Sonntag, 28. Februar 2021

"Der Tag, an dem Rom ohne Papst war"

Marco Tosatti veröffentlicht bei Stilum Curiae Gedanken, die sich Benedetta De Vito über den 11.Februar 2013 und die Folgezeit, die sie auch "Rom-ohne Papst" nennt, gemacht hat.
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"BENEDETTA DE VITO ERINNERT SICH AN DEN MORGEN, AN DEM ROM OHNE PAPST WAR" 

Liebe Stilumcuriale. die jüngsten Kontroversen, die dem Artikel über Rom ohne Petrus von Aldo Maria Valli folgten, haben Benedetta de Vito zu einer Erinnerung an jenen 11. Februar vor 8 Jahren bewegt. Gute Lektüre. 

§§§

Die Sonne schien, wie ein kostbares Medaillon hoch am blauen Himmel, wie eine kostbare Brosche auf einem festgespannten Laken, frische Februar-Luft, das Gemüse stand dampfend kochend auf dem Herd in der Küche, wo ich am Morgen dieses 11. Februars mit nichts anderem beschäftigt war und auf einen Anruf aus Sardinien wartete. Dann- plötzlich- vielleicht wegen einer Vorahnung- schaltete ich den Fernseher ein. Sie alle wissen, was passiert ist und ich erzähle das nicht, um den Schmerz, den ich in den wenigen Sekunden, in denen Verwirrung in Tränen überging, spürte, zu erneuern. Ich schaltete den Herd aus, zog spontan meinen Mantel an, stieg schwindelig die Treppen des Hauses, in dem ich wohne, hinunter und eilte in die Via dei Serpenti zu meinem Mann, der mit einem Freund in einer Bar Kaffee trank und berichetete, ohne zu zögern, von der Nachricht. Zuerst glaubte er mir nicht, versteinerte dann und lief rot an. 

Es war wahr. Rom war ohne Papst. Und dann- plötzlich- steigen Sie auf einen Schlag mit mir auf einen Sprung in eine Zeitmaschine ein -der Abend, an dem der neue Papst gewählt wurde. Ich erinnere mich, wie ich ihn aus der Dunkelheit hervorkommen und in ein verstimmtes "Buonasera" ausbrechen sah. Ich erinnere, daß er sagte, er komme "vom Ende der Welt". Ein Zittern, Und ich erinnere, daß ich mich zu meinen Mann umwandte und zu ihm sagte "ich habe Angst". Im Inneren fühlte ich, daß meine fromme Seele- ein Kind, nichts weiter,- erzitterte. Rom war - das fühlte ich untröstlich schon in diesem ersten Augenblick- war ohne Papst. 

Und hier sind wir nach vielen Jahren im untröstlichen Rom immer noch ohne Papst. Es ist ein trauriges Rom, verlassen, auch von einem Bürgermeister, in Unorsnung hinterlassen- das ich bei der Hl. Messe für die Salus Populi Romani in Santa Maria Maggiore erlebt habe- mit einer zur Salzsäule erstarrten Bürgermeisterin. Oder eine Marionette. Sie war da - ja- stehend, steif in der ersten Reihe -als ob sie nur zufällig da war- ohne zu knien, ohne Bekreuzigen, ohne auch nur das kleinste Zeichen gefaßter Hingabe. Ein Automat, begleitet von denen, die sie anleiteten, sich jetzt hinzusetzen, jetzt aufzustehen, jetzt der Prozessiion bis zur Kapelle der vom Hl. Lukas gemalten Ikone zu folgen-. Eine verblasste Bürgermeisterin, eine zufällige Touristin, so wie ich sie so noch nie aus der Nähe gesehen hatte. Ja- in ihren ungelenken Bewegungen erinnerte sie mich an Popeyes Frau. Dennoch brachte sie der Madonnina Blumen und blieb dort während der ganzen Messe, ohne auch nur den Kopf umzuwenden. Ja, sie war da und war es nicht.... Rom ohne Bürgermeister, Rom ohne Papst.



Ich will von mir aus keine weiteren Fragen stellen, ich bin keine Theologin, aber ich möchte nur sagen, als einfache und frome Gläubige- daß jedesmal, wenn ich den amtierenden Pontifex sehe und höre- oder besser, wenn meine Kinderseele ihn sieht und hört- mich eine große Kälte überkommt und die Worte mir fehlen. Das Herz wird von Angst befleckt und ich fühle mich nicht im Geringsten durch seine Worte oder seine Gegenwart getröstet. Viel weniger noch im Glauben gestärkt. 
Zu Hilfe kommt mir ein Freund, der meinem vagen Herumschweifen Saft und Kraft gibt "Jeder Gläubige hat etwas Übernatürliches in sich, das ihn leitet und ihm hilft, Fragen von Lehre und Moral zu beurteilen, das ist der sensus fidei. Es fehlt nicht an gelehrten Zitaten und subtilen Argumenten, aber das ist ein Instinkt, der ausreicht, um das Wahre vom Falschen und Gut und Böse zu unterscheiden." Und er schloß mit einem Zitat aus dem Johannes-Evangelium, Kapitel 10, in dem vom wahren Hirten gesprochen wird, der "zusammen mit den Schafen geht, die ihm folgen, weil sie seine Stimme kennen. Einem Fremden dagegen folgen sie nicht, sondern fliehen vor ihm, weil sie seine -ihnen fremde-Stimme nicht kennen." So spricht Jesus und die Jünger verstehen ihn nicht... 

Vorwärts und weiter. Ich denken dann, daß der Papsst in seinen Gewändern immer ungeschickt, wenig elegant erscheint und daß er die Hl. Paramente, die ihm zustehen, nur schwer erträgt. Und der sich wie innerlich ertrunken fühlt- unter einer Überzahl von schweren Decken, die er mit einem Schlag wegziehen möchte. Sein Gesicht- oft stirnrunzelnd- taucht wie aus einer stoffwordenen Qual auf. 
Und da ist kein Lächeln in seinen Augen. Meine kleine Kinderseele erschrickt, weil das Bild, die Stimme, das Ganze wie genervt erscheint, wie in einem inneren Aufruhr, eine Qual, nicht von Licht und Sonne strahlend- in der Wahrheit, daß es eine Sonne gibt. Das innere Kind in mir, meine Seele ist verletzt, weil die Person nicht dem Wort Papst entspricht und wendet sich ab und sagt "Mach den Fernseher aus"oder "wende den Blick ab" , Und ich gehorche ihr und weil sie viel weiser ist als ich und immer zwischen den sanften Armen des Herrn lebt. 

Um sie und mich mit ihr zu trösten, gehen meine Gedanken unter dem Mantel der Nostalgie zu Benedikt XVI zurück und wie er eines Tages- als die Sonne in HErrlichkeit auf dem Petersplatz schien-  elegant in seine Gewänder als Papst gekleidet, ein Papst aber auch zugleich ein Vater, sagte, er wünsche sich nur, den Willen des Vaters zu tun. Das Herz schlägt in Erinnerung und die Kälte, die der andere hinterläßt erwärmt sich.  Ich erinnere mich an das Lächelrn "meines Benni" , des dolce Christo in terra, der mit einem "nichts" zu bewegen wußte. Und manchmal, wenn das verlassene Rom ohne Papst schmerzt, schalte ich den Computer an und fliege mit den Archivbildern nach München, nach München in Bayern als der bayrische Ratzinger Papst war und auf dem Marienplatz, dem Hauptplatz, stand und höre mit ihm (der die Worte und Melodie auf den lächelnden Lippen hat) die Bayrische Hymne, geflügelte Worte, die das Herz mit Freude erfüllen. 

"Gott mit dir du Land der Bayern, deutsche Erde, Vaterland!
Über deinen weiten Gauen ruhe Seine Segenshand!
Er behüte deine Fluren, schirme deiner Städte Bau
Und erhalte dir die Farben Seines Himmels, weiß und blau!"

Und ich bete, daß die Hand der Herrn sich auf Rom und auf ganz Italien legt- unter dem Mantel Mariens- daß uns ein Papst gegeben wird, der uns tröstet, uns führt und uns im Glauben stärkt."

Quelle: B. De Vito, Stilum Curiae, M.Tosatti

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