Montag, 18. Dezember 2017

Kurienreform, Vatican-Diplomatie und Soziale Fragen


In "Monday in the Vatican" analysiert A. Gagliarducci den aktuellen Stand der Dinge bei der Kurienreform und der Neuausrichtung der Dikasterien. Dabei stellt er die einseitige Ausrichtung auf Diplomatie und soziale Fragen fest.
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  "PAPST FRANZISKUS: DER STAND DER REFORMEN" 

"Das Treffen von Papst Franziskus mit dem Forum der Katholischen NGOs hat noch einmal die außerordentlichen Aktivitäten des Staatssekretariates -zumindest auf dem Gebiet der Diplomatie-unterstrichen.
Das Forum Katholischer NGOs wurde 2007 gegründet. Sein Ziel war es, um den NGOs, die zwei Eigenschaften gemeinsam hatten - katholisch und international -auf multilateralem Gebiet engagiert zu sein, Form zu geben und sie zu koordinieren.

Aber das Forum hatte seit 2007 praktisch kein Treffen. Seine Arbeit verlor ewas von seiner Anziehungskraft, während weitere begrenzte Gruppen des Forums auf territorialer Basis gegründet wurden, um sich unter einander bzgl. einiger spezifischer Themen besser zu koordinieren.

10 Jahre später kehrt das Forum ins Leben zurück- gestärkt durch eine 2-tägiges Zusammenkunft, die in der Nähe des Vaticans stattfanden. Viele Mitarbeiter des Vaticanischen Staatssekretariates haben an den Treffen teilgenommen, ebenso wie alle Nuntien, die bei multilateralen Organisationen akkreditiert sind, abwesend war lediglich Erzbischof Ivan Jurkovich, der ständige Beobachter des Hl. Stuhls bei den UN in Genf, der durch seine Teilnahme am Treffen der Welthandelsorganisation in Buenos Aires entschuldigt war.

Am Ende des Treffens wurde beschlossen, daß eine Stiftung gegründet werden soll, um das Engagement des Forums zu konkretisieren und die "Stiftungs-Werte" des Forums wurden noch einmal formuliert, um der Organisation neue Kraft zu verleihen. Diese Ergebnisse waren das Resultat der Schirmherrschaft des vaticanischen Staatssekretaritates, das sich stark engagierte, um alles zu organisieren und das weiterhin eine Hauptrolle spielen wird.

Das ist nur eines der Hauptthemen des Staatssekretariates, aber es ist ein Anliegen, das Kardinal Pietro Parolin sehr am Herzen liegt, der als Vizeaußenminister des Vaticans am ersten Treffen des Forums teilnahm.

Kann man sagen, daß es unter Papst Franziskus es eine Diplomatie der zwei Geschwindigkeiten gibt, also die persönliche diplomatische Arbeit von Papst Franziskus und eine andere, die seines ersten Mitarbeiters?

Eine solche Lesart erscheint übertrieben. Man kann jedoch sagen. daß die Diplomatie Pietro Parolins parallel zu der von Papst Franziskus verläuft, wobei der Papst seine Diplomatie mehr durch Gesten unternimmt, während Kardinal Parolins Arbeit, diesen Gesten den kulturellen und diplomatischen Rahmen gibt.

Während die vaticanischen Diplomaten während der multilateraler Treffen eingreifen und für die Armen und an den Rand Gedrängten sprechen, führt Papst Franziskus seine persönliche Diplomatie an den Peripheriene (wie man an den Zielen seiner internationalen Reisen erkennen kann) fort, eine sehr spezielle Diplomatie von Belohnungen (z.B.wie bei Laos, einem der wenigen Länder der Welt, das keine diplomatischen Beziehungen zu Vatican kann, und jetzt in den letzten Jahren die Seligsprechung und Kreierung eines neuen Kardinals erlebte) und eine Diplomatie des Gebetes, das die "Kultur der Begegnung" die Papst Franziskus unterstützt, fördern soll.



Gleichzeitig geht das vaticanische Staatssekretariat über die Gesten von Papst Franziskus hinaus.

Der Papst hat den Hl. Stuhl zu einem humanitären Korridor gemacht, wie als er an Bord des Papstflugzeuges beim Rückflug von seiner Tagesreise nach Lesbos einige Flüchtlinge nach Italien mitnahm. Das Staatssekretariat arbeitet in internationalen Organisationen an einem legalen Zugang zur Migration. Es gibt zahlreiche Interventionen des Hl. Stuhls bei multilateralen Treffen, die Papst Franziskus´ Worte in diplomatische Sprache übersetzen, die über die bloße Bekundung von Solidarität hinaus gehen und längerfristige Visionen ausdrücken.

Am Ende hat das Staatssekretariat bei diplomatischen Themen zunehmend an Gewicht gewonnen und der Papst versteht diese Realität und erkennt sie an, wie er durch die Etablierung eines Dritten Sektion im Staatssekretariat gezeigt hat.

Einige Beobachter sehen in dieser Dritten Sektion einen Weg für Papst Franziskus, seine Kontrolle über die Nuntiaturen und den diplomatischen Stab des Hl. Stuhls auszubauen.

Das ist ein Gesichtspunkt, sicher, aber der erscheint weit von der Realität entfernt zu sein.

Man wird erst noch sehen müssen, welche Wirkung die dritte Sektion auf die Gesamtarbeit des Staatssekretariates haben wird.

Was festzustellen ist, ist daß sich die Gesamtarbeit des Staatssekretariates in Richtung einer neuen Sensibilität für globale Themen bewegt, mit erneuerten Inhalten und einer starken Diplomatie.

Diese Richtung scheint ein Gegentrend im Hinblick auf die aktuelle, im Gang befindliche Kurienreform zu sein.

Das Thema der Dritten Sektion des Staatssekretariates stand nicht auf der Agenda des letzten Treffens des Kardinalsrates, obwohl viele der vorhergehenden Treffen sich auf die Ausbildung des Nuntien konzentriert haben.
Dieses Detail liefert einen zweiten Aspekt für die stattfindenden Entwicklungen im Vatican. Während das Staatssekretariat seine zentrale Rolle ganz klar zurückgewonnen hat, bewegen sich die Kurienreformen insgesamt in eine andere Richtung. Es gibt Reformrichtlinien und jeder folgt diesen Richtlinien. Aber diese Richtlinien scheinen nicht wirkliche den Hauptweg zur Reform zu bilden.

Von einem besimmten Gesichtspunkt aus ist das gut, weil die Kurienmitarbeiter ihre eigenen Reformen frei durchführen können, auf eine Weise die sie für opportun halten, und dabei dennoch den Anweisungen des Papstes folgen.

Aber von einem anderen Standpunkt aus, riskiert die Wahrnehmung von Reformen "en passant" -ohne allgemeinen Rahmen und ohne klare Ziele, weitere Verwirrung zu schaffen.

Es ist auch bemerkenswert, daß das 22. Treffen des Kardinalsrates sich nicht mit den Details der Etablierung der Dritten Sektion des Staatssekretariates befaßt sondern nur die bereits begonnenen Reformen überprüft hat. Diese Reformwoche wurde durch das Entstehen eines neuen Portals des Sekretariates für Kommunikation gekennzeichnet, aber auch das ist keine Reform, sondern das erste sichtbare Zeichen einer Reform.

Der Rat hat Berichte von Msgr. Dario Viganó über die vaticanischen Medienreform gehört, von den Patres Michael Czerny und Fabio Baggio zu Migrationsthemen, von Kardinal Sean O´Malley zum Fortschritt der Päsptlichen Kommission für dem Schutz Minderjähriger und von Kardinal Kevin J.Farrell darüber wie das Dikasterium für Laien, Familie und Leben Form annimmt.

Jeder von ihnen hat über die getane Arbeit und Entwicklungen berichtet und jeder hat klar seinen Wunsch gezeigt, den neuen Dikasterien seinen persönlichen Abdruck aufzudrücken-in Übereinstimmung mit einer Reform aber ohne "konstitutionelles Papier" - das heißt.. ohne Apostolische Konsitution wie "Pastor Bonus", das klar Aufgaben und Funktionen beschreibt.
Es sieht so aus, als verwechsle die Kurien-Reform ihre Ziele,informell den Ortsbischöfen einige dinge zu übertragen, während gleichzeitig das Staatssekretariat die Wichtigkeit einer zengtralen Korrdination versteht und damit fortfährt, sie auszuführen, zumindest auf dem Gebiet der Diplomatie.

Am Ende arbeiten die Bischöfe an den großen Themen und nehmen Papst Franziskus´ Äußerungen, daß er nicht in die Politik verwickelt werden will -obwohl er stark politisch ist,wenn er spricht- sagen wir z.B. über die Volksbewegungen oder in seinen Sozialdokumenten.
Ein Beispiel für diese neuen Aktivitäten der Bischöfe kam vom Treffen der Rechtsberater der Europäischen Bischofskonferenz.

In der Verurteilung der kommenden Weltordnung ohne Gott durch ihren gegenwärtigen Vorsitzenden Kardinal Angelo Bagnasco haben die Rechtsberater zum Thema "Lebensende" ein gemeinsame Haltung eingenommen: "Niemand kann irgenjemanden töten". Und was die Flüchtlingskrise angeht, haben sie einen konkreteres Konzept vorgeschlagen. Sie bestanden darauf, daß die Kirche immer an vorderster Front steht, stellten aber auch gleichzeitig fest, daß es einen gesetzlichen Rahmen geben muß, der den Staaten hilft.

Das ist ein Beispiel, daß einen einzigen Punkt herausstreicht: daß die starke Betonung der sozialen Positionen der Kirche jetzt von den Bischöfen kommt, während der Vatican- früher einmal der Ort- von wo aus die Inhalte vorgegeben wurden- jetzt hauptsächlich damit beschäftigt ist, Strukturen zu reformieren- nicht Ideen neue Gestalt zu verleihen.

Das ist jetzt die Arena, in der die Hauptdarsteller erscheinen- z.B: der obenerwähnte Kardinal Bagnasco, gemeinsam mit Kardinal Wilhelm Eiijk von Utrecht, der ein lehramtliches Dokument zu Gender-Theorie forderte; wie der Großerzbischof der Ukrainisch-Griechischen Kirche, Swjatoslaw Sevchuck, der esnicht versäumte, den Papst an die Gefahren des Krieges in der Ukraine zu erinnern und seine Meinung über die Haltung des Papstes zu dieser Frage kundzutun.
Das ist es, weswegen das Engagement des Staatssekretariates offensichtlich eine Gegenbewegung uir Kurie ist. Das dipolmatische Engagement ist am Ende der Versuch, eine gemeinsame Grundlage im Namen des Allgemeinwohls zu finden.

Diese Bewegungen müssen sorgfältig erwogen werden. Was -wenn der Papst diese diplomatische Arbeit mit einer anderen interessanten diplomatischen Geste begleitet?

Quelle: Monday in The Vatican, A. Gagliarducci

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