Dienstag, 20. Oktober 2020

Fr. Hunwicke spricht...

 -bzw. hat gestern bei liturgicalnotes über eine uns wohl unbekannte Heilige gesprochen, eine von drei Stadtheiligen von Oxford.  Hier geht´s zum Original - klicken: 

                    "HL. FRIDESWIDE"

"Am Sonntag hatte Fr. Hunwicke in einem sehr Oxford-zentrischen Beitrag die Stadtheiligen Hl.  Margaret, Hl. Catherine und Hl. Frideswide erwähnt. Frideswinde, deren Gedenktag am gestrigen Montag war, hat sich unter anderem dadurch ausgezeichnet, daß sie ein Gelübde dauernder Jungfrauschaft abgelegt hatte und, als ihr ein hartnäckiger Freier zu sehr zusetzte, in einen Wald floh und sich dort unter den Schweinen versteckte. Ihr Verfolger aber wurde auf ihr Gebet hin mit Blindheit geschlagen und mußte die Suche abbrechen. Am Tag des Festes selbst erzählt er die Geschichte zu Ende, nicht ohne – wie meistens – ein paar bedenkenswerte Anmerkungen einzustreuen. Und nun zum Original vom Montag:

"Und so versteckte sich die Hl. Frideswide also unter ihren Schweinen und betete zu der Hl. Margarete und der Hl. Catherine. Und diese ließen eine Quelle aufbrechen, mit dessen Wasser sie ihren ehemaligen Verfolger von seiner Blindheit heilte – ich wette, er war danach vorsichtiger und hielt seine Augen besser im Zaum. Bei Binsey ist dort heute noch ein heiliger Brunnen zu sehen, den ein dem Katholizismus zuneigender anglikanischer Vikar im 19. Jh. restaurieren ließ.

Ich weiß nicht, was Sie von diesen heiligen Frauen halten – einige sind wohl ziemlich legendenhaft – die überall in den Analecta Bollandiana vorkommen und deren Heiligkeit zumindest teilweise in der entschlossenen und heldenhaften Verteidigung ihrer Jungfräulichkeit zu liegen scheint. Es ist leicht, das als schwarz-weiß-malerisch oder gar paranoid zu bezeichnen, sich über eine unnötige Abwertung des heiligen Ehestandes zu beklagen und auch noch einige freudianisch beeinflußte Spekulationen anzuschließen. Durchaus möglich, daß einiges davon in früheren Generationen durchaus berechtigt war.

Aber in unserer Kultur muß man da gewiss anders herangehen. Unser Zeitgeist hat seine eigene neuartige Wahnvorstellung: Daß jeder seine Sexualität, von der sie entweder sagen "Gott hat mich so geschaffen“ oder "das ist meine freie Wahl“ auch genital ausdrückt. Was uns diese Gewappneten Jungfrauen – die legendären ebenso wie die historisch realen – nachdrücklich ins Bewußtsein rufen, ist die Tatsache, daß es weder ein Zwang noch unvermeidlich ist, sich sexuell zu betätigen. Unsere christliche Verehrung der Jungfrauschaft lehrt uns, daß es – wenn man es denn will, oder besser gesagt, dazu berufen ist, ein Mann oder eine Frau zu sein, der oder die sich nicht unwiderruflich dazu gebunden hat, im Dienst der Fruchtbarkeit Tisch und Bett mit einem anderen Menschen zu teilen, daß es dann eine ganz einfache Konsequenz gibt: man opfert Gott ein sexuell enthaltsames Leben auf. Dazu berufen zu sein ist eher ein Privileg als ein Unglück.


Unsere Umwelt wird von der Vorstellung beherrscht, daß wir heute, da die technischen Mittel verfügbar sind, Sexualität sowohl von der Fruchtbarkeit als auch von Pflichten abgelöst zu praktizieren, alle berechtigt sind, bindungslos, unfruchtbar und promisk zu leben. Dieser groteske Unsinn ist inzwischen sogar feierlich in den Gesetzen unseres und vieler anderer Länder verankert. Das ist eines der besonders geschickt eingefädelten Täuschungsmanöver des Bösen. Denn es wird täglich deutlicher sichtbar, daß auch die Ehe nur in einem kulturellen Umfeld gedeihen kann, das Jungfräulichkeit und zölibatäres Leben hochschätzt – selbst wenn uns das paradox erscheinen mag.

Während der Bischofssynode des Jahres 2014 wurde angeregt, die modernen innerkirchlichen Debatten über Gender und Sexualität als Gegenstück zu den Auseinandersetzungen über die Christologie in den ersten christlichen Jahrhunderten zu begreifen. Da könnte etwas dran sein. Und wenn es wahr ist, könnte das bedeuten, daß wir uns auf mehrere Jahrhunderte des gegenwärtigen Durcheinanders einstellen müssen.

Gemeinden, die nach er liturgischen Ordnung aus der Vor-Pacelli-Zeit leben und das Fest der Hl. Frideswide mit einer privilegierten Oktav begehen, haben noch sieben weitere Tag Zeit, darüber nachzudenken."

Quelle: Fr. J.Hunwicke, liturgicalnotes

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