Dienstag, 4. Juni 2019

Sandro Magister: Wer lügt- Msgr. Viganò oder der Papst?

Sandro Magister faßt bei Settimo Cielo den bisherigen Stand der Dinge in der causa McCarrick/ Viganò zusammen und kommentiert sowohl das Schweigen als auch die jüngsten Äußerungen von Papst Franziskus dazu. Dabei kristallisiert sich die Frage heraus, wer in der Sache lügt und wer nicht, der Pontifex oder der Ex-Nuntius? Eine Frage, die noch nicht beantwortet werden kann.
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"WER HAT McCARRICK GEDECKT? DAS SCHWEIGEN UND DIE WORTE DES PAPSTES"
In den vergangenen Tagen ist der Fall von Theodore E. McCarrick, dem amerikanischen Kardinal der zuerst das Kardinalsrot verlor und am Ende im vergangenen Februar aus dem Klerikerstand entlassen wurde, nachdem er von der Glaubenskongregation wegen Aufforderung und Sünde gegen das 6. Gebot mit Minderjährigen und Erwachsenen -mit dem erschwerenden Faktor des Machtmißbrauchs- für schuldig befunden wurde."

Zwei Faktoren haben zur gleichen Zeit die Aufmerksamkeit erweckt: einige Äußerungen von Papst Franziskus in einem Interview mit Valentina Alazraki für den mexikanischen Fernsehsender "Televisa" , das von Vatican News im voraus veröffentlichte wurde und am selben Tag durch die Veröffentlichung eines Reports über die Beziehungen McCarricks zu höheren Kirchenautoritäten , den dessen früherer Sekretär und Vertraute, der Priester Anthony Figueiredo geschrieben hat.

Diese beiden Elemente machen den Fall- fern davon, ihn einer Lösung näher zu bringen- ernster denn je und heben ihn auf als höchstes Zeichen nicht so sehr der Plage des sexuellen Mißbrauchs durch heilige Priester, ein Mißbrauch für den McCarrick schuldig befunden und verurteilt worden ist-sondern für die Vertuschung, die einigen der Mißbrauchstäter von Kirchenautoritäten der höchsten Ebene bewährt wurde.Vertuschungen, die im Falle McCarricks sehr umfänglich erscheinen und weit davon entfernt, geklärt zu sein.

Figueiredo unterfüttert die 10 Seiten seines Berichtes mit Zitaten aus Briefen, e-mails und bisher unbekannten Dokumenten, die von Experten die bei dieser Gelegenheit konsultiert wurden, für echt gehalten werden.

Noch einmal- steht im Vordergrund die Meldung, daß die Sanktionen, die während des Pontifikates von Benedikt XVI über McCarrick verhängt wurden, nicht nur verbal sondern 2008 auch in einem  Schreiben von Kardinal Giovanni Battista Re, dem damaligen Präfekten der Bischofskongregation, übermittelt wurde, in einem Brief, den -wie McCarrick selber schrieb- er sofort dem damaligen Erzbischof von Washington, Kardinal Wuerl - teilte.

Wuerl hat immer geleugnet. irgendetwas über den von McCarrick begangenen Mißbrauch oder die über ihn verhängten Sanktionen, praktisch die Verpflichtung sich ins Privatleben zurück zu ziehen, gewußt zu haben. Außerdem hat McCarrick immer vermieden, diesen Restriktionen Folge zu leisten- sowohl während als auch nach dem Pontifikat von Benedikt XVI - als er im Gegenteil seine Reisetätigkeit rund um die Welt, einschließlich nach China- im Einverständnis mit dem Staatssekretär Kardinal Pietro Parolin- verstärkte.





Ein anderer Teil des Reports besteht in der Selbstverteidigung McCarricks bgzl. des Vorwurfs des sexuellen Mißbrauchs in einem Brief von 2008 an den damaligen Staatssekretär Tarcisio Bertone. Er gab zu, "unvorsichtigerweise das Bett mit Priestern und Seminaristen geteilt zu haben, als das Sommerhaus der Diözese überfüllt war" aber ohne je sexuelle Beziehungen mit ihnen angestrebt zu haben, weil er sie als "Teil meiner Familie" betrachtete, genau so, wie er es oft mit seinen "Cousins, Onkeln und anderen Verwandten" getan hätte- mit ihnen ins Bett zu gehen, aber immer unschuldig.

Wie gut bekannt ist, wurde diese Selbstverteidigung McCarricks- der bis heute kein öffentliche Reue ausgedrückt hat- 11 Jahre später nach dem Schuldspruch der Glaubenskongregation -widerlegt.

Aber was weiterhin geklärt werden muß, ist die Verantwortlichkeit vieler hochrangiger Kirchenautoritäten, die von seinen Vergehen wußten und nicht das taten, was sie tun sollten.

So ist beispielsweise die Position von Kardinal Wuerl heute schwieriger als zuvor, wenn man die Enthüllungen des Figueiredo-Reports sieht.

Aber vor allem hat es keine Klarstellung des Verhaltens von Papst Franziskus. Der versucht hat in einem Interview mit "Televisa" sein Verhalten zu rechtfertigen, während er zu viele Fragen offen gelassen hat.

Einer, der Papst Franziskus beschuldigt hat, McCarrick gedeckt zu haben, war der frühere Nuntius in den USA Carlo Maria Viganò -in seinem in der Nacht vom vergangenen 25. August veröffentlichten Zeugnis.

In dieser Nacht war Franziskus in Dublin, zum Abschluss des Weltfamilientreffens. Mit dem Ergebnis, daß er einige Stunden später -in der Pressekonferenz auf dem Rückflug nach Rom dazu von Anna Matranga von NBC befragt wurde.

Viganò hat berichtet, daß Papst Franziskus bei einem kurzen persönlichen Treffen am 23. Juni 2013 ihn nach seinem Urteil über Kardinal McCarrick gefragt wurde und er geantwortet habe, "daß es bei der Bischofskongregation eine sehr dicke Akte gäbe. Er hat Generationen von Seminaristen und Priestern  verdorben und Papst Benedikt verlangte, daß er sich in ein Leben in Gebet und Reue zurückziehen solle. " Und fügte hinzu "der Papst machte nicht den kleinsten Kommentar zu meinen sehr ernsten Worten und sein Gesicht zeigte kein Anzeichen von Überraschung, so als habe er schon seit einiger Zeit von der Sache gewußt und wechselte sofort das Thema."

Als Anna Matranga ihn fragte,"ob das wahr sei" antwortete Franziskus "Dazu sage ich kein Wort."
Statt dessen lud der Papst die Journalisten ein "die Glaubwürdigkeit von Viganòs Vorwürfen zu studieren. Und er fügte hinzu "Wenn etwas Zeit vergangen sein wird und Sie Ihre Schlüsse gezogen haben, werde ich vielleicht sprechen." Schließlich -noch einmal gebeten zu antworten, versprach er - dieses mal ohne "vielleicht" "Sie studieren und dann werde ich sprechen."

Eine Woche später - in einem  statement am 6. Oktober ließt Franziskus wissen, daß er eine "weiter gründliche Untersuchung der gesamten in den Archiven der Dikasterien und Büros des Hl. Stuhls vorhandenen Dokumente, die McCArrick betreffen, an,. Und er beteuerte, daß der Hl. Stuhl nicht versäumen werde, zu gegebener Zeit seine Schlußfolgerungen bekannt zu geben. 
Aber es sind mehr als 9 Monate vergangen, seit der Fall bekannt wurde undbis jetzt ist nichts veröffentlicht worden.

Am 29. Mai sagte Kardinal Parolin, daß die Untersuchung andauere und es ein Statement geben werde, sobald sie angeschlossen ist" ohne jedoch anzudeuten, daß das bald sein werde. #

Aber es gab keinerlei Klarstellung in den Worten von Papst Franziskus im Interview mit Valentina Alazraki von vor wenigen Tagen, den ersten Worten, die er öffentlich nach den Versprechungen vom 26. August im Flugzeug äußerte.

Auf die Fragen von Valentina Alazraki antwortete der Papst zuerst indem er sein Schweigen und seine erste Entscheidung, die Journalisten einzuladen, die Beschuldigungen Viganòs selber zu studieren.

Das tat er- wie er sagte- weil "ich nicht den ganzen Brief gelesen hatte, ich hatte einen schnellen Blick darauf geworden und wußte schon, was es ist."

Wirklich hatte Franziskus am 26. August im Flugzeug gesagt, daß er das Ganze gelesen habe. Aber jetzt hat er angedeutet, daß sein negative Vorurteil zu Viganòs Anklage die Person des Ex-Nuntius betraf, seiner Ansicht nach ein "niedriges Lebenwesen", der "drei oder vier Monate später von einem Richter in Mailand schuldig gesprochen wurde, einige hätten sogar geschrieben, er sei dafür bezahlt worden und vor allem seine Hartnäckigkeit , die einzige Reaktion darauf sei das Schweigen gewesen, wie "Jesus am Karfreitag."

Richtiger gesagt, war das in Mailand kein "Schuldspruch" gegen Viganò , sondern die Entscheidung in einem Zivilrechtsprozess wegen einer Erbstgreitigkeit zwischen Brüdern um die Verteilung eine beträchtlichen Erbes. Ein uralter Familienstreit, von dem der Papst-wie er sagte- sein einiger ZEit wußte, über den er aber immer geschwiegen habe, um nicht mit "Schmutz auf den Ex-Nuntius zu werfen". Und was den Verdacht eines geheimen Bezahlung angeht, fügte Franziskus sofort hinzu: Ich weiß es nicht, nicht soviel ich weiß"
Tatsache ist jedoch, daß er beides in der Öffentlichkeit sagte und-schlecht- sich dabei totsl widersprach.
Auf die essentielle Frage, ob er von McCarriccks Missetaten gewußt habe oder nicht, antwortete Franziskus im Televisa-Interview so:

"Über McCarrick habe ich nichts gewußt, natürlich , nichts, nichts. Ich habe mehrmals gesagt, daß ich nichts wußte. Ich hatte keine Ahnung, Und als [Viganò] sagte, er habe an dem Tag, an dem er kam, mit mir gesprochen.....ich erinnere nicht, ob er mit mir darüber gesprochen hat, ob es wahr ist oder nicht. Ich habe keine Ahnung. Sie Wissen, daß ich nichts über McCarrick wußte, sonst hätte ich nicht geschwiegen. Richtig?"

Für einen Mann mit einem außergewöhnlichen Gedächtnis, wie Jorge Mario Bertgoglio, erscheint diese Lücke unnormal. Und Viganó hat unmittelbar darauf-von dem geheimen Ort aus, an dem er sich versteckt- den Papst bezichtigt zu lügen. 

Wem soll man an dieser Stelle glauben? Viganò oder Franziskus? Die Antwort können nur die Dokumente im Vatican geben, die Nuntiatur und die Diözesen, in denen Mccarrick gedient hat: New York, Metuchen, Newark, Washington.

Weil, wenn es wahr ist, daß Franziskus nie etwas voin McCaaricks Fehlverhalten wußte, zu erklären bleibt, wie das passieren konnte, wenn es im Vatican und in den USA so viele höherrangige Kirchenmänner gab, die seit vielen Jahren davon wußten.

Wenn nach das kanonische Vorgehen gegen McCarrick buchstabengetreu durchgeführt worden wäre, wäre diese ganze Vertuschung unausweichlich ans Licht gekommen.

Statt dessen wurde die Abkürzung eines adminstrativen Dekrets gewählt, das sich ausschließlich auf die Person des Beschuldigten konzentriert.

Es bleibt also nur, auf die Veröffentlichung der Resultate der Untersuchung der Dokumente zu warten, die am 6. Oktober des vergangenen Jahres angekündigt und in den letzten Tagen von Kardinal Parolin bestätigt wurde. "



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