Mittwoch, 26. November 2014

Sandro Magister sichtet Lob und Kritik

naja, eher Kritik... hier geht´s zum Original   klicken

Die Linsen des Kardinals, des Soziologen und der Journalisten- alle auf Franziskus ausgerichtet. Um zu verstehen, wer er ist und wohin er will. In der Kirche -auf allen Ebenen- Kritik am Papst, die nicht länger zum Schweigen gebracht wird. Sie wird offen geäußert. Unter den Kardinälen am ausdrücklichsten von Kardinal Francis George.

Die stürmische Familien-Synode im Oktober, die Ernennung des neuen Erzbischofs von Chicago, die Demontage Kardinal Raymond Burkes waren ein Wendepunkt im Pontifikat von Papst Franziskus.
Die Unruhe, die Zweifel, die kritischen Urteile kommen immer mehr ans Tageslicht und werden ausdrücklicher und begründeter.
Auf allen Ebenen des Gottesvolkes. Unter Kardinälen, Religionssoziologen, auf den Vatican spezialisierten Journalisten.
3 Zeugnisse des neuen Klimas:

1. Der Kardinal 
Francis George ist nicht irgendein Kardinal, bis vor wenigen Wochen Erzbischof von Chicago und Vorsitzender der US-Bischofskonferenz von 2007- 2010, ist er derjenige, der den neuen Kurs der Katholischen Kirche Amerikas während des Pontifikates Benedikts XVI-in perfekter Harmonie mit ihm- einleitete.


Indem er als seinen Nachfolger in Chicago einen Bischof mit entgegengesetztem Profil, Blase Cupich, einsetzte, hat Papst Franziskus ein unmißverständliches Signal gesandt, daß er mit dem Standpunkt der US-Bischofskonferenz nicht einverstanden ist. 
Diese hat im Gegenzug bekräftigt, daß sie nicht die Absicht habe, vom Kurs, den sie eingeschlagen hat, abzuweichen.
In der Tat hat die Bischofskonferenz, als sie ihre 4 Repräsentanten für die zweite Runde der Familien-Synode benannte-ihre Stimmen außer auf  Joseph Kurtz und Daniel DiNardo, Präsident und Vizepräsident der Bischofskonferenz, auf Charles Chaput, Erzbischof von Philadelphia und José Gomez, Erzbischof von Los Angeles, beides Repräsentanten des Ratzinger-Kurses, konzentriert.



Cupich ging als der erste Nichtgewählte aus der Wahl hervor, unmittelbar gefolgt von einem beinharten Ratzingerianer, dem Erzbischof von San Franzisko, Salvatore Cordileone

In diesem Kontext gab Kardinal George, Mitte November, dem Vaticanisten vom Boston Globe, John Allen, ein umfassendes Interview, in dem er wie nie zuvor seine Vorbehalte gegen Papst Franziskus präsentierte.
Hier die Schlüsselpassagen:

"ES SIND ERWARTUNGEN GEWECKT WORDEN, DIE ER NICHT ERFÜLLEN KANN."
 von Francis George

"Ich verstehe, warum einige Leute vielleicht ängstlich sind. Wenn man nicht weiter eindringt, scheint Papst F. eine wohlverstandene Lehre zu vertreten. Aber wenn man genauer hinschaut, vor allem, wenn man seinen Predigten genau zuhört, sieht man, daß es nicht so ist. Sehr oft- wenn er diese Dinge sagt- tut er das in einem pastoralen Kontext, wie einer, der in einer Falle gefangen ist. 
Vielleicht äußert er seine Sympathien so, dass die Leute sich verwundern, ob er noch an der Lehre festhält. Ich habe keinen Grund zu glauben, daß er das nicht tut."

"Die Frage erhebt sich, warum er nicht selber diese Dinge klarstellt. Warum müssen "Apologeten" diese Last tragen, der Sache das bestmögliche Aussehen zu geben? Bemerkt er die Konsequenzen mancher seiner Statements  und sogar mancher seiner Handlungen nicht? Erkennt er die Erschütterungen nicht? Vielleicht nicht. Ich weiß nicht, ob er sich aller Konsequenzen mancher Sachen, die er gesagt und getan hat, bewußt ist, die diese Zweifel bei den Menschen aufkommen lassen."

"Das ist eines der Dinge, die ich ihn gern fragen würde. falls ich jemals dorthin käme. " Haben Sie bemerkt, was durch diesen einen Satz "who am I to judge?" passiert ist, wie er gebraucht und mißbraucht wird? 
Er wird sehr mißbraucht, weil er (der Papst) da über jemanden sprach, der bereits um Barmherzigkeit gebeten und die Absolution erhalten hatte, jemanden,den er gut kennt. Das ist etwas ganz anderes, als mit jemandem zu sprechen, der Akzeptanz anstatt Vergebung fordert. Er (der Satz)  wird fortwährend mißbraucht."

"Es hat Erwartungen um ihn herum geweckt, die er wahrscheinlich nicht erfüllen kann. Das beunruhigt mich. Zu einem bestimmten Zeitpunkt, werden die Leute, die ihn in ihren Szenarios über Veränderungen in der Kirche ein bißchen als Spieler beschrieben haben, entdecken, dass er nicht in diese Richtung geht. Dann wird er vielleicht nicht nur Enttäuschung sondern auch Opposition hervorrufen, die der Wirkung seines Lehramtes entgegenstehen könnte. (.....).
Es ist interessant für mich, daß dieser Papst über den Roman "Herr der Welt" spricht. Das ist auch eine Frage, die ich ihm stellen möchte: "Wie bringen Sie das, was Sie tun mit dem , was -wie Sie sagen- die hermeneutische Interpretation Ihres Amtes ist, nämlich die eschatologische Vision dessen, was der Antichrist mit uns tut? Glauben Sie das? Ich würde den Hl. Vater zu gern fragen: in gewisser Weise erklärt das vielleicht, warum er in Eile zu sein scheint. (....) "Was glaubt der Papst über die Endzeit?" (....)

"Ich kannte ihn nicht gut, bevor er gewählt wurde. Ich kannte ihn durch die Brasilianischen Bischöfe, die ihn gut kanten und stellte ihnen viele Fragen. Ich habe ihn nicht mehr gesehen, seit er gewählt wurde. Ich kenne Papst Franziskus nicht gut genug. Ich respektiere ihn sicher als Papst, aber ich verstehe noch nicht: "was tust Du da?"

Hier noch einmal das Gesamt-Interview   klicken

Fortsetzung folgt

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