Mittwoch, 21. August 2019

George Weigel spricht sein Urteil über das Revisionsgericht in Victoria

Professor George Weigel spricht bei "First Things" Klartext zum doch überraschenden Urteil des Appellationsgerichtshofes von Victoria /Australien im Revisionsverfahren von Kardinal George Pell.
Hier geht´s zum Original:  klicken

           "DIE AUSTRALISCHE SCHANDE" 
"In den kommenden Wochen und Monaten wird viel mehr über die Zurückweisung von Kardinal Pells Revisionsantrag  gegen seine Verurteilung wegen "historischen sexuellen Mißbrauchs" mit 2:1 Stimmen des mit 3 Richtern besetzten Obersten Gerichtshofes von Victoria zu sagen sein.
Jetzt stellt diese erstaunliche, ja sogar unverständliche Entscheidung die Qualität der australischen Justiz auf das Ernsthafteste in Frage - und die Möglichkeit jedes Katholischen Klerikers, der des sexuellen Mißbrauchs beschuldigt wird, einen fairen Prozess oder eine faire Beurteilung der Redlichkeit seines Verfahrens bekommen zu können.

Bei der am Morgen des 21. Augusts  im live-stream übertragenen Prozedur des Appellationsgerichtes hat sich die leitende Richterin Anne Ferguson-während sie die Entscheidung verlas- wiederholt auf "die ganzen Beweise" bezogen.
Aber es hat nie Beweise dafür gegeben, daß Kardinal Pell das getan hat, was er angeblich getan haben soll. Da war nur das Wort des Klägers und absolut keine Bestätigung für seine Beschuldigungen- die sich in den Monaten nach dem Prozess gegen den Kardinal als den vor
einigen Jahr im "Rolling Stone" veröffentlichten falschen Anschuldigungen alarmierend
ähnlich sehend herausstellten.

Richterin Ferguson bezog sich auch auf die "ungenauen Erinnerungen"  der Gelegenheitszeugen,
die zugunsten des Kardinals aussagten- in dem Sinne, daß der angebliche sexuelle Mißbrauch unter
den gegebenen Umständen in der Kathedrale -voller Menschen- dem engen Zeitrahmen und der
Gewandung des Kardinals einfach nicht stattfinden konnte.
Was aber- so muß man fragen- ist mit den möglicherweise "ungenauen Erinnerungen" des Klägers?
Warum wird angesichts seiner Video-Aussage einfach vorausgesetzt, daß sich der Kläger klar an das angebliche Geschehen erinnert, besonders wenn das ganze Szenario des angeblichen Mißbrauchs extrem unplausibel ist?




Zur Rechtfertigung ihres Urteils und das ihres Kollegen, der gemeinsam mit ihr die Berufung des Kardinals zurückwies, erklärte Richterin Ferguson, daß „zwei von uns“ - sie und Richter Chris Maxwell - eine „andere Sicht auf die Tatsachen“ hätten als Richter Mark Weinberg.
Aber welche Fakten? Stellt die bloße Behauptung eines angeblichen sexuellen Missbrauchs, unabhängig davon, wie unplausibel die Art der Handlung oder die Umstände sind, unter denen sie begangen worden sein sollen, eine rechtliche „Tatsache“ dar, die das Leben und den Ruf von Menschen zerstören kann? Eines des angesehensten Bürgers Australiens?
Wenn dem so ist, dann ist im Bundesstaat Victoria  mit dem Strafrecht etwas ernsthaft falsch, wo das Rechtsverfahren jetzt eine schlimme Ähnlichkeit mit dem hat, was in der Sowjetunion unter Stalin vorherrschte. Auch hier wurden Vorwürfe allein aufgrund unbestätigter Behauptungen für plausibel befunden.

Die Berufung des Kardinals konnte die Richter Ferguson und Maxwell nicht davon überzeugen, daß die verurteilende Jury Zweifel an der Plausibilität der Anklage gegen Pell gehabt haben muss, angesichts des verheerenden Falls, den die Verteidigung gegen die Anklage in beiden Prozessen des Kardinals vorbrachte.
Aber warum ist das der richtige oder relevante Standard? Eine blockierte Jury stimmte im ersten Prozess mit überwältigender Mehrheit dafür, den Kardinal der Anklage freizusprechen. Dann drehte sich das Wiederaufnahmeverfahren um fast 180 Grad und kam zu einem einstimmigen Schuldspruch, nachdem vermutlich die gleichen Beweise geprüft worden waren, deretwegen die Mehrheit ihrer Vorgänger für den Freispruch gestimmt hatte. Bedeutet das nicht die Möglichkeit einer starken Voreingenommenheit der Jury, insbesondere angesichts der mangelnden Herausforderungen der Juroren durch die Verteidigung im Bundesstaat Victoria? Und stellt das nicht die Redlichkeit des Schuldspruchs in Frage?

Bei der Anhörung von Kardinal Pell vor zwei-einhalb Monaten haben die Richter Ferguson, Maxwell und Weinberg den für den Schuldspruch zuständigen Vertreter der Krone aggressiv befragt, dessen Vorstellung dabei außerordentlich schwach war. 
Im Gegensatz dazu erweckte das Berufungsgremium während der Verhandlung den Eindruck, daß der Schuldspruch gegen Kardinal Pell "unsicher" war, weil er mit den vorhandenen Beweisen (oder in diesem Fall ihrem Fehlen) vernünftigerweise nicht erreicht werden konnte. Was ist in den folgenden zwei Monaten passiert? Das in den kommenden Wochen zu untersuchen, wird sich sicher lohnen.

Weil Freunde, die mit australischen Justizkreisen gut vertraut sind, sagten, daß die ernst zu nehmenden Justizkreise- frei von Ideologen- in Australien nach der Verurteilung Pells tief besorgt sind über den ruf der Australischen Justiz; so hätten- wie man sagte- viele jener älteren Rechtsvertreter auf den Erfolg des Revisionsantrages von Kardinal Pell gehofft.
Ihre Sorgen sollten jetzt wegen des Ausmaßes stärker werden. Weil sich auf Grund der Beweise in
vernünftige Leute fragen werden, was "Rechtsstaatlichkeit" in Australien und beosnders in Victoria bedeutet.
Vernünftige Leute werden sich fragen, ob es sicher ist, dort zu reisen oder Geschäfte zu machen in einem sozialen und politischen Klima, in dem die Hysterie eines Mobs - ähnlich dem, der Alfred Dreyfus auf die Teufelsinseln verbannte- in der Lage ist, Jurys zu beeinflussen.

Kardinal Pell hat Freunden in den vergangenen Monaten gesagt, daß er wisse, daß er unschuldig sit und daß das einzige Urteil, das er fürchte, das des Jüngsten Gerichtes ist."
Die Richter, die bei einer grotesken Revisionsentscheidung das Ergebnis einer grotesken Gerichtsfarce  bestätigten, mögen vielleicht an das Jüngste Gericht glauben oder auch nicht.
Aber sie müssen sich sicher über andere Urteile sorgen. Weil sie bewiesen haben, daß ein einst
für die Unabhängigkeit des Denkens berühmter Teil der angelsächsischen Sphäre etwas ziemlich
Schändliches, sogar Böses geworden ist. "

Quelle: Firstthings, G.Weigel 

Keine Kommentare:

Kommentar posten

Mit dem Posten eines Kommentars erteilen Sie die nach der DSGVO nötige Zustimmung, dass dieser, im Falle seiner Freischaltung, auf Dauer gespeichert und lesbar bleibt. Von der »Blogger« Software vorgegeben ist, dass Ihre E-Mail-Adresse, sofern Sie diese angeben, ebenfalls gespeichert wird. Daher stimmen Sie, sofern Sie Ihre email Adresse angeben, einer Speicherung zu. Gleiches gilt für eine Anmeldung als »Follower«. Sollten Sie nachträglich die Löschung eines Kommentars wünschen, können Sie dies, unter Angabe des Artikels und Inhalt des Kommentars, über die Kommentarfunktion erbitten. Ihr Kommentar wird dann so bald wie möglich gelöscht.