Montag, 5. Januar 2026

Nach der 8-monatigen Übergangszeit - zum Pontifikat von Papst Leo XIV

In seiner heutigen Kolumne für Monday-at-the-Vatican kommentiert A. Gagliarducci die bisherigen und bevorstehenden Entscheidungen der ersten 8 Monate des Pontifikates von Papst Leo XIV. 
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"LEO XIV ZWISCHEN JUBILÄUM, KONSISTORIUM UND DIPLOMATISCHEM CORPS"

Während der ersten 8 Monate seines Pontikates hat sich Leo XIV wie ein Übergangspapst verhalten. Die Herausforderungen denen er sich gegenüber sah und die Entscheidungen, die er getroffen hat, stammten noch alle irgendwie von Papst Franziskus, der das Heilige Jahr startete und bis zu dessen Ende sein Hauptbezugspunkt war.

Diese Periode war eine Zwischenwelt, in der sich das alte und das neue Pontiifikat überlagert haben.

Der Abschluss des Jubiläumsjahres am 6. Januar hat Leo XIV die Bühne für sein POntifikat bereitet. 

Abgesehen von einigen notwendigen Anpassungen fuhr die Kirche auf eine Weise fort, als ob das vorherige Pontifikat noch nicht vorüber sei. Zur gleichen Zeit als ob das neue noch nicht begonnen habe. Z.B. hat Papst Franziskus eine Reihe von Dokumenten hintergelassen- wie sein Apostolische Exportation zur Armut und das Dokument zum Titel Mariens und Leo XIV hat sie veröffentlicht. 

Es gab auch Verpflichtungen, die Franziskus eingegangen ist, die Leo XIV geflissentlich erfüllt hat. 

Bischofsernennungen bewegten sich großenteils in die von Papst Franziskus gewünschte Richtung. Der Bischofssitz von New York in den USA hat einen neuen Erzbischof vor Chicago, obwohl Chicagos Kardinal-Erzbischof älter ist. Sogar die erste internationale Reise in die Türkei und den Libanon ein direktes Erbe seines Vorgängers.

Mit dem Ende des Jubiläums-Jahres der Hoffnung. Leo XIV erreicht einen Wendepukt. Jetzt kann er seine Rolle aktiv gestalten- wie seine Entscheidung für den ersten Tag nach dem Ende des  Jubiläumsjahres zeigt, ein Konsistorium und ein frühes Treffen mit dem Diplomatischen Corps einzuberufen

Diese drei Tage werden für Leo XIV entscheidend. Es sind seine Gelegenheitem seine Richtung zu festigen, anderen zuzuhören und dann seine Führung über das Erbe von Papst Franziskus hinaus bestätigen. 

Dieses Konsistorium hat drei Sitzungen in zwei Tagen bei denen die Kardinäle miteinander diskutieren. Jeder hat unter der Moderation von Staatssekretär Kardinal Pietro Parolin die Gelegenheit, zu sprechen. Diese Entscheidung bringt das Staatssekretsriat  zurück in den Vordergrund, nachdem Papst Franziskus den Staatssekretär aus dem Rat der Kardinäle ausgeschlossen und ihn erst später und formlos wieder zugelassen hatte. 

Das Konsistorium befasst sich auch mit dem Problem der konzentrierten Regierungsmacht. Papst Franziskus' synodaler Ansatz nutzte parallele Kommissionen und Ausschüsse und schloss offizielle Institutionen weitgehend von der Entscheidungsfindung aus. Der Kardinalsrat, der nie Teil der neuen Kurienverfassung wurde, fungierte als Schattenregierung – ein Modell, das zwar in den letzten Jahren Johannes Pauls II. vorgeschlagen, aber nie umgesetzt wurde.

Papst Franziskus folgte also letztlich einem Reformmodell, das in den letzten Jahren Johannes Pauls II. diskutiert worden war.


Benedikt XVI. entschied sich dagegen, da sein oberstes Ziel nicht die Regierungsführung, sondern die Gemeinschaft war.

Das Streben nach Gemeinschaft veranlasste Benedikt XVI. zu mehreren umstrittenen Regierungsentscheidungen, darunter die Aufhebung der Exkommunikationen gegen die vier Lefebvrianer-Bischöfe. Benedikts Wunsch nach Gemeinschaft umfasste auch seine Entscheidung, den Gebrauch der vorkonziliaren liturgischen und rituellen Bücher zu liberalisieren.

Gleichzeitig veranlasste der Wunsch, die weltlichen Angelegenheiten des Vatikans an die moderne Welt anzupassen, Benedikt XVI., eine Finanzreform einzuleiten. Er arbeitete daran, den Heiligen Stuhl von seinem schwerfälligen italienischen Nachbarn zu lösen, indem er das Geldwäschegesetz internationalisierte. Zudem reformierte er die Finanzinformationsbehörde und ersetzte eine ausschließlich aus Italienern und ehemaligen Mitarbeitern der italienischen Zentralbank bestehende Gruppe. Die Wirtschaftspräfektur wurde neu strukturiert und sollte künftig eher einem modernen Finanzministerium ähneln.

Warum waren solch fortschrittliche Reformen so unbequem?

Sie stellten ein Machtmodell infrage, das am Ende des Pontifikats von Johannes Paul II. entstanden war. Diese Reformen hinterfragten auch Ideen, die aus einer nachkonziliaren Debatte hervorgegangen waren, die der polnische Papst zu überwinden suchte. Papst Franziskus griff viele dieser Ideen wieder auf und rückte die alte Kurie wieder ins Zentrum. Später untergrub er sie jedoch durch seine starke Persönlichkeit und sein Bestreben nach einer Zentralisierung der Regierung.

Leo XIV. steht vor der Aufgabe, die Kirche aus alten Debatten herauszuführen und Diskussionen voranzutreiben, die seit dem Ende des Pontifikats von Johannes Paul II. und sogar seit den 1970er Jahren nachhallen. Jüngste ideologische Initiativen während des Pontifikats von Franziskus unterstreichen diese Rückbesinnung auf die Vergangenheit, darunter die Wiederbelebung des Katakombenpakts, Debatten über Diakoninnen und vorgeschlagene Änderungen der Rolle der Apostolischen Nuntien. Diese Vorschläge werden oft ohne Rücksicht auf ihren bischöflichen Auftrag oder ihre päpstliche diplomatische Funktion formuliert.

Das bevorstehende Konsistorium wird all dem vielleicht kein Ende setzen, aber es wird uns helfen zu verstehen, wie sich Franziskus’ missionarischer und synodaler Eifer (zumindest auf dem Papier) nicht so sehr den aktuellen Gegebenheiten anpassen lässt, sondern vielmehr einer Institution wie der Kirche, die ihre eigenen Wege und ihr eigenes Bedürfnis hat, das Evangelium zu verkünden und danach zu leben.

Die vier Themen des Konsistoriums – das Apostolische Schreiben Evangelii Gaudium, die Apostolische Konstitution Praedicate Evangelium, die Synodalität und die umfassende Frage der Liturgie – verdeutlichen den Wunsch des Papstes, die Debatte zu beenden und eine gemeinsame Vision der Erneuerung zu finden.

Leo XIV. strebt wie Benedikt XVI. die Einheit der Kirche an. Leo versteht wie Franziskus die Notwendigkeit, den missionarischen Elan der Kirche wiederzubeleben (was bedeutet, alle Gläubigen einzubeziehen). Gegensätzliche Narrative suchen derweil entweder nach einer bedingungslosen Kontinuität zwischen Franziskus und Leo oder nach einer kategor Ablehnung des Pontifikats von Franziskus.finden

Im Anschluss an das Konsistorium wird die jährliche Ansprache an das diplomatische Corps stattfinden.

Der Papst, der sich stets für Friedensgespräche eingesetzt hat, hat auch die Diplomatie der Wahrheit wieder in den Vordergrund gerückt und in seinem ersten Treffen mit Diplomaten betont, dass die Kirche ihre Wahrheit nicht verschweigen kann, selbst auf die Gefahr hin, unpopulär zu werden. Dies ist ein Zeichen, dessen tiefere Bedeutung einen entscheidenden Bruch mit dem Pontifikat von Franziskus erkennen lässt, zumindest was die Diplomatie des Heiligen Stuhls betrifft.

Die Reform der päpstlichen Universitäten, die während der Ära Franziskus und auf seine Anweisung hin durchgeführt wurde, hatte die Annäherung der Sprachen an die säkulare Welt als eines ihrer Leitprinzipien. Dasselbe gilt für die Reform der Päpstlichen Akademie für Theologie. Beide Reformen forderten die Annäherung der Sprachen an die säkulare Welt. Der zugrunde liegende Wunsch oder die Vision der Reformen war es, sich so anzupassen, dass sie Kirche und Welt in der Gegenwart besser erreichen.

Leo XIV. unterstützt zwar die Evangelisierung, weiß aber, dass die Institution nicht an den Rand gedrängt werden darf. Seine zweite Ansprache an das diplomatische Korps wird deutliche Hinweise auf Umfang und Richtung seines Pontifikats geben, weit über die internationale Politik hinaus.

Diese Woche wird die Zukunft des Pontifikats prägen.

Aufmerksames Lesen wird seine Richtung offenbaren."

Quelle: A. Gagliarducci, Monday-at-the-Vatican

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