Freitag, 24. Oktober 2014

Botschaft, die Papst em. Benedikt XVI an die in der Aula Magna der Urbania-Universität Versammelten richtete


RELIGION UND MISSION
Zuerst seiner Magnifizenz und den akademischen Autoritäten der Päpstlichen Universität Urbania. den offiziellen Persönlichkeiten und den Vertretern der Studenten  meinen herzlichsten Dank für ihren Vorschlag, der neu restaurierten Aula Magna meinen Namen zu geben. Besonders danken möchte ich dem Großkanzler der Universität, Kardinal Fernando Filoni, der diesen Vorschlag entgegen nahm.
Es ist für mich ein Anlass zu großer Freude, auf diese Weise immer bei der Arbeit der Pontifikalen Universität anwesend sein zu können.
Im Verlauf der verschiedenen Besuche, die ich als Präfekt der Glaubenskongregation machen konnte, bin ich immer von der Atmosphäre der Universalität, die diese Universität atmet, beeindruckt gewesen, in der sich die jungen Menschen, die praktisch aus allen Ländern der Welt kommen, auf den Dienst am Evangelium in der Welt von heute vorbereiten.
Auch heute, ich sehe es im Inneren vor mir, lassen uns die zu einer Gemeinschaft geformten jungen Menschen auf lebendige Weise in dieser Aula die wunderbare Realität der Katholischen Kirche erleben.
Katholisch, diese Definition der Kirche, die seit ältesten Zeiten zum Glaubensbekenntnis gehört, trägt etwas von Pfingsten in sich. Sie erinnert daran, daß die Kirche Jesu Christi sich nie nur an ein Volk, eine Kultur wandte, sondern von Anfang an für die Menschheit bestimmt war. Die letzten Worte, die Jesus zu seinen Aposteln sagte, waren: "Macht alle Völker zu meinen Jüngern" (Matth.28,19) und im Pfingstgeschehen sprachen die Apostel alle Sprachen und konnten so die Kraft des Heiligen Geistes und den ganzen Reichtum ihres Glaubens zeigen.

Seit damals ist die Kirche wirklich in allen Kontinenten gewachsen. Eure Anwesenheit, liebe Studentinnen und Studenten, spiegelt die Universalität der Kirche wider. Der Prophet Zaccharias hatte ein messianisches Reich angekündigt, das von Meer zu Meer reichen würde, ein Reich des Friedens. Und wirklich, wo Eucharistie gefeiert wird, ist etwas vom Frieden Jesu Christi anwesend, dieses Friedens, den zu errichten, in einer zerrissenen und gewalttätigen Welt immer dringender wird. 



Deshalb ist die Arbeit eurer Universität so wichtig, in der ihr euch bemüht, Jesus Christus von Nahem kennen zu lernen, um seine Zeugen zu werden.
Der Auferstandene Herr hat seine Apostel beauftragt und mit ihnen ihre Schüler aller Zeiten, seine Worte bis an die Grenzen der Welt zu tragen und alle Menschen zu seinen Jüngern zu machen. Das II.Vaticanische Konzil hat im Dekret "Ad Gentes" eine kontinuierliche Tradition aufgenommen und hat die tiefen Gründe für diese missionarische Aufgabe ans Licht geholt und sie so der Kirche von heute kraftvoll anvertraut. 

Aber gilt sie heute noch? fragen sich heute viele innerhalb und außerhalb der Kirche. Ist die Mission noch aktuell? Wäre es nicht passender, sich zu einem interreligiösen Dialog zu treffen, um gemeinsam der Sache des Friedens in der Welt zu dienen?
Die Gegenfrage lautet: kann der Dialog die Mission ersetzen? 
Heute herrscht bei vielen wirklich der Gedanke vor, daß die Religionen sich gegenseitig respektieren und im Dialog untereinander eine gemeinsame Friedenskraft bilden sollten. So zu denken, beruht meistens auf der vorgefaßten Meinung, daß alle Religionen Varianten einer einzigen Wirklichkeit seien. Dass Religion ein Allgemeingut sei, daß in den verschiedenen Kulturen verschiedene Formen annimmt, aber eine gemeinsame Realität ausdrückt. 
Die Frage der Wahrheit, die von Anfang an die Christen mehr als alles andere bewegte, wird hier in Anführungszeichen gesetzt. Man setzt voraus, daß die authentische Wahrheit über Gott in letzter Analyse unerreichbar sei und daß man sie sich höchstens durch eine Anzahl von verschiedenen Symbolen präsent machen könne.  Dieser Verzicht auf die Wahrheit scheint für den Frieden zwischen den Religionen in der Welt realistisch und nützlich zu sein.

Und dennoch ist dieser Gedanke tödlich für den Glauben. Im Endeffekt verliert der Glaube seinen bindenden Charakter und seine Ernsthaftigkeit, wenn alles sich auf austauschbare Symbole reduziert, nur dazu in der Lage, aus der Ferne an das unerreichbare Geheimnis des Göttlichen zu erinnern.
Liebe Freunde, Ihr seht, dass sich die Frage nach der Mission nicht nur angesichts der fundamentalen Glaubensfragen -wie der, was der Mensch sei- stellt. Im Rahmen eines kurzen Grußes kann ich dieses Problem nicht erschöpfend analysieren, das uns heute alle zutiefst angeht. Ich will aber andeuten, in welche Richtung sich unser Denken bewegen muß.  
Ich tue das von zwei verschiedenen Ausgangspunkten ausgehend:

1. Es ist allgemeine Überzeugung, daß die Religionen nebeneinander bestehen können wie die Kontinente und die verschiedenen Länder auf der geographischen Karte. Aber das ist nicht exakt.  Die Religionen bewegen sich auf historischem Grund, so wie Völker und Kulturen in Bewegung sind. 
Es gibt Religionen im Wartestand. Die Stammesreligionen sind von dieser Art: sie haben ihren historischen Augenblick und warten auf eine größere Begegnung, die sie zur Fülle trägt.
Wir als Christen sind überzeugt, daß sie in der Stille auf die Begegnung mit Jesus Christus warten, auf das Licht, das von ihm kommt, das allein sie zur vollständigen Wahrheit führen kann. Und Christus wartet auf sie.
Die Begegnung mit ihm ist nicht als Eindringen eines Fremden, der ihre eigene Kultur und ihre eigene Geschichte zerstört, zu verstehen. Sie ist-im Gegenteil-der Eingang zu etwas Größerem, auf das hin sie unterwegs sind. Deshalb ist diese Begegnung immer gleichzeitig Reinigung und Reifung.  Darüber hinaus ist die Begegnung immer gegenseitig. Christus erwartet ihre Geschichte, ihre Weisheit, ihre Vision von den Dingen.

Heute sehen wir auch einen anderen Aspekt immer schärfer: in den Ländern seiner großen Geschichte ist das Christentum für viele Richtungen müde geworden, und einige Zweige des großen aus dem Senfkorn gewachsenen Baumes sind vertrocknet und fallen zu Boden, aus den Religionen, die auf die Begegnung mit Christus warten, entsteht neues Leben. Sie tragen Freude und neue Dimensionen des Glaubens dahin , wo nur noch Müdigkeit war."
Quelle Korazym org.  klicken

Fortsetzung folgt 

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