Dienstag, 26. Februar 2019

Cascioli "Richtig angewandt würden die bestehenden Strukturen der Kirche in Mißbrauchsfällen ausreichen".

Riccardo Cascioli kommentiert in La Nuova Bussola Quotidiana kritisch den Verlauf und die Ergebnisse des Mißbrauchsgipfels in Rom und erklärt sein negatives Urteil.
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"WARUM DER MISSBRAUCHSGIPFEL DIE OPFER NICHT ZUFRIEDEN STELLEN KONNTE."
Wie vorhergesehen folgte der gestern im Vatican beendete Mißbrauchsgipfel einem bereits vorher geschriebenen Skript, in dem die Parolen Klerikalismus, Synodalität, Transparenz sind, die mehr verdecken als enthüllen, um den Gedanken an einen radikalen Wechsel aufkommen zu lassen, statt dessen widersetzte es sich den schon von Johannes Paul II eingeleiteten Änderungen.

Den Opfern zuhören-  das hat Papst Franziskus nicht nur in diesen Tagen immer wieder wiederholt. Und der gestern beendete Vatican-Gipfel zum Schutz Minderjähriger begann mit dem Zeugnis einiger Opfer sexuellen Mißbrauchs durch Priester.  Den Opfern zuhören ist richtig-weil wenn man über sexuellen Mißbrauch -besonders an Jugendlichen, aber auch an Erwachsenen.- spricht man meistens auf abstrakte Weise darüber, wie über ein Problem- ja, aber eines, das uns im Grunde nicht näher berührt und ein zu lösendes Korn ist.
Nach diesen Tagen , nachdem wir zahlreiche Zeugnisse gehört haben, ist zu erwarten, daß die Vorsitzenden der Bischofskonferenzen mit einem anderen Bewußtsein sei es über die Konsequenzen des Mißbrauchs sei es über die Schwere der von Priestern und Bischöfe begangenen Taten in ihre Länder zurück kehren. Und daraus könnte etwas Gutes entstehen, wenn dieses größere Bewußtsein in konkrete Aktionen umgesetzt werden würde.

Aber nachdem das gesagt ist und wir uns an die Stelle der Opfer versetzen, könnten wir mit dem, was in diesen Tagen der Begegnungen gesagt und getan wurde zufrieden sein?
Das bezweifeln wir sehr. Wir haben so viele Worte gehört, besonders Losungen: Klerikalismus, Synodalität, Kollegialität, Transparenz.
Wir haben bereits über die Falschheit oder Parteilichkeit dieser Konzepte gesprochen. Aber darüber hinaus gibt es den starken Eindruck, daß das Worte waren, die mehr dazu dienen, etwas zu verbergen und um Rauch zu erzeugen, als zu enthüllen und zu erklären, den Eindruck eines radikalen Wechsels zu erzeugen, während man sich der von Johannes Paul II und Benedikt XVI begonnenen Veränderung widersteht. Kurz gesagt, eine Art Prestige-Spiel, das den Anschein erweckt, daß etwas passiert, während in Wirklichkeit etwas ganz anderes geschieht.

Man spricht über konkrete Aktionen, Transparenz: aber die Hauptsache ist, daß man erwartet hätte, daß jetzt Klarheit über das Geschehen um Ex-Kardinal Theodore McCarrick geschaffen würde, der die Ursache für diesen Kongress war.  Statt dessen wurde alles getan, um zu vermeiden, daß Licht auf dieses Netz der Komplizenschaft geworfen wird, das den langen Mißbrauch und die gleichzeitige Kirchenkarriere ermöglichte.
Nicht nur, die Bischöfe und Kardinäle- die das Dank der Freundschaft zu McCarrick geworden sind, wurden direkt befördert. Was sollten die vielen Opfer McCarricks denken,  wenn sie sahen, daß Kardinal Cupich das Gipfeltreffen zum sexuellen Mißbrauch organisierte, daß Kardinal Wuerl durch eine Botschaft des Papstes gelobt wurde, der seine persönlichen Qualitäten pries und ihn fast als Märtyrer beschrieb, daß Kardinal Farrell - der viele Jahre mit McCarrick zusammen lebte- gerade zum Camerlengo der Hl.Römischen Kirche ernannt wurde?
Und was sollten sie aus der Tatsache schließen, daß der amerikanischen Bischofskonferenz nicht erlaubt wurde, eine tiefergehende Untersuchung des gesamten Geschehens - einschließlich der Komplizenschaft in der Römischen Kurie durchzuführen?





Es wird von Klerikalismus gesprochen, von Machtmißbrauch als Ursprung des Problems-
Aber es braucht nur einen gesunden Menschenverstand, um festzustellen, daß  Machtmißbrauch Folge einer vorangehenden Störung ist, die sich auf unterschiedliche Weise ausdrücken kann. Mobbing ist auch Machtmißbrauch, auch Schikanieren ist das und auch Gebrauch von Gewalt gegen Schwächere. Wenn er sich in sexueller Gewalt ausdrückt, muß der Grund dafür untersucht werden; und wenn die 80% der Mißbräuche homosexuelle Taten sind,  kann man das Problem nicht ausklammern, indem man behauptet- wie es Msgr. Scicluna, einer der Protagonisten des Gipfeltreffens- getan hat, daß die sexuelle Orientierung nicht zur Sünde prädisponiert. Keiner will behaupten, daß Personen mit homosexueller Neigung alle potentielle Mißbraucher sind, aber wenn zur selben Zeit die übergroße Mehrheit der Übergriffe von Personen, die diese Neigung haben, begangen wird, gibt es ein Motiv. Das zu verbergen, täuscht niemanden und ist kein großer Trost für die Opfer dieser Täter.

In ihrem am Vorabend des Gipfels veröffentlichte Offenen Brief haben die Kardinäle Raymond Burke und Walter Brandmüller erklärt, daß der Mißbrauch Minderjähriger und die "homosexuelle Agenda" Teil einer viel größeren Krise sind. "Die Wurzeln dieses Phänomens liegen offensichtlich in dieser Atmosphäre des Materialismus, Relativismus und Hedonismus, in dem die Existenz eines absoluten Moralgesetzes -ohne jede Ausnahme- offen in Frage gestellt wird". Mit anderen Worten die große Schuld der Priester liegt darin, sich von der Wahrheit des Evangeliums entfernt zu haben.
"Die auch öffentliche Leugnung in Worten und Taten der Göttlichen und -Naturgesetzes ist die Wurzel des Übels, das gewisse Kreise in der Kirche befallen hat."
Auf gewisse Weise haben die Reden und Interviews dieser Tage dieses Urteil bestätigt.
Man hat über Argumente gesprochen, aber nie Bezug auf das Evangelium oder das 6. Gebot genommen- keine Bezugnahme auf die Kirchenväter und Kirchenlehrer, ebenso wenig auf die Beispiele der Heiligen der Keuschheit.
Können die Opfer sich durch die Tatsache versichert fühlen. daß von den Hirten, die den Weg ins Paradies zeigen sollen,. dieses Problem behandelt wird, wie es ein leitender Angestellter eines Unternehmens tun würde?

Und dann die Synodalität, die richtigen Vorgehensweisen, damit die Beschuldigungen der Opfer schnell verifiziert werden. Darüber wurde so gesprochen, als ob das bisher nicht geschehen sei.
Das ist nicht wahr, diese Prozeduren gibt es schon.Sicher, sie können verbessert werden, sie können strenger werden, aber die beklagenswertesten Fälle sind die, in denen die Prozeduren angewandt und dann- wenn sie einen bestimmten Punkt erreicht hatten- unterbrochen wurden, weil gewisse "Freunde" die Dossiers verschwinden ließen: nicht nur im Fall McCarrick sondern auch bei Pater Marcel Maciel, dem Gründer der Legionäre Christi, dem britischen Kardinal Cormac Murphy O´Connor. Und beim argentinischen Bischof Gustavo Zanchetta, einem sehr aktuellen Fall, sind in diesen Tagen Beweise dafür aufgetaucht, daß der Hl. Stuhl vor erst eineinhalb Monaten gelogen hat. Wie soll man jemandem glauben, der einerseits von Transparenz spricht und andererseits versucht, zu vertuschen?

Nicht nur das, aber im Vatican gibt es schon ein Amt, das daran arbeitet, alle Beschuldigungen, die in Rom ankommen, zu untersuchen: das ist eine Sektion der Glaubenskongregation, die 10 Mitarbeiter hatte;  man hätte diese Zahl um mindestens drei Einheiten erhöhen müssen, um auf sorgfältige Weise alle Fälle bearbeiten zu können; das war das Versprechen, aber statt dessen wurden 2017 drei entlassen- ohne eine Erklärung- und dieser Sektion fehlt immer noch Personal.
Dann kann man den Opfern nicht die Schuld geben, wenn sie den Glauben an den Willen verlieren, die Dinge in Ordnung zu bringen.

Anstatt neue Kommissionen zu gründen, die nur Rauch in den Augen sind und dann Ursache für weitere Diskussionen und Uneinigkeit- würde es genügen, die bereits bestehenden Strukturen zu verstärken, um die Prozesse zu beschleunigen und sorgfältig wegen der den Priestern und Bischöfen vorgeworfenen Taten zu ermitteln."

Quelle: R. Cascioli, LNBQ

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