Montag, 23. Dezember 2013

Weihnachten mit Papst Benedikt XVI, Don Alfred erzählt.

Bis zum März dieses Jahres war Msgr. Alfred Xuereb 6 Jahre lang Sekretär Papst Benedikts und gehörte zur päpstlichen Familie. In der Wochenzeitung Credere hat er ein wenig von den Weihnachtsfeiern dieser Zeit und seinem Abschied vom Pontifex emeritus berichtet. Seit März ist er Privatsekretär des neuen Papstes. Don Alfred war von  Benedetto seinem Nachfolger, der als einziger Kardinal ohne Sektretär war, empfohlen und sozusagen "abgetreten" worden.
Hier geht´s zum Originalartikel bei korazym : klicken
Msgr. Xuereb: 
 ".......ich bin bis 3 Tage nach dem Konklave bei Papst Benedikt geblieben, danach bin ich in den Vatican nach Santa Marta gekommen. Den Tag, an dem ich aufgebrochen bin, erinnere ich Minute für Minute, weil er ein so außergewöhnlicher in meinem Leben war.
6 Jahre lang lebte ich bei einer ganz besonderen Persönlichkeit, die mir wie ein Vater zugetan war, die es mir ermöglichte, von einer zwar respektvollen aber großen Nähe zu profitieren. Dann kam der Tag der schmerzvollen Trennung.
Papa Benedetto hatte einen sehr schönen Brief geschrieben und mir eine Kopie gegeben, die ich wie ein kostbares Geschenk hüte. Darin beschreibt er dem neuen Papst meine Vorzüge. Wohl aus seiner großen Güte heraus hat er meine Schwächen verschwiegen, und er versichert seinem Nachfolger, daß er mich aus freien Stücken entläßt, weil Papst Franziskus nicht wagte, mich von ihm zu erbitten.
Und wohl auch weil der neue Papst der einzige unter den 115 Kardinälen war, der keinen eigenen Sekretär hatte.(...)
Sie sagten mir, er empfängt seine Post selber, er ist allein. Ich wußte nichts von dem, was in Santa Marta vor sich ging."
Frage : "Aber Sie, wie haben Sie den Papa emeritus zum Abschied gegrüßt?"




Msgr.Xuereb:
"Der bewegendste Augenblick war, als ich sein Arbeitszimmer in Castel Gandolfo betrat, um mich persönlich zu verabschieden. Danach gab es noch ein gemeinsames Mittagessen, aber dieser private Moment ist mir am intensivsten in Erinnerung geblieben. Ich weinte und sagte ihm mit einem "Knoten im Hals" : "Heiliger Vater, es fällt mir sehr schwer, mich von Ihnen zu entfernen, ich danke Ihnen sehr für das, was Sie mir gegeben haben und für Ihre große Väterlichkeit." Er ist von seinem Schreibtisch aufgestanden und nachdem ich seinen Ring, der schon nicht mehr der Fischerring war, geküßt hatte, hat er mir die rechte Hand aufgelegt und mich gesegnet."
(....)
"Die Väterlichkeit, die die päpstliche Familie, zu der Don Alfred gehörte, erlebte, drückte sich in vielen in vielen täglichen Gesten aus und zeigte die Menschlichkeit und Einfachheit Benedikts XVI. Er führte einige de Angewohnheiten Papst Johannes Pauls II fort, den er einfach " der Papst" nannte. Jeden Tag trafen viele Briefe mit Bitten um ein Gebet bei ihm ein. Ich hatte die Aufgabe, sie entgegenzunehmen, zu ordnen und dem Papst in einem kleinen Ordner zu überreichen, von Don Mietek geerbt.
Beim persönlichen Sekretär des Papstes treffen immer viele Brief von Kranken ein und Papa Benedetto war immer sehr davon bewegt, wieviele Familien, dieses Drama durchlebten, er dachte nicht nur an die Kranken sondern immer auch an deren Familien, Tag und Nacht, Ostern und Weihnachten, im Sommer wie im Winter.Und dann war da die Sorge um die Kinder. Der Papst, der sicher 1000 Dinge zu bedenken hatte, betrachtete das Gebet für die Kranken als eine seiner wichtigsten pastoralen Aufgaben. In der Kapelle legte er die Briefe auf seine Kniebank und las sie noch einmal, er bewahrte sie in einem Kästchen auf. Es hat mich überrascht, wenn er mich einige Tage später fragte, ob ich etwas von Kranken gehört hätte, die er persönlich kannte.
(...)

Frage: "Im täglichen Leben gab es auch Festtage, wie Weihnachten. Erinnern Sie sich noch an das erste gemeinsame Weihnachtsfest?"

Msgr. Xuereb:
"Wir waren um den Weihnachtsbaum versammelt, an dem, wie es in Deutschland Brauch ist, die Kerzen brannten, wir sangen deutsche, lateinische und italienische Weihnachtslieder. Dann sagte Papa Benedetto zu mir: "Ihr Vorgänger, Don Mietek, hat uns immer einige polnische Lieder gesungen. Haben Sie etwas Maltesisches?"
Ich hatte die Partituren etlicher Lieder, entschied mich aber für das besonders traditionelle Lied: "Ninni nanna an Gesu non piangere piu."
Zu meiner Überraschung und Rührung nahm der Papst die Noten, setzte sich ans Klavier und spielte die Melodie. Ich höre das in Gedanken noch heute und bin bewegt.
Nach dem Abendessen am Weihnachtsabend-während wir auf die Messe warteten-versammelten wir uns wieder um den Weihnachtsbaum, die Kerzen brannten, der Papst nahm die Bibel zur Hand und las das Weihnachtsevangelium vor, dann tauschten wir unsere Weihnachtswünsche aus. Ich stelle mir vor, dass jeder bayrische Familienvater es genau so gemacht hätte. Mir hat es sehr gefallen die große maltesischen Volksfrömmigkeit mit der bayrischen bereichern zu können."
(....)
Quelle: Credere No 38/ blogdiraffaella

           

                      
Dieses Bild- das wir von Demut Jetzt! (Danke!) "ausgeliehen" haben, ist als Schlusspunkt unter den Erinnerungen von Msgr. Xuereb einfach das Richtige.  Zu Demut Jetzt! geht´ s hier: klicken

Kommentare:

  1. Was für ein wunderwunderschöner, berührender Text. Herzlichen Dank, dass ihr das ins Netz gestellt habt. Mir wurden die Augen feucht: vor Anrührung, vor Wehmut in Erinnerung an einen wahrhaft demütigen Papst, und, ich muss es gestehen, auch ein wenig vor Zorn über einen neuen Papst, der die Großmütigkeit seiner Vorgängers damit "dankt", daß er alle Weichenstellungen zurücknimmt. Wir erleben sehr traurige Zeiten.

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  2. Antworten
    1. Ja in Papst Benedikt ist noch mal das was Kirche ist, und was sie in 2 Jahrtausenden positiv geworden ist, aufgeleuchtet.
      Nun scheint es so, als sei der Glanz der Liturgie endgültig erloschen, aber in der Ordnung Gottes sind die letzten Strahlen des Abendrotes (die das Pontifikat Benedikts scheinbar waren) gleichzeitig die ersten Strahlen der Morgenröte.
      Von daher ist es kein Grund zu verzweifeln.

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