Samstag, 23. März 2019

Das Mittelalter war keine "dunkle" Zeit, Fortsetzung

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"Weil das Christentum Abtreibung und das Aussetzen von Neugeborenen verbietet, wurden im Mittelalter Waisenhäuser gegründet. Die"Räder der Ausgesetzten" in Nachbarschaft der Kirchen und Klöster dienten dazu, dort die Neugeborenen abzulegen, die sonst getötet oder dem Sterben überlassen worden wären.  Außer um Armen, Witwen und Fremden zu helfen, richtete die Katholische Kirche Hospitäler ein. Die Aufgenommenen wurden auch in den Klöstern zugelassen und die Mönche bemühten sich,. Medikamente auf Kräuterbasis zu entwickeln.
Die kreative Kraft, die Intelligenz und die auf Rationalität und moralischer Gleichstellung beruhenden mittelalterliche Theologie haben die außerordentlichste Entwicklung in der Geschichte bewirkt. Die Entwicklungen und Erfindungen dieser Jahrhunderte haben Europa den Impuls gegeben, in Wirtschaft und Wissenschaft die erste Macht der Welt zu werden. Wenn sie in diesen frühen Jahren die Elektrizität entdeckt hätten, hätten wir wahrscheinlich die gegenwärtige Technologie sechshundert Jahre vorweggenommen (wenn wir jedoch an die Fernsehproduktionen denken, danken
wir Gott, daß es nicht so war.)

Vor Jahren, während meiner ersten Reisen in nichtchristliche Länder, habe ich mich gefragt, warum die Entwicklung in Europa begann und nicht, beispielsweise in der hinduistischen, buddhistischen oder islamischen Kultur? Beim Lesen der heiligen Texte dieser Religionen hatte ich die Antwort. Für die Christen wird das Universum von einem vollkommenen Gott erschaffen und als solcher konnte er er kein irrationales Universum schaffen oder mit Nonchalance- ohne sich um den Menschen zu kümmern. Wenn der Mensch nach dem Bilde Gottes geschaffen wurde, bedeutet das, daß er durch seine Vernunft das Werk seines Schöpfers lesen kann.
Und aus diesem Grund hat die Kirche seit ihren Anfängen Astrologen, Alchimisten, Magier ausgegrenzt, mit denen die wissenschaftliche und technologische Entwicklung der Menschheit seit Jahrtausenden auf dem Spiel stand. Stattdessen subventionierte und förderte er wissenschaftliche Forschung und Philosophie, indem er sie an seinen Universitäten unterrichtete. Aber hören wir mal einen, der mehr weiß als wir.

James Hannam, Doktor der Philosophie und der Wissenschaften an der Universität Cambridge, Autor der Studie "Die Genesis der Wissenschaft. Wie das christliche Mittelalter die wissenschaftliche Revolution auslöste"-  von der Royal Society für den Science-Booker-Price ausgesucht- behauptet, "daß die Kirche nie gelehrt hat, daß die Erde flach sei und im Mittelalter hat das niemand gedacht.
Die Päpste haben nicht versucht, irgendetwas zu verbieten, auch haben sie niemanden wegen des Halley-schen Kometen exkommuniziert . Niemand- ich bin glücklich, das sagen zu können- ist je wegen seiner wissenschaftlichen Ideen auf dem Scheiterhaufen verbrannt worden."





Und dennoch werden diese Geschichten immer wieder als Beispiel für die klerikale Unnachgiebigkeit gegenüber dem wissenschaftlichen Fortschritt hervorgeholt.
Bis zur Französischen Revolution -fährt der Historiker fort- bleibt die Katholische Kirche der Hauptförderer der wissenschaftlichen Forschung. Die Kirche bestand auch darauf, daß Wissenschaft und Mathematik in den Universitätsprogrammen obligat waren. Im 17. Jahrhundert wurde der Jesuiten-Orden die größte wissenschaftliche Organisation in Europa.- mit der Veröffentlichung von tausenden von Dokumenten und der Verbreitung neuer Entdeckungen in aller Welt. Die Kathedralen wurden auch als astronomische Observatorien geplant- zur immer präziseren Bestimmung des Kalenders."

Der britische Arzt Peter E. Hodgson (1928-2008) vom Univeritäts-College London  bekräftigt "die Inkarnation Christi brachte weitere Überzeugungen für die Wissenschaft, daß die Zeit zyklisch verläuft und die Materie geadelt, indem gedacht wird, daß sie geeignet war, den Leib und das Blut Christi zu bilden; Sie hat den Pantheismus überwunden und erklärt, daß die Materie geschaffen und nicht erzeugt wurde." Alles für die Entwicklung der Wissenschaften notwendige Überzeugungen [...]

Die Christen haben immer geglaubt, daß Gott das Universum geschaffen und die Naturgesetze angeordnet hat. Die Natur zu studieren, bedeutete das Werk Gottes zu bewundern und diese "religiöse Pflicht" inspirierte die Wissenschaft, als es nur weinig andere Gründe gab, sich um sie zu kümmern. Es war der Glaube, der Kopernikus dazu brachte, das Ptolemäische Weltbild abzulehnen, Kepler dazu zu drängen, das Sonnensystem zu entdecken und Maxwell vom Elektromagnetismus zu überzeugen."

Albert Einstein (1879 - 1955): "Die Wissenschaft schließt- entgegen einer weit verbreiteten Meinung- Gott nicht aus. Die Physik muß sogar theologische Ziele verfolgen, denn man muß nicht nur behaupten zu wissen, wie die Natur ist, sondern man muß auch wissen, warum sie so und nicht anders ist, mit dem Ziel zu verstehen, ob Gott eine andere Wahl hatte, als er die Welt schuf." (Zitiert nach Holdon "Die Förderung der Wissenschaften und ihre Lasten." Cambridge University Press 1986)

Nicht nur im Westen hat man so gedacht. In seinem "Der Sieg der Vernunft" beschließt Rodney Stark (kein Katholik) seine außerordentliche Recherche- die wir lebhaft empfehlen- indem er über die Erklärung eines der namhaftesten chinesischen Intellektuellen berichtet "Eines der Dinge, das wir versucht haben zu erklären, ist was dem Westen den Erfolg oder besser den Primat über den Rest der Welt ermöglicht hat. Wir haben alle Möglichkeiten- vom historischen, politischen, ökonomischen und kulturellen Standpunkt aus- studiert. Am Anfang dachten wir, es sei weil ihr bessere Waffen hattet als wir. Dann haben wir gedacht, daß ihr ein besseres politisches System hattet.
Dann haben wir uns auf euer Wirtschaftssystem konzentriert. Aber in den letzten 20 Jahren haben wir verstanden, daß im Herzen eurer Kultur eure Religion - das Christentum-steht. Deshalb ist der Westen so mächtig. Die christlich-moralische Basis des sozialen und kulturellen Lebens hat den Kapitalismus ermöglicht und dann den gelungenen Übergang zur politischen Demokratie. Diesbezüglich haben wir keinerlei Zweifel."

Nachdem wir an das alles erinnert haben, sind heute die Protagonisten aller Minderheiten -Feministinnen, Homosexuelle, Drittweltler, Pazifisten, Berufsdemonstranten, unterdrückte Wissenschaftler, Humanisten, Philosophen, Ökologen, Tierrechtler und Unzufriedene jeder Art gegen die Kirche und ihre Geschichte.

Aber was haben die moralistischen Laien getan? Nehmen wir eine kleine Geschmacksprobe jener "Wunder" die die vollbracht haben, die die Kirche anklagen.
Im Mittelalter war es verboten, in den Städten und gegen Zivilisten Krieg zu führen, aber wenn die Regierenden sich gegenseitig ermorden wollten, konnten sie das auf dem "Schlachtfeld" tun, außerhalb der Stadt.
Noch heute nennt man die Stätten des Aufeinandertreffens so, aber auf unpassende Weise.
Seit den lutherischen Schismatikern und dann nach der Französischen Revolution  hat man begonnen, wehrlose Frauen, Männer und Kinder auszulöschen.
Im vorigen Jahrhundert haben die Kinder der atheistischen Ideologie auf furchtbarste Weise Millionen Leben ausradiert, ganze Städte, Krankenhäuser, Straßen und Brücken- ohne Unterschied zu Staub bombardiert. Die Sklaverei- im gesamten Mittelalter fast ausgerottet- ist nach jener Renaissance, die mehr an den Menschen als an Gott dachte, wieder aufgetaucht.
Heute haben sich Sklavenhandel und Prostitution über den ganzen Planeten ausgebreitet

Dieser Markt ist so lukrativ, daß er an den Internationalen Börsen notiert werden könnte. Dazu kommen die aktuellen endlosen Kriege und Bürgerkriege, der Handel mit menschlichen Organen, Drogen, die das Leben von Millionen Menschen zerstören, Abtreibung, Euthanasie, Homosexualisierung von Kindern etc. Sollte die Welt die christlichen Werte wiederentdecken und sich weiterentwickeln, werden zukünftige Historiker die Definition "dunkles Zeitalter" wahrscheinlich für die atheistische Geschichte der letzten Jahrhunderte verwenden.

[P.s. In diesem Artikel habe ich zwei Giganten des Mittelalters- wie den Hl. Thomas von Aquin und den Vater der italienischen Sprache Dante Alighieri -nicht erwähnt, weil sie in anderen Artikeln des Buches vorkommen.]
Agostino Nobile

Quelle: Stilum Curiae, M. Tosatti, A. Nobile










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