Montag, 27. Januar 2020

Die Kurienreform : Papst Franziskus scheut die intellektuelle Diskussion

In seiner wöchentlichen Kolumne in Monday in the Vatican kommentiert A. Gagliarducci die Kurienreform und den derzeitigen Stand der Dinge in Vatican und Kurie.
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"PAPST FRANZISKUS - UND DAS THEMA DER OFFENEN PROZESSE" 

Die Ernennung von Erzbischof Cyril Vasil zum Apostolischen Administrator mit vollen Befugnissen für die Eparchie Kosice in der Slowakei ist Teil der Vatican-Reform durch Papst Franziskus. Erzbischof Vasil, ein Slowake, war 10 Jahre lang Sekretär der Kongregation für die Ostkirchen. Laut dem Entwurf für die Kurienreform , der zirkuliert aber bisher weder approbiert noch veröffentlicht wurde, werden die Ämter in der Kurie für einen Zeitraum von 5 Jahren vergeben, der einmla verlängert werden kann. Vasil bereitete sich am Ende auf ein Amt außerhalb des Vaticans vor.

Sogar die kürzliche Ernennung von Francesca Di Giovanni zur Untersekretärin des Vatican-Sekretariates für multilaterale Beziehungen nimmt die Kurienreform vorweg. Der Entwurf der Konstitution "Praedicate Evangelium"  sieht einen zweiten vaticanischen Vizesekretär für Internationale Angelegenheiten - an der Seite des Untersekretärs für die zwischenstaatlichen Beziehungen vor, mit speziellem Fokus auf multilaterale Angelegenheiten. Diese Stellung iat am Ende eingerichtet worden, bevor die Apostolische Konstitution promulgiert wurde,. 

Diese beiden jüngsten Ernennungen sind Teil eines wohl durchdachten Trends im Pontifikat von Papst Franziskus. Nachdem er gewählt wurde, stellte Papst Franziskus teure externe Berater an, erwog Vorschläge, richtete Kommissionen für Kommunikation, Finanzen, und die IOR an und einen Rat der Kardinäle, die ihm beim Entwurf der Kurienreform und bei der Regieren der Kirche helfen sollten.

Mit den Worten von Papst Franziskus waren das offene Prozesse. Aber was wird aus diesen Prozessen werden- angesichts der Aktionen von Papst Franziskus, des Endes der Prozesse und wann er entscheidet. Und Papst Franziskus entscheidet unabhängig von jeder Beratung, ohne auch nur ein konstitutionelles Dokument zu entwerfen. Die Dokumente kommen -entsprechend dem Denken von Papst Franziskus - anschließend. 

Nach sieben Jahren des Pontifikates scheint Papst Franziskus´ Modus operandi klar zu sein und enthüllt seine Art zu denken. Für Papst Franziskus macht der Führer die Institution, sie/er dient nicht der Institution. Das ist eine typisch lateinamerikanische Denkweise. 

Seit dem großen kontinentalen Projekt von Simon Bolivar haben die Staaten Lateinamerikas hauptsächlich charismatische Führer erlebt, Die lateinamerikanischen Institutionen sind eher jung, sie haben nicht die historische Bedeutung der Europäischen Institutionen.




Der Lateinamerikanische Standpunkt unterscheidet sich vom europäischen, wo die Institutionen die Monarchen überlebten. Der Monarch wird als Diener der Institution angesehen, während charismatische Führer als verdächtig betrachtet und nur manchmal akzeptiert aber nicht geschätzt werden. 

Man kann Papst Franziskus nicht verstehen ohne diesen lateinamerikanischen Blickpunkt zu bedenken. Und man kann Papst Franziskus nur durch die Lesart des vom Philosophen Methol Ferres propagierten "Kontinentalismus" verstehen. Ferré schaute auf ein vereintes und schließlich starkes Lateinamerika, das endlich in der Lage ist, eine "Quelle der Theologie" zu werden. anstatt Theologie von anderen zu empfangen. Lateinamerika muß die Welt führen und der Welt sein Modell anbieten können. 

Als die Kardinäle Papst Franziskus mit dem Mandat zu Reformen gewählt haben, haben sie vielleicht den Hintergrund von Papst Franziskus unterschätzt. Die Diskussionen in den Treffen des Präkonklaves befaßten sich hauptsächlich damit, die Maschine am Laufen zu halten und nicht mit den großen Themen der Kirche. 

Die Kirche, die Papst Franziskus geerbt hat, war eine Kirche, die Glaubwürdigkeit zurückgewann. Nach den Jahren, die durch die Diskussion, die dem II, Vaticanischen Konzil folgten zerrissen waren, gewann der Hl. Stuhl wieder internationales Ansehen.
Die Interventionen des Heiligen Stuhls auf internationaler Ebene wurden mit Spannung erwartet. Die Worte Benedikts XVI wurden diskutiert und manchmal abgelehnt, was zeigte, daß Benedikt XVI die heißen Themen der modernen Welt verstand. Trotz dieses Widerspruchs der Welt wurden die Gedanken Benedikts XVI über Weihnachten von der Financial Times veröffentlicht, und weltliche Verlage veröffentlichten seine Bücher über Jesus von Nazareth. In der Diskussion ging es darum, die Worte des Papstes außerhalb des Vatikans zu projizieren oder sie innerhalb des Vatikans zu schätzen, um die Kirche in der Welt wiederzubeleben.

Aus struktureller Sicht hatte der Heilige Stuhl hart daran gearbeitet, sich aus seinen verstrickten Beziehungen zum italienischen Nachbarn zu befreien. Die ersten Vatileaks waren letztendlich eine Art Rache, eine Warnung an den Heiligen Stuhl aus der traditionell italienisch-vatikanischen Umgebung.
Die Bemühungen, dem Heiligen Stuhl eine neue Würde zu verleihen, begannen unter Paul VI 
setzten sich unter Johannes Paul II fort und wurden von Benedikt XVI vervollkommnet. Es war ein theologisches und kulturelles Projekt, das der Kirche eine solide Grundlage bieten sollte, um der Welt Vorschläge unterbreiten  und den Standpunkt der Kirche erörtern zu können.

Benedikt XVI hat dieses kulturelle Erbe hinterlassen, das in den  Sitzungen des Praekonklaves kein Thema war.. Die Diskussionen drehten sich hauptsächlich um die Reform der Kurie mit der klaren Absicht, das Staatssekretariat abzubauen. Persönliche Interessen  spielten dabei eine Rolle. Die von Papst Franziskus vorgeschlagene Idee einer Missionskirche hatte die Kardinäle überzeugt, weil sie am Ende eine Änderung des Narrativs versprach (die stattfand), eine weltoffene Kirche und eine Reform versprach, die den Erwartungen entsprach. Und die Erwartungen waren die Institution abzubauen. Es ging nicht darum, das zu verbessern, was bereits in Aktion war. Es ging darum, bei Null anzufangen, als hätten Benedikt XVI und Johannes Paul II nie existiert.
Viele der heute diskutierten Reformen waren schon während der Kurienreform-Debatte in den 70-ern diskutiert worden. Johannes Paul II beendete die Diskussion durch die Konstitution Pastor Bonus , Papst Franziskus hat sie zurückgebracht.
Papst Franziskus flieht jedoch von der intellektuellen Debatte. Er trifft nur gezielte Entscheidungen, vor der Reform und vorbei an den Institutionen. Es gibt kein Projelt- oder wenn es eines gibt, ist es nicht erkennbar, So ist alles in der Schwebe und die päpstlichen Entscheidungen sind unvorhersehbar. 
In diesem Jahr wird es viele Wechsel der Amtsinhaber in der Kurie geben und Papst Franziskus wird seine kleine pragmatische Revolution im Vatikan beenden. Sein Vermächtnis wird es sein, viele Prozesse offen zu lassen und nur wenige kultur-theologische Diskussionen zu eröffnen. Dies wird der Ausgangspunkt für die Erneuerung einer Kirche sein, die eher auf Ideen als auf Führern und auf pragmatischen  Reaktionen auf praktische Situationen basiert."

Quelle: A. Gagliarducci, Monday in the Vatican

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