Montag, 18. Februar 2019

Versuch und Irrtum. Vor der abschließenden Kurien-Reform?

In seiner heutigen Montagsrubrik kommentiert A. Gagliarducci nach Veröffentlichung der Statuten für das Amt des Generalrevisors den aktuellen Stand der Kurien-Reform und die mögliche Weiterentwicklung,
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"PAPST FRANZISKUS VOR DER FINALEN REFORM?"

"Die neuen Statuten des Generalrevisors des Vaticans, die  am 16. Februar in Kraft getreten sind, können als weiterer Schritt auf Papst Franziskus Reformweg betrachtet werden. Ihr In-Krafttreten zeigt jedoch auch, daß Reformen wirklich schon "im Gehen " gemacht worden sind- mit Versuch und Irrtum. 
Die Art und Weise, in der die Reformen entworfen werden, zeigen auch, daß anerkannt wird, daß es nicht nötig ist, das Vatican-System zu demontieren, sondern es lieber zu perfektionieren.
Die Rationale einer Notwendigkeit das Vatican-System-zu demontieren- beginnend mit der Wirtschaftsrefoirm- geht auf den Anfang des Pontifikates zurück, 

Man sagte: die Strukturen funktionieren nicht, also muß man sie ändern. Weiter wurde gesagt, die Strukturen sind korrupt, also ist es besser, sie von Grund auf zu erneuern.

Diese Diskussion war Teil vieler Präkonklave-Treffen, Die Ergebnisse dieser Treffen sind als Ppast Franziskus´Auftrag interpretiert worden. Viele der heutigen Reden handeln von Wirtschaftsfragen.

Zu Beginn  wurde auch gesagt, daß das IOR, die sog. Vatican-Bank, müsse abgeschafft werden. 
Der Wirtschaftssektor des Vaticans wurde später durch das motu proprio Fidelis Dispensator et Prudens, das den Wirtschaftsrat, das Wirtschaftssekretariat und das Amt eines General-Revisors schuf, neu gestaltet.

Viele Initiativen blieben unerledigt. Die Schaffung eines Vaticanischen Anlagen- Managements wurde geplant, um Einkünfte zu erzielen, aber am Ende wurde es nicht eingerichtet. Zur selben Zeit beklagte Kardinal George Pell, daß Vatican-Dicasterien Beträge in Millionenhöhe bunkerten, die dem Vatican zurückgegeben werden müßten.

Es ist offensichtlich, daß die ersten Maßnahmen grundlegender Art sein mußten.  Sogar Pricewaterhouse Cooper wurde als externer Revisor für die Buchprüfung im Vatican angeheuert, um mit der Vergangenheit zu brechen. Diese Einstellung wurde als erster Beweis dafür angesehen, daß eine neue Bilanz nötig war.

Man stellte fest, daß eine externe Prüfung nicht vor Beendigung der noch unvollendeten inneren Überprüfung stattfinden konnte. Am Ende ist der Vatican ein Staat und seine inneren Finanzen können keiner äußeren Revision unterzogen werden. Kein Staat würde das bei seinen eigenen Finanzen zulassen.





Die neuen Statuten für das Amt des Genera-Revisors haben alle noch offenen Themen abgeschlossen: das IOR wurde nicht geschlossen, die Revision der IOR.Konten wurde beendet und hat gezeigt, wie gut die Arbeit war, die bereits in der Vergangenheit geleistet wurde (wie der MONEYVAL- Report von 2012 beweist). Das Amt des General-Revisors ist jetzt voll in das Rahmenwerk der Kurie integriert. Es ist eine staatliche Einrichtung geworden. 

Daß der Revisor eine staatliche Einrichtung ist, wird durch die Bezugnahme der Statuten auf die Allgemeinen Kurien-Regeln sichergestellt und durch die Tatsache, daß die Berichterstattungsverfahren alle zuständigen vaticanischen Körperschaften umfassen (beginnend mit der ...) Der Revisor ist nicht länger unabhängig und eigenständig, sondern jetzt Teil einer Einheit mit spezieller Beziehung zum Wirtschaftsrat.

Vatican-News hat zu Recht festgestellt, daß der Revisor jetzt mehr Macht hat und daß die Statuten festlegen, daß er alle Dokumente, die er benötigt anfordern und bekommen kann (das war in den Statuten von 2015 ein bißchen anders). Die Autorität des Revisors ist der Schlüssel für den Zugang zu Dokumenten möglicher externer Prüfer. 

Diese Reform kann nicht als Rückschritt betrachtet werden, obwohl sie eine mit vielen Schritten rückwärts ist,  die während des Pontifikates von Papst Franziskus stattgefunden haben.
Wie ist die Lage also wirklich? 

Die säkularen Medien betrachten sie als  Rückschlag, weil die Erwartungen an dieses Pontifikat so hoch waren. Vom vaticanischen Gesichtspunkt ist sie kein Rückschlag,. Sie sit eher ein Schritt vorwärts, um das Vaticanische System auf die besonderen Bedürfnisse des Staates zu zuschneiden.

Das Narrativ vom Rückschlag wurde tatsächlich benutzt als 2012  im Vatican eine neue Anti-Geldwäschereform formuliert wurde. Die "Rückschlagswelle" wurde vor allem von denen geritten, die ein neues, den Gesetzen Italiens zu verwandtes Gesetz -ohne Berücksichtigung der Besonderheiten des Vaticans vorangebracht hatten. Die Reform dieses Gesetzes wurde hingegen vom Rat des Europäischen MONEYVAL- Kommitées  gefordert. MONEYVAL aht den Hl. Stuhl immer positiv beurteilt.

Allgemein ist das Pontifikat von Papst Franziskus von Reformerwartungen begleitet worden, die die Besonderheiten des Hl. Stuhls nicht in Betracht ziehen. Die Erwartungen waren meistens Ergebnis von externem Druck und entstanden auch als Reaktion auf diverse von den Medien verbreiteten Skandale.

Demontage ist am Ende nie ein intelligenter Schritt, wenn es keine Vision gibt. Man wird noch feststellen müssen, welches die Vision bie Papst Franziskus Reform ist. 

Papst Franziskus spricht immer von einer missionarischen - nach außen gewandten-Kirche. Unterstützt wird dieser missionarische Schub durch die neue Apostolische Konstitution "Praedicate Evangelium"  die die Aufgaben und Ämter der Kurie regelt.  Papst Franziskus hat immer vor der Korruption der Herzen gewarnt und in dieser Konstitution gibt es den Versuch, dieser durch einige Maßnahmen vorzubeugen- eine davon besteht darin alle Kurienämter auf eine Periode von Jahren zu beschränken, um Karrierismus vorzubeugen.

Das Problem bei der Reform ist, daß es keine einheitliche Vision gab. Sie wurde "im Gehen" gemacht, wie Papst Franziskus es liebt. Das hat zu diversen Berichtigungen geführt, und einige dieser Berichtigungen offenbaren eine Rückkehr zu Vergangenem.

Den realen Diskussionen des Kardinal-Rates gingen oft Entscheidungen von Papst Franziskus voraus. Der Papst hatte de facto schon beschlossen, neue Dicasterien wie das Wirtschaftssekretariat und das Kommmunionsdicasterium oder die Entwicklung verschiedener anderer Dicasterien wie das "für Laein, Familie und Leben" und das für "ganzheitliche menschliche Entwicklung" auf den Weg zu bringen.

Wie es aussieht, gehen Papst Franziskus und seine Berater jedoch immer von der Idee aus, von Grund auf beginnen zu müssen, ohne die bestehenden Strukturen (die eine BEdeutung haben) zu bedenken oder einen Plan für neue Strukturen zu haben.

Dieses Prinzip hat auch zu dem Projekt geführt, die Präfektur des Päpstlichen Hauses und die Camera Apostolica zu schließen, ohne die Errichtung neuer Strukturen zu planen, die ihre Pflichten übernehmen oder ihre Kompetenzen auf andere Strukturen zu übertragen.
Die Ernennung von Kardinal Kevin J. Farrell  zum Camerlengo , die Reform der Präfektur für den Päpstlichen Haushalt , der zum Verlust der Kontrolle über den Chor der Sixtinischen Kapelle führte, weisen darauf hin, daß diese Idee zurückgestellt wurde.
Wenn aber diese Möglichkeiten wieder auftauchen, müßte ,man auch üner eine Neui-Organisation nachdenken.

Die Kirche ist keine Gesellschaft und das wird oft übersehen. Das bedeutet, daß die Abschaffung der Sturktur nicht einfach nur eine Körperschaft abzuschaffen, die ersetzt werden muß. 

Eine Einheit zu schließen bedeutet einen Teil der Kirchengeschiche mit religiöser Bedeutung zu beenden- und ein Erbe,dessen Bedeutung wichtiger sit als seine Struktur,
Die Präfektur zu schließen würde bedeuten, nicht nur ein Protokoll-Amt zu schließen. Es würde bedeuten, eine Reihe religiöser Bedeutungen zu  beseitigen, die mit der Art verbunden sind, mit denen der Papst Staatsoberhäupter und wichtige Leute empfängt.

Das sind die allgemeinen Schwierigkeiten der Reform. Die vaticanische Finanzreform ist - so wie sie in diesen Jahren nach den ersten Änderungen angepaßt worden ist- ein klares Beispiel für diese Schwierigkeiten, wie die neuen Statuten des Amtes des General-Revisors zeigen.

Das ist Grund zum Nachdenken- abgesehen von angeblichen oder realen Skandalen, die mit dem Revisor verbunden sind ( diese Position ist derzeit vakant und der frühere Auditor wurde wegen schwerwiegender Beschuldigungen entlassen, die er immer zurückgewiesen hat).

Der entscheidende Punkt ist, daß jede Reform mit der Kirchengeschichte und ihrer Bedeutung übereinstimmen muß . Das ist der schwierigste Teil der Arbeit.

Jeder wartet darauf, zu sehen, wie weit die neue Apostolische Konstitution tragen wird. Der Kardinalsrat trifft sich vom 18.- 20. Februar. Mehr nach dem Treffen."

Quelle: Monday in the Vatican, A. Gagliarducci 

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