Freitag, 20. August 2021

Die Interpreten der Päpste-...

Fr. Raymond J.de Souza kommentiert bei First Things die Instrumentalisierung des Briefes, den Papst Franziskus ihm geschrieben hat, durch Fr. James Martin S.J.  
Hier geht´s zum Original:  klicken

       "PAPST FRANZISKUS WÄHLT FR. MARTIN" 

Ende Juni -gerade als ich in Krakau/Polen zum jährlichen, von George Weigel organisierten Seminar über die Soziallehre der Kirche eintraf- gab es ein kleineres Getöse wegen eines persönlichen Briefes, den Papst Franziskus an Fr.James Martin S.J: geschickt hatte. Das erinnert mich an einen anderen privaten päpstlichen Brief vor 27 Jahren. Selektiv öffentlich gemachte-private Korrespondenz ist ein Weg, wie Päpste ihre Interpreten aiswählen. 

Nur wenige Wochen vor dem Brief von Papst Franziskus hatte Fr. Martin lamentiert, daß gleichgeschlechtliche Paare ihre Verbindung nicht durch Priester segnen lassen könnten. Fr. Martin beschloss seinen privaten Brief zu veröffentlichen und argumentierte, daß der Hl. Vater seinen Dienst- wie er es in seinem Buch von 2017 ausgedrückt hat- "eine Brücke zu schwulen und transgender -Personen zu bauen", unterstütze. 

Papst Franziskus hat in Spanisch geschrieben und Fr.Martin hat das so übersetzt: 

 "Ich möchte Dir für Deinen pastoralen Eifer danken und für Deine Fähigkeit, den Menschen nahe zu sein- mit der Nähe, die Jesus hatte und die die Nähe Gottes wiederspiegelt. Gottes "Stil" hat drei Elemente: Nähe, Mitgefühl und Milde. So kommt er jedem von uns näher. Wenn ich über Deine pastorale Arbeit nachdenke, sehe ich, daß Du immer versuchst, diesen Stil Gottes nachzuahmen. Du bist ein Priester für alle, gerade so wie Gott ein Vater für alle ist. Ich bete für Dich, diesen Weg nahe, mitfühlend zu sein- mit großer Milde fortzusetzen. Und ich bete für Deiune Gläubigen. Deine "Herde"  und für alle, die Gott Deiner Fürsorge anvertraut hat, daß Du sie schützt und in der Liebe Unseres Herrn Jesus Christus wachsen läßt." 

Das hätte von fast jedem Bischof an fast jeden Priester geschrieben werden können, aber Fr. Martin  beschloss, -angesichts seines Profils in dieser Sache nicht unvernünftig-  das auf seine Weise zu interpretieren: 

 "Möge die warme Botschaft des Hl. Vaters alle jene ermutigen und inspirieren, die in der Kirche LGBTQ-Katholiken dienen und außerdem LGBTQ-Leute überall in der Welt an Gottes Nähe, Mitgefühl und Milde erinnern." 

Das ist die Art Dinge, in der clevere Jesuiten gut sind: etwas zur gleichen Zeit sowohl zu sagen als auch nicht zu sagen. Papst Franziskus hat jemandem etwas relativ Neutrales angeboten, der das dann für seine eigenen Zwecke benutzen sollte.


Die selbe Dynamik war im September 2019 am Werk, als Papst Franziskus Fr. Martin eine Privataudienz im Vatican gewährte, nach der Fr. Martin sofort eine Kampagne in den sozialen Medien startete und die Begegnung bekannt gab. Das brachte ihm einen Tadel von Weigel ein- wegen "PR-Spielen, die unabhängig vom Zweck- den Effekt haben, den Papst als hochrangige Figur auf dem Schachbrett der kirchlichen Kontroverse einzusetzen." 

Es wird in Zukunft mehr davon von Fr. Martin geben. Aber was hat Papst Franziskus davon? 

Es wäre schwer, sich einen Jesuiten vorzustellen, der sich im Stil mehr vom Hl. Vater unterscheidet, der als Erzbischof von Buenos Aires für seine privaten Besuche in den Slums bekannt war. Fr. Martin genießt es, vor den Kameras zu sein, in Gesellschaft der Reichen und Glamourösen- sei es bei der Met-Mode-Gala in New York oder spät abends im Fernsehen mit Stephen Colbert. Martin Scorcese hat sogar eine Dokumentation über ihn gemacht.

Der Papst hat eine konkurrenzlose Reichhweite; seine Stimme wird wörtlich bis am Ende der Welt gehört- wie der Psalmist sagt. Dennoch gibt es immer einen Spielraum für Interpretation. Wie soll man die angebotene allgemeine Vision in der Praxis anwenden? Der Papst kann nicht jedes Thema  ansprechen. Bevorzugte Interpreten liefern da zusätzliche Hilfe.

Andere Päpste haben anders gewählt. Das bringt dieses Sommer-Seminar 1994 ins Gedächtnis zurück.

Es war das erstemal. daß Weigel und seine verstorbenen Kollegen- Michael Novak, Fr. Richard John Neuhaus und Fr. Maciel Zieba- das Seminar in Krakau abhielten, zwei Jahre später in Liechtenstein. Der Hl. Johannes Paul II hatte zu seiner eigenen Stadt dazu ermutigt und einen Brief an Fr. Zieba, einen Dominikaner-Priester, geschrieben in dem er seine guten Wünschen für das Seminar ausdrückte. 

Das war lange vor den sozialen Medien und Fr. Zieba war mehr von der diskreten Sorte, aber er teilte den Brief mit seinen Studenten, zu denen ich gehörte. Nach einigen gutmütigen Neckereien, darüber im Juli ein Seminar zu veranstalten, anstatt in den Bergen Kajak zu fahren, ermutigte Johannes Paul Fr. Zieba in seinen fortwährenden Bemühungen, die Lehre des Hl. Vaters über die freie Gesellschaft -1991  in der Enzyklika "Centesimus Annus" formuliert - in Polen allgemein anerkannter zu machen. 

Die Polnische Kirche war insgesamt nicht sehr angetan von Centesimus Annus. Die Polen waren ein wenig misstrauisch gegenüber der umfassenden Freiheit ihres Landsmanns im politischen und wirtschaftlichen Bereich, die von einer robusten, von Grundsätzen der Evangelien geprägten Kultur auf das Gemeinwohl gerichtet war. Der polnische Papst wusste von dieser Skepsis und ermutigte P. Zieba in seiner Arbeit. Der Brief war eine persönliche Unterstützung für einen Priester, dessen pastorale Arbeit der Jugendarbeit von Johannes Paul in den 1950er Jahren nachempfunden war.

Dennoch war das mehr als eine persönliche Ermutigung. Leute, die päpstliche Briefe bekommen, neigen dazu, sie als Zeichen des Lobes für ihre Arbeit zu teilen, Ich bezweifle sehr, daß Fr. Zieba -wenn es um 1994 soziale Medien gegeben hätte-sie so benutzt hätte wie es Fr. Martin tut. Aber es war bekannt, daß Fr. Zieba den Segen des Papstes hatte und das wirkte sich darauf aus, wie die Menschen seine Arbeit bewerteten. 

Andere Päpste, andere Interpreten. Ich beklage den kürzlichen Tod von Fr. Zieba; ich finde einige der Lehren von Fr. Martin beklagenswert. Aber ich wähle nicht aus, wer der Interpret des Papstes ist; der Papst ist frei, das selber zu tun. 

Papst Franziskus hat Fr. Martin für diese Rolle ausgewählt. Das ist wichtig und bei der Bewertung des Dienstes von Fr. Martin zu bedenken- und von Papst Franziskus. "

R.J. de Souza
Priester in der Erzdiözese Kingston, Ontario

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