Sonntag, 4. Oktober 2020

Neues vom Malteser Orden nach dem Rücktritt von Kardinal Becciu

Elise Ann Allen berichtet für Crux über den derzeitigen Stand der Dinge beim Malteser O<rden und veröffentlicht ein Interview mit dem umstrittenen Großkanzler Albrecht von Boeselager.
Hier geht´s zum Original:  klicken

"DER MALTESER ORDEN BEFINDET SICH NACH DEM RAUSSCHMISS BECCIUS IN DER SCHWEBE" 

Albrecht von Boselager, Großkanzler des Malteser Ordens hat gesagt, daß der plötzliche Abgang von Kardinal Angelo Becciu, der mit der Aufsicht über die inneren Reformen bei den Rittern beauftragt war, die Fertigsstellung ihrer neuen Konstitution unterbrochen hat, und die Frage offen läßt, wie und wann man diesen Prozess beenden kann.

Beccius Rücktritt wegen angeblicher Unterschlagung "kam völlig überraschend" sagte Boeselager in einem Interview mit Crux. 

"Alle wußten, daß irgendetwas passiert- noch unbeendet- aber was wir bis dahin gehört hatten, war, daß die Beziehung zwischen dem Hl. Vater und Kardinal BEcciu intakt war und daß wenn etwas passieren würde,haben wir nicht mit einer so massiven Entscheidung gerechnet." sagte er. 

Nach Beccius Rücktritt "sind die Dinge wieder offen" sagte von Boeselager und erklärte, daß Teile der Konstitution und des Kodex die Zustimmung des Hl. Stuhls benötigen und dafür zu sorgen, war die Aufgabe des Delegierten."  

Wir sind vom Hl. Stuhl nicht darüber unterrichtet worden, welche Stellung Kardinal Becciu uns gegenüber haben wird" sagte er, "bis wir das offiziell wissen, können wir nichts sagen." 

Von Boeselager stand Ende 2016 im Zentrum eines größeren internen Konfliktes im Orden, der zu einem wochenlangen hin und herwogenden Machtkampf mit dem Vatican führte, nachdem er entlassen und dann von Papst Franziskus persönlich wieder eingesetzt worden war. 

Franziskus leitete dann eine Untersuchung der Entlassung von Boeselagers ein und als der frühere Großmeister des Ordens, Fra´ Matthew Festing sich weigerte, zu kooperieren, forderte er Festing auf, zurückzutreten und befahl der Gruppe, eine tiefgreifende interne Reform durchzuführen, die Verfassungen zu ändern und sich darauf zu konzentrieren, wie neue, jüngere Mitglieder gewonnen werden könnten. Er ernannte Becciu - der zu dieser Zeit als Subtitut im Staatssekretariat diente, was im Wesentlichen die Rolle des Stabschefs des Papstes bedeutet,- zu seinem Sonderdelegierten, der die Reform überwachen sollte. 

Am 24. September kündigte der Vatican den Rücktritt Kardinal Beccius von seinem Amt als Präfekt der Heiligsprechungskongregation  und den Verzicht auf seine Rechte als Kardinal an. Auch wenn für seinen Abgang keine Gründe angegeben wurden, hielt Becciu am nächsten Tag eine Pressekonferenz und sagte, er sei der Unterschlagung berschuldigt worden. 

Der Malteser Orden bereitet sich darauf vor, im November einen Staatsrat abzuhalten. um nach dem Tod ihres Großmeisters  Fra´Giacomo Della Torre im April einen neuen Großmeister zu wählen.


Laut von Boeslager, wird der Orden entweder einen neuen Großmeister oder einen Leutnant ad interim wählen, der ein Jahr lang den Orden leiten kann, während die Ritter die Reform zuende führen. 

Das Tempo, in dem diese Reform durchgeführt werden kann. hängt davon ab, was mit dem Delegierten passiert. Bis das geklärt ist, ist das Gnaze hauptsächlich ein Wartespiel. 

Lesen Sie jetzt Auszüge aus dem Crux-Interview mit Albrecht von Boeselager. 

                                                                   *   *   *   *   *

Crux: Sie werden im nächsten Monat einen vollständigen Staatsrat abhalten. Was erwarten Sie an diesem Punkt von einem neuen Anführer? 

Boeselager:  Nun, die erste Frage, die der Staatsrat - das ist der Name des Wahlgremiums- stellen muß , ist, ob er einen Großmeister oder einen Leutnant wählt. Die Verfassung sieht die Wahl eines Leutnants für bis zu einem Jahr vor. Der Grund für diese Überlegung ist, daß wir hoffen, die Reform innerhalb dieser Amtszeit abzuschließen und einen Großmeister gemäß der neuen Satzung zu wählen.

Ihre Reform steht also kurz vor der Vollendung?

Das hoffen wir. Aber jetzt -nachdem was mit Kardinal Becciu passiert ist, -sind die Dinge wieder offen. Wir sind bisher vom Hl. Vater nicht unterrichtet worden.Teile der Konstitution und des Kodex benötigen die Zuatimmung des Hl. Stuhls und dafür zu sorgen, war die Aufgabe des Delegierten. Der Hl.Stuhl hat uns nicht mitgeteilt, welche Position Becciu bei uns haben wird...bis wir das offiziell wissen, können wir nichts sagen. Wenn wir einen neuen Delegierten bekommen, oder- es ist auch offen, ob der Papst einen neuen Delegierten oder einen neuen Kardinal-Patron ernennt- beides ist möglich- hängt davon ab, wie gut diese Person den Orden schon kennt. Wann wird er die Arbeit übernehmen können, die Kardinal Becciu bereits erledigt hat -oder wird er mit anderen Leuten von vorn beginnen? Das ist, was für uns unsicher ist.

War sein Rücktritt - der offensichtlich mit den Unterschlagungsvorwürfen zusammenhängt- für Sie eine Überraschung? 

Das kam völlig überraschend. Jeder wußte, das irgendetwas vor sich ging, noch in der Schwebe- aber was wir bis dahin gehört hatten, war daß das Verhältnis zwischen dem Hl. Vater und Kardinal Becciu intakt war und selbst, wenn etwas passieren würde, haben wir keine derartig starke Entscheidung erwartet.

Gibt es außer der Überwachung der vorgeschlagenen Reform der Konstitution noch andere Gebiete Ihrer Reform und Ihres Managements, die von seinem Abgang betroffen sind? 

Für die innere Leitung und Führung des Ordens denke ich nicht., das passiert wie immer. Kardinal Becciu war nicht Teil der Ordensleitung, er war die Verbindung zum Hl. Vater und damit beauftragt, soweit der Hl.Stuhl betroffen war- diese Reform voranzubringen.

Zu unseren Entwürfen hatten wir bisher noch nicht viel feedback ...sie lagen in Händen von Kardinal Becciu und er hat sich mit Spezialisten für Kanonisches Recht umgeben. Wir wissen, daß das ein laufender Prozess war, aber wir hatten bisher noch kein feedback. [Becciu] hat oft die Absicht des Hl. Vaters die Erste Klasse des Ordens zu reformieren, d.h. die Gruppe mit Profess und die Spiritualität zu vertiefen. Die Spiritualität zu vertiefen, ist eine fortwährende Aufgabe, die nie endet. Vielleicht passiert das wellenweise, aber man muß fortwährend daran arbeiten. Und die Reform der Ersten Klasse erfordert Veränderungen in der Ordenskonstitution, ebenso neue Überlegungen zur Formung usw. 

Eines der Dinge, die der Papst für die Reform speziell gefordert hat. war die Notwendigkeit, mehr junge Menschen anzuziehen. Waren Sie in der Lage. das zu tun? Haben Sie einen aufpolierten Plan für Berufungen, oder gibt es eine Strategie, die Sie entwickelt haben? 

Ich glaube, daß der Orden in seiner Geschichte noch nie so viele junge Leute um sich versammelt hat. Die jungen Freiwilligen in Deutschland waren in den vergangenen Jahren-  heute kann ich das nicht mit Sicherheit sagen- aber die einzige anwachsende Katholische Jugendorganisation in Deutschland. Die jungen Leute gehen sogar jetzt in den Libanon, um mit Behinderten zu arbeiten. Wir haben einige Programme. Sie gehen und arbeiten einen halben Tag mit behinderten Menschen und einen halben Tag gehen sie auf die Jesuiten-Universität. Alle diese Projekte, wie die Ferienlager mit den Behinderten expandieren. Das ist eine der am schnellsten wachsende Aktivitäten des Ordens, die Attraktivität des Ordens für junge Leute ist also sehr groß.

Was wir tun müssen, ist das Rahmenwerk für zukünftige Ritter mit Profess neu zu organisieren und neu einzurichten, damit wir den jungen Menschen, die sich zu dieser Berufung angezogen fühlen, etwas präsentieren können. Berufungen kommen vom Himmel, wir können die Leute nicht bitten, aber wir müssen den Boden bereiten, das ist unsere Aufgabe. Man weiß nie. aber ich bin zuversichtlich,.weil diese jungen Menschen bei dem, was sie tun, so engagiert sind, wie Sie es sich nicht vorstellen können. Manchmal ist es für uns beschämend, sie zu sehen! 

Was würden Sie sagen, sind jetzt die Hauptprioritäten für die Reform und Ihre Arbeit? 

Da sind drei Worte, würde ich sagen Die Reform, unsere Aktivitäten und unsere Präsenz in der multilteralten Szene. Über die Reformen haben wir gesprochen; die Reform der Ritter Erster Klasse, Reform der Gruppen- und Leitungsstrukturen, die territoriale Struktur- Das ist sehr technisch, aber dort müssen die Dinge getan werden. 

Was die Aktivitäten betrifft, muß ich sagen, daß ich sehr stolz bin, wenn ich sehe wie unsere Leute auf die Herausforderungen der Corona-Krise geantwortet haben. Die Vorstellung aus der neue Aktivitäten entstanden sind, das Engagement, Aktivitäten fortzuführen, sie umzusetzen, war unglaublich, wirklich unglaublich.  In Mailand waren sie- jedenfalls für eine bestimmte Zeit denke ich- die einzigen, die ihre Projekte mit den Obdachlosen fortgeführt haben. Sie sind die ganze Zeit über hinausgegangen, weil wir unsere Suppenküchen schließen mußten, aber sie haben das Essen an bestimmte Orte gebracht und verteilt, sie haben hot-lines für die Alten eingerichtet, Einkaufsdienste, so daß die Alten nicht aus dem Haus gehen mußten.

Hier haben wir für eine zentrale Ebene ein Schema entwickelt, das wir "Ärzte an Ärzte" nennen, also haben wir Video-Konferenzen für erfahrene Ärzte für Gespräche mit Ärzten aus dem Mittleren Osten organisiert. Das tun wir jetzt auch von den USA zu Lateinamerika, so daß die Ärzte in jenen Ländern von erfahrenen Ärzten. die wir hier hatten, lernen konnten. Das ist weniger ein wissenschaftliches Forum als ein Forum für praktische Ratschläge, wie man mit der Herausforderung umgeht. Das haben wir auf einer nidrigen Ebene begonnen und es ist zu einer großen Aktivität geworden.

Kehren wir zu Ihrem ersten Punkt zurück, Sie erwähnten die Reform der Ersten Klasse. Was ist die Vision für diese Reform? Gibt es eine Vision dafür oder ist das vor allem eine technische Veränderungen ?

Nach dem Verlust Maltas an die Säkularisierung der Besitztümer des Ordens im frühen 19. Jahrhundert, war der Orden nicht mehr in der Lage, die Ritter mit Profess weiterhin zu unterhalten, also wurden sie allein gelassen und es gab keine Gemeinschaft mehr, so daß sie für sich bleiben mußten. Die Revitalisierung des Ordens begann später in Deutschland und Italien, später in Frankreich, aber nicht so, daß der Orden die Profess-Ritter wieder hätte unterhalten können. Ich würde sagen, daß die Entwicklung erst nach dem 2. Weltkrieg begann, Geschwindigkeit anzunehmen und zu wachsen. Jetzt wäre es wieder möglich, zu sagen, daß die Ritter mit Profess ihr Leben wirklich der Arbeit des Ordens widmen können und daß der Orden in der Lage sein wird, sie zu unterstützen. 

Und wieder eine Art Gemeinschaftsleben zu haben?

Das wird noch diskutiert. Der Gedanke ist, ein Gemeinschaftsnoviziat zu haben, in dem sie zusammen leben. Der Gedanke ist auch, Orte zu haben, an denen sie zu zweit oder zu dritt leben können, aber das hängt davon ab. wieviele wir haben werden. Das berührt auch das Armutsgelübde und weil der Orden wieder für ihren Lebensunterhalt sorgen kann, brauchen sie nicht mehr ein eigenes Einkommen oder Eigentum, um ihr Leben abzusichern. 

Eine letzte Frage. Ich bin neugierig zu erfahren, wieviele Kontakte die Ordensleitung mit dem Papst hat und wie nahe er Ihre Reformen verfolgt...

Wir haben einen institutionellen Kontakt, der aus einer jährlichen institutionellen Audienz um das Fest des Hl. Johannes herum besteht. Dann treffen der Großmeister, oder der Leutnant, oder wer auch immer den Orden leitet, den Hl. Vater bei verschiedenen Gelegenheiten. Dann ist der Austausch einiger Worte manchmal sehr wichtig. Im Übrigen sehen manche von uns den Papst bei Ereignissen im Vatican, bei den Räten, in denen wir Mitglied sind. Die übrigen Kontakte mit dem Hl.Vater gehen entweder über den Delegierten, den Kardinal-Patron oder den Staatssekretär, das sind die Verbindungen. 

Haben Sie irgendwiene Vorstellung davon,  wo Sie alle in diesem Reformprozess stehen?

Das kann ich Ihnen nicht im Detail sagen, das hängt davo ab, wie detailliert Kardinal Becciu ihn informiert hat."

Quelle: E.A. Allen, Crux





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