Sonntag, 31. Mai 2026

In illo tempore

Auch heute am Trinitatis-Sonntag setzt Fr. John Zuhlsdorf bei OnePeterFive seine Katechese zur Bedeutung der Liturgie für die Sonntage im Kirchenjahr fort. Hier geht´s zum Original:  klicken

"IN ILLO TEMPORE: DER DREIFALTIGSKEITS-SONNTAG" 

"Der Katechismus der Katholischen Kirche sagt, dass das Geheimnis der Allerheiligsten Dreifaltigkeit „das zentrale Geheimnis des christlichen Glaubens und Lebens ist. Es ist das Geheimnis Gottes in sich selbst“ ( KKK 234).

Dieser Satz sollte jeden Prediger am Dreifaltigkeitssonntag tief durchatmen lassen, bevor er etwas sagt. Wir wollen das richtig verstehen. Andere Geheimnisse unseres Glaubens betreffen Gottes Wirken: Schöpfung, Erlösung, Heiligung, die Menschwerdung, das Leiden, die Sakramente, die Kirche, die letzten Dinge. Heute richten wir unseren Blick, soweit es die Gnade erlaubt, auf den Urheber selbst, auf Gott in seinem inneren Leben, Vater, Sohn und Heiliger Geist, einen Gott in drei göttlichen Personen.

Es gab eine Zeit, da war der Sonntag nach Pfingsten im römischen Ritus liturgisch eher leer, weil die Nacht vom Samstag nach Quatember und der Morgen in der Vigil im Petersdom verbracht worden waren. 1334 jedoch dehnte Johannes XXII., der zweite und am längsten amtierende der Avignoner Päpste, das Fest der Allerheiligsten Dreifaltigkeit auf die gesamte Kirche aus. Johannes XXII. war eine vielschichtige Persönlichkeit. Er konzentrierte die Macht in seiner Person, was Wilhelm von Ockham dazu veranlasste, gegen die grenzenlosen Ansprüche des Papstes zu schreiben. Zudem predigte er eine irrige Ansicht über die Gottesschau, die er jedoch vor seinem Tod widerrief. Er sprach auch den heiligen Thomas von Aquin heilig und verfasste möglicherweise das Anima Christi: „Seele Christi, heilige mich, Leib Christi, erlöse mich, Blut Christi, tränke mich.“ Papst Johannes XXII. war also nicht nur schlecht.

Das Fest ist genau dort, wo es hingehört. Pfingsten ist gekommen. Der Sohn, der liturgisch zum Vater aufgefahren ist, hat liturgisch den Tröster gesandt. Der Geist der Wahrheit ist herabgekommen. Was im Alten Testament vorweggenommen, in der Menschwerdung offenbart, in der Taufe des Herrn manifestiert und durch die Worte und Werke Christi angedeutet wurde, wird nun von der Heiligen Kirche offen bekannt. Der Sonntag nach Pfingsten ist daher der dankbaren Anbetung des dreieinigen Gottes gewidmet. Pius Parsch drückte es treffend aus: „Das Pfingstfest führt logisch zur Betrachtung der göttlichen Dreifaltigkeit, deren Geheimnis nun offenbart ist.“ Der selige Ildefonso Schuster geht noch weiter:

„Die Lehre vom einen Gott in drei Personen stellt den erhabensten Höhepunkt der theologischen Wissenschaft dar und verleiht den Nachfolgern Christi eine Vollkommenheit und Würde von so hohem Rang, dass man mit Fug und Recht sagen kann, dass dieses Dogma die Ehre, den Ruhm und das Heil der Kirche begründet.“

Das Heil der Kirche. Das ist eine kraftvolle Formulierung. Die Dreifaltigkeit ist kein theologisches Rätsel für Menschen mit zu viel Zeit und zu vielen Büchern. Die Dreifaltigkeit ist das Geheimnis Gottes selbst und somit Ursprung, Maßstab und Ziel jedes Heilsgeheimnisses. Wir beginnen nicht bei uns selbst. Wir beginnen bei Gott. Wir beginnen nicht mit unseren Projekten, Gremien, Sorgen oder kirchlichen Parolen. Wir beginnen damit, dass der Vater ewig den Sohn zeugt und der Heilige Geist vom Vater und vom Sohn ausgeht – ein Gott, ein göttliches Wesen, drei wirkliche Personen, gleich ewig, gleich und wesensgleich.

Angelus

auf dem Petersplatz

             

Samstag, 30. Mai 2026

Beim Rosenkranzgebet für den Frieden

vaticannews veröffentlicht den Wortlaut der Ansprache des Hl. Vaters beim heutigen Rosenkranzgebet vor der Lourdes-Grotte in den Vaticanischen Gärten. Hier geht´s zum Original:  klicken

"WORTLAUT: DIE PAPSTANSPRACHE BEIM ROSENKRANZGEBET FÜR DEN FRIEDEN" 

„Ich will hören, was Gott redet: Frieden verkündet der Herr seinem Volk und seinen Frommen, für alle, die voll Vertrauen umkehren zu ihm“ (vgl. Ps 85,9). Die Worte des Psalms passen gut zu unserem Rosenkranzgebet heute Abend, denn sie bringen die Hoffnung zum Ausdruck, nach der wir uns sehnen, vor allem angesichts der Probleme und der Gewalt unserer Zeit

Öffnen wir also unser Herz für das Wort Gottes, damit wir im Gebet den Sinn dessen verstehen können, was in der Geschichte geschieht, und die Vorsehung Gottes erkennen, die sie stets leitet und uns zu Hilfe kommt. Die Jungfrau Maria ist das Vorbild für alle Gläubigen, die ihr Herz öffnen, um zu hören, „was Gott redet“. Sie ist uns ein Beispiel mit ihrem Gehorsam, mit dem sie die Menschwerdung des Sohnes Gottes in ihrem Schoß annimmt.

Wenn wir gemeinsam mit Maria die Geheimnisse des Rosenkranzes betrachten, erkennen wir in Jesus Christus das eine endgültige Wort, das der Vater gesprochen hat – ein Wort des Friedens für alle, die mit reumütigem Herzen umkehren zu ihm. Der Herr verlässt uns niemals, auch wenn wir ihn vergessen, auch wenn wir vom Weg abkommen; er kommt, um uns zu suchen, und ist uns in seiner immerwährenden Liebe nahe. Wie der Prophet Jesaja sagt: »Ich erschaffe Frucht der Lippen. Friede, Friede dem Fernen und dem Nahen« (Jes 57,19). Wer auf Gott vertraut, versteht diese Ankündigung des Friedens, er wird zum Friedensstifter und bewirkt ihn mit seinen eigenen Händen (vgl. Mt 5,9).

Der Frieden ist nämlich weder eine Theorie, die im Labor überprüft werden kann, noch eine naive Illusion oder eine Angelegenheit, die interessengeleitet gehandhabt werden kann. Wenn man ihn mit aufrichtigem Herzen sucht, ist er vor allem eine tägliche Aufgabe in unserem Leben: Er entspringt der Gerechtigkeit und der Liebe, als eine Harmonie, die Menschen, Familien, Gemeinschaften und Völker verbindet. Auch in dieser Zeit der Spannungen und Konflikte wird Frieden möglich, wenn man bereit ist, den Schrei derer zu hören, die seiner beraubt sind: der unschuldigen Kinder, der verzweifelten Mütter und Väter, der misshandelten Gefangenen, der Flüchtlinge, der leidenden Menschen jeden Alters. Sie alle haben nur ein einziges Wort auf den Lippen: Frieden!

Wir wissen: Friede ist immer möglich, denn er ist ein Geschenk Gottes. Dieser Friede, sein Friede, hat das Antlitz Jesu Christi, des Sohnes Gottes, der mit seinem für uns hingegebenen Leben Himmel und Erde versöhnt hat. So schreibt der Apostel Paulus: »Er ist unser Friede« (Eph 2,14): Er, der die Mauern der Feindschaft niederreißt, der den Hochmut mit Demut besiegt und die gesamte Schöpfung von der Sünde erlöst.

Wenn Jesus, der Herr, mit uns ist und wir uns wie wahre Jünger seiner Liebe verhalten, dann vermag der Heilige Geist das zu vollbringen, was menschlich gesehen unmöglich erscheint. Wenn man sich hingegen von Gott entfernt, entfernt man sich auch vom Menschen, vom Nächsten, und bleibt seinem Leid gegenüber gleichgültig. Jedes Mal, wenn wir zum Herrn zurückkehren, wird sein Friede zu unserer Verpflichtung, entsprechend den Aufgaben und Verantwortlichkeiten jedes Einzelnen.

So wird unser Gebet zu einer Sendung und Prophezeiung: Es darf in unseren Städten kein Weinen Unschuldiger mehr geben; niemand soll wegen der Bedrohung durch Bomben aus seinem Zuhause fliehen müssen; Machtgier und verbale Gewalt werden dem Durst nach Gerechtigkeit und Wahrheit weichen. Aber jeder kann und muss seinen Teil dazu beitragen, indem er mit kleinen, aber wichtigen Dingen beginnt und jegliche verbale oder körperliche Gewalt vermeidet, im Alltag und auch in den sozialen Medien.

Liebe Brüder und Schwestern, wahrer Friede beginnt in einem Herzen, das liebt; er wird bezeugt von Lippen, die Worte der Versöhnung sprechen; er spiegelt sich in Augen, die die Welt mit Güte und Weisheit betrachten. Das ist die wahre Kraft, die Kraft der Wahrheit und der Liebe.

Gott sucht Friedensstifter! Möge unsere allerseligste Mutter uns helfen, ihm jeden Tag mit unserem „Hier bin ich“ zu antworten – nicht mit Worten, sondern mit Taten."

Quelle: vaticannews

Hl. Rosenkranz für den Frieden

Papst Leo hat heute Nachmittage vor der Lourdes-Grotte in den Vaticanischen Gärten einen Rosenkranz für den Frieden gebetet. 

             

Audienz

in der Villa Nazareth

              

Sandro Magister kommentiert "Magnifica Humanitas"

Sandro Magister kommentiert bei Diakonos/Settimo Cielo  Papst Leos Enzyklika "Magnifica Humanitas" und arbeitet -bei allem Lob- dabei besonders vorhandene Widersprüche heraus.
Hier geht´s zum Original:  klicken

"EINE GROSSARTIGE ENZYKLIKA, ABER AUCH WIDERSPRÜCHLICH IN BEZUG AUF KRIEG UND FRIEDEN"

„Entwaffnet und entwaffnend“: Dies ist auch die künstliche Intelligenz, die Leo anstrebt. In der Enzyklika „Magnifica Humanitas“ widmete er ein ganzes Kapitel, das fünfte und letzte, der Infragestellung der „Machtkultur“, die alle Hemmungen des Krieges aufhebt und ihn als „natürliche Fortsetzung der Politik“ propagiert, obwohl die technologischen Entwicklungen mittlerweile so weit fortgeschritten sind, dass sie sogar die „Überwindung der Theorie des ‚gerechten Krieges‘ erfordern, die allzu oft zur Rechtfertigung jedes Krieges herangezogen wird, ohne das Recht auf legitime Verteidigung im strengsten Sinne zu beeinträchtigen.“

Auf 240 Seiten Text, die großenteils die Ablehnung von Krieg und Waffen enthalten, widmen sich nur wenige Zeilen – in den Absätzen 192 und 197 – der Bestätigung des „Einsatzes bewaffneter Gewalt als letztes Mittel in Fällen legitimer Verteidigung“, der jedoch nicht einmal mehr als „gerecht“ gilt.

Zur Untermauerung dieser These verweist Leo in Fußnote 182 auf die Enzyklika „Fratelli Tutti“ von Papst Franziskus, die als erste in einem päpstlichen Dokument erklärte, dass es heute „sehr schwierig ist, die in anderen Jahrhunderten entwickelten rationalen Kriterien für die Rede von einem möglichen ‚gerechten Krieg‘ aufrechtzuerhalten“.

Leo verweist in derselben Anmerkung auch auf den Katechismus der Katholischen Kirche, der zweifellos einen höheren lehramtlichen Wert besitzt. Dieser bekräftigt in Nr. 2309 entschieden die Lehre vom „gerechten Krieg“, führt die strengen Bedingungen auf, die eine legitime Verteidigung mit militärischer Gewalt rechtfertigen, und fasst in Nr. 2308 die Lehre der Kirche mit den Worten der Konstitution „Gaudium et Spes“ des Zweiten Vatikanischen Konzils zusammen: „Solange die Gefahr eines Krieges besteht und keine zuständige internationale Autorität mit wirksamen Streitkräften vorhanden ist, kann den Regierungen, sobald alle Möglichkeiten einer friedlichen Beilegung ausgeschöpft sind, das Recht auf legitime Verteidigung nicht verweigert werden.“ Ein Recht – so präzisiert der Katechismus in Nr. 2265 –, das „auch eine schwere Pflicht für diejenigen sein kann, die für das Leben anderer verantwortlich sind“, da „die Verteidigung des Gemeinwohls erfordert, dass der ungerechte Angreifer in einen Zustand der Unfähigkeit versetzt wird, Schaden anzurichten“, einschließlich des Rechts, „auch Waffen einzusetzen“.

Dem Katechismus zufolge gibt es vier „strenge Bedingungen“, die einen Verteidigungskrieg rechtfertigen, und diese müssen alle „gleichzeitig“ erfüllt sein: 1. „Der Schaden, den der Angreifer der Nation oder Völkergemeinschaft zufügt, muss dauerhaft, schwerwiegend und sicher sein.“ 2. „Alle anderen Mittel zur Beendigung des Krieges müssen sich als undurchführbar oder unwirksam erwiesen haben.“ 3. „Es müssen solide Erfolgsaussichten bestehen.“ 4. „Der Griff zu den Waffen darf keine Übel und Unruhen verursachen, die schwerwiegender sind als das zu beseitigende Übel.“

Freitag, 29. Mai 2026

Kopten kehren zum Dialog mit Rom zurück

 Luisella Scrosati kommentiert in La Nuova Bussola Quotidiana die Wiederaufnahme des Dialogs zwischen Rom und der Koptischen Kirche. Hier geht´s zum Original: klicken

"KEINE SEGNUNG FÜR HOMOSEXUELLE, DIE KOPTEN NEHMEN DEN DIALOG MIT ROM WIEDER AUF"

Tawadros II. hat die Wiederaufnahme der theologischen Gespräche nach den Zusicherungen Leos XIV verkündet. Damit wird die durch  die Fiducia-Supplicans ausgelöste Krise beigelegt , die bei Katholiken wie Nichtkatholiken gleichermaßen auf Ablehnung stieß. Dies beweist, dass die Anpassung an die Welt den ökumenischen Dialog ernsthaft untergräbt. 

„Die Mitglieder der Heiligen Synode haben beschlossen, den theologischen Dialog mit der katholischen Kirche wieder aufzunehmen, nachdem Papst Tawadros II. und Papst Leo XIV. am Freitag, dem 15. Mai dieses Jahres, in einem Telefongespräch Zusicherungen hinsichtlich der Nichtsegnung gleichgeschlechtlicher Paare gegeben hatten.“ Eine kurze Erklärung von nur wenigen Zeilen, die jedoch im heutigen katholischen Kontext großes Gewicht hat. Die Synode der Koptisch-Orthodoxen Kirche – einer der nicht-chalcedonischen Kirchen – gab am 22. Mai in einer Erklärung, in der sie die Ergebnisse ihrer Beratungen darlegte, grünes Licht für die Wiederaufnahme des theologischen Dialogs mit der katholischen Kirche. Zuvor hatte Papst Leo XIV. Papst Tawadros II., seit 2012 Oberhaupt der Koptischen Kirche, telefonisch bekräftigt, dass dies der Fall sei. 

Die von Franziskus und Tucho Fernández initiierte Initiative „Fiducia supplicans “ löste nicht nur den Aufstand ganzer katholischer Bischofskonferenzen aus, sondern kühlte auch die Beziehungen zur Orthodoxie ab (siehe hier ) und führte sogar zur Unterbrechung des ökumenischen Dialogs mit den Kopten. Ein Desaster auf ganzer Linie. Dank Papst Leos Kurswechsel wurde dieser Dialog nun wieder aufgenommen. Um die einflussreiche LGBTQ+-Lobby innerhalb der Kirche zu beschwichtigen, schreckten Bergoglio und Fernández nicht davor zurück, das Ideal der Ökumene zu opfern. Dieses Idol wird erneut infrage gestellt, wenn es um die Demontage katholischer Lehre und Disziplin geht. Die Reaktion der koptischen Kirche auf die Zusicherung Leos XIV. belegt einmal mehr, dass der wichtigste ökumenische Dialog seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil, nämlich der mit der Welt der orthodoxen und nichtkatholischen Ostkirchen, ernsthaft untergraben wird, sobald aus der katholischen Welt Zeichen der Anpassung an die Welt und der Abkehr von der apostolischen Tradition kommen.

Auf dem Rückflug aus Afrika erklärte der Papst mit Blick auf die Eile der deutschen Bischöfe: „Wir stimmen der formalisierten Segnung von Paaren, in diesem Fall homosexuellen Paaren oder Paaren in irregulären Lebenssituationen, nicht zu.“ Die Verwendung des Adjektivs „formalisiert“ gibt weiterhin Anlass zur Verwirrung, da es den Weg für nicht-formalisierte Segnungen und somit für jene Segnungen offenlässt, „deren Form nicht rituell von kirchlichen Autoritäten festgelegt werden darf“, wie sie gerade von den Bittstellern der Fiducia eingeführt wurden .
Kardinal Fernández äußerte sich auch ablehnend zu dem Handbuch, das die Segnung homosexueller Paare in Deutschland ermöglichen würde, und veröffentlichte auf der Website des Dikasteriums für die Glaubenslehre den Brief , den der Präfekt am 18. November 2024 an den Bischof von Trier, Msgr. Stephan Ackermann, geschickt hatte.


Problem gelöst? Ich würde sagen: nein. Zwar ist es offensichtlich, dass der Papst versucht, die Kirche intern zu einen und die ökumenischen Beziehungen in einer so heiklen und spaltenden Frage wie dem Segen für gleichgeschlechtliche Paare zu verbessern, doch bleibt die Unklarheit aus mindestens zwei Gründen bestehen. Erstens waren die Äußerungen des Papstes inoffiziell und nicht im engeren Sinne offizielle Akte des Lehramtes. Im Fall des Telefonats mit Tawadros II. kennen wir nicht einmal die Details des Gesprächs, obwohl der Wunsch der Kopten, den theologischen Dialog mit dem Heiligen Stuhl wieder aufzunehmen, auf eine Distanzierung von den Bittstellern der Fiducia hindeutet .

Zweitens: Wenn zu Lebzeiten von Franziskus der Aspekt, den der Papst und Fernández bewusst im Unklaren ließen, der Empfänger dieser Segnungen war – Einzelpersonen oder Paare? –, so verlagert sich die Unklarheit nun auf die Formalisierung dieser Segnungen. In seiner Lieblingssportart, dem Klettern, hatte Tucho damals versucht, zwischen „liturgischen oder ritualisierten“ und „spontanen oder pastoralen“ Segnungen – den berühmten 10- oder 15-Sekunden-Segnungen – zu unterscheiden. Die Antwort von Papst Leo im vergangenen April im Flugzeug scheint diese Art von Segnung weiterhin zu bestätigen, während wir nichts über die Segnung des koptischen Papstes wissen.

Kurz gesagt: Der Heilige Stuhl hat erneut keine klare und eindeutige Position bezogen . Somit bleibt das Problem der von Fiducia-Bittstellern autorisierten Segnungen bestehen, denn auch eine „unformalisierte“ Segnung ist eine Segnung und somit ein Sakramental. Und die Logik der Sakramentalien, die sich aus ihrem Wesen ergibt, wie das Responsum von 2021 treffend formulierte , ist, dass „das Gesegnete objektiv und positiv darauf ausgerichtet ist, Gnade zu empfangen und auszudrücken“. Homosexuelle und irreguläre Paare sind als Paare nicht nach Gottes Plan geordnet und können daher als Paare in keiner Weise gesegnet werden. Dies ist eine Wahrheit, die sich einerseits aus dem Wesen des Segens und andererseits aus dem Plan des Schöpfers ergibt. Alles andere ist Unsinn.

Es gibt noch nicht genügend Beweise, um zu beurteilen, ob Papst Leo eine offizielle Klarstellung geben kann oder will, die diesem Namen gerecht wird. Was wir hoffen können (und wofür wir inständig beten müssen), ist, dass dieser lobenswerte, zeitgemäße und lang erwartete Versuch, die verschiedenen Strukturen der katholischen Welt wieder zu vereinen, auf dem festen Fundament des Petrus und der Wahrheit gelingen wird."

Quelle: L. Scrosati, LNBQ

Dankschreiben für Magnifica Humanitas

OnePeterFive veröffentlicht Father Romano Tommasis SLD Dankschreiben für die Enzyklika Magnific Humanitas. Hier geht´s zum Original:  klicken

"EIN HOCHHERZIGER DANK AN PAPST LEO XIV FÜR DIE EINBEZIEHUNG THOMISTISCHER ;;;;;;IN MAGNIFICA HUMANITAS"

Ich danke Papst Leo XIV. aufrichtig für die Wiedereinführung thomistischer Prinzipien als oberste Richtschnur für Magnifica Humanitas . Nach der Auswertung der päpstlichen Ansprachen der letzten Monate, die auf der Website des Heiligen Stuhls veröffentlicht wurden, hat sich die Herkunft der päpstlichen Prinzipien als uneinheitlich erwiesen. Während seine jüngste Ansprache an die Päpstliche Bibelkommission durchaus fundiert und sogar thomistisch geprägt war, ging seine Rede vor der italienischen Sozialversicherungsverwaltung weit über das Übliche hinaus.

Die Soziallehre von Papst Franziskus, insbesondere in der Enzyklika  Fratelli tutti , in der der Wohlfahrtsstaat als ein echtes universelles Recht erscheint, die Soziallehre des Lehramtes gewährte dem Wohlfahrtsstaat ein absolutes Recht (sic!).

Ich bin nicht in der privilegierten Position zu wissen, inwieweit die Mitwirkenden von OnePeterFive – ähnlich wie im Fall der Dominikaner, die Papst Johannes XXII. in der Frage der seligen Schau Gottes dicht auf den Fersen waren – eine gewissensbildende Rolle für die Ghostwriter und Berater des Heiligen Stuhls in dieser ersten Enzyklika des gegenwärtigen Heiligen Vaters spielen; vielleicht gar keine, aber ich möchte glauben, dass OnePeterFive mit seiner großen Leserschaft unter Klerikern und Vatikanmitarbeitern dem Heiligen Vater einen Dienst erweist, für den auch er dankbar sein kann, wie Magnifica Humanitas (MH) signalisiert:

Im Abschlussdokument der Synode werden Transparenz, Rechenschaftspflicht und Evaluierung als Schlüsselpraktiken für die Transformation der Missionsarbeit genannt ( MH , Nr. 86)

Da Traditionalisten im Rahmen des von Papst Leo XIV. angestrebten Evaluierungsprozesses noch nicht vollumfänglich einbezogen sind, bieten sie ihre fachliche Beurteilung der Kirche hauptsächlich auf Plattformen wie OnePeterFive an . Diese Plattform versucht laut ihrer redaktionellen Ausrichtung , die Christenheit zu stärken, indem sie unter anderem dem Heiligen Stuhl fundierte Kritikpunkte liefert, die als eine Art Gutachterprüfung der semantischen Abweichung des Heiligen Stuhls vom ewigen oder universalen ordentlichen Lehramt der Kirche verstanden werden sollen. Es ist ein romantischer, aber vielleicht motivierender Gedanke, dass ernsthafte wissenschaftliche Studien und Veröffentlichungen über das Handeln des Heiligen Vaters und des Heiligen Stuhls in der Öffentlichkeit ihn daran erinnern können, dass er der Hüter der Tradition ist.

Alle Autorität steht im Dienst des Volkes Gottes. Dieser Dienst kommt nicht nur in unserem gemeinsamen Glaubensgebet […] und in der Annahme eines synodalen Stils […] zum Ausdruck. […] Regelmäßige Überprüfungen der Ausübung der geistlichen Aufgaben sollten gefördert werden, nicht als Urteile über Einzelpersonen, sondern als Instrumente des Lernens und der Korrektur im Sinne der Mission. ( MH , Nr. 89)

In diesem Sinne sollten die Autoren des Heiligen Vaters die Beiträge traditionalistischer Plattformen wie OnePeterFive , die darauf ausgerichtet sind, die Gläubigen zu informieren und dem kirchlichen Gewissen, das sich vor allem im Inhaber des Stuhls des Heiligen Petrus befindet, Anlass zur Reflexion zu geben, selbstverständlich begrüßen

Der Leser von OnePeterFive , der sich durch den erfreulich bescheidenen Textumfang von MH gearbeitet hat , mag überrascht sein, dass ich Teile des Dokuments lobe, andere jedoch nicht kritisiere. Genau in diesem Sinne erinnern wir uns noch daran, wie Michael Davies (RIP) Traditionalisten riet, Kardinal Joseph Ratzinger (vor und nach seiner Wahl) zu unterstützen, da dessen Ausrichtung im Vergleich zu seinen Kollegen am ehesten mit der traditionalistischen Sache übereinstimmte. Von allem, was in den Jahren nach der umstrittenen Abdankung von Papst Benedikt XVI. vom Heiligen Stuhl ausging, signalisiert dieses Dokument am deutlichsten die Bereitschaft zur Rückkehr zu den Leitprinzipien der wissenschaftlichen Theologie . Deren grundlegende Grammatik neutralisiert im Wesentlichen die im Dokument an anderer Stelle anzutreffende, säkulare Rhetorik und die weltlichen Signalwörter der modernen Sprache. Dass wir nun ein Dokument besitzen, das die wirren Wortklaubereien der letzten Jahrzehnte, wie sie in den Akten des Apostolischen Stuhls ( Acta Apostolicae Sedis ) veröffentlicht wurden, aufgreifen und ihre instabilsten und potenziell heimtückischsten Implikationen für die Soziallehre der Kirche sogar neutralisieren soll, ist ein bedeutender Fortschritt. Ich schreibe dies nicht, um die Reform zu loben oder weil wir zu einer erkennbaren theologischen Konstanz zurückgekehrt sind, sondern in Anerkennung eines thomistischen Eingriffs, unterzeichnet von Papst Leo XIV., der den sprachlichen Neuerungen im ordentlichen Lehramt eine Atempause verschafft.

Heute vor 573 Jahren

am 29. Mai 1453 fiel Konstantinopel der Osmanischen Eroberung zum Opfer.  Kaiser Konstantin XI Palaiologos hatte am 28. Mai ein letztes mal die Hagia Sophia besucht, bei den anwesenden Bischöfen gebeichtet,  die Absolution und die Kommunion empfangen.  Am 29. fiel er in der Schlacht.

Donnerstag, 28. Mai 2026

Botschaft an die Italienischen Bischöfe

Bei seinem heutigen Treffen mit den Italienischen Bischöfen hat Papst Leo XIV zu "Mut zum Wesentlichen, zur Evangelisierung aufgerufen. vaticannews berichtet. 
Hier geht´s zum Original:  klicken

Unter dem Titel :

"PAPST LEO AN ITALIENS BISCHÖFE: "MUT ZUM WESENTLICHEN"

beginnt der Bericht so:

"Leo XIV. rät der italienischen Kirche zu mutigen Reformen. Dabei solle sie sich auf „das Wesentliche konzentrieren“, sagte er am Donnerstag bei einem Treffen mit der Vollversammlung der italienischen Bischöfe im Vatikan.

„Lasst uns den Mut zum Wesentlichen haben! Den Mut zu Gemeinschaften, denen es weniger um die Bewahrung von allem geht, sondern die freier darin sind, Christus zu verkünden… Den Mut zu einladenden und missionarischen Pfarreien, in denen Familien zusammenkommen und durch das Lebenselixier des Evangeliums erneuert werden. Den Mut zu lebendigen, partizipativen Gremien. Den Mut, den jungen Menschen zuzuhören, ohne ihre Fragen zu dämpfen. Den Mut, uns von den Armen evangelisieren zu lassen.” (...)

Quelle: vaticnnews

Mittwoch, 27. Mai 2026

Am deutschen Wesen? Fundstück

Archimandrit Dr. Andreas-Abraham Thiermeyer versucht in einem Beitrag für kath.net die Ursache für die spalterischen, rebellischen Tendenzen in der deutschen Kirche zu ergründen                           Hier geht´s zum Original: klicken

Unter dem Titel

"DEUTSCHES KATHOLISCH-SEIN ZWISCHEN ROM UND WELTKIRCHE -"AM DEUTSCHEN WESEN SOLL DIE WELT GENESEN?"

„Die eigentliche Krise ist geistlicher Natur. Keine Satzung ersetzt Glauben. Keine Verwaltungsreform erzeugt Heiligkeit. Kein Strukturprozess schafft Eucharistiefrömmigkeit.“  

beginnt der Beitrag so:  ZITAT

I. Das deutsche katholische Paradox zwischen geistiger Größe und permanenter Unruhe

Die Geschichte der katholischen Kirche in Deutschland seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil offenbart ein bemerkenswertes Phänomen: Kaum ein Pontifikat wurde von größeren Teilen des deutschen Katholizismus dauerhaft mit geistlicher Ruhe angenommen. Fast jeder Papst wurde zunächst mit Hoffnungen begrüßt, bald darauf kritisch beobachtet und schließlich zum Gegenstand wachsender Enttäuschung gemacht. Dies betrifft so unterschiedliche Persönlichkeiten wie Paul VI., Johannes      Paul II., Benedikt XVI., Franziskus und nun auch Leo XIV.

Gerade diese Reihe macht deutlich, dass es sich nicht um bloße Zufälle handelt. Die Kritik entzündet sich nicht nur an Einzelentscheidungen, persönlichen Eigenheiten oder bestimmten römischen Akten. Vielmehr scheint im deutschen Katholizismus eine tiefere Erwartungsstruktur wirksam zu sein: Der Papst wird weithin daran gemessen, ob er die jeweils dominierenden deutschen Reformhoffnungen bestätigt. Geschieht dies nicht oder nicht in ausreichendem Maße, schlägt anfängliche Zustimmung rasch in Distanzierung oder Enttäuschung um. (...)

Quelle: Archimandrit Dr. A-A. Thiermeyer, kath.net

Die Katechese

Vaticannews veröffentlicht den Wortlaut der Katechese des Hl. Vaters bei der heutigen Generalaudienz. Hier geht´s zum Original:  klicken

"WORTLAUT:  PAPSTKATECHESE BEI DER GENERALAUDIENZ AM 27. MAI"

               Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag und herzlich willkommen!

"In der Enzyklika Mediator Dei schreibt der ehrwürdige Papst Pius XII.: „Die Kirche ist ein lebendiger Organismus; deshalb wächst sie und entfaltet sich auch in ihrer Liturgie und passt sich den zeitbedingten Notwendigkeiten und Umständen an, immer unter Wahrung der Unversehrtheit ihrer Lehre“ (vgl. MD 58).

In völliger Kontinuität mit diesem Grundsatz betont das Zweite Vatikanische Konzil im Proömium der Konstitution Sacrosanctum Concilium (SC). Das Konzil sieht es als seine Pflicht an, „sich in besonderer Weise auch um die Erneuerung und die Förderung der Liturgie zu sorgen“ (SC 1). Die Konzilsväter hatten sich versammelt, um „das christliche Leben unter den Gläubigen mehr und mehr zu mehren, jene Einrichtungen, die dem Wandel unterworfen sind, den Bedürfnissen unseres Zeitalters besser anzupassen, alles zu fördern, was zur Einheit aller an Christus Glaubenden beitragen kann, und das zu stärken, was dient, alle in den Schoß der Kirche zu rufen“ (SC 1).

     „Die Kirche handelt nicht nur in der Liturgie, sondern sie drückt sich auch in ihr aus“

In jenem historischen Moment war das Bedürfnis nach einer Erneuerung der rituellen Formen stark spürbar. Durch diese Formen hatte die Kirche über Jahrhunderte Gott verherrlicht und das christliche Volk geheiligt. Dank der Liturgischen Bewegung reifte eine Überzeugung, die der heilige Johannes Paul II. später so ausdrückte: „Es besteht in der Tat ein enger und organischer Zusammenhang zwischen der Erneuerung der Liturgie und der Erneuerung des gesamten Lebens der Kirche. Die Kirche handelt nicht nur in der Liturgie, sondern sie drückt sich auch in ihr aus und schöpft aus ihr die Kräfte für das Leben“ (Schreiben Dominicae Cenae, 13).

Die Konstitution Sacrosanctum Concilium wollte den Gläubigen den Zugang zu den Gnaden der heiligen Liturgie erleichtern. Daher gibt sie mit einer sehr treffenden Formel die Richtung vor: Man muss „die gesunde Tradition glücklich bewahren und doch dem berechtigten Fortschritt den Weg öffnen“ (SC 23):

Papst Benedikt XVI. sah in dieser Absichtserklärung das „Reformprogramm“ der Konzilsväter. Es hält das Gleichgewicht zwischen der großen liturgischen Tradition der Vergangenheit und der Zukunft. Er bemerkte: „Nicht selten werden Tradition und Fortschritt auf ungeschickte Weise miteinander in Gegensatz gebracht.“ In Wirklichkeit ergänzen sich die beiden Begriffe: „Die Tradition ist eine lebendige Wirklichkeit und schließt daher in sich das Prinzip der Entwicklung, des Fortschritts ein. Es ist, als bringe der Fluss der Tradition immer seine Quelle mit sich und strebe zu seiner Mündung“ (Ansprache an die Mitglieder des Päpstlichen Liturgischen Instituts Sant’Anselmo, 6. Mai 2011). 

Das Konzil bestätigt, dass ein solcher Fortschritt rechtmäßig ist, wenn er in der authentischen Tradition wurzelt. Dabei unterscheidet es in der Liturgie zwischen einem Teil, „der unveränderlich ist, weil von göttlicher Einsetzung“, und Teilen, „die dem Wandel unterworfen sind“. Diese Teile „können im Laufe der Zeiten geändert werden oder müssen es sogar, wenn sich Elemente in sie eingeschlichen haben sollten, die der inneren Natur der Liturgie weniger entsprechen, oder wenn sie weniger zeitgemäß geworden sind“ (SC 21). Solche Änderungen gab es im Laufe der Jahrhunderte immer wieder. Sie halfen den Gläubigen, durch die Riten fruchtbar am Paschamysterium Christi teilzunehmen.

Generalaudienz

 auf dem Petersplatz

               

Zur diesjährigen Chartres-Wallfahrt

Alexander Folz berichtet und kommentiert für CNA. Hier geht´s zum Original:  klicken 

Unter dem Titel

"NEUER REKORD: 20.000 TEILNEHMER BEI TRADITIONSVERBUNDENER CHARTRES-WALLFAHRT 2026"

beginnt der Bericht so - ZITAT:

"Am Pfingstmontag endete die traditionsverbundene dreitägige Fußwallfahrt von Paris nach Chartres, an der rund 20.000 Pilger teilnahmen. Damit wurde in diesem Jahr wiederum ein neuer Rekord aufgestellt. Kardinal Raymond Leo Burke zelebrierte die Abschlussmesse in der überlieferten Form.

„Durch die Wallfahrt erneuern wir unsere Antwort auf jede persönliche geistliche Krise, die wir durchleben, ebenso wie auf die geistliche Krise der Welt und der Kirche“, sagte Burke in seiner Predigt laut InfoVaticana." (...)

Quelle: A. Folz, CNA  

Dienstag, 26. Mai 2026

Magnifica Humanitas - noch ein Kommentar

  

Sandro Magister kommentiert bei Settimo Cielo die Enzyklika Magnifica Humanitas und ihre Hintergründe. Hier geht´s zum Original: klicken

"MAGNIFICA HUMANITAS. WAS DER MATHEMATIKER-PAPST MIT DEN TECHNOKRATEN DER KI GEMEINSAM HAT. UND WAS SIE TRENNT"

Zu den Experten, die gemeinsam mit dem Papst am Montag, dem 25. Mai, die erste Enzyklika Leos XIV., „Magnifica Humanitas“, der Weltöffentlichkeit vorstellten, gehörten die englische Theologin Anna Rowlands von der Universität Durham, die 2023 mit dem Joseph Ratzinger-Benedikt XVI. Foundation Award ausgezeichnet wurde, und der amerikanische Unternehmer Christopher Olah (im Bild), Mitbegründer von Anthropic. Beide zählen zu denjenigen, die sich am stärksten für die Auseinandersetzung mit den entscheidenden Fragen der künstlichen Intelligenz (KI) engagieren, denen die Enzyklika gewidmet ist.

Anthropic ist nicht das einzige große Unternehmen in diesem Bereich. Man denke nur an Alexander Karps und Peter Thiels Palantir, Sam Altmans OpenAI, Elon Musks xAI und Grok – jedes dieser Unternehmen verkörpert eine andere technophilosophische Vision.

Thiels Auftritt in Rom im vergangenen März zu einer Reihe von internen Konferenzen zum Thema Antichrist sorgte für Aufsehen. Doch mehr als seine apokalyptische Vision, inspiriert von René Girards Geschichtstheologie, ist sein politischer Einfluss seine Nähe zu J.D. Vance, dem Vizepräsidenten der Vereinigten Staaten. Vance ist zum Katholizismus konvertiert, der mit den vorherrschenden Ansichten der Kirche bricht, und ein scharfer Kritiker Europas, das mit seinem 2024 verabschiedeten KI-Gesetz vorgibt, künstliche Intelligenz per Gesetzgebung zu regulieren, ihre Risiken zu klassifizieren und präventiv zu sanktionieren – ein illusorisches Unterfangen in einem sich ständig weiterentwickelnden Feld.

Anthropomorphismus hingegen ist Ausdruck einer höchst originellen Vision, die die römisch-katholische Kirche eingehend geprüft hat. Genau deshalb beauftragte Papst Leo Olah mit der Präsentation von „Magnifica Humanitas“.

Um diese Vision besser zu verstehen, lohnt es sich, die Beschreibung von Carlo Alberto Carnevale Maffè, einem führenden Experten auf diesem Gebiet und Professor für Unternehmensstrategie an der Bocconi-Universität in Mailand, in der Ausgabe vom 18. Mai von „Il Foglio“ wörtlich zu wiederholen. Maffè lehrte an einigen der renommiertesten Universitäten der Welt, von der Columbia University über die Wharton School und die Steinbeis-Universität zu Berlin bis hin zum St. Mary’s College of California.

Neben Olah gehören dazu auch die Anthropic-Mitbegründer Dario Amodei, derzeit CEO, und seine Schwester Daniela, Präsidentin, Mitbegründer. Ihr gemeinsamer Essay „Machines of Loving Grace“, der 2024 veröffentlicht wurde, bringt ihre Vision, die auch politisch ist, am besten zum Ausdruck.

„Es sind 15.000 Wörter, die man unbedingt vollständig lesen sollte“, schreibt Carnevale Maffè, „bevor man sich ein Urteil über das Silicon Valley bildet. Ihre These ist eindeutig: ‚Wir sehen keinen strukturellen Grund, warum KI Demokratie und Frieden bevorzugt fördern sollte.‘ Es ist ein Eingeständnis, das keiner ihrer Kollegen bisher mit solcher Klarheit zu formulieren gewagt hat, und allein das wäre ein Seminar zur politischen Philosophie wert.“

Fundstück

gefunden bei kath.net. Danke!  Hier geht´s zum Original:  klicken

Unter dem Titel: 

"MEDIEN SPEKULIEREN WEITER ÜBER EINEN MÖGLICHEN BEGINN DES SELIGSPRECHUNGSPROZESSES FÜR BENEDIKT XVI"

beginnt der Artikel so - ZITAT

"Theologen weisen auch darauf hin, dass „das beeindruckende theologische Erbe Joseph Ratzingers eine immer größere Bedeutung gewinnt“ und Benedikt mittelfristig potenziell nicht nur als Heiliger, sondern auch als Kirchenlehrer anerkannt werden könnte

Angesichts der wachsenden Zahl von Zeugnissen über Heilungen, die seiner Fürsprache zugeschrieben werden, könnte das Seligsprechungsverfahren für Papst Benedikt XVI. bald eröffnet werden. Zudem könnte er als Heiliger eines Tages zum Kirchenlehrer ernannt werden, dies aufgrund der „außergewöhnlichen Tiefe seines theologischen Erbes“. Dies schreibt die polnische katholische Presseagentur KAI anhand eines Beitrags des französischen katholischen Portals „Tribune Chrétienne“. 
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Quelle: kath.net

 

KI, das Babel-Syndrom und der Wiederaufbau Jerusalems

Nico Spuntoni kommentiert bei La Nuova Bussola Quotidiana Papst Leos Enzyklika. 
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"OHNE ACHTUNG DER MENSCHENWÜRDE GIBT ES KEINEN FORTSCHRITT. HIER IST DIE ENZYKLIKA"

In seiner ersten Enzyklika Magnifica Humanitas, die der künstlichen Intelligenz und neuen Technologien gewidmet ist, spricht Papst Leo XIV. die „neuen Dinge“ unserer Zeit an und warnt vor dem „Babel-Syndrom“, dem er mit dem Wiederaufbau Jerusalems entgegenwirkt, einer „Stadt, die auf dem Gemeinwohl gegründet“ und „auf dem Felsen der Beziehung zu Gott“ erbaut ist.

Die Menschenwürde ist das Kriterium, um den technischen Fortschritt zum Wohle aller zu lenken. Der Grundgedanke von „Magnifica Humanitas“ lässt sich wie folgt zusammenfassen. Die Enzyklika zum Schutz der menschlichen Person im Zeitalter der künstlichen Intelligenz ist in fünf Kapitel, eine Einleitung und ein Schlusskapitel unterteilt. Wie bereits gestern erwähnt, beginnt der Papst mit zwei biblischen Bildern zur Veranschaulichung: dem Bau des Turms zu Babel und dem Wiederaufbau der Mauern Jerusalems. „Babel“, schreibt Leo XIV., „enthüllt somit die Grenzen jedes Bauwerks, das, wie grandios es auch sein mag, aus der Absolutionierung der Menschheit und ihrem Anspruch auf Selbstgenügsamkeit entsteht, die Menschenwürde der Effizienz opfert und ohne Gottes Segen den Himmel erreichen will.“ Der Papst warnt vor dem, was er das „Babel-Syndrom“ nennt, und mahnt uns, „die Anmaßung einer einzigen Sprache – selbst einer digitalen – zurückzuweisen, die alles, selbst das Geheimnis des Menschen, in Daten und Leistung übersetzen kann.“ 

„Dies ist die Gefahr der Entmenschlichung – die Zukunft zu gestalten, indem man Gott ausklammert und andere zu Mitteln degradiert – eine uralte und immer wiederkehrende Versuchung, die heute auch ein technisches Gewand annimmt“, schreibt Prevost. Andererseits erinnert das Bild des Wiederaufbaus Jerusalems an die Notwendigkeit, „eine Stadt zu errichten, die auf dem Gemeinwohl gründet, und die daher in erster Linie auf dem Felsen einer Beziehung zu Gott ruht.“ „Magnifica Humanitas“ konzentriert sich auf die Soziallehre und die Entwicklung des Lehramtes von Leo XIII. bis heute. Diese historische Reise verdeutlicht, dass „die Soziallehre der Kirche nicht das Ergebnis eines am Schreibtisch ausgearbeiteten Plans ist, sondern das Produkt eines geduldigen Prozesses, in dem jeder Papst – zusammen mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil – im Lichte der ‚neuen Dinge‘ seiner Zeit einen originellen Beitrag geleistet hat.“ 

               


Leo XIV. thematisiert die Grundlagen und Prinzipien der Menschenrechte als entscheidende Kriterien für die Urteilsfindung im Zeitalter der KI. Der Text bekräftigt die christliche Vision, wonach Würde „weder erworben noch verdient noch bewiesen werden kann“, sondern ontologisch ist, dank der Teilhabe am Ebenbild des Schöpfers. Zu den Grundlagen der Soziallehre gehört die Unverletzlichkeit der Menschenrechte, allen voran das „Recht auf Leben von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod, ohne das die Ausübung jedes anderen Rechts unmöglich ist“. „Wenn dieses grundlegende Recht verweigert wird, wie es bei Schwangerschaftsabbrüchen, der Tötung Unschuldiger und der Sterbehilfe geschieht, stehen wir vor Entscheidungen, die die Kirche als schwerwiegend unrechtmäßig ansieht“, schreibt der Papst. Die „zwei besonders schwerwiegenden Gefahren“, die Prevost für die Menschenrechte in unserer Zeit sieht, sind die bloße formale Erklärung und die Gefahr, „die Grundlage ihrer Universalität nicht mehr erkennen zu können, weil wir die Suche nach den solideren Grundlagen unserer Entscheidungen und Gesetze aufgegeben haben“.

Montag, 25. Mai 2026

Vor 941 Jahren

am 25. Mai 1085 hat König Alfonso VI von Leon und Kastilien Toledo erobert und die historische Stadt unter seine direkte Herrschaft gebracht. Diese Eroberung stellte einen Hauptwendepunkt dar, weil Toledo - einstmals die Hauptstadt der Visigoten in Spanien-der wichtigste christliche Sieg über ganz al-Andalus in Jahrhunderten war.

Magnifica Humanitas

Hannah Brockstedt kommentiert bei CNA die heute vorgestellte erste Enzyklika des Hl. Vaters, Papst Leo XIV. Hier geht´s zum Original:  klicken

Unter dem Titel

ENZYKLIKA "MAGNIFICA HUMANITAS": PAPST LEO GEGEN "MENSCHENFEINDLICHE ANSCHAUUNGEN" IN DER KI".

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"Gesellschaft und KI-Entwickler auf, Künstliche Intelligenz „mit Kriterien sozialer Gerechtigkeit abzugleichen, die wir teilen“, damit KI die Menschenwürde achtet und dem Gemeinwohl dient.

KI sei kein moralisch neutrales Werkzeug: Es komme nicht nur darauf an, wie sie eingesetzt wird, sondern auch, wie sie konzipiert sei, schrieb Leo in seiner ersten Enzyklika, also seinem ersten großen päpstlichen Lehrschreiben, über die „Bewahrung des Menschen im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz“.

Er warnte zudem: „Eine moralischere KI nützt nichts, wenn diese Moral von wenigen bestimmt wird. […] Wie es bei jeder großen technologischen Wende der Fall ist, so neigt auch die KI dazu, vor allem die Macht derjenigen zu stärken, die bereits über wirtschaftliche Ressourcen, Kompetenzen und Zugang zu Daten verfügen.“ (...)

Quelle: H. Brockstedt, CNA

Vorstellung der Enzyklika

 Magnifica Humanitas

              

Spekulationen über Papst Leos erste Enzyklika

In seiner heutigen  Kolumne für Monday at the Vatican  befaßt sich A. Gagliarducci mit der Veröffentlichung der Sozialenzyklika und der bevorstehenden Herausforderung durch die FSSPX, der sich Papst Leo gegenüber sieht und spekuliert ein wenig kleinmütig über Inhalt und Bedeutung von Magnifica Humanitas. Hier geht´s  zum Original: klicken

"LEO XIV ZWISCHEN DER SOIALENZYKLIKA UND DEM EPOCHENWECHSEL"

Die erste Enzyklika von Papst Leo XIV. – eine Sozialenzyklika – hätte klären sollen, ob ein Übergang zwischen der alten und der neuen Welt tatsächlich stattgefunden hat. Der Eindruck, der sich aus verschiedenen Hinweisen ergibt, ist jedoch nicht nur, dass dieser Übergang noch unvollständig ist, sondern dass er noch gar nicht begonnen hat.

Was wissen wir bisher über *Magnifica Humanitas*, die erste Enzyklika Leos XIV.?

Wir wissen, dass die erste Sozialenzyklika der Geschichte – verfasst von einem anderen Leo, nämlich Leo XIII. – am 15. Mai unterzeichnet wurde: am Jahrestag von *Rerum novarum*.

Wir wissen, dass diese Enzyklika den Untertitel trägt: „Über den Schutz der menschlichen Person im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz“.

Wir wissen, dass sie von Kardinal Michael Czerny – der offenbar eine sehr bedeutende Rolle bei der Entstehung der Enzyklika gespielt hat – sowie von Kardinal Víctor Manuel Fernández, dem Präfekten des Dikasteriums für die Glaubenslehre, und von Christopher Olah, einem der Mitbegründer des KI-Riesen Anthropic, vorgestellt werden soll.

Wir wissen, dass es sich um eine Sozialenzyklika handelt.

Hinzu kommen die Leaks – die inoffiziellen Informationen –, die uns helfen zu verstehen, wie die Enzyklika aufgebaut sein wird. Wir wissen, dass die italienische Ausgabe umfangreich ausfallen wird: 231 Seiten, unterteilt in fünf Kapitel und einen Schlussteil, die insgesamt 245 Punkte behandeln.

Und schließlich gibt es die Erwartungen, geschürt durch Gerüchte. Es handelt sich um eine Sozialenzyklika, die einen weiten Blick auf das gesamte Themenfeld der Soziallehre wirft, deren Entwicklung nachzeichnet, eine Kontinuität zur Geschichte herzustellen sucht – und zugleich eine Diskontinuität innerhalb dieser Geschichte identifiziert. Und genau diese Diskontinuität ist aus der explosionsartigen Entwicklung der Künstlichen Intelligenz hervorgegangen.

Der Heilige Stuhl hat die Technologie niemals verteufelt, und er wird dies auch jetzt nicht tun. Doch hat er stets klare Grundsätze der Soziallehre vertreten – von der Subsidiarität bis zur Solidarität –, die zweifellos Bestandteil einer Welt sein müssen, in der private Unternehmen an Bedeutung gewinnen und der persönliche Profit Gefahr läuft, dem Gemeinwohl abträglich zu sein. Auch dies ist ein zentraler Grundsatz der kirchlichen Soziallehre.

Es liegt nahe, in der Enzyklika genau diese spezifischen Bezüge zu erwarten. Ebenso ist es gut vorstellbar, dass auch das Thema des Multilateralismus – oder die gemeinsame Verantwortung der Staaten, zum Gemeinwohl beizutragen – darin präsent sein wird. Der Heilige Stuhl setzt sich seit Jahren für eine Reform der Vereinten Nationen ein, die tatsächlich alle Nationen repräsentiert. Leo XIV. – und mit ihm der Heilige Stuhl – hat die Krise des Multilateralismus in mehreren Ansprachen thematisiert. Tatsächlich zeugt die gesamte Soziallehre der Päpste von diesem Anliegen.

Sollten dies tatsächlich die Themen der Enzyklika sein, so stellt sich die Frage, wie ihr eine echte Wirkung beschieden sein oder sie überhaupt etwas Neues beitragen soll.

Sonntag, 24. Mai 2026

Rosenblätter im Pantheon

Wie jedes Jahr zu Pfingsten lassen Feuerwehrmänner zigtausende Rosenblätter durch die Dachöffnung des Pantheons regnen.

Regina Caeli : die Katechese

 veröffentlicht bei vaticannews : klicken

                 "Liebe Brüder und Schwestern, einen schönen Sonntag!"

"An diesem Pfingstfest sind wir aufgerufen, über die Gabe des Heiligen Geistes nachzudenken, der in Fülle über die entstehende Kirche ausgegossen wurde und heute erneut ihren Gliedern geschenkt wird, als Licht und Kraft, die sie in allen Lebenslagen begleiten.

Wir können bei einem Bild des Heiligen Geistes verweilen, das sich uns in der heutigen Liturgie bietet: Der Heilige Geist öffnet die Türen. Das Evangelium besagt nämlich, dass »die Jünger aus Furcht vor den Juden bei verschlossenen Türen beisammen waren« (Joh 20,19), und zugleich berichtet uns die Apostelgeschichte, dass der Heilige Geist wie ein heftiger Sturm kam (vgl. Apg 2,2), der jene Türen öffnete, der die Jünger dazu drängte, hinauszugehen und die Frohe Botschaft vom auferstandenen Christus zu verkünden.

Auch heute können wir uns fragen: Welche Türen öffnet der Heilige Geist?

Die erste Tür ist die Tür zu Gott selbst, in dem Sinne, dass er uns den Zugang zum Geheimnis Gottes eröffnet, so wie es sich in Jesus Christus offenbart hat. Durch die Gabe seines Geistes schenkt Gott uns den wahren Glauben, lässt uns den Sinn der Heiligen Schrift verstehen, gibt sich uns als nah zu erkennen und ermöglicht es uns, an seinem Leben selbst teilzuhaben. Der Heilige Geist hilft uns, eine persönliche Erfahrung mit Gott zu machen, ihm in Jesus zu begegnen und nicht bloß im Befolgen eines Gesetzes, ihn in uns zu erkennen und die Zeichen seiner Gegenwart im täglichen Leben zu entdecken.

Die zweite Tür ist jene des Abendmahlssaals, also der Kirche. Ohne das Feuer des Heiligen Geistes bleibt die Kirche eine Gefangene der Angst, furchtsam gegenüber den Herausforderungen der Welt, in sich selbst verschlossen und daher auch unfähig, in einen Dialog mit den sich wandelnden Zeiten zu treten. Der Heilige Geist öffnet die Türen der Kirche, damit sie allen gegenüber offen und gastfreundlich sei, auch denen gegenüber, die ihre Türen für Gott, für andere, für die Hoffnung und für die Lebensfreude verschlossen haben. Wie uns Papst Franziskus in Erinnerung rief, sind wir dazu berufen, »eine Kirche, die segnet und ermutigt, […] mit offenen Türen für alle« zu sein (Homilie in der Heiligen Messe zur Eröffnung der Ordentlichen Generalversammlung der Bischofssynode, 4. Oktober 2023).

Schließlich öffnet der Heilige Geist die Türen unserer Herzen, indem er uns hilft, Widerstände, Egoismus, Misstrauen und Vorurteile zu überwinden, und er uns befähigt, als Kinder Gottes und untereinander als Geschwister zu leben. Wo der Geist des Herrn ist, dort entsteht Geschwisterlichkeit zwischen den Menschen, den Gruppen und den Völkern der Erde, und alle sprechen die einzige Sprache der Liebe, die die Verschiedenheiten vereint und in Einklang bringt.

Brüder und Schwestern, auch in unserer Zeit, besonders an diesem Pfingsttag, müssen wir den Heiligen Geist anrufen, damit er alle Türen öffne, die noch verschlossen sind. Wir müssen Gott wieder als Vater entdecken, der uns liebt, eine Kirche aufbauen, in der sich alle zu Hause fühlen, und eine geschwisterliche Welt zur Entfaltung bringen, in der unter allen Völkern Frieden herrscht.

Vertrauen wir wie die ersten Jünger auf die Fürsprache der Jungfrau Maria, der Wohnstatt des Heiligen Geistes und der Mutter der Kirche."

 

In Illo tempore

Auch heute setzt Fr. J. Zuhlsdorf  bei OnePeterFive seine Katechese zur Bedeutung der Liturgie im Kirchenjahr fort. Hier geht´s zum Original: klicken

            "IN ILLO TEMPORE:  PFINGSTSONNTAG"

"Von allen Schätzen der heiligen Liturgie der römisch-katholischen Kirche zählt Pfingsten gewiss zu den reichsten, vielleicht sogar zu den reichsten, insbesondere in seiner Form im Vetus Ordo. Ostern hat seine Vigil mit der Segnung des Taufwassers, seine Oktav und seinen Zusatz zum Römischen Kanon. Pfingsten, das Ostern als eine Art Pascha des Heiligen Geistes widerspiegelt, hat seine eigene Samstagvigil mit der Segnung des Taufwassers, da diejenigen, die das Sakrament der Grundsakramente zu Ostern nicht empfangen hatten, getauft und gefirmt werden konnten. Es umfasst eine Oktav, in der die Kirche die ergreifende Sequenz „ Veni Sancte Spiritus“ singt . Es enthält eigene Einschübe im Römischen Kanon, die Communicantes und Hanc igitur . Innerhalb seiner Oktav finden sich die Quatembertage am Mittwoch, Freitag und Samstag. Mit anderen Worten: Pfingsten besaß einst liturgisches Gewicht, Tiefe und Bedeutung.

Deshalb war die Verwässerung des Pfingstfestes in der nachkonziliaren Reform von großer Bedeutung. Paul VI., geblendet von der Führung des Konzils, entzog dem Pfingstfest einen Großteil seiner liturgischen Bedeutung und Wichtigkeit. Dies lässt sich schwer mit dem Gebot der Konzilsväter in Sacrosanctum Concilium 23 vereinbaren, wonach Neuerungen nur dann eingeführt werden sollen, wenn das Wohl der Kirche sie wirklich und unzweifelhaft erfordert, und dass neue Formen organisch aus bereits bestehenden Formen hervorgehen müssen. Ein Fest, das die Erinnerung an die Taufe, die Kraft der Firmung, die kanonische Feierlichkeit, die achtfache Ausdehnung und die abendliche Ordnung in sich trug, wurde liturgisch entkräftet. Die Gläubigen wurden dadurch ärmer, nicht reicher. Wir sind unsere Riten.

Für Pfingsten müssen wir uns den Kontext mühsam erschließen, denn er vertieft den Inhalt. Die heilige liturgische Feier der Geheimnisse unseres Heils lässt uns ihnen gegenwärtig sein und sie uns. Die sakramentale Wirklichkeit umfasst, erhebt und verwandelt die sinnlich erfahrbare Wirklichkeit. Wir sind unsere Riten. Daher finden wir niemals tiefe Zufriedenheit, solange wir nicht bereit sind, den Inhalt zu vertiefen, und dazu benötigen wir Kontext, selbst aus den Tiefen der Geschichte.

Das griechische Wort „Pentekosté“ bedeutet „Fünfzigster Tag“. Das christliche Pfingstfest vollendet das alte jüdische Frühlingsfest Schawuot, das Wochenfest, eines der drei großen jährlichen Wallfahrtsfeste, zu denen erwachsene jüdische Männer nach Jerusalem pilgerten. Die Bevölkerung der Stadt wuchs enorm. Juden kamen aus vielen Ländern. Sprachen, Kleidung, Akzente, Erinnerungen, Opfergaben und Erwartungen trafen rund um den Tempel aufeinander. Jüdische Feste erinnerten zugleich an ein historisches Ereignis und erwarteten dessen Erfüllung. Schawuot blickte zurück auf den Sinai, wo Gott Moses fünfzig Tage nach dem Auszug aus Ägypten inmitten von Feuer, Wolken, Donner und Furcht das Gesetz gab. Es blickte auch voraus auf die Rückkehr der feurigen Gegenwart Gottes, der Herrlichkeitswolke, der Schechina, zum Tempel.

Schawuot war auch ein Fest der Erstlingsfrüchte. Zu Pessach wurden die ersten Gerstengarben Gott durch Schwenken dargebracht. Fünfzig Tage später war die Weizenernte abgeschlossen, und zwei Brote wurden durch Schwenken geopfert. Alfred Edersheim, ein zum Christentum konvertierter Bibelwissenschaftler, schrieb in „ Der Tempel: Sein Dienst und seine Gottesdienste“ : „Man kann sagen, dass das ‚Fest der ungesäuerten Brote‘ erst fünfzig Tage nach seinem Beginn ganz vorüber war, da es mit dem Pfingstfest verschmolz“ (Kap. 14). Anschließend zieht er die christliche Verbindung:

„Das Gedenken an die Befreiung Israels fand seinen angemessenen Abschluss in der Gabe des Gesetzes – so wie, wenn man es auf die höchste Weise auslegt, das Passahopfer des Herrn Jesus in der Ausgießung des Heiligen Geistes am Pfingsttag seine Vollendung fand.

Das Pessachfest reift zu Schawuot heran. Ostern reift zu Pfingsten heran. Die Erstlingsfrucht der Auferstehung wird zur Kirche, zur Ernte. Der Herr, Erstling der Entschlafenen, erhebt sich. Er fährt auf. Dann senden er und der Vater vom Himmel den Heiligen Geist auf die Apostel, und an einem einzigen Tag werden etwa dreitausend Seelen versammelt. Das Speisopfer der Brote wurde zu lebendigem Fleisch und Blut, zu Männern und Frauen, die für Christus auserwählt sind.

Die Predigt...

 im Wortlaut -veröffentlicht bei vaticannews

     WORTLAUT DER PFINGSTPREDIGT VON PAPST LEO

die Osterzeit kommt heute, am Pfingstfest, an ihr Ende. Um die Einheit dieses Heilsereignisses hervorzuheben, führt uns das Evangelium erneut zum „ersten Tag der Woche“ (vgl. Joh 20,19) zurück, also zu jenem neuen Tag, an dem der Auferstandene den Jüngern erscheint und ihnen »seine Hände und seine Seite« zeigt (V. 20). Der Herr offenbart seinen verherrlichten Leib, genau genommen seine Wunden, die Wunden der Kreuzigung. Diese Zeichen des Leidens, die aussagekräftiger sind als jede Rede, sind verklärt: Derjenige, der gestorben war, lebt für immer.  


Beim Anblick des Herrn, kehren auch die Jünger ins Leben zurück: Sie hatten sich voller Angst im Abendmahlssaal vergraben, doch Jesus tritt trotz der verschlossenen Türen ein und erfüllt sie mit Freude. Er durchquert unseren Tod, öffnet das Grab und reißt es weit auf, während es für uns keinen Ausweg mehr gab. Zu seiner Geste fügt Christus die Worte hinzu: »Friede sei mit euch« (V. 19); und gleich darauf haucht er den Jüngern den Heiligen Geist ein. Der Auferstandene ist voller Leben: Nachdem er das leibliche Leben vor Augen geführt hat, als wahrer Mensch, schenkt er das göttliche Leben, als vom Vater geliebter Sohn, der für uns zum Bruder und Erlöser geworden ist. Im selben Abendmahlssaal, in dem er den neuen und ewigen Bund geschlossen hat, gießt Jesus den Geist aus: Der Ort des Abendmahls und des Verrats verwandelt sich und wird vom Grab der Apostel zum Schoß der Auferstehung für die ganze Kirche. Deshalb ist Pfingsten ein österliches Fest und ein Fest für den Leib Christi, der wir durch die Gnade sind.

Bei der Feier dieses Geheimnisses möchte ich auf drei Aspekte eingehen.

Zunächst einmal ist der Geist des Auferstandenen der Geist des Friedens. Denn durch seinen Tod und seine Auferstehung stiftet Christus Frieden zwischen Gott und der Menschheit, und der Heilige Geist gießt diesen Frieden in die Herzen ein und verbreitet ihn in der Welt. Dieser Friede entspringt der Vergebung und führt uns zur Vergebung: Er beginnt mit der Vergebung, die Jesus selbst schenkt, der von uns verraten, verurteilt und gekreuzigt wurde. Er überrascht uns mit seiner Liebe und gerade er, der Auferstandene, sagt: »Denen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; denen ihr sie behaltet, sind sie behalten« (Joh 20,23). Mit diesen Worten vertraut Jesus uns ein göttliches Werk an, denn nur Gott kann Sünden vergeben (vgl. Mk 2,7). Diese Vollmacht wird im Zeichen einer universalen Versöhnung geschenkt: Der Herr gießt den Geist des Friedens von einem Ende der Geschichte zum anderen aus, denn derjenige, der alle vom Tod erlöst hat, schließt niemanden aus. Denn der Heilige Geist ist Herr und schenkt das Leben seit dem Anbeginn der Schöpfung, als er über dem Wasser schwebte (vgl. Gen 1,2). Und nun verändert er nach seiner Ausgießung die Geschichte der Welt: Pfingsten ist wirklich das Fest des Neuen Bundes, also des Bundes zwischen Gott und allen Völkern der Erde. Während das Brausen vom Himmel, der Sturm und die Feuerzungen im Abendmahlssaal an die alten Zeichen vom Sinai erinnern (vgl. Apg 2,2-3; Ex 19,16-19), wird das heilige Gesetz Gottes in die Herzen eingeschrieben, durch den Geist mit den Schriftzeichen der Liebe in das Fleisch Christi und in seinen Leib, der die Kirche ist, eingeprägt.

Dieses Gesetz ist der Kodex des Friedens: Es ist das doppelte Gebot der Liebe, an die uns der Heilige Geist mit jedem Herzschlag erinnert. Mit unserem Herzen können wir somit rufen: „Veni Sancte Spiritus“, denn er ist uns bereits geschenkt worden. Wir können ihn ersehnen, denn er ist uns bereits versprochen worden. Wir können ihn empfangen, denn er selbst ist der süße Gast der Seele.

Ein zweiter Aspekt: Der Geist des Auferstandenen ist der Geist der Mission: »Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch«, sagt der Herr (Joh 20,21). So werden wir in die Sendung Jesu einbezogen: Also in die Mission dessen, der von Gott ausgeht und in der Kraft des Heiligen Geistes zu Gott zurückkehrt; des Geistes, der aus dem Vater und dem Sohn hervorgeht, mit ihnen angebetet und verherrlicht wird, der eine Gott. Der Heilige Geist ist die lebendige Liebe Christi, die uns durchdringt, uns drängt und uns in der Sendung unterstützt (vgl. 2 Kor 5,14). Während er den Aposteln die Kraft verleiht, sich in einer Vielzahl von Sprachen zu äußern (vgl. Apg 2,4), lehrt derselbe Geist die Menschheit das Wort des Heils. Da die Apostel vom Auferstandenen angehaucht worden sind, verkünden sie diese frohe Botschaft nun mit ihrem eigenen Mund, mit der Stimme des Petrus und all derer, die bei ihm sind. Am Pfingsttag also beginnen die Apostel, den gekreuzigten und auferstandenen Jesus zu verkünden: »Gottes große Taten« (Apg 2,11) vereinen sich alle in der Erlösung, die mit dem Glauben beginnt. Das erste Werk des Heiligen Geistes in uns ist nämlich der Glaube, mit dem wir bekennen: »Jesus ist der Herr!« (1 Kor 12,3). Dieser Glaube ist lebendig und kommt mit jeder guten Tat, jedem Akt der Barmherzigkeit und der Tugend zum Ausdruck. Das Werk Gottes sind also wir, die wir heute aus allen Teilen der Welt hierherkommen, eingeladen an den Tisch des Herrn, versammelt, um sein Wort zu hören, und ausgesandt, um es überall zu bezeugen.


Hl. Pfingst-Messe

auf dem Petersplatz...

                

 

              ALLEN EIN GESEGNETES, FROHES PFINGSTEN!