Anne Preckel berichtet für vaticannews über das Treffen des Hl. Vaters mit dem Rat der Mittelmeer-Jugend im Apostolischen Palast. Hier geht´s zum Original: klicken
PAPST: FRIEDE IST KEIN SLOGAN
Vor Mitgliedern eines Friedensnetzwerkes hat Leo XIV. an diesem Freitag für eine authentische Kultur des Friedens geworben. „Frieden steht auf der Tagesordnung der internationalen Staats- und Regierungschefs, er ist Gegenstand globaler Diskussionen, aber leider wird er oft auf einen bloßen Slogan reduziert“, stellte er dabei fest. .
Liebe Brüder und Schwestern!
Die Frage eines Gesetzeslehrers an Jesus: „Wer ist mein Nächster?“ (Lk 10,29) ist immer aktuell, auch heute. Sie bezieht sich nicht nur auf uns Christen allein, sondern umfasst alle Menschen und ohne Unterscheidung nach Nationen, Sprachen oder Kulturen. Heute ist durch die starken Migrations- und Emigrationsbewegung die Bevölkerung sehr gemischt, was auch in Europa bemerkbar ist. Es genügt, an Berlin zu denken, der Hauptstadt Deutschlands, wo Menschen aus gut 193 Nationen leben. Daher verdient das eben gehörte Gleichnis, das wir gut als das Gleichnis vom barmherzigen Samariter kennen, dass wir uns damit beschäftigen und darüber nachdenken.
Frieden leben und fördern
Er wandte sich an junge Friedensaktivisten verschiedener Herkunft, die sich im Mittelmeerraum im Rahmen des 2023 begründeten Jugend-Mittelmeer-Rates „Consiglio dei Giovani del Mediterraneo“ für Frieden und Geschwisterlichkeit einsetzen. Leo XIV. dankte den jungen Leuten für ihren vielfältigen Einsatz für Solidarität und Geschwisterlichkeit, der sich in lokalen Initiativen und in der Kooperation mit Kirche und Politik niederschlägt.
Der Jugendrat ist eine Frucht eines Bischofs-Mittelmeer-Treffens, das 2022 in Florenz stattfand. Inspirationsfigur für die Berufung des Mittelmeerraumes als Dialog- und Friedensort war der ehemalige katholische Bürgermeister von Florenz und italienische Friedenspolitiker Giorgio La Pira (1904-1977). Er habe Frieden im Mittelmeerraum als „Beginn und fast schon Grundlage für Frieden zwischen allen Nationen der Welt“ gesehen, erinnerte der Papst.
Wider das Wettrüsten und die Logik der Unterdrückung
„Wir dürfen uns nicht entmutigen lassen, wir dürfen nicht resignieren!“
„Diese Vision hat auch heute noch ihre ganze Kraft und prophetische Bedeutung, in einer Zeit, die von Konflikten und Gewalt zerrissen ist, in der das Wettrüsten und die Logik der Unterdrückung die Oberhand über das Völkerrecht und das Gemeinwohl gewinnen“, betonte er. Und er ermutigte die jungen Leute, auf diesem Weg weiterzugehen und nicht zu resignieren.
„Wir dürfen uns nicht entmutigen lassen, wir dürfen nicht resignieren! Und ihr jungen Menschen könnt mit euren Träumen und eurer Kreativität einen wesentlichen Beitrag leisten. Jetzt, und nicht morgen! Denn ihr seid die Gegenwart der Hoffnung!"
Das Mittelmeer als Zeichen der Hoffnung
Der „Consiglio dei Giovani del Mediterraneo“ wird von der Italienischen Bischofskonferenz gefördert. Wichtige Meilensteine bei der Stärkung des Mittelmeerraumes als Ort von Dialog, Solidarität und Frieden waren die beiden Mittelmeer-Konferenzen von Bari (2020) und Florenz (2022) mit Bischöfen aus der Region. Am Treffen in Bari nahm auch Papst Franziskus teil. Er hob die Aufgabe der Kirchen im Mittelmeerraum hervor, „zerbrochene Beziehungen wiederherzustellen“, Dialog zu führen, Trost zu spenden und eine Willkommenskultur für Flüchtlinge zu fördern.
„Für Gläubige besteht die Zukunft nicht aus Mauern und Stacheldraht, sondern aus gegenseitiger Akzeptanz.“
Leo XIV. rief in seiner Ansprache dazu auf, sich weiter dafür einzusetzen, den Mittelmeer-Raum als „Zeichen der Hoffnung“ und „Kreuzungspunkt der Geschwisterlichkeit“ zu etablieren – nicht als „Grab“, so der Papst wohl mit Verweis auf die zahlreichen Flüchtlinge, die beim Versuch, das Mittelmeer zu überqueren, ums Leben kamen und kommen. „Für Gläubige besteht die Zukunft nicht aus Mauern und Stacheldraht, sondern aus gegenseitiger Akzeptanz“, formulierte er und warb für Willkommenskultur und Solidarität.
Absage an Instrumentalisierung von Religion
Der Mittelmeer-Raum sei Ursprungsort großer religiöser Traditionen, ergänzte er weiter. Diese gelte es als „lebendiges Ferment“, als „Quelle des Friedens, der Offenheit, Geschwisterlichkeit und Sorge um die Schöpfung“ weiter zu pflegen. Niemals dürfe Religion allerdings dazu genutzt werden, „um Gewalt und bewaffnete Konflikte zu rechtfertigen“, warnte Leo XIV..
„Wir müssen diese Formen der Blasphemie, die den heiligen Namen Gottes entehren, ablehnen, und zwar durch die Art und Weise, wie wir unser Leben führen. Wir sind aufgerufen, das Gebet und die Spiritualität zusammen mit dem Handeln als Quellen des Friedens und als Begegnungsorte zwischen Traditionen und Kulturen zu pflegen.“
Frieden keimen lassen statt Konflikte befeuern
Ein Friedensstifter zu sein sei „keine leichte Aufgabe“, gab der Papst zu bedenken. Dafür müsse man die „Komfortzone der Ablenkung und Gleichgültigkeit verlassen“. Auch gebe es Gruppen, die ein Interesse daran hätten, Konflikte weiter aufrechtzuhalten, fuhr er fort. Papst Leo ermutigte die jungen Friedensaktivisten dazu, sich trotz solcher Herausforderungen und Widerständen für Solidarität und Frieden einzusetzen:
„Der heilige Charles de Foucauld sagte, dass Gott auch Gegenwinde nutzt, um uns ans Ziel zu bringen“
„Habt keine Angst: Seid Keimzellen des Friedens dort, wo Hass und Groll wachsen; seid Weber der Einheit dort, wo Polarisierung und Feindseligkeit vorherrschen; seid die Stimme derer, die keine Stimme haben, um Gerechtigkeit und Würde zu fordern; seid Licht und Salz dort, wo die Flamme des Glaubens und die Lebensfreude erlöschen. Gebt nicht auf, wenn euch jemand nicht versteht. Der heilige Charles de Foucauld sagte, dass Gott auch Gegenwinde nutzt, um uns ans Ziel zu bringen.“
Quelle: A. Preckel, vaticannews,
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