Mittwoch, 9. März 2016

Roberto De Mattei : Die Kritik Soccis tut dem Papst gut.


Diese Beurteilung durch Roberto De Mattei wird vielleicht so manchen der unermüdlichen Apologeten überraschen. Auf alle Fälle kann er etwas lernen. Wir haben den Beitrag in "Corrispondenza Romana"  bei Benoît XVI-et-moi gefunden. Merci!
Hier geht´s zum Original:   klicken


                  "SOCCI. DIE KRITIKEN, DIE DEM PAPST GUT TUN"
"Der Brief, den Papst Franziskus am 7. Februar an Antonio Socci schrieb, verdient die gleiche Aufmerksamkeit, die Socci seinem Buch "Die letzte Prophezeiung. Brief an Papst Franziskus über die Kirche in Zeiten des Krieges" gewidmet hat. (Ed. Rizzoli, 2016)

Das Buch des Schriftstellers aus Siena besteht aus zwei Teilen: der erste enthält eine Serie alter und jüngerer Prophetien, die große Katastrophen für die Welt vorhersagen, wenn sie sich nicht bekehrt und bereut. Die in allen Prophezeiungen vorhergesagten materiellen Zerstörungen erscheinen als Konsequenz der spirituellen Verheerung, in die die Kirche heute eingetaucht ist.
Unter den zahlreichen himmlischen Botschaften - entwerfen die der Jungfrau von La Salette und der Traum Don Boscos über die Zukunft Roms ein Szenario für Rom, das auf tragische Weise analog ist zu dem, das Unsere Liebe Frau 1917 in Fatima ankündigte.
Andere Privatoffenbarungen, die Socci zitiert, können als diskutabel angesehen werden, aber das Verdienst des Sieneser Schriftstellers ist, an die Existenz einer prophetischen und apokalyptischen Dimension der Katholischen Theologie erinnert zu haben.
Der zweite Teil des Buches - in Form eines offenen Briefes - ist eine stringente Kritik an Papst Bergoglio, in der der Autor minutiös an alle Handlungen und Worte erinnert, die seit Beginn seines Pontifikates die Gläubigen sprachlos, erschöpft und manchmal skandalisiert zurückgelassen haben, bis zu dem Punkt, die Frage zu stellen, die am Vorabend seiner USA-Reise auch auf der Titelseite von "Newsweek" stand: "Ist der Papst katholisch?"
Socci adressiert beschwingte Worte an den Papst: "Ich beschwöre Sie: überdenken Sie den Weg, den Sie bisher eingeschlagen haben, vermeiden Sie weitere schwerwiegendste Schritte - wie eine postsynodale Exhortation, die sich den Ideen Kardinal Kaspers öffnet.(....)
Vor allem, vermeiden Sie, eine neue Synode einzuberufen - die - wie man befürchtet - den klerikalen Zölibat zum Ziel hat. Es ist vor allem ein großes Jubiläum der Buße, dessen wir bedürfen."


Antonio Socci ist ein Journalist, der als solcher gewohnt ist, sofort auf Ereignisse zu reagieren, mit allen Mitteln, die sein Beruf zur Verfügung hat. Das kann manchmal zum Nachteil für eine Vertiefung eines Themas werden, aber weil er von einer starken Leidenschaft animiert wird, neigt er auch dazu, sich selbst in Frage zu stellen, mit seinen Überzeugungen - in dem Augenblick wo es um die Wahrheit geht und nichts anderes.
Diejenigen, die bestimmte von Soccis Thesen nicht teilen, müssen diese Eigenschaft anerkennen, die er mehrmals bewiesen hat. Was sicher ist, ist, daß Franziskus, nachdem er das Buch erhalten hat, ihn nicht exkommuniziert hat, ihn weder beschuldigt noch ignoriert, sondern zu Papier und Kugelschreiber gegriffen und ihm geschrieben hat:

"Lieber Bruder,
Ich habe Ihr Buch und den Brief, der ihn begleitete, erhalten. Vielen Dank für diese Geste. Vergelt´s Gott.
Ich habe begonnen, zu lesen und bin sicher, daß viele Dinge, die Sie anführen, mir sehr gut tun werden. In Wirklichkeit helfen uns auch Kritiken, auf dem rechten Weg des Herrn zu gehen.
Vielen Dank für Ihre Gebete und die Ihrer Familie.
Ich verspreche Ihnen, daß ich für Sie beten werde - und den Herrn bitten, Sie zu segnen und die Madonna, Sie zu beschützen.
Ihr Bruder und Diener im Herrn
Franziskus"

Diese wenigen Worten demolieren eine in gewissen konservativen Milieus weit verbreitete Papolatrie.
Der Pontifex erinnert daran, daß einen Papst zu kritisieren nicht nur legitim ist, sondern sogar dem Papst "viel Gutes tun kann" und ihm helfen, auf dem geraden Weg des Herrn zu gehen.
Unter dem Wort Papolatrie verstehen wir eine unverdiente Vergöttlichung der Figur des Papstes, die sich sehr von der Verehrung und dem gebührenden Respekt, die wir ihm für das Amt, das er innehat, schulden, unterscheidet.
Die freie Rede, selbst die Kritik - bemerkt Socci - kann eine Hilfe für den Bischof von Rom sein  "besonders wenn die dominierende Mentalität es mit der Verehrung übertreibt" (S. 92)

Der große dominikanische Theologe Melchior Cano sagt:
"Petrus hat unsere Lügen und unsere Anbetung nicht nötig. Die, die alle Entscheidungen des regierenden Pontifex blind und unterschiedslos verteidigen, sind es, die die Autorität des Hl.Stuhles treffen,  sie zerstören die Fundamente anstatt sie zu stärken."
Manche können sagen, daß der Brief von Franziskus an Socci die ganze Welt einschließen will, von den Liberalen zu den Traditionalisten - in einer synkretistischen Umarmung.
Aber über ein solches Bestreben hinaus, was zählt, ist die Anerkennung, die der Papst seinen Kritikern zollt. 
Die Worte, die Franziskus zu Socci sagt, passen zu denen, die er an die gerichtet hat, die in den letzten Jahren das neue Pontifikat kritisiert haben: von A. Gnocchi und M. Palmaro bis zu den Artikeln von Ross Douthat in der New York Times und der Petition, die eine Gruppe katholischer Schriftsteller am 8. 12. 2015 in "The Remnant" präsentiert haben.
Franziskus erinnert uns daran, daß wir die nicht unfehlbaren Aktionen des Papstes kritisieren dürfen, besonders was seine politische Sicht und seine pastoralen Entscheidungen angeht, unter der Bedingung, daß die Kritik respektvoll ist und sich gegen den Irrtum der Person und nicht die Autorität des Papstes richtet.

Der Verrat der katholischen politischen Klasse wurde immer begleitet vom historischen Verrat durch die Kirchenführung.
Aber es ist noch nie vorgekommen, daß ein Papst einen Eugenio Scalfari als Vertrauten ausgesucht und Emma Bonino und Giorgio Napolitano als große zeitgenössische Italiener bezeichnet hätte - ohne auch nur ein Wort der Ermutigung oder Anregung  oder selbst einen einfachen Segen an die Hunderttausenden Katholiken des Familientages zu richten.

Und während der Senat die Lex Cirinnà annahm, und so die HS Ehe legalisierte, hat Papst Franziskus, nachdem er schon zu Irland geschwiegen hatte auch in Italien sein Schweigen bewahrt und damit eine große Verantwortung übernommen.

"Warum Heiliger Vater" fragt Socci in gequältem Ton" haben Sie aufgehört, diesem mörderischen Angriff  gegen die Familie, die die Welt seit Jahren unternimmt, zu widerstehen?"

Am 6. März hat sich Socci passenderweise zur Geburt einer neuen Katholischen Partei nach der Erfahrung des Familientages geäußert. Die Idee, die religiös inspirierten Bewegungen in etwas Politisches zu verwandeln, erklärt Socci, ist in der Vergangenheit immer gescheitert.
Es ist der Gedanke einer katholischen Partei selbst, die die relativistischen Regeln der Demokratie akzeptieren müßte, der zurückgewiesen werden muß - solange die Bewegungen in der Lage sind, die Politik wesentlich effizienter zu beeinflussen als die Parteien. Im Verlauf der letzten Jahre hat sich in Italien eine große Widerstandsbewegung gegen die Säkularisierung gebildet.

Am Ursprung dieser Bewegung hat es ein mysteriöses aber reales Eingreifen der Gnade gegeben, aber auch die Arbeit vieler Katholiken, die sich seit Jahrzehnten mit ihrem politischen und kulturellen Engagemant dieser Entwicklung entgegenstellen.
Der Familientag gegen die Lex Cirinnà hat vielen die Existenz dieser Bewegung bekannt gemacht.
Aber in dem Augenblick, in dem die  Katholische Welt mit dem Familientag ihre Kraft am stärksten gezeigt hat, hat sie auch ihre große Schwäche gezeigt.
Die Kraft ist die, die von der Basis kommt, die Schwäche ist die der Führer der Bewegung, die einige Wochen nach dem Familientag ihre Aufspaltung manifestierten. Diese Aufspaltung darf nicht überraschen. Wenn das Meer ansteigt, erscheint immer einer, der die Flut nutzen will und sich als Führer einer Bewegung positioniert, die er nicht geschaffen hat und die er nicht repräsentiert.
Socci hat Recht, wenn er anmerkt, daß die Katholiken heute etwas anderes zu tun haben. Anderes als Themenparteien. Ihre erste Dringlichkeit ist es, die Selbstzerstörung der Kirche und der Gesellschaft zu verhindern. 

Wird die postsynodale Exhortation, die Papst Franziskus am 19.März unterschreiben wird, eine neue Etappe des Selbstzerstörungsprozesses sein? Wird er die Kirchenlehre bestätigen oder wird er sich bei einigen Punkten von ihrem ewigen Lehramt entfernen?
Und wie sollen sich die Katholiken in dem Fall verhalten?
Das sind die dringenden Fragen, die heute auf dem Tisch liegen. Fragen, die die gesamte Aufmerksamkeit, derer ein durch die Gnade erhellter Geist fähig ist, erfordert."

Roberto de Mattei

Quelle: Corrispondenza Romana, R.De Mattei, BenoîtXVI-et-moi

Kommentare:

  1. Beate Seiler09.03.16, 14:15

    All die - richtigen - Worte von de Mattei über notwendige Kritik am Papst, die selbstverständlich nicht nur erlaubt, sondern geboten sein kann, hätten die Beiboot-Kapitäne indes bis vor drei Jahren niemals durch die Zensur gelassen... :-)

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    1. Frau Seiler, das wäre zu dieser Zeit gar nicht notwendig gewesen. Denn vor dem 13.3.2013 wurde die Papstkritik ja über die Deutschen Medien "frei Haus" geliefert und das nicht zu knapp. Es wäre also komplett kontraproduktiv und unsinnig gewesen, unseren Blog für "Papstkritik" zu nutzen. Der Blog wurde ja gerade auch deswegen gegründet, um diesem Dauertrommelfeuer gegen Papst Benedikt etwas entgegen zu setzen.
      Wer damals "Papstkritik" loswerden wollte, konnte das in den Kommentarbereichen der deutschen Medien (SPON, WOn, FocusON, FAZnet, ja sogar tw. im BR) ungestört tun ... und es gab auch keine Zensur, die das verhindert hätte. Zudem war dort das Publikum deutlich größer, als in der Blogozese.

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    2. Ja, so ist es, Cinderella01 hat Recht!

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