Auch heute am Trinitatis-Sonntag setzt Fr. John Zuhlsdorf bei OnePeterFive seine Katechese zur Bedeutung der Liturgie für die Sonntage im Kirchenjahr fort. Hier geht´s zum Original: klicken
"IN ILLO TEMPORE: DER DREIFALTIGSKEITS-SONNTAG"
"Der Katechismus der Katholischen Kirche sagt, dass das Geheimnis der Allerheiligsten Dreifaltigkeit „das zentrale Geheimnis des christlichen Glaubens und Lebens ist. Es ist das Geheimnis Gottes in sich selbst“ ( KKK 234).
Dieser Satz sollte jeden Prediger am Dreifaltigkeitssonntag tief durchatmen lassen, bevor er etwas sagt. Wir wollen das richtig verstehen. Andere Geheimnisse unseres Glaubens betreffen Gottes Wirken: Schöpfung, Erlösung, Heiligung, die Menschwerdung, das Leiden, die Sakramente, die Kirche, die letzten Dinge. Heute richten wir unseren Blick, soweit es die Gnade erlaubt, auf den Urheber selbst, auf Gott in seinem inneren Leben, Vater, Sohn und Heiliger Geist, einen Gott in drei göttlichen Personen.
Es gab eine Zeit, da war der Sonntag nach Pfingsten im römischen Ritus liturgisch eher leer, weil die Nacht vom Samstag nach Quatember und der Morgen in der Vigil im Petersdom verbracht worden waren. 1334 jedoch dehnte Johannes XXII., der zweite und am längsten amtierende der Avignoner Päpste, das Fest der Allerheiligsten Dreifaltigkeit auf die gesamte Kirche aus. Johannes XXII. war eine vielschichtige Persönlichkeit. Er konzentrierte die Macht in seiner Person, was Wilhelm von Ockham dazu veranlasste, gegen die grenzenlosen Ansprüche des Papstes zu schreiben. Zudem predigte er eine irrige Ansicht über die Gottesschau, die er jedoch vor seinem Tod widerrief. Er sprach auch den heiligen Thomas von Aquin heilig und verfasste möglicherweise das Anima Christi: „Seele Christi, heilige mich, Leib Christi, erlöse mich, Blut Christi, tränke mich.“ Papst Johannes XXII. war also nicht nur schlecht.
Das Fest ist genau dort, wo es hingehört. Pfingsten ist gekommen. Der Sohn, der liturgisch zum Vater aufgefahren ist, hat liturgisch den Tröster gesandt. Der Geist der Wahrheit ist herabgekommen. Was im Alten Testament vorweggenommen, in der Menschwerdung offenbart, in der Taufe des Herrn manifestiert und durch die Worte und Werke Christi angedeutet wurde, wird nun von der Heiligen Kirche offen bekannt. Der Sonntag nach Pfingsten ist daher der dankbaren Anbetung des dreieinigen Gottes gewidmet. Pius Parsch drückte es treffend aus: „Das Pfingstfest führt logisch zur Betrachtung der göttlichen Dreifaltigkeit, deren Geheimnis nun offenbart ist.“ Der selige Ildefonso Schuster geht noch weiter:
„Die Lehre vom einen Gott in drei Personen stellt den erhabensten Höhepunkt der theologischen Wissenschaft dar und verleiht den Nachfolgern Christi eine Vollkommenheit und Würde von so hohem Rang, dass man mit Fug und Recht sagen kann, dass dieses Dogma die Ehre, den Ruhm und das Heil der Kirche begründet.“
Das Heil der Kirche. Das ist eine kraftvolle Formulierung. Die Dreifaltigkeit ist kein theologisches Rätsel für Menschen mit zu viel Zeit und zu vielen Büchern. Die Dreifaltigkeit ist das Geheimnis Gottes selbst und somit Ursprung, Maßstab und Ziel jedes Heilsgeheimnisses. Wir beginnen nicht bei uns selbst. Wir beginnen bei Gott. Wir beginnen nicht mit unseren Projekten, Gremien, Sorgen oder kirchlichen Parolen. Wir beginnen damit, dass der Vater ewig den Sohn zeugt und der Heilige Geist vom Vater und vom Sohn ausgeht – ein Gott, ein göttliches Wesen, drei wirkliche Personen, gleich ewig, gleich und wesensgleich.
