Donnerstag, 27. November 2014

Sandro Magister sichtet Lob und Kritik, Teil 2

2. Der Soziologe
Luca Diotallevi unterrichtet Soziologie an der Römischen Universität III. Aber er war auch jahrelang der beratende Soziologe der Italienischen Bischofskonferenz. Er war 2006 in Verona Sprecher der nationalen Kirchenkonferenz mit Papst Benedikt XVI und Kardinal Camillo Ruini und er ist Vizepräsident des Organisationskomitees der "Sozialen Wochen" für Italienische Katholiken.
Am vergangenen 12. November hielt er vor der Generalversammlung der CEI, bei ihrem Treffen in Assisi, einen Vortrag zum Thema: "Die aktuelle Transformation im Katholischen Klerus. Ein soziologischer Beitrag zur Situation in Italien."
Im Schlussteil seiner Präsentation lenkte Professor Diotallevi die Aufmerksamkeit der Bischöfe auf die Veränderung im Katholizismus, die nicht nur in Italien stattfindet- hin zur Form einer "Religion mit geringer Intensität."

Das ist eine Religion, "die an Sichtbarkeit gewinnt, aber an Bedeutung verliert."

Unter den Bischöfen waren einige, die hierin einen deutlichen Bezug zum "Erfolg" Papst Franziskus´ sahen.

In eben dieser Versammlung verwarfen die Bischöfe bei der Wahl der 3 Vizepräsidenten "schallend" den vom Papst gewünschten Kandidaten, den Theologen und Erzbischof Bruno Forte, den vom Papst persönlich ernannten Spezialsekretär der Familien-Synode. Forte kratzte 60 Stimmen zusammen-gegen die 140, mit denen der Bischof von Fiesole, Mario Meini, gewählt wurde.

Hier folgen Passagen aus dem Vortrag Diotavellis.



"Die aktuelle Transformation im Katholischen Klerus. Ein soziologischer Beitrag zur Situation in Italien."
"Zu einem "Low-Intensity" Katholizismus"
von Luca Diotallevi 

Was zur Zeit geschieht, sind nicht religiöser Niedergang und Säkularisation, es ist im Gegenteil der Augenblick eines "religiösen Booms".

Die aktuelle Phase des religiösen Booms ist auf der Krise des konfessionalisierten Christentums aufgebaut, das sich seit Beginn des 17. Jahrhunderts als Stützelement für den Primat der Politik in Form des Staates über die Gesellschaft versteht. Einige Strömungen der Römisch Katholischen Variante des Christentums, erscheinen auf dem Papier als weniger von dieser Krise betroffen und in der Lage, diese als reich an Möglichkeiten zu interpretieren. Nichtsdestoweniger, wenn sich unter den Kandidaten für die Führungsrolle dieses religiösen Booms auch Katholiken finden, tendieren auch sie zur low-intensity-Religion.

Der große Vorteil dieser Option besteht in der Tatsache, dass sie dem religiösen Konsumenten eine fast unbegrenzte Wahl- und Kombinationsmöglichkeit zwischen den Gütern, und Diensten bietet, die von den verschiedenen Providern religiösen Bedarfs auf den Markt gebracht werden.

Low-Intensity-Religion bietet auch den religiösen Autoritäten große Möglichkeiten. Wenn sie in der Lage sind, ihre normativen Ansprüche herunterzuschrauben, ist ihnen eine große Zukunft sicher und ein diskretes Licht auf ihr erfolgreiches religiöses Unternehmertum.

In diesem Wettbewerb haben die neuen Lieferanten für religiösen Bedarf -von den Pfingstlern und Charismatikern bis zu New Age- gute Karten: eine extreme Flexibilität und große Nachgiebigkeit gegenüber 
verschiedenen Ausdruckformen,

Aber auch die traditionellen Provider haben substantielle Ressourcen zu ihrer Verfügung: eine etablierte Marke, ein enormes Reservoir an Symbolen und Riten, großes Verständnis für den örtlichen Markt. Das gilt natürlich nur, wenn sie sich von den "alten" Skrupeln von Orthodoxie und Orthopraxis befreien und unter der Bedingung, daß sie, um sichtbarer zu werden, akzeptieren, weniger Bedeutung zu haben.

Auch innerhalb des Katholizismus akzeptieren viele der "Lieferanten" die Form der low-intensity-Religion.
In dieser Atmosphäre ist es kein Zufall, daß die Katholische Kirche ein Problem mit dem Ehesakrament bekommt. Dieses (das Ehesakrament)  ist buchstäblich aus der Perspektive der low-intensity-Religion unvereinbar, weil sie statt dessen dem Wohlbefinden der Familie große Aufmerksamkeit widmet.

Eine sorgfältige Betrachtung der Züge des zur Zeit stattfindenden religiösen Booms ist unverzichtbar, um die Prozesse und Krisen, die den Katholischen Klerus betreffen, zu verstehen. Zu großen Teilen sind diese Prozesse und Krisen Ausdruck eines Versuchs, den Katholizismus an eine low-intensity-Religion anzupassen.

Um Lösungen zu vermeiden, die heutzutage im Rampenlicht stehen, wie die, die Priesterweihe nicht länger nur zölibatären Männern vorzubehalten, ist große Klarheit nötig. Die Christlichen Traditionen, die verheiratete Männer und sogar Frauen ordinieren, haben zwar einen quantitativ größeren Klerus zur Verfügung, aber sie sehen sich genau den selben Problemen gegenüber und oftmals in wesentlich ausgeprägterer Form."
                                                                                                         

Luca Diotallevii hat eine weiter gehende Analyse des Phänomens der low-intensity-Religion im von der Mailänder Theologischen Fakultät veröffentlichten Sammelband "Ein Glaube für alle? Christlich Form und Säkulare Form", geschrieben.
Quelle: Sandro Magister, www.chiesa, L´Espresso
Fortsetzung folgt

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