Dienstag, 3. Dezember 2019

Wenn Nonnen zu viel beten....

R. Cascioli berichtet in einem Leitartikel für La Nuova Bussola Quotidiana über die Kommissionierung eines kontemplativen Clarissinnen-Klosters in Italien und ihre Folgen und zeigt
daß der Umgang mit den FFI keine Einzelfall in der barmherzigen Kirche des aktuellen Pontifikates war,  Hier geht´s zum Original:  klicken

"DIESE CLARISSINNEN BETEN ZU VIEL." AUS DEM KLOSTER VERJAGT." 

Die unglaubliche Geschichte von Suor Maria Giuliana und den anderen 5 Nonnen aus dem Kloster von Porto Viro in der Provinz Rovigo und der Diözese Chioggia, die vor zwei Jahren erlebten wie ihre Gemeinschaft vor zwei Jahren auf Bitten des Bischofs von Chioggia und Provinzials der franziskanischen Provinzen und zerstört wurde: die Mutter Oberin wurde öffentlich  des Hörigmachens der Schwestern und wirtschaftlicher Skandale beschuldigt, aber die Wurzeln des Problems liegen im langen Widerstand von Suor Maria Giuliana gegen den Versuch, das kontemplative Leben und die Regel der Hl. Klara zu verstümmeln. Unter den Hauptanklagepunkten : das Vorhandensein von Statuen des H. Erzengels Michael im Kloster.

"Sag die Wahrheit, sehe ich für dich verrückt aus?"
Nein, das würde ich nicht sagen, Zweifellos traurig über die erlittene Ungerechtigkeit. Hartnäckig darin, die Wahrheit wiederherstellen zu wollen- aber verrückt sicher nicht.
Schwester Maria Giuliana der Eucharistie (im bürgerlichen Leben Maria Giuliana Ravegnan) wurde von ihren Vorgesetzten wiederholt beschuldigt, verrückt zu sein und gezwungen, in einem Pflegeheim zu leben. Ein Schicksal, dem sie entkommen konnte, indem sie darum bat, den Orden verlassen zu dürfen. Heute lebt sie zusammen mit fünf anderen Schwestern in einem kleinen Gebäude in der Nähe von Rovigo, wo wir sie besucht haben.

Das Kreuz und einige Statuen im Garten lassen verstehen, daß dieses zweistöckige Haus  anders ist als die anderen Nachbarhäuser. Im Inneren ist alles so eingerichtet, eine klösterliche Atmosphäre zu schaffen: der kleine Eingangsraum fungiert als Parlatorium, das Wohnzimmer wurde zu einer Kapelle umgestaltet, im Obergeschoss ist die Klausur. Suor Maria Giuliana und die anderen haben eine monastische Gemeinschaft wieder gegründet, basierend auf den Regeln der Hl. Clara, aber für die Ordenskongregation sind dieses geweihten Frauen keine Nonnen mehr.
Ihr Vergehen?
Sie haben sich nicht der Kommissionierung der Gemeinschaft "Unbeflecktes Herz Mariens", der Clarissinnen von Porto Viro unterworfen, deren Äbtissin Maria Giuliana, die "Mutter" 23 Jahre lang, bis zum 12. August 2017 war.



In jenem Sommer 2017 in Porto Viro- Provinz Rovigo-aber Diözese von Chioggia -beschloss die Kommissarin Sr Ivana Assolini die Regeln des Klosters der Clarissinnen zu ändern und Sr. Maria Giuliana zu suspendieren.
Zuvor hatte es im September 2016 eine apostolische Visitation gegeben, die vom Bischof von Chioggia, Adriano Tessarollo, und vom Provinzial für die franziskanischen Provinzen Norditaliens, Mario Favretto, angeregt worden war und die- nach Aussagen von Sr. Maria Giuliana mit Komplimenten der apostolischen Besucher für das Leben der Gemeinde, die das Kloster von Porto Viro zum Blühen gebracht hatten, mit einem intensiven Gebetsleben und einer großartigen Wohltätigkeitsarbeit für die Armen der Region und für die Mission geendet hatte.
Die Besucher hatten das Kloster verlassen, "und uns versichert, daß alles in Ordnung war und daß ich dem Herrn dafür danken müsste, dass er mich von falschen Anschuldigungen befreit hatte", sagt Schwester Maria Giuliana.

Welche Vorwürfe? Wahrscheinlich jene, die einige Monate später wieder das Dekret der Kommissionierung rechtfertigen sollten: hauptsächlich Hörigmachen der Schwestern durch die Mutter und Verwendung bedeutender Geldsummen durch die Mutter- unabhängig und ohne Wissen der Schwestern. Alles Anschuldigungen, die die Schwestern zurückgewiesen und als falsch bezeichnet haben, auch in einem der vielen Briefe an Papst Franziskus, die alle unbeantwortet blieben.

Es erscheint ziemlich klar, daß es sich um Vorwände handelt, um das Experiment eines Clarissinnen-Klosters zu beenden, das sich ein bißchen von den anderen unterschied, einfach weil es der Regel der Hl. Clara treu bleiben wollte- mit strikter Klausur und einem intensiven Gebetsleben.
Etwas, das offensichtlich nicht mehr modern ist. Man versteht das aus einer Passage des vaticanischen Dekrets vom 5. Dezember 2017 in der die Entfernung von Sr. Maria Giuliana aus dem Kloster von Porto Viro bestätigt wird.

Als Beweis für das Hörigmachen und die an den Nonnen vorgenommene Konditionierung liest man, daß das Kloster voller Heiligenbilder ist. Eine Statue, die dort überall aufgestellt ist, ist die des Hl. Erzengels Michael "Verteidiger gegen den Feind und gegen alle möglichen Feinde"- nach der Erklärung der Nonnen."
Seltsam: sind wir jetzt schon an dem Punkt angekommen, daß der Vatican das Vorhandensein von Heiligenbildern in einem Kloster als Skandal betrachtet- und besonders die des Erzengels Michael , dessen Identität und Mission man offensichtlich nicht kennt,  wenn man die Erklärungen der Schwestern zitieren und die notwendige Distanzierung vornehmen muß.

Aber dann stellt sich heraus, daß die Geschichte viel weiter zurück geht und mit dem Wunsch zu tun hat, den Sinn und die Modalität des religiösen Lebens zu verzerren. Schwester Maria Giuliana trat 1982 zunächst das Kloster Montegrotto ein und musste fast sofort gegen Versuche ankämpfen, das Klosterleben zu modernisieren: "Wegen einiger Brüder kamen falsche Ideologien, transzendentale Meditation, die Freudsche Psychologie u.s. ins Kloster; und ich, im Wissen, daß das ernste Fehler waren, widersetzte mich ». So sehr, daß sie sehr  bald das Kloster wechseln musste und sich für das Kloster von Porto Viro entschied.
Nachdem sie Äbtissin geworden war, fand sie sich bald in der gleichen Schlacht wieder: als Teil einer Vereinigung von Klöstern stellte das von Porto Viro die einzige Form des Widerstands gegen die Verwässerung der Regel der Hl. Clara dar, die die Autonomie der Klöster  und das kontemplative Leben verteidigte.

Doch dann konnten Schwester Maria Giuliana und das Kloster von Porto Viro auf Gehör und Unterstützung durch die Glaubenskongregation zählen. Ihr Präfekt Kardinal Eduardo Martinez Somalo und ihr Untersekretär Pater Jesus Torres haben den Kampf des Klosters von Porto Viro wiederholt unterstützt- bis sie am Ende, im September 2000 die Loslösung des Klosters aus dem Verband Veneto-Emilia Romagna beschlossen.

Dies war jedoch nur der Beginn eines neuen Kapitels im Krieg gegen die "weiße Fliege" Porto Viro; und mit dem Klimawandel im Vatikan scheinen die Feinde von Schwester Maria Giuliana leichtes Spiel zu haben: tatsächlich haben sich  die Dutzende von Briefen, die an die neuen Leiter der Kongregation für Institute des geweihten Lebens, den Präfekten Kardinal Joao Braz de Aviz und den Sekretär Monsignore José Rodriguez Carballo mit der Bitte, sich gegen die Anklage verteidigen zu dürfen, als nutzlos erwiesen, kein einziger der  Bittbriefe- und Bitten um eine Begegnung an Papst wurde beantwortet. So waren Schwester Maria Giuliana und ihre Schwestern der Kommissarin und
dem Provinzial der Franziskaner ausgeliefert.

Die Kommissarin - sagt Schwester Maria Giuliana - hat mich beschuldigt, die Schwestern noch
vor ihrer Ankunft beeinflußt zu haben, aber das ist absurd; Tatsächlich hat sie mich 5 Monate lang in meiner Zelle isoliert und mir jegliche Kommunikation mit den Schwestern genommen.
Die anderen Nonnen bestätigen das belastende Klima das im Kloster herrschte und die schweren Beleidigungen gegen die Mutter Oberin, selbst von Seiten des Franziskanerpaters Favretto. Sie berichten auch von heftiger Drangsalierung und Beleidigungen gegen Sr. Maria Giuliana, wegen ihres Widerstandes gegen die Entscheidung, sie an einen anderen Ort zu versetzen.
"Sie haben mich für verrückt erklärt und meine Verlegung in die Casa Raffael in Genua vorbereitet" , ein Pflegeheim für Frauen, die an einer psychischen Erkrankung leiden oder sich in einer spirituellen Krise befinden.

Die Behauptungen von Sr. Maria Giuiliana werden de facto durch von Kardinal Braz de Aviz unterzeichnete  Dekret vom 25. Oktober bestätigt, in dem der Kommissarin die Vollmacht erteilt wird, diese "zeitlich unbegrenzte" Verlegung in diese Einrichtung einzuleiten.
Der Einspruch Sr. Maria Giulianas ließ sie Zeit gewinnen, hat aber ihre Feinde noch aggressiver gemacht; und wie bereits erwähnt- endete dieses Kapitel der Geschichte - mit der Bitte Sr, Marias um Aufhebung ihrer Klausur für mindestens ein Jahr, um meine Gesundheit wieder herzustellen und Frieden für meine Seele zu finden"; und mit der Antwort des Vaticans (vom 14. Februar 2018) - den religiösen Habit abzulegen und sich endgültig vom Kloster zu trennen.

In der Zwischenzeit haben 5 weitere Schwestern um die Exklausurierung gebeten: "Nicht weil wir auf den religiösen habit verzichten wollen- sagt uns eine von ihnen- sondern weil wir keinen anderen Ausweg haben: im Kloster hat sich das Leben geändert, es wurde nicht mehr gebetet, das spirituelle Leben wurde auf ein Minimum reduziert und wir wurden ständig kontrolliert; unsere Post wurde von der Kommissarin und der neuen Novizenmeisterin geöffnet, so daß wir keine Briefe schicken konnten, um die Situation zu erklären. Der einzige Ausweg war, um die Exklasurierung zhu bitten."

Nachdem sie diese Häuschen dank einiger Wohltäter und mit Hilfe einer vertreuten Mitarbeiteribn des Klosters, die ihnen bei allem hilft, gefunden haben, sind diese Schwestern umgezogen.
"Das Verlassen des Klosters war demütigend, ohne alles, ohne Geld, ohne Nahrung, ohne die Kleidung: es gibt ein Video (klickendas zeigt, wie sie eine Ambulanz besteigen und in diesem Häuschen ankommen- in Schlafröcken und in Decken gewickelt."
Ein weiteres Beispiel für die Kirche der Barmherzigkeit. 

Aber in den Worten und im Blick von Sr. Maria Giuliana ist kein Vorwurf gegen die, die ihr so viel Böses angetan haben: "Ich danke ihnen, weil ich verstanden habe, was Verfolgung ist. Weil ich Wahrheit und Gerechtigkeit will: das ist meine Berufung, ich bin eine Nonne und die Wahrheit über das Kloster von Porto Viro muß wiederhergestellt werden."

In der Zwischenzeit hat ein neues Kapitel begonnen:  heute sind vier bei der Kommissarin geblieben- während drei Schwestern in der Zwischenzeit gestorben sind. Aber keine Angst. Die Plätze werden bald aufgefüllt werden: die Clarissinnen von Porto Viro gehören zu den Unterzeichnerinnen der Briefes vom 13. Juli an den Präsidenten der Republik Matarella und an den Präsidenten des Rates, Conte, in dem sie um eine Politik des Willkommens gegenüber den Immigranten und die Öffnung der Häfen bitten und sich anbieten, die Immigranten in ihren Gebäuden unterzubringen. Die neue Kirche braucht kein kontemplatives Leben mehr, sie geht endlich zu Taten über. 

Quelle: La Nuova Bussola Quotidiana, A. Gagliarducci 

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