welt der Traditionalisten aber mit der FSSPX fortgeschrittener war als mit jeder anderen traditionalistischen Gruppierung, sogar, wenn diese in Kommunion mit Rom sind.

Da ist die Bruderschaft des Hl. Petrus, die vor 30 Jahren gegründet wurde, um die aufzunehmen, die die Lefebrvrianer verlassen wollten und die das Charisma nach dem vetus Ordo zu zelebrieren, weitertragen.
Und es gibt mehr traditionalistische Realtitäten, die während des Pontifikates von Papst Franziskus Probleme mit Rom hatten. Z.B: Familia Christi, eine traditionalistische Gruppe in der italienischen Diözese Ferrara-Comacchio. Papst Franziskus hat ihnen vor kurzem den römischen Weihbischof Daniele Libanori als Kommisar geschickt.

In der Vergangenheit wurde in Brüssel die Bruderschaft der Hl. Apostel von Kardinal Jozef de Kesel  aus unklaren Gründen vertrieben- formal weil es ein französischer und kein belgischer Orden war.
Die Bruderschaft war zuvor von Erzbischof André Joseph Leonard, Kardinal de Kesels Vorgänger begrüßt worden und hatte der Kirche La Madeleine in Brüssel neues Leben gegeben, die geschlossen war und ein Supermarkt werden sollte.

Zu Beginn des Pontifikates brach der Fall der FFI aus. Trotz aller Vorwürfe und Spekulationen waren die FFI auch mögliche Opfer der internen Diskussion unter den Franziskaner-Orden.

Keine dieser Kongregationen erfreute sich allerdings der selben römischen Wertschätzung, derer sich die FSSPX erfreute. Offensichtlich sind das alles verschiedene  Fälle und jeder von ihnen erfordert eine gründliche Analyse. Das ideologische Vorurteil nach dem Papst Franziskus Konservative bestrafen und Progressive belohnen würde, hält nicht stand, wenn  man bedenkt, welche Brücken Papst Franziskus den  Lefbvrianern gebaut hat. 
Noch einmal wird Papst Franziskus´ Art zu regieren offen gelegt. Warum handelt er dann so?

Eine Hypothese kann vorgetragen werden. Während die Lefebvrianer eine gut strukturierte und definierte Realität sind und der Dialog mit ihnen scharf sein kann, gibt es am Ende in der Kirche kleine Gruppen, auch wenn die Zahl ihrer Anhänger wächst,  
Paps Franziskus mach sich wahrscheinlich mehr Sorgen über viele kleine Gruppen innerhalb der Kirche als über eine einzelne Gruppe außerhalb der Kirche. 

Trotz der Hoffnung auf das Gegenteil, wird ein Dialog über theologische Themen mit der FSSPX nicht möglich sein.
Ein Dialog über Theologie mit kleinen traditionalistischen Gruppen innerhalb der Kirche kann zu  einer Dialektik führen, die die Einheit untergräbt.

Papst Franziskus hat immer betont, daß Einheit nicht Uniformität bedeuten muss, aber er glaubt auch an die Heilige Hierarchische Mutter Kirche.
Aus diesem Grund können jene, die manche als "Rebellengruppen" betrachten, für ihn problematischer sein als die FSSPX. 

Außerdem hatten- laut "Messa in Latino", die Lefevbristen um direkte Gespräche mit der Glaubenskongregation gebeten und gezeigt, daß sie Papst Franziskus´ Plan verstanden hatten.
Die Glaubenskongregation wird-wie die Ernennung von Erzbischof Charles Scicluna zum Vizesekretär zeigt- stärker.
Diese Ernennung ist Teil eines größeren Projektes, das auf die Zentralisierung der Entscheidungen abzielt. Für dieses Projekt ist die Glaubenskongregation eine zentrale Größe , speziell bei der Behandlung der Mißbrauchsfälle. Der Dialog wird vom Zentrum aus in die Peripherie gerichtet- nicht umgekehrt.

Wenn Papst Franziskus die Auflösung von Ecclesia Dei  weiterführt, muß das untersucht werden, Allerdings könnte die Entscheidung von Papst Franziskus nicht sofort kommen. Sie könnte ganz einfach in die neue Apostolische Konstitution zu Funkionen und Aufgaben der Kurien-Ämter integriert werden, die Papst Franziskus persönlich erneuern möchte. Oder sie könnte jetzt durchgeführt und dann zertifiziert werden- in der Reform nach dem Modell der "Reform im Gehen".

Quelle: A. Gagliarducci, Monday in the Vatican 



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