Dienstag, 13. April 2021

Fr. Hunwicke spricht....

oder sprach gestern bei liturgicalnotes über das Dogma unserer Lieben Frau als Miterlöserin, 
über Gott als Schöpfer und sehr ausführlich über Calvinisten und ihr Bibelverständnis. 
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"MITERLÖSERIN UND DAS EINJÄHRIGE OSTERFEST"

Zu diesem einjährigen Osterfest gehen meine Gebete und meine guten Wünsche an
die Leser, die das Sakrament der Initiation im vergangenen Jahr empfangen haben.
Haben Sie, hat irgend jemand von uns, einmal darüber nachgedacht, auf welchem
Wege die Erlösung historisch gesehen zu uns gekommen ist? 
Vielleicht könnten wir diese Nachfrage mit einer neuen Sicht auf auf das Dogma unserer 
Lieben Frau als Miterlöserin und Mittlerin aller Gnaden verbinden, da doch eine sehr 
hohe Autorität in der Kirche uns kürzlich ermutigt hat, intensiv über dieses Dogma
nachzudenken. 
Selbstverständlich brauche ich dazu eine Tante Sally, einen praktischerweise selbst
gebauten Strohmann, mit dem ich mich auseinandersetzen kann.

Daher konfrontiere ich Sie mit einem erfundenen Calvinisten in Art der englischen
Reformation, den ich Calvinianus nenne – wenn Sie mögen, können Sie den Namen
auch abkürzen.
Calvinianus würde Ihnen sagen, daß er nicht an menschliche Vermittlung und
menschliche Mittler glaubt. Er findet alles, was er braucht, in der Bibel, die er auf
seinen Knien liegen hat. Er braucht keine „menschlichen Mittler“ Sola Scriptura!
Aber wie kam er zu dieser Bibel? Sein calvinistischer Gott ist sicher mächtig genug, sie
ihm direkt aus den Wolken des Himmels herunterzuwerfen. 

Doch sein Gott, selbst wenn er Calvinist wäre, hat es nicht so getan. Was er getan hat, war, 
sie ihm durch den Willen und die Tätigkeit einer großen Zahl menschlicher Vermittler 
zukommen zu lassen. Wer gab Ihnen diese Bibel? Wer hat sie gedruckt? Wer überlieferte 
den Text durch die dunklen Zeiten finsterer Mönche? 
Wer hat sie übersetzt? Wer hat ihren Wohltäter beschäftigt, so daß er in der Lage war, 
das Buch für Sie zu kaufen. Wer ist verantwortlich für den christlichen Glauben Ihres 
Wohltäters, der ihn dazu bewogenhat, Ihnen diese Bibel zu geben? Wem gehört der Buchladen, 
in dem er sie gekauft hat? 
Wer bewog den Buchhändler, der ihm die Bibel verkauft hat, dazu, dort eine
Anstellung zu suchen? Wer hat den Laden gebaut? Sicher, ich weiß, daß für den Fall,
daß dieser Buchhändler gerade keinen Dienst gehabt hätte, ein anderer die Bibel
verkauft hätte – aber dann würde ich die gleiche Frage eben hinsichtlich dieser Person
stellen.


Es ist nun einmal eine Tatsache, daß wir in einer Welt leben, die von Gott nachgerade
unglaublich komplex und von Abhängigkeiten und verzwickten Kausalketten bestimmt
geschaffen worden ist. Ein populärer Wissenschaftserklärer hat dazu kürzlich
ausgeführt, daß in der modernen Physik die Realität relational ist, daß nichts existiert
außerhalb einer Beziehung zu anderen Dingen. „Eine Mutter ist eine Mutter, weil sie
ein Kind hat, ein Planet ist ein Planet, weil er um eine Sonne rotiert, ein Raubtier ist
eines, weil es Beute erjagt, ein Ort im Raum hat seinen Platz nur in Bezug auf etwas
anderes.

Um das zusammenzufassen

1) Der Schöpfer hätte auch nichts schaffen können;
2) Als er etwas schuf, hätte er auch ebenso gut eine einzelnes monadisches Wesen an
einem einzigen Ort in Raum und Zeit schaffen können;
3) Es war jedoch sein Wille und sein Wesen, eine immense und vielfältig verknüpfte
komplexe Fülle von Zeiten, Orten und Wesen zu schaffen;
4) In dieser Schöpfung hat er endlose Ketten von Ursachen und Wirkungen angelegt.

Die Kausalität ist einer der erstaunlichsten und einer der Wirkungsvollsten Züge seiner
Schöpfung. (Deshalb sind fürbittende und sühnende Gebete auch kein Versuch, Gott
zu irgendetwas zu bewegen oder voller Hochmut etwas zu erreichen, was Er nicht will,
sondern sie sind Seine wunderbare Gabe, sich in Seinen Willen hineinzubegeben und
Seiner eigenen Kausalität teilhaftig zu werden).
Was könnte ein liebevoller Schöpfer Höheres geben?
Und aus diesem Grund kann der hl. Paulus uns (in 1. Kor. 3,9) als „synergoi“, als
"Mitwirkende“ Gottes bezeichnen und so ganz keck und ganz unbekümmert davon
sprechen, daß er in seiner Körperlichkeit das ergänzt, was an Christi Mühen um das
Heil seines Leibes, d.h. der Kirche, noch fehle.

Der hl. Paulus steht in einer Kausalverkettung des Glaubens von Millionen Christen
durch die Zeiten bis heute. Aber es gibt eine Person, von der jede derartige
Kausalverkettung ihren Ausgang (arche, principium) nimmt. Weil Maria in einem Akt
des freien Willens den wesensgleichen Sohn in die Welt gebracht hat, damit er der
Erlöser für jeden sei, der erlöst ist, geht jede Kausalitätskette , die irgendjemanden
zum rettenden Glauben geführt hat, unvermeidlich auf ihr fiat zurück. 
Das ist der Grund dafür, daß sie auf einzigartige Weise Mitwirkende am Erlösungswerk 
ist, die Vermittlerin jeder Gnade, die jemals der Menschheit gewährt wurde und noch 
gewährt werden wird.

Das alles erscheint mir so unverkennbar und offensichtlich, daß mein erstes Gefühl mir
sagt, daß es überflüssig sei, das als Dogma zu definieren. Aber offenbar hat Jorge
Bergoglio, das hat er uns kürzlich gestanden, Probleme damit. Und deshalb ist
offensichtlich eine Definition notwendig. Dogmatische Definitionen, so hat John Henry
Newman ausgeführt, sind notwendige Antworten auf Irrtümer in der Glaubenslehre.
Und wenn diese Wahrheit nicht definiert wird, erscheint die Erlösung eher als eine der
gnostischen „Wahrheiten“, die ganz majestätisch und unvermittelt vom Himmel herab
schweben... gerade wie eine calvinistische Bibel in der King James Fassung,
gebunden in schwarzem Leder! Gerade wie die, die Bill Clinton, der tapfere alte
calvinistische Musterknabe, mit in die Kirche zu nehmen pflegte!."

Quelle: liturgicalnotes, Fr. J.Hunwicke

 

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