Freitag, 25. September 2020

Zur Causa Becciu: R. Cascioli kommentiert ...

In La Nuova Bussola Quotidiana kommentiert Chefredakteur R..Cascioli und schlägt dabei ganz andere Töne an, als die ersten Berichterstatter :   klicken

"WIE EINE SÜDAMERIKANISCHE MILITÄRJUNTA" 

"Die Entlassung von Kardinal Becciu ist die zigste Säuberung an der Spitze des Heiligen Stuhls, die in diesem Pontifikat stattfindet. Säuberungen, die einer südamerikanischen Militärjunta würdig sind, es vermeiden, die Wahrheit herauszufinden und nur die siegreiche Seilschaft retten.

Schuldig oder unschuldig? Vielleicht werden wir es nie erfahren, aber sicher ist, daß Kardinal Angelo Becciu schon vor Zeiten in den Augen des Papstes in Ungnade gefallen ist.; und deshalb mußte- wie es in diesem Pontifikat Praxis ist, sein Kopf (bildlich gesprochen) rollen.. 

Die Liste der Personen aus der höchsten Ebene im Vatican, die gesäubert, in Pension geschickt oder aus ihren Ämtern entfertn wurden, ist lang: die Kardinäle Müller, Burke, Comastri, Erzbischof Gänswein- um nur die berühmtesten Fälle zu zitieren. Und jetzt Becciu. 

Die Motive für solche Entscheidungen sind nie klar, sondern werden nach Art südamerikanischer Militärjuntas erklärt. Wir müssen uns damit zufrieden geben, was uns gesagt wird, über das mit der Zeit geduldige Zusammentragen der gesammelten Indizien, über die Rekonstruktion irgendwelcher Fakten, die das ausgewählte Opfer in den Augen des Papstes in ein schuldiges Licht setzen.  Für Becciu muß das Chaos beim Kauf der berüchtigten Immobilie in London gereicht haben, selbst wenn beim deutschen Flügel des Malteser Ordens wegen seines Abschusses die Champagnerkorken knallen. Der Papst muß sich von der Korruption Beccius überzeugt haben oder ist überzeugt worden, und hat nicht zweimal darüber nachgedacht. 

Aber es besteht der Eindruck, daß der Palazzo in London der Vorwand für einen internen Krieg ist, der mit der Notwendigkeit von Transparenz und Korrektheit im Wirtschaftsmanagement wenig zu tun hat. Vor einigen Monaten -zum Zeitpunkt des öffentlichen Hin und Her zwischen dem vaticanischen Staatssekretär Kardinal Pietro Parolin und Kardinal Becciu- haben wir über einen fortwährenden Bandenkrieg an der Spitze des Vaticans- mit einer wahrscheinlich anderen Entwicklung- gesprochen. Wir hatten es leicht als Propheten. 

Gerade dieser letzte Fall offenbart eine beunruhigende Chrakteristik der Entscheidungen der Regierung von Papst Franziskus. Das ist die öffentliche Verurteilung, ohne daß es einen Prozess gegeben hat. Durch diese Maßnahmen ist Kardinal Becciu als "korrupt" bezeichnet worden, ohne formal von einem Richter beschuldigt oder von einem Gericht so bezeichnet worden zu sein, Was die Immobilie in London betrifft, so ist noch nicht klar, über welches Vergehen gesprochen wird und ob wirklich ein Verbrechen begangen worden ist. 

Man wird sagen: macht nichts, wir machen inzwischen- ohne lange Prozesszeiten- reinen Tisch. Justizialismus ist aber das genaue Gegenteil von Gerechtigkeit. Und die drastischen Maßnahmen gegen einige mutmaßlich Korrupte lassen sich nicht mit dem Schützen, der Verteidigen bis zum bitteren Ende und der Beförderung anderer vereinbaren, die ebenfalls Gegenstand schwerer Anschuldigungen sind- siehe Kardinal Maradiaga- oder die sicher für den eklatanten Geldmangel verantwortlich sind. siehe Erzbischof Paglia. 

Urteile ohne Prozesse verhindern außerdem, daß die ganze Wahrheit über kriminelle Situationen oder mutmaßliche derartige Situationen ans Licht kommt. Wenn Kardinal Becciu für das Londoner Geschehen verantwortlich war, dann war er sicher nicht der Einzige und es sollte die Rolle der gesamten derzeitigen Spitze des Staatssekretariates geklärt werden. Etwas, was sicher ziemlich unwahrscheinlich ist.

Es ist der selbe modus operandi wie im Fall von Ex-Kardinal Theodore McCarrick- der beschuldigt wird, Dutzende von Seminaristen mißbraucht zu haben.  An seiner Schuld kann man schwerlich Zweifel haben, aber seine Rückversetzung in den Laienstand war der Beschluss eines Herrschers,- des Papstes ohne gründliches Vorgehen und ein ordnungsgemäßes Verfahren. Auf diese Weise wurde nicht nur ein Recht verweigert, das jedem Angeklagten zusteht- ausgenommen in diktatorischen und totalitären Regimes- sondern es hat auch verhindert, alle seine einflußreichen Komplizen zu erkennen und strafrechtlich zu verfolgen, die ihm ermöglicht haben, Karriere zu machen und sogar im ersten Jahr dieses Pontifikates Sonderbeauftragter zu werden. 

Vor einem Jahr wurde vom Vatikan ein genauer Bericht über die gesamte causa McCarrick versprochen, der vor einigen Monaten hätte veröffentlicht werden müssen, aber von diesem Bereicht weiß man noch nichts. Selbst wenn er veröffentlicht würde, könnte er ein faires Verfahren nicht ersetzen, das es aber nicht geben wird. Es wird nur die Version des Chefs bestehen bleiben. 

Und die bestürzten katholischen Gläubigen werden weiter dieses traurige Spektakel von Hinterhalten, rücksichtslosen Operationen und Säuberungen durch Hirten erleiden müssen, die sich vor allem um die Rettung der ihnen anvertrauten Herde kümmern sollten." 

Quelle: R. Cascioli, LNBQ

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